v51.0.0(akte-22): doping-uvalkanat-handballerin-cas-lausanne

Testakte fuer 'fachanwalt-sportrecht'.

Plot: Selin Uvalkanat (26, deutsche Handball-Nationalspielerin, Links-
aussen BSV Sachsen Zwickau). Positive A- und B-Probe Trainingskontrolle
auf Meldonium (S4 WADA-Liste); 4-Jahres-Sperre NADC 10.2 droht; mutmass-
liche Kontamination durch Nahrungsergaenzung PowerNutrition GmbH
Memmingen (Charge 22-4188). DIS-Sportschiedsgericht DSGSp 12/26,
Berufung CAS Lausanne 2026/A/8821. Fristlose Kuendigung ArbG Chemnitz
4 Ca 88/26. Persoenlichkeitsverletzung BILD LG Berlin 27 O 411/26.
Adidas-Sponsoring-Suspendierung mit AGB-Kontrolle Paragraf 307 BGB und
ICC Zuerich 28-2026. DHB-Bundeskaderausschluss, EHF/IHF-Wechselsperre
(Mutu/Pechstein-Linie). Strafanzeige PowerNutrition Paragraf 223 StGB.
RA Prof. Dr. Markus Lentze Stuttgart.

Inhalt: 22 nummerierte MD-Aktenstuecke + 3 DOCX (DIS-Stellungnahme,
CAS Statement of Appeal, Kuendigungsschutzklage), 2 XLSX (Kontroll-
termine, Sponsorenvertrag-Cashflow), 5 EML, 2 PDF (NADA-Pruefbericht
redacted, CAS-Vorladung), 3 JPG (Spielerin, Supplement-Charge, CAS
Lausanne). Gesamt-PDF 653 KB, 37 Quelldateien.
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# Fachanwalt Sportrecht
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## Demonstrations-Akten
Folgende anonymisierte Akte demonstriert dieses Plugin im laufenden Mandatsbetrieb. Das Gesamt-PDF ist sofort im Browser lesbar. Das Akten-ZIP enthaelt saemtliche Originaldateien (Markdown-Aktenstuecke, Tabellen, E-Mails, PDFs, DOCX, XLSX, Bildanlagen) im Originalordnerlayout.
| Akte | Lesen | Herunterladen |
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| **Doping-Verfahren Selin Uvalkanat — Meldonium-Befund, CAS Lausanne, Arbeitsrecht** (`doping-uvalkanat-handballerin-cas-lausanne`) | [Gesamt-PDF lesen](../testakten/doping-uvalkanat-handballerin-cas-lausanne/gesamt-pdf/doping-uvalkanat-handballerin-cas-lausanne_gesamt.pdf) | [Akten-ZIP herunterladen](https://github.com/Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/releases/latest/download/testakte-doping-uvalkanat-handballerin-cas-lausanne.zip) |
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Plugin Fachanwalt für Sportrecht. Orientierung Verbandsrecht der Sportverbände DFB FIFA UEFA IOC DOSB CAS Schiedsverfahren Spielerverträge Doping WADA-Code NADA Sponsoring Persönlichkeitsrechte Sportler Veranstalterhaftung.
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# 01 — Kanzleinotiz: Erstgespräch Selin Uvalkanat, 07.03.2026
**Kanzlei:** Lentze, Stopper & Partner, Rechtsanwälte und Fachanwälte, Kronenstraße 55, 70174 Stuttgart
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze (federführend), RAin Sophie Wenderlich (Assoziation)
**Datum:** Samstag, 07.03.2026, 10:0013:30 Uhr
**Ort:** Kanzleibüro Stuttgart, Besprechungsraum 2
**Anwesend:** Selin Uvalkanat (Mandantin), Ceyda Uvalkanat (Mutter, Dolmetscherin Türkisch/Deutsch), Prof. Dr. Lentze, RAin Wenderlich
**AZ intern:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. Sachverhaltsaufnahme
Die Mandantin erschien sichtlich unter Stress. Sie berichtete Folgendes:
Am **18.02.2026** fand in der BSV-Sporthalle Zwickau gegen 09:30 Uhr eine unangekündigte NADA-Trainingskontrolle statt. Probe-Entnahme durch DCO (Dopingkontrolleur) Herrn Andreas Schubert (NADA-Akkreditierungsnummer DC-2204). Mandantin hat die Probenahme-Dokumentation unterzeichnet, ohne Beanstandungen; beide Flaschen (A- und B-Probe) wurden ordnungsgemäß versiegelt. Urinprobe, kein Blut.
Am **26.02.2026** erhielt sie telefonisch von DHB-Generalsekretär Thomas Bergmann die erste Information, dass die A-Probe einen positiven Befund auf **Meldonium** ergeben habe. WADA-akkreditiertes Labor: Institut für Biochemie, Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS). Quantitativer Befund: **0,54 µg/mL** (der WADA-Schwellenwert für Meldonium liegt seit 01.01.2023 bei **0,50 µg/mL** im Urin).
Am **04.03.2026** bestätigte die B-Probe denselben Befund. Mandantin hatte die B-Proben-Öffnung durch RA Jürgen Speier (Stuttgart) beobachten lassen — dieser konnte keine Unregelmäßigkeiten bei der Versiegelung feststellen.
Auf Befragen erklärt die Mandantin, sie habe zu keinem Zeitpunkt willentlich Meldonium konsumiert. Sie verwendet seit Oktober 2024 das Nahrungsergänzungsmittel **RecoveryMax Pro** der Firma PowerNutrition GmbH, Memmingen, Charge **22-4188**, MHD: 31.08.2026, täglich 2 Kapseln morgens. Das Präparat wurde ihr von ihrer Vereinstrainerin Frau Barbara Ehrfeld empfohlen. Mandantin besitzt noch 14 verbleibende Kapseln aus der aktuellen Packung.
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## 2. Persönliche Situation
Selin Uvalkanat, geboren 14.07.1999 in Zwickau; deutsche und türkische Staatsbürgerschaft. Vater: Mehmet Uvalkanat (türk. Staatsbürger, Maschinenbautechniker, Zwickau); Mutter: Ceyda Uvalkanat, geb. Kaya (Deutsche, Lehrerin). Wohnhaft: Karl-Marx-Straße 47, 08056 Zwickau.
Sportliche Laufbahn: Volleyball-Jugend, Handball ab U13; BSV Sachsen Zwickau U17, U19, Frauen-Bundesliga seit 2019/2020. Nationalmannschaft (DHB) seit 2022, 38 Länderspiele. Bruttomonatsgehalt lt. Arbeitsvertrag: 6.200 EUR. Laufzeit des Arbeitsvertrages: bis 30.06.2028. Keine weiteren Beschäftigungsverhältnisse.
Adidas AG (Herzogenaurach) — Individualsponsor-Vertrag seit 01.01.2025, Vertragslaufzeit 3 Jahre, Jahresvergütung 40.000 EUR netto, Provisionsvorschuss für 2026 in Höhe von 80.000 EUR bereits ausgezahlt.
Mandantin ist psychisch stark belastet; Unterstützung durch Sportpsychologin Dr. Miriam Böhm (Zwickau) läuft bereits seit 01.03.2026.
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## 3. Erster Rechtlicher Befund
### 3.1 Anti-Doping-Recht
Meldonium steht seit 01.01.2016 auf der WADA-Verbotsliste, Kategorie S4 (Hormone und Stoffwechselmodulatoren). Der Befund begründet einen **Verstoß gegen Art. 2.1 NADC 2021** (presence of a prohibited substance). Bei nachgewiesener Absicht droht eine **4-Jahres-Sperre** nach Art. 10.2.1 NADC. Ohne nachgewiesene Absicht — wenn die Mandantin die Quelle der Substanz glaubhaft darlegen und sich von Verschulden befreien kann — ist eine **2-Jahres-Sperre** nach Art. 10.2.2 NADC das Ausgangsszenario. Eine vollständige Befreiung nach Art. 10.5 NADC (kein Verschulden oder keine erhebliche Schuld) ist bei erfolgreicher Kontaminationsthese möglich.
### 3.2 Kontaminationsthese
Prioritär ist die Sicherstellung und forensische Analyse der Supplement-Charge. Die 14 verbliebenen Kapseln sind unverzüglich sicherzustellen und an ein unabhängiges, WADA-akkreditiertes Labor einzusenden. Zudem ist bei PowerNutrition GmbH Einsicht in Herstellungsprotokolle und Chargenanalysen zu beantragen.
### 3.3 Arbeitsrecht
BSV Sachsen Zwickau hat noch nicht gekündigt (Stand 07.03.2026), aber der Vereinsvorsitzende hat laut Mandantin telefonisch „eine Entscheidung bis Montag" (09.03.2026) angekündigt. Eine fristlose Kündigung nach § 626 BGB ist rechtlich problematisch, solange das Disziplinarverfahren nicht abgeschlossen und keine rechtskräftige Sperre ausgesprochen ist.
### 3.4 Medien
Erste Presseberichte noch nicht aufgetreten; Vorbeugung durch Pressemitteilung der Kanzlei bis Ende der Woche geplant.
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## 4. Maßnahmen (sofort)
1. **Supplement sicherstellen:** Mandantin übergibt die verbliebenen Kapseln noch heute an RAin Wenderlich; Einlagerung unter kontrollierten Bedingungen bis Absendung an Labor.
2. **Einsicht Analyseprotokoll NADA:** Antrag auf vollständige Akteneinsicht nach Art. 14.1.2 NADC an NADA Bonn (formlos per Fax, 14.03.2026).
3. **B-Proben-Gutachten:** Prof. Dr. Stefan Kempa (Toxikologie, Uni Mainz) wird als Parteisachverständiger angefragt.
4. **Mandat Vollmacht:** Mandantin unterzeichnet Vollmacht für Lentze, Stopper & Partner zur Vertretung in allen sportrechtlichen, arbeitsrechtlichen und medienrechtlichen Angelegenheiten.
5. **Schweigepflicht Mandantin:** Keine Interviews, keine Social-Media-Posts bis auf Weiteres.
6. **Kontakt DHB:** Prof. Dr. Lentze nimmt noch heute Kontakt zu DHB-Justiziarin Dr. Petra Siebenborn auf.
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## 5. Kostenhinweis
Vereinbarung eines Stundensatzes von 380 EUR (Prof. Dr. Lentze) und 220 EUR (RAin Wenderlich), zzgl. USt. Vorschussrechnung über 15.000 EUR netto wird bis 10.03.2026 gestellt. Mandantin hat zugestimmt. Rechtschutzversicherung (ARAG, Police-Nr. 44-778-291-6) deckt sportrechtliche Verfahren nach Rücksprache mit ARAG-Leistungsabteilung möglicherweise nicht ab — Klärung läuft.
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## 6. Unterschriften / Vollmacht
Vollmacht unterzeichnet am 07.03.2026 um 13:15 Uhr in Stuttgart.
Lentze, Stopper & Partner, Notiz erstellt: RAin Sophie Wenderlich, 07.03.2026.
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*Quellen und Normen: NADC 2021 Art. 2.1, 10.2, 10.5; WADA-Verbotsliste 2026 S4; § 626 BGB; DSHS Köln Laborakkreditierung ISO 17025.*
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# 02 — Personenprofil: Selin Uvalkanat
**Erstellt:** 08.03.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. Persönliche Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | Selin Uvalkanat |
| Geburtsdatum | 14.07.1999 |
| Geburtsort | Zwickau, Deutschland |
| Staatsangehörigkeit | Deutsch und türkisch (Doppelstaatsangehörigkeit) |
| Wohnanschrift | Karl-Marx-Straße 47, 08056 Zwickau |
| Telefon | 0375 / 441 87 34 (privat) |
| E-Mail | selin.uvalkanat@privatmail.de |
| Reisepass DE | C2AK88312, gültig bis 30.09.2030 |
| Reisepass TR | TR-882-2022-44, gültig bis 14.07.2027 |
| NADA-Registered Testing Pool | Ja, seit 01.01.2023 (RTP Nationalmannschaft) |
| Whereabouts-Meldepflicht | Quartalsweise nach NADC Anhang I |
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## 2. Sportliche Laufbahn
### 2.1 Vereinshistorie
| Zeitraum | Verein | Kategorie |
|---|---|---|
| 20092011 | SV Zwickau Süd | Handball-Jugend F/E |
| 20112015 | BSV Sachsen Zwickau | U13, U15 |
| 20152019 | BSV Sachsen Zwickau | U17, U19 |
| 2019laufend | BSV Sachsen Zwickau | Frauen-Bundesliga (HBF) |
### 2.2 Bundesliga-Statistik (Saison 2024/2025)
- Spiele: 28 (davon 25 von Beginn)
- Tore: 187 (drittbeste Torschützin der HBF-Saison)
- Sieben-Meter: 42 von 44 verwandelt (95,5 %)
- Technische Fehler pro Spiel: 1,3 (Ligadurchschnitt: 2,1)
### 2.3 Nationalmannschaft (DHB)
- Erstberufung: September 2022 (Qualifikationsspiel gegen Niederlande)
- Bisher 38 Länderspiele, 214 Tore
- Teilnahme Weltmeisterschaft Dänemark/Norwegen 2023 (Platz 7)
- Teilnahme Europameisterschaft Wien 2024 (Platz 5)
- Nominiert für WM 2027 (Zieldisziplin)
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## 3. Vertragliche Bindungen
### 3.1 Arbeitsvertrag BSV Sachsen Zwickau
- Vertragsschluss: 01.07.2019 (U19-Vertrag), verlängert 01.07.2022, 01.07.2024
- Aktuelle Laufzeit: 01.07.2024 bis 30.06.2028
- Bruttogehalt: 6.200 EUR/Monat
- Prämien: 200 EUR pro Bundesligasieg, 500 EUR pro Länderspiel
- Sonderklausel Abs. 7: „Bei einer Disziplinarentscheidung einer Anti-Doping-Behörde von mehr als 6 Monaten ist der Verein berechtigt, den Vertrag nach § 626 BGB außerordentlich zu kündigen."
### 3.2 Sponsorenvertrag Adidas AG
- Vertragsschluss: 01.01.2025
- Laufzeit: 01.01.2025 bis 31.12.2027
- Jahresvergütung: 40.000 EUR netto
- Moralklausel Ziff. 9.3: „Bei einem positiven Dopingbefund oder einer entsprechenden Verfahrenseinleitung ist Adidas AG berechtigt, den Vertrag mit sofortiger Wirkung zu suspendieren und ausgezahlte Vorschüsse zurückzuverlangen."
- Provisionsvorschuss 2026 (bereits ausgezahlt): 80.000 EUR brutto
- Rechtswahl: Deutsches Recht; Gerichtsstand lt. Ziff. 12: ICC-Schiedsverfahren Zürich
### 3.3 DHB-Nationalmannschaftsvertrag
- Vertragsschluss: 01.01.2023
- Inhalt: Bereitstellungspflicht zu Lehrgangs- und Spielterminen, Bildrechte DHB
- Auflage: Pflicht zur Teilnahme am NADA-Registered-Testing-Pool
- Laufzeit: unbefristet, Kündigung durch DHB nach NADC-Sperre ab 6 Monate
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## 4. Bildungsbiografie und soziales Umfeld
Schulabschluss: Abitur 2018 (Ernst-Schneller-Schule Zwickau, Notendurchschnitt 2,1). Begonnenes Sportstudium (Bachelor) an der Universität Leipzig, abgebrochen im 4. Semester zugunsten der Profikarriere (2020). Aktuell Fernstudium Sportmanagement (ILS Hamburg), 3. Semester.
Soziales Umfeld: fester Freund seit 2023 (Jonas Kleinhempel, Physiotherapeut, Zwickau); Eltern unterstützend; ältererer Bruder Tarkan Uvalkanat (32, Berlin, IT-Berater) übernimmt PR-Koordination auf Wunsch der Familie.
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## 5. Dopingkontrollhistorie (vor 18.02.2026)
| Datum | Art | Ergebnis |
|---|---|---|
| 14.09.2022 | Trainingskontrolle NADA | Negativ |
| 07.01.2023 | Wettkampfkontrolle WM Dänemark | Negativ |
| 22.04.2023 | Trainingskontrolle NADA | Negativ |
| 03.11.2023 | Trainingskontrolle NADA | Negativ |
| 18.06.2024 | Wettkampfkontrolle EM-Quali | Negativ |
| 29.11.2024 | Trainingskontrolle NADA | Negativ |
**Bewertung:** Mandantin hat bisher sechs NADA-Kontrollen absolut clean absolviert. Keine Vorstrafen im Anti-Doping-Bereich. Keine TUE (Therapeutic Use Exemption) beantragt oder erteilt. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit der Kontaminationsthese erheblich.
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## 6. Medizinische Anamnese (sportzeitlich relevant)
- Schultergelenk-OP rechts: Oktober 2021 (BSK Zwickau, Dr. Peter Lehmann); vollständige Rehabilitation bis März 2022
- Orthopädisches Attest 2022: Vollsporttauglichkeit ohne Einschränkung
- Keine bekannten Grunderkrankungen
- Keine Dauermedikation (bestätigt durch Hausarzt Dr. Felix Bauer, Zwickau, 08.03.2026)
- Nahrungsergänzungsmittel laut eigener Auskunft: RecoveryMax Pro (PowerNutrition, Charge 22-4188), Vitamin D3/K2 (DM-Drogeriemarkt, keine Risikoeinstufung)
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*Quellen und Normen: NADC 2021 Anhang I (Whereabouts); WADA-Verbotsliste 2026; § 626 BGB; Handelsgesetzbuch; Adidas-Sponsorenvertrag intern.*
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# 03 — NADA-Trainingskontrolle 18.02.2026: A-Probe-Befund Meldonium
**Erstellt:** 09.03.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / DSGSp 12/26
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## 1. Kontrolldaten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Datum der Kontrolle | 18.02.2026 |
| Uhrzeit | 09:28 Uhr |
| Ort | Sporthalle BSV Sachsen Zwickau, Am Scheffelberg 3, 08056 Zwickau |
| Art der Kontrolle | Unangekündigte Trainingskontrolle (Out-of-Competition) |
| Kontrolleur (DCO) | Andreas Schubert (Akkreditierungs-Nr. DC-2204, NADA) |
| Probenahme-Art | Urin (Spontanprobe) |
| Probenvolumen | 120 mL (A-Probe 80 mL, B-Probe 40 mL) |
| Proben-ID A-Probe | NAD-2026-0218-AU-6112-A |
| Proben-ID B-Probe | NAD-2026-0218-AU-6112-B |
| Versiegelung | NADA-Standardsiegel, Flaschen-Nr. 6112A und 6112B |
| Spezifisches Gewicht | 1,021 g/mL (innerhalb Normbereich) |
| Unregelmäßigkeiten DCO | Keine |
| Unterschrift Athletin | Ja, Probenahme-Formular 18.02.2026 |
---
## 2. Laboranalyse A-Probe
### 2.1 Einsendelabor
**Institut für Biochemie, Deutsche Sporthochschule Köln (DSHS Köln)**
Am Sportpark Müngersdorf 6, 50933 Köln
WADA-Akkreditierungsnummer: W-LAB-003
ISO/IEC 17025:2017 zertifiziert
Probeneingang Labor: 20.02.2026, 08:15 Uhr
Analysezeitraum: 20.02.2026 bis 25.02.2026
Analysemethode: LC-MS/MS (Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie)
Bestätigungsmethode: LC-HRMS (Hochauflösende Massenspektrometrie)
### 2.2 Befund
| Substanz | Kategorie WADA 2026 | Analyseergebnis | WADA-Schwellenwert |
|---|---|---|---|
| **Meldonium (3-(2,2,2-trimethylhydrazinyl)propionsäure)** | S4 — Hormone und Stoffwechselmodulatoren | **0,54 µg/mL** | 0,50 µg/mL |
| Erythropoetin (EPO) | S2 | Negativ | — |
| Testosteron/Epitestosteron | S1 | T/E-Ratio 0,8 (Normbereich) | — |
| Stimulanzien (Screenpanel) | S6 | Negativ | — |
| Diuretika (Screenpanel) | S5 | Negativ | — |
| Beta-2-Agonisten | S3 | Negativ | — |
| Cannabinoide | S8 | Negativ | — |
| Peptide/Wachstumshormone | S2 | Negativ | — |
**Bewertung des Labors:** Atypischer Befund (Adverse Analytical Finding, AAF) für Meldonium. Befundübermittlung an NADA am 25.02.2026.
---
## 3. NADA-Verfahrensablauf nach Befund
### 3.1 Vorabinformation
NADA hat nach Art. 7.3.2 NADC 2021 die Vorabinformation an die Athletin, an den DHB und an den BSV Sachsen Zwickau gesandt:
- **An Selin Uvalkanat:** Schreiben vom 27.02.2026, zugestellt 28.02.2026 (Einschreiben Rückschein)
- **An DHB:** E-Mail vom 27.02.2026, 14:32 Uhr, Dr. Petra Siebenborn (DHB-Justiziarin)
- **An BSV Sachsen Zwickau:** E-Mail vom 27.02.2026, 14:35 Uhr, Vereinsvorstand
### 3.2 Vorläufige Suspendierung
Mit der Vorabinformation sprach NADA gleichzeitig eine **vorläufige Suspendierung** nach Art. 7.3.2 NADC aus: Wettbewerbsverbot bis zur endgültigen Entscheidung. DHB bestätigt mit Schreiben vom 02.03.2026 die Nichtnominierung zur Länderspielrunde März 2026.
### 3.3 Optionen der Athletin nach Vorabinformation
Nach Art. 7.3.2 NADC konnte die Athletin innerhalb von 10 Tagen:
- Die Analyse der B-Probe beantragen (wurde beantragt — s. Aktenstück 04)
- Eine Erklärung abgeben (schriftliche Erklärung folgt)
- Auf B-Probe verzichten und Tatsache anerkennen (wurde abgelehnt)
---
## 4. Meldonium — Substanzprofil
Meldonium (Handelsnamen: Mildronate, Mildronats, Cardionate) ist ein lettisches Pharmazeutikum zur Behandlung von Herzinsuffizienz und ischämischen Erkrankungen. Es wirkt über eine Hemmung der Carnitin-Biosynthese und soll den Muskelstoffwechsel bei Hypoxie verbessern. In der Sportwelt wird es als Ausdauer-Agens klassifiziert.
**Historische Bedeutung:** Meldonium wurde nach mehreren Fällen bei russischen Sportlern (u.a. Marija Scharapowa) zum 01.01.2016 auf die WADA-Verbotsliste gesetzt. Anfangs setzte die WADA keinen Schwellenwert, was zu Folgeproblemen bei Langzeitausscheidern führte. Seit dem 26.09.2022 gilt ein Schwellenwert von 0,50 µg/mL (WADA-Technical-Document TD2022DL).
**Kontaminationspotenzial:** Meldonium wird in einigen osteuropäischen Ländern rezeptfrei angeboten und taucht gelegentlich als nicht deklarierter Inhaltsstoff in Nahrungsergänzungsmitteln auf. Die Global DRO-Datenbank (globaldro.com) listet Meldonium als verbotene Substanz ohne Schwellenwert-Kommentar.
---
## 5. Bewertung für das Verfahren
Das Messergebnis liegt mit **0,54 µg/mL** nur knapp (um 8 %) über dem Schwellenwert von 0,50 µg/mL. Dies ist für die Verteidigung von erheblicher Bedeutung:
1. **Messungenauigkeit:** Die WADA-Richtlinien (TD2022MRPL) sehen für Meldonium eine erweiterte Messunsicherheit (expanded measurement uncertainty, U) von typischerweise ±15 % auf. Bei einem Nominalwert von 0,54 µg/mL und U=15 % ergibt sich ein konfidenzbereinigter Wert von 0,4590,621 µg/mL. Das DSHS Köln wird um Angabe der angewandten U gebeten.
2. **Kontaminationsmengen:** Typische Kontaminationsmengen in Nahrungsergänzungsmitteln liegen zwischen 0,1 und 2,0 mg pro Kapsel; dies kann je nach Einnahmefrequenz und Renal-Clearance zu Urinkonzentrationen im Schwellenwert-Bereich führen.
3. **Zeitverlauf:** Meldonium hat eine Eliminationshalbwertszeit von ca. 1014 Stunden (akute Einnahme) bis mehrere Wochen (chronische Einnahme durch Gewebeakkumulation). Die letzte Einnahme des Supplements durch Mandantin war lt. eigener Aussage am 17.02.2026 (abends).
**Verteidigungsstrategie (Zwischenfazit):** Die geringe Überschreitung des Schwellenwertes, die fehlende Absicht und die plausible Kontaminationsquelle schaffen gute Voraussetzungen für eine Reduzierung der Sperre nach Art. 10.5.1 NADC (kein erhebliches Verschulden) oder sogar Art. 10.5.2 NADC (kein Verschulden). Zielposition: Warnung oder Sperre max. 12 Monate.
---
*Quellen: NADC 2021 Art. 2.1, 7.3, 10.2, 10.5; WADA TD2022DL (Schwellenwert Meldonium); WADA TD2022MRPL (Messunsicherheit); DSHS Köln Akkreditierungsunterlagen; WADA Global DRO (globaldro.com).*
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# 04 — B-Probe: Analyse und Ergebnis, 04.03.2026
**Erstellt:** 05.03.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
---
## 1. Beantragung der B-Probe-Analyse
Mit anwaltlichem Schreiben vom 01.03.2026 (per Fax und E-Mail) beantragte RA Prof. Dr. Lentze bei NADA Bonn fristgerecht die Öffnung und Analyse der B-Probe gemäß Art. 7.3.2 NADC 2021. Der Antrag enthielt folgende Bitten:
- Zeitpunkt der Öffnung: so früh wie möglich, frühestens 03.03.2026
- Anwesenheit: Parteisachverständiger Prof. Dr. Stefan Kempa (Toxikologie, Universität Mainz) sowie RA Jürgen Speier (Vor-Ort-Vertreter Stuttgart/Köln) sollen anwesend sein
- Videoaufzeichnung des Öffnungsvorgangs (Antrag; DSHS Köln bestätigte Zulässigkeit)
- Schriftliche Mitteilung des Labors über die angewandte Analysemethode und Messunsicherheit (U)
NADA bestätigte mit E-Mail vom 02.03.2026, 10:44 Uhr: B-Proben-Öffnung am **04.03.2026 um 10:00 Uhr** im Institut für Biochemie, DSHS Köln.
---
## 2. B-Proben-Öffnung und -Analyse
### 2.1 Ablauf
Anwesend bei der Öffnung am 04.03.2026:
- Dr. Lukas Frey (DSHS Köln, Laborleiter, Zeuge der Öffnung)
- Dr. Anette Krüger (DSHS Köln, Analytikerin)
- Prof. Dr. Stefan Kempa (Parteisachverständiger Mandantin)
- RA Jürgen Speier (Anwalt vor Ort, Lentze Stopper & Partner)
- Sven Hartmann (NADA-Beauftragter, Beobachter)
Siegel B-Flasche (Nr. 6112B): unversehrt, Versiegelungscode stimmt mit Probenahme-Formular überein. Prof. Dr. Kempa dokumentierte Zustand Siegel und Flasche fotografisch vor Öffnung.
Analysedauer: ca. 6 Stunden.
### 2.2 Ergebnis
**Bestätigung des A-Probe-Befundes.**
| Parameter | B-Probe 04.03.2026 |
|---|---|
| Substanz | Meldonium |
| Analyseergebnis | **0,52 µg/mL** |
| Messunsicherheit U (k=2, 95 %) | ±0,06 µg/mL |
| Konformes Ergebnis zur A-Probe | Ja (Differenz 0,02 µg/mL innerhalb Labor-Toleranz) |
| WADA-Schwellenwert | 0,50 µg/mL |
| Befund | Positiv (AAF bestätigt) |
| Weitere verbotene Substanzen | Keine nachgewiesen |
Prof. Dr. Kempa notierte im Protokoll: „Die Messwerte beider Proben liegen sehr nahe am Schwellenwert. Die angegebene Messunsicherheit U=±0,06 µg/mL (11 %) ist plausibel. Unter Berücksichtigung dieser Unsicherheit ist ein Realwert unterhalb des Schwellenwerts rechnerisch möglich, aber nicht mit hinreichender Sicherheit nachweisbar. Dies sollte bei der Bewertung der Schuldlosigkeit berücksichtigt werden."
---
## 3. Rechtliche Bewertung der B-Probe-Ergebnisse
### 3.1 Verfahrensmäßige Konsequenzen
Mit der Bestätigung der B-Probe ist nach Art. 7.3.3 NADC 2021 der **Anti-Doping-Regelverstoß (ADRV) formell festgestellt**. NADA leitet den Fall an das zuständige Sportfachverband (DHB) und das Deutsche Sportschiedsgericht weiter.
Für die Mandantin bedeutet dies:
- Die vorläufige Suspendierung bleibt in Kraft
- Das Ergebnis wird an WADA und WADA-Informationssystem ADAMS gemeldet
- DHB eröffnet das formelle Disziplinarverfahren
- Schiedsgericht: Deutsches Sportschiedsgericht (DIS-SportSchO), Ernennung einer Spruchkammer
### 3.2 Messunsicherheit als Verteidigungsargument
Prof. Dr. Kempa wird ein schriftliches Gutachten erstellen, das folgende Punkte enthält:
**a) Messunsicherheitsanalyse:** Bei einem Nominalwert von 0,52 µg/mL (B-Probe) und U=±0,06 µg/mL liegt der konfidenzintervallbereinigte Minimalwert bei 0,46 µg/mL — was unterhalb des Schwellenwerts von 0,50 µg/mL liegt. Zwar ist dies nach WADA-Standards kein Freifahrtschein (der Schwellenwert gilt für den Messwert, nicht für das Konfidenzintervall), aber es zeigt die Grenzsituation.
**b) Kontaminationsplausibilität:** Bei einer typischen Kontaminationskonzentration von 0,52,0 mg Meldonium pro Kapsel und täglicher Einnahme von 2 Kapseln über 4 Monate sind die gemessenen Konzentrationen konsistent mit einer unbeabsichtigten Supplement-Kontamination. Vergleichswerte aus dem Literatur-Review: Shahar et al. (2019) berichten Meldonium-Spurenbefunde in 3,2 % der getesteten Nahrungsergänzungsmittel in Osteuropa.
**c) Halbwertszeit und Zeitprofil:** Letzter Einnahmezeitpunkt lt. Mandantin: 17.02.2026, abends. Kontrollzeitpunkt: 18.02.2026, 09:28 Uhr — also ca. 13 Stunden später. Bei Halbwertszeit 1013 Stunden (kurzzeitige Einnahme) ergibt sich eine Konzentrationsreduktion um ~50 % gegenüber dem Spitzenwert. Dies spricht gegen eine akute, absichtliche Einnahme unmittelbar vor der Kontrolle.
---
## 4. Stellungnahme NADA nach B-Probe
NADA schickte am 06.03.2026 ein Schreiben an Lentze, Stopper & Partner, in dem sie
- den AAF formal bestätigte,
- die vorläufige Suspendierung aufrecht erhielt,
- die Übergabe an die zuständige Spruchkammer des Deutschen Sportschiedsgerichts ankündigte,
- der Mandantin die Möglichkeit einräumte, innerhalb von 20 Tagen eine schriftliche Erklärung einzureichen (Deadline: 26.03.2026).
---
## 5. Nächste Schritte
1. **Schriftliche Erklärung** nach Art. 7.3.5 NADC an NADA bis 26.03.2026: Darlegung der Kontaminationsthese, Übermittlung Supplement-Proben-Analyseergebnisse
2. **Parteigutachten Kempa:** Beauftragung formell am 05.03.2026, Abgabetermin: 20.03.2026
3. **Supplement-Labor:** Beauftragung ISURA/LGC-Standards-Labor Hamburg für Chargenanalyse Charge 22-4188 (s. Aktenstück 07)
4. **Öffentlichkeitsarbeit:** Kanzlei-Statement vom 09.03.2026 (bereits veröffentlicht): „Mandantin weist Dopingvorwurf entschieden zurück — Untersuchungen zur Kontaminationsquelle laufen"
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*Quellen: NADC 2021 Art. 7.3.2, 7.3.3, 7.3.5; WADA TD2022DL; WADA-Richtlinien Laboranalyse; DSHS Köln Analyseprotokoll B-Probe NAD-2026-0218-AU-6112-B; Kempa-Notizen 04.03.2026.*
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# 05 — Verbotsliste S4: Meldonium und Rechtslage 2026
**Erstellt:** 10.03.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. WADA-Verbotsliste 2026 — Kategorie S4
### 1.1 Rechtlicher Rahmen
Die **WADA-Verbotsliste** (offiziell: „The 2026 Prohibited List, World Anti-Doping Code International Standard") ist das zentrale normative Instrument des internationalen Anti-Doping-Rechts. Sie wird jährlich zum 01. Januar aktualisiert und gilt als **verbindliches International Standard** nach Art. 4.1 WADC 2021.
In Deutschland ist die Verbotsliste über den **NADC 2021** (Nationaler Anti-Doping Code, beschlossen durch den DOSB) in das nationale Sportrecht inkorporiert. Art. 4.2.1 NADC 2021 erklärt die jeweils aktuelle WADA-Verbotsliste zum zwingenden Bestandteil des deutschen Anti-Doping-Rechts. Für Athletinnen im DHB-Kader gilt die NADC-Fassung kraft Verbandssatzung (§ 8 DHB-Anti-Doping-Richtlinien, Stand: 2023).
### 1.2 Kategorie S4: Hormone und Stoffwechselmodulatoren
Kategorie S4 der WADA-Verbotsliste 2026 umfasst folgende Untergruppen:
| Untergruppe | Beispiele | Anwendung |
|---|---|---|
| S4.1 Aromatase-Inhibitoren | Anastrozol, Letrozol | Östrogen-Reduktion |
| S4.2 Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) | Tamoxifen, Raloxifen | Anti-Östrogeneffekte |
| S4.3 Andere Anti-Östrogene | Clomiphen, Cyclofenil | Endokrine Manipulation |
| S4.4 Myostatin-Inhibitoren | Stamulumab | Muskelmasseerhöhung |
| **S4.5 Metabolische Modulatoren** | **Meldonium**, Trimetazidin, GW1516, AICAR | **Ausdauer, Energiestoffwechsel** |
| S4.5 Insuline | Insulin, verwandte Analoga | Anabolismus |
**Meldonium** ist in S4.5 eingeordnet: verboten **sowohl im Wettkampf als auch außerhalb des Wettkampfs** (In-Competition und Out-of-Competition), ganzjährig.
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## 2. Chronologie Meldonium auf der Verbotsliste
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 01.01.2016 | Erstaufnahme Meldonium in WADA-Verbotsliste (S4, Monitoring-Phase 2015) |
| MärzMai 2016 | Welle positiver Befunde bei Athleten (v.a. russischer Herkunft); ca. 172 Fälle weltweit |
| September 2016 | WADA-Klarstellung: Fälle vor 01.03.2016 werden mit reduzierten Sanktionen behandelt (technisches Dokument) |
| 20162022 | Kein Schwellenwert; jede nachweisbare Konzentration gilt als Verstoß |
| 26.09.2022 | WADA führt Schwellenwert ein: **0,50 µg/mL** im Urin (TD2022DL) — Reaktion auf medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse zur Langzeitausscheidung |
| 01.01.2023 | Schwellenwert 0,50 µg/mL tritt in Kraft |
| 01.01.2026 | Verbotsliste 2026 bestätigt Einordnung S4.5 und Schwellenwert 0,50 µg/mL |
**Bewertung:** Der Schwellenwert wurde eingeführt, weil Meldonium sich in Körpergewebe anreichern und noch Monate nach Absetzen der Einnahme im Urin nachweisbar sein kann. Ein Befund knapp über dem Schwellenwert kann damit auf eine Einnahme aus der Vergangenheit hinweisen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Verbotsliste legal war — oder auf eine Kontamination.
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## 3. Rechtsfolgen des Befundes
### 3.1 Grundtatbestand: Art. 2.1 NADC
Art. 2.1.1 NADC 2021 (wortidentisch mit Art. 2.1 WADC): „Das Vorhandensein einer verbotenen Substanz oder ihrer Metaboliten bzw. Marker in der Körperprobe eines Athleten stellt einen Anti-Doping-Regelverstoß dar."
Das **Strict-Liability-Prinzip** gilt: Es kommt nicht darauf an, ob die Athletin wusste oder hätte wissen müssen, dass die Substanz in ihrem Körper ist. Der Befund allein begründet den Verstoß. Verschulden ist keine Tatbestandsvoraussetzung, sondern eine Frage der Sanktionsbemessung.
### 3.2 Sanktionsrahmen (Art. 10 NADC)
| Szenario | Sanktion |
|---|---|
| Art. 10.2.1 — nachgewiesene Absicht | **4 Jahre** |
| Art. 10.2.2 — kein Nachweis der Absicht | **2 Jahre** |
| Art. 10.5.1 — kein erhebliches Verschulden (No Significant Fault) | Mindestens 1 Jahr, bis zu 2 Jahre |
| Art. 10.5.2 — kein Verschulden (No Fault) | **Aufhebung der Sperre** |
| Frühere Geständnis-Kooperation Art. 10.8.1 | Reduzierung um bis zu 25 % |
| Beiseitestehende Substanzen (Art. 10.2.1.1) | Mindest-Sanktion kann auf 2 Jahre sinken |
### 3.3 Nachweis der Absicht
Nach Art. 3.1 NADC liegt die Beweislast für den **Verstoß** bei der Anti-Doping-Organisation (NADA). Die Beweislast für den **Nachweis der Absicht** liegt bei der Anti-Doping-Organisation (Standard: Komfortabel zufriedenstellende Beweislast, entspricht zivilrechtlichem Maßstab). Die Beweislast für **kein Verschulden oder kein erhebliches Verschulden** liegt bei der Athletin (Standard: Balance of Probabilities).
**Für den vorliegenden Fall:** NADA hat keinerlei Anhaltspunkte für eine absichtliche Einnahme vorgelegt. Damit ist Art. 10.2.2 NADC der Ausgangspunkt: 2 Jahre. Auf dem Weg zum Art. 10.5.1 oder 10.5.2 muss die Mandantin glaubhaft darlegen, wie Meldonium in ihren Körper gelangte, und beweisen, dass sie alle zumutbare Sorgfalt walten ließ.
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## 4. Meldonium im Supplement-Kontext — Wissenschaftliche Literatur
Aktuelle Recherche erbrachte folgende Literaturstellen zur Kontaminationsthese:
1. **Thevis et al. (2019):** Untersuchung von 108 Nahrungsergänzungsmitteln in einem europäischen Labor; Meldonium-Spuren in 5 Produkten nachgewiesen (4,6 %), davon drei aus osteuropäischer Produktion. Konzentration: 0,23,8 mg/Kapsel.
2. **Elbert et al. (2021, Klinische Pharmakologie):** Renale Eliminationskinetik Meldonium nach Einmaleinnahme 500 mg: maximale Harnkonzentration ca. 1218 µg/mL, nach 24 Std. unter 0,5 µg/mL. Nach chronischer Einnahme (4 Wochen täglich) Ausscheidung bis zu 14 Tage nachweisbar.
3. **DSHS Köln Methodikpaper 2023:** Validierungsparameter LC-MS/MS Meldonium; Bestimmungsgrenze (LOQ) 0,15 µg/mL; Wiederholpräzision RSD < 5 %.
**Forensische Konsequenz:** Eine Urinkonzentration von 0,520,54 µg/mL, die nur geringfügig über dem Schwellenwert liegt, ist konsistent mit einer Supplement-Kontamination in der Größenordnung 0,51 mg täglich über mehrere Wochen, bei normaler renaler Funktion.
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## 5. Vergleichsfälle
| Athlet | Sportart | Jahr | Substanz | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Marija Scharapowa (RUS) | Tennis | 2016 | Meldonium | 15 Monate Sperre (reduziert von 24) |
| Eduard Worgantschuk (UKR) | Leichtathletik | 2016 | Meldonium | Freispruch (Einnahme vor Verbot) |
| Edina Kálnoki (HUN) | Schwimmen | 2023 | Meldonium | 8 Monate (Kontaminationsnachweis) |
| Artur Pawłowski (POL) | Handball | 2024 | Meldonium | 6 Monate (kein erhebliches Verschulden) |
Der Fall Pawłowski (polnischer Handballer, 2024) ist besonders relevant: Das CAS erkannte die Supplement-Kontamination an und setzte die ursprüngliche 2-Jahres-Sperre auf 6 Monate herab. Dieser Präzedenzfall wird in der Klagebegründung vor dem DIS-Sportschiedsgericht und vor dem CAS ausführlich behandelt.
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*Quellen: WADA-Verbotsliste 2026 (https://www.wada-ama.org/en/resources/2026-prohibited-list); NADC 2021 Art. 2.1, 3.1, 4.2, 10.2, 10.5; WADA TD2022DL; Thevis et al. (2019) Dtsch. Zeitschr. f. Sportmedizin; Elbert et al. (2021) Eur. J. Clin. Pharmacol.; DSHS Köln Methodikpaper 2023; CAS 2024/A/9317 (Pawłowski).*
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# 06 — Kontaminationsthese: PowerNutrition GmbH, Charge 22-4188
**Erstellt:** 12.03.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze / RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. Sachverhalt: Supplement-Nutzung
### 1.1 Das Produkt
**Produkt:** RecoveryMax Pro
**Hersteller:** PowerNutrition GmbH, Lindauer Straße 88, 87700 Memmingen
**Charge:** 22-4188
**Mindesthaltbarkeitsdatum:** 31.08.2026
**Deklarierte Inhaltsstoffe:** L-Carnitin-L-Tartrat 1500 mg, Magnesiumcitrat 300 mg, Zink-Bisglycinat 25 mg, Coenzym Q10 100 mg, L-Glutamin 500 mg, B-Vitamin-Komplex; je 2 Kapseln täglich
**Preis:** 49,90 EUR pro Dose (60 Kapseln, 30 Tage)
**Einkaufskanal:** Online-Shop PowerNutrition GmbH (Direktbestellung), Bestelldatum: 15.10.2024
**Empfohlen von:** Vereinstrainerin Barbara Ehrfeld
### 1.2 Einnahmehistorie
- Beginn: 18.10.2024 (erste Dose, Charge unbekannt)
- Fortführung: ab 15.12.2024 Dose 2, Charge 22-4188 (vorliegende Charge)
- Einnahme: täglich 2 Kapseln morgens, gemeinsam mit Frühstück
- Letzte Einnahme: 17.02.2026, abends (Abendessen)
- Gesamtdauer der Einnahme aus Charge 22-4188: ca. 60 Tage (Dose 2 = 60 Kapseln/30 Tage; Dose 3 begonnen, 46 Kapseln verbraucht)
**Sichergestellte Beweismittel:** 14 verbleibende Kapseln aus Charge 22-4188, sichergestellt am 07.03.2026; Versiegelung durch RAin Wenderlich, Lagerung im Kühlschrank der Kanzlei Stuttgart; Übergabe an Analyselabor LGC Standards GmbH Hamburg am 10.03.2026 (Übergabeprotokoll liegt vor).
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## 2. Rechtlicher Rahmen: Art. 10.5 NADC
### 2.1 Art. 10.5.1 — Kein erhebliches Verschulden (No Significant Fault or Negligence)
Nach Art. 10.5.1 NADC ist die Sperre auf eine Dauer von mindestens 1 Jahr und maximal 2 Jahre zu reduzieren (bei nicht spezifizierter Substanz) oder auf null bis 2 Jahre (bei spezifizierter Substanz), wenn:
- der Athlet kein erhebliches Verschulden trifft, **und**
- er die Quelle der verbotenen Substanz glaubhaft darlegen kann.
### 2.2 Art. 10.5.2 — Kein Verschulden (No Fault or Negligence)
Nach Art. 10.5.2 NADC ist die Sperre vollständig aufzuheben, wenn:
- der Athlet keinerlei Verschulden trifft, **und**
- er die Quelle glaubhaft nachweist.
### 2.3 Supplement-Kontamination als anerkannte Quelle
Der WADA-Code und die CAS-Rechtsprechung erkennen Supplement-Kontaminationen als mögliche Quelle an (CAS 2011/A/2566; CAS 2016/A/4372; CAS 2024/A/9317). Die Einrede erfordert:
1. Positiven Labornachweis der verbotenen Substanz im Supplement
2. Kausalitätsnachweis (Konzentration im Supplement erklärt den Urinbefund)
3. Sorgfaltspflichtenerfüllung der Athletin (Recherche, Etikettierungscheck)
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## 3. Sorgfaltspflichten der Athletin
### 3.1 Bisherige Maßnahmen
Nach eigener Aussage hat die Mandantin vor Einnahme des Supplements folgende Prüfungen vorgenommen:
| Prüfschritt | Durchgeführt? | Ergebnis |
|---|---|---|
| Etikettenkontrolle auf verbotene Substanzen | Ja | Keine verbotene Substanz deklariert |
| Abgleich mit Global DRO | Nein | Nicht bekannt/durchgeführt |
| NADA-Supplement-Datenbank (nada.de/supplements) | Nein | Nicht bekannt |
| Nachfrage bei DHB-Verbandsarzt | Nein | Kein Verbandsarzt kontaktiert |
| Recherche Hersteller-Website | Ja | Keine relevanten Hinweise gefunden |
**Rechtliche Bewertung:** Das Unterlassen des Global-DRO-Checks und der NADA-Datenbank-Abfrage stellt nach CAS-Rechtsprechung ein Versäumnis dar, welches regelmäßig gegen Art. 10.5.2 spricht (CAS 2011/A/2566: Athleten sind zu „due diligence" verpflichtet). Art. 10.5.1 bleibt jedoch offen, da die Sorgfaltspflicht relativ zu bemessen ist und bei einer nur geringfügig versäumten Prüfung Raum besteht.
### 3.2 Mitigationspotenzial
Folgende Faktoren mildern das Bild:
- Trainerin empfahl Produkt aktiv (Vertrauensverhältnis zum Verein)
- Produkt war an Sportler vermarktet und trug keinen Hinweis auf Kontaminations-Risiken
- Produkthersteller ist in Deutschland ansässig (strengere EU-Qualitätsanforderungen)
- Mandantin hat sechs vorherige NADA-Kontrollen negativ absolviert — keine früheren Dopingverstöße
- DHB-Verbandsärztin bestätigt, dass kein strukturiertes Supplement-Beratungsprogramm für BSV-Vereinsspielerinnen besteht
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## 4. Analyse der Charge 22-4188 — Auftrag
### 4.1 Analyselabor
**LGC Standards GmbH**, Mercatorstraße 51, 21079 Hamburg
WADA-akkreditiertes Prüflabor für Supplement-Analyse
ISO/IEC 17025:2017 zertifiziert
Auftrag erteilt: 10.03.2026
Analyseumfang:
- Vollständige Screeninganalyse auf alle WADA-2026-Verbotslisten-Substanzen (LC-MS/MS)
- Quantitative Bestimmung Meldonium falls nachgewiesen
- DNA-Fingerprint der Probe (für Manipulationsausschluss)
- Kausalitätsberechnung: welche tägliche Kapsel-Dosis würde den Urinbefund erklären?
Ergebnis erwartet: 01.04.2026
### 4.2 Herstelleranfrage
Mit Schreiben vom 11.03.2026 forderte die Kanzlei PowerNutrition GmbH Memmingen auf:
1. Vollständige Chargenanalyse (Certificate of Analysis, CoA) für Charge 22-4188
2. Rohstoff-Lieferscheine und Herkunftsnachweise der Inhaltsstoffe
3. GMP-Zertifikat des Herstellers
4. Kontaktdaten der beauftragten Rohstofflieferanten
5. Etwaige Rückruf- oder Qualitätsmeldungen zur Charge 22-4188
Frist: 20.03.2026. PowerNutrition GmbH hat bisher (Stand: 12.03.2026) nicht reagiert.
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## 5. Beweissicherung und Parallelaktivitäten
### 5.1 Parallelproben
Die Kanzlei hat über DHB-Kontakt ermittelt, dass drei weitere BSV-Spielerinnen dasselbe Produkt (RecoveryMax Pro) verwenden oder verwendet haben. Eine von ihnen — Tamara Schönfeld (Torhüterin, BSV Zwickau) — hat auf Anfrage bestätigt, dass sie bereit ist, eine Urinprobe bei einem unabhängigen Labor einzureichen. Diese Parallelprobe könnte Kontaminationsthese untermauern.
### 5.2 Kontakt Behörden
Parallel wurde ein informeller Kontakt zum **Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)** hergestellt, das für die Überwachung von Nahrungsergänzungsmitteln zuständig ist. BVL prüft, ob gegen PowerNutrition GmbH bereits Untersuchungen laufen.
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*Quellen: NADC 2021 Art. 10.5.1, 10.5.2; WADC 2021 Commentary Art. 10.5; CAS 2011/A/2566 (Cilic); CAS 2016/A/4372 (Halep); CAS 2024/A/9317 (Pawłowski); WADA-Leitfaden „Nahrungsergänzungsmittel und Sport" 2022; Global DRO (globaldro.com); NADA Supplement-Datenbank.*
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# 07 — Sachverständiger und Laboranalyse Supplement-Charge 22-4188
**Erstellt:** 05.04.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. Gutachtenauftrag Prof. Dr. Kempa
### 1.1 Person des Sachverständigen
Prof. Dr. Stefan Kempa
Lehrstuhl für Toxikologie und forensische Chemie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Publikationen: über 180 begutachtete Fachartikel zu Substanzanalytik, Anti-Doping und Umwelttoxikologie
Früheres CAS-Sachverständigengutachten: CAS 2022/A/8145 (Horváth ./. IOC), CAS 2023/A/8900 (Viegas ./. WADA)
Honorar: 8.500 EUR netto pro Gutachten (Pauschalhonorar)
### 1.2 Gutachtenauftrag (Auszug aus Beauftragungsschreiben 05.03.2026)
„…Wir bitten Sie, auf der Grundlage der Ihnen übermittelten Analyseprotokolle der A- und B-Probe (DSHS Köln, Februar/März 2026) sowie der Supplement-Analyseergebnisse (LGC Standards Hamburg, erwartet April 2026) folgende Fragen zu beantworten:
1. Ist der gemessene Urinbefund von Meldonium (0,520,54 µg/mL) kausal mit einer Einnahme des Supplements RecoveryMax Pro, Charge 22-4188, vereinbar?
2. Welche minimale Kontaminationskonzentration (mg/Kapsel) wäre erforderlich, um bei täglicher Einnahme von 2 Kapseln über 60 Tage den vorliegenden Urinbefund zu erzielen?
3. Ist der zeitliche Verlauf (letzte Einnahme 17.02.2026 abends, Probenahme 18.02.2026 09:28 Uhr) mit einem Kontaminationsszenario vereinbar?
4. Schließt der Befund eine willentliche Einnahme von pharmazeutischen Meldonium-Präparaten aus?…"
---
## 2. Supplement-Analyse: LGC Standards Hamburg — Ergebnisse
### 2.1 Analysebericht (Auszug), Nr. LGC-2026-0310-4188
**Eingang Proben:** 11.03.2026, 4 Kapseln aus gesicherter Probe (Charge 22-4188, RecoveryMax Pro)
**Methode:** LC-MS/MS (Agilent 6460 Triple Quadrupole) nach Extraktion in Methanol:Wasser 80:20
**Analysiert auf:** vollständige WADA-2026-Verbotsliste (412 Analyte)
**Analyseabschluss:** 01.04.2026
**Ergebnis (Auswahl):**
| Substanz | WADA-Status 2026 | Analyseergebnis | Gehalt pro Kapsel |
|---|---|---|---|
| L-Carnitin-L-Tartrat | Nicht verboten | Deklariert, 750 mg ✓ | 750 mg (korrekt) |
| Magnesiumcitrat | Nicht verboten | Deklariert, 150 mg ✓ | 150 mg (korrekt) |
| **Meldonium** | **S4, verboten** | **Positiv** | **0,84 mg/Kapsel** |
| Trimetazidin | S4, verboten | Negativ | — |
| Oxedrin (Synephrin) | S6 (Wettkampf), erlaubt OOC | Negativ | — |
| Sibutramin | S6, verboten | Negativ | — |
| Peptide gesamt | S2 | Negativ | — |
| Cannabinoide | S8 | Negativ | — |
**Zusammenfassung LGC:** „In der Probe wurden 0,84 mg Meldonium pro Kapsel festgestellt. Diese Substanz ist nicht auf dem Etikett deklariert. Der Befund stellt eine signifikante, nicht deklarierte Kontamination dar."
---
## 3. Gutachten Prof. Dr. Kempa (Zusammenfassung, 20.04.2026)
### 3.1 Kausalitätsbewertung
**Frage 1: Kausalitätsvereinbarkeit**
Bei 2 Kapseln täglich ergibt sich eine tägliche Meldonium-Dosis von **1,68 mg**. Diese liegt im Bereich niedrig-dosierter Kontaminationen. Pharmakokinetische Modellierung (Kempa et al., inhouse-Datensatz) ergibt nach 60 Tagen täglicher Einnahme eine steady-state Plasmakonzentration und eine renale Ausscheidung, die zu einer Urinkonzentration von ca. **0,450,65 µg/mL** führt. Dies ist vollständig konsistent mit dem gemessenen Befund von 0,520,54 µg/mL.
**Gutachterliche Aussage:** „Die Urinkonzentration ist kausal mit der festgestellten Supplement-Kontamination vereinbar. Ein alternativer Einnahmepfad (pharmazeutisches Meldonium-Präparat) ist aufgrund der geringen Konzentration unwahrscheinlich — typische therapeutische Dosen liegen bei 5001000 mg/Tag und würden deutlich höhere Urinkonzentrationen verursachen (>50 µg/mL akut)."
**Frage 2: Mindest-Kontaminationskonzentration**
Für den vorliegenden Urinbefund ist eine Kontaminationskonzentration von ≥ 0,6 mg/Kapsel ausreichend, abhängig von individueller renaler Clearance. Die festgestellte Kontamination von 0,84 mg/Kapsel überschreitet diesen Minimalwert deutlich.
**Frage 3: Zeitlicher Verlauf**
Halbwertszeit Meldonium bei niedrig-dosierter chronischer Exposition: ca. 1215 Stunden (akute Phase nach letzter Kapsel). Letzte Einnahme 17.02.2026, 19:00 Uhr; Probenahme 18.02.2026, 09:28 Uhr — Abstand ca. 14,5 Stunden. Dies entspricht etwa einer Halbwertszeit: eine Reduktion des Urinspiegels um ca. 50 % ist zu erwarten. Der höhere Spiegel unmittelbar nach der letzten Kapsel wäre damit bei ~1,01,2 µg/mL gelegen — konsistent mit dem Kontaminationsszenario bei steady state.
**Frage 4: Ausschluss willentlicher Einnahme pharmazeutischer Präparate**
Therapeutische Meldonium-Präparate (z.B. Mildronate 500 mg) würden bei Einnahme 2448 Stunden vor der Probe Urinkonzentrationen von 20100 µg/mL verursachen — also Faktor 40200 höher als der festgestellte Wert. Der vorliegende Befund ist mit willentlicher Einnahme therapeutischer Mengen nicht vereinbar.
**Gutachterliches Fazit (Zitat):** „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geht der vorliegende Meldonium-Befund auf die nicht deklarierte Kontamination in RecoveryMax Pro, Charge 22-4188, zurück. Eine willentliche Einnahme ist pharmakologisch ausgeschlossen."
---
## 4. Kausalitätskette — Zusammenfassung
```
PowerNutrition GmbH (Memmingen)
↓ Herstellung / Kontamination Charge 22-4188
RecoveryMax Pro, 0,84 mg Meldonium/Kapsel (nicht deklariert)
↓ tägliche Einnahme 2 Kapseln, 60 Tage
Selin Uvalkanat, steady-state Meldoniumspiegel
↓ renale Ausscheidung
Urinprobe 18.02.2026: 0,520,54 µg/mL (knapp über Schwellenwert)
↓ NADA-Analyse DSHS Köln
AAF (Adverse Analytical Finding) bestätigt
```
---
## 5. Verwendung des Gutachtens im Verfahren
Das Gutachten Prof. Dr. Kempa vom 20.04.2026 wird:
1. Als Anlage zur Klageschrift vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DSGSp 12/26) eingereicht
2. Als Anlage zum Statement of Appeal vor dem CAS (CAS 2026/A/8821) vorgelegt
3. Im Strafverfahren gegen PowerNutrition GmbH (§ 223 StGB) an die Staatsanwaltschaft Memmingen übersandt
4. Im Produkthaftungsverfahren (§ 1 ProdHaftG) gegen PowerNutrition GmbH eingesetzt
---
*Quellen: Kempa, S. (2026) „Pharmakologische Begutachtung, Uvalkanat, 20.04.2026"; LGC Standards GmbH, Bericht Nr. LGC-2026-0310-4188 vom 01.04.2026; NADC 2021 Art. 10.5; CAS 2011/A/2566 (Cilic); § 1 ProdHaftG.*
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# 08 — Produkthaftung: PowerNutrition GmbH, Memmingen
**Erstellt:** 15.04.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
---
## 1. Anspruchsgrundlagen
Gegen PowerNutrition GmbH kommen folgende Anspruchsgrundlagen in Betracht:
| Anspruchsgrundlage | Inhalt | Ziel |
|---|---|---|
| § 1 ProdHaftG | Gefährdungshaftung für fehlerhaftes Produkt | Schadensersatz |
| § 823 Abs. 1 BGB | Deliktische Haftung — Körperverletzung | Schadensersatz + Schmerzensgeld |
| § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. LFGB | Verstoß gegen Schutzgesetze Lebensmittelrecht | Schadensersatz |
| §§ 280, 241 BGB | Vertragliche Schadensersatzpflicht (Kaufvertrag) | Schadensersatz, Rücktritt |
| § 199 BGB i.V.m. § 195 BGB | Verjährungsfrage: 3 Jahre ab Kenntnis | — |
---
## 2. Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG)
### 2.1 Tatbestand § 1 ProdHaftG
Nach § 1 Abs. 1 ProdHaftG haftet der **Hersteller** eines Produkts für Schäden, die durch einen **Fehler** des Produkts verursacht werden, an Körper oder Gesundheit einer Person.
**Hersteller:** PowerNutrition GmbH, Memmingen — Herstellerin des Produkts RecoveryMax Pro (eigenverantwortliche Herstellung und Vermarktung lt. Etikett: „Hergestellt von PowerNutrition GmbH, Memmingen").
**Fehler nach § 3 ProdHaftG:** Ein Produkt ist fehlerhaft, wenn es nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände berechtigterweise erwartet werden kann. Insbesondere:
- § 3 Abs. 1 lit. a: Darbietung des Produkts
- § 3 Abs. 1 lit. b: vernünftigerweise zu erwartender Gebrauch
- § 3 Abs. 1 lit. c: Zeitpunkt des Inverkehrbringens
**Fehlerhaftigkeit im vorliegenden Fall:** Das Produkt enthält 0,84 mg Meldonium/Kapsel, eine nach dem WADA-Code verbotene Substanz, die nicht auf dem Etikett deklariert ist. Für einen Sporttreibenden — und erst recht für eine Profisportlerin — ist die Abwesenheit verbotener Substanzen die zentrale Sicherheitseigenschaft. Das Produkt ist damit offensichtlich fehlerhaft i.S.d. § 3 ProdHaftG.
### 2.2 Schaden
Der Schaden der Mandantin umfasst:
| Schadensposten | Betrag (vorläufig) |
|---|---|
| Entgangener Arbeitsverdienst (Sperrzeit 2 Jahre) | ca. 148.800 EUR |
| Rückforderung Adidas-Vorschuss | 80.000 EUR |
| Anwalts- und Verfahrenskosten (DSGSp, CAS, ArbG, LG Berlin, ICC) | ca. 120.000 EUR |
| Schmerzensgeld (psychische Belastung, Karriereschaden) | mindestens 50.000 EUR |
| Entgangene Nationalmannschafts-Prämien | ca. 19.000 EUR |
| **Summe vorläufig** | **ca. 418.000 EUR** |
### 2.3 Kausalität
Die Kausalität zwischen dem Produktfehler (Meldonium-Kontamination) und dem eingetretenen Schaden (AAF, Sperrverfahren, Kündigung etc.) wird durch das Gutachten Prof. Dr. Kempa belegt (s. Aktenstück 07).
### 2.4 Mitverschulden (§ 6 ProdHaftG i.V.m. § 254 BGB)
Die Beklagte wird einwenden, dass die Mandantin ihre Sorgfaltspflichten nicht erfüllte (kein Global-DRO-Check). Dieses Mitverschulden ist zu bewerten: Bei einer an Sportler vermarkteten Nahrungsergänzung und angesichts der Produktbeschreibung, die keinen Hinweis auf Kontaminationsrisiken enthielt, ist ein Mitverschulden allenfalls mit 2030 % zu veranschlagen.
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## 3. Deliktische Ansprüche (§ 823 BGB)
### 3.1 § 823 Abs. 1 BGB — Körperverletzung
Die nicht deklarierte Meldonium-Kontamination stellt eine Gesundheitsbeeinträchtigung dar (Einnahme einer verbotenen, pharmakologisch aktiven Substanz ohne Einwilligung). Es liegt ein Eingriff in das Rechtsgut Gesundheit vor. Die Zurechnung als Handlung der PowerNutrition GmbH ist über die Organhaftung (§ 31 BGB analog) gegeben: Vorstand und Geschäftsführung sind verantwortlich für die Qualitätskontrolle.
### 3.2 § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. Lebensmittelrecht
**Schutzgesetze:**
- **Art. 9 Abs. 1 lit. b EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) Nr. 1169/2011:** Pflicht zur vollständigen Zutatenkennzeichnung. Meldonium ist ein deklarierter Stoff — Fehlen der Kennzeichnung verstößt gegen die LMIV.
- **§ 11 Abs. 1 Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB):** Verbot des Inverkehrbringens täuschender Lebensmittel; nicht deklarierte Inhaltsstoffe stellen eine Täuschung dar.
- **§ 4 Diätverordnung:** Nahrungsergänzungsmittel müssen einer festgelegten Zusammensetzung entsprechen.
Verstöße gegen diese Schutzgesetze begründen nach § 823 Abs. 2 BGB einen eigenständigen Schadensersatzanspruch.
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## 4. Vertragliche Ansprüche
### 4.1 Kaufvertrag und Mängelgewährleistung
Der Kaufvertrag über RecoveryMax Pro ist ein Verbrauchsgüterkaufvertrag (§§ 433, 474 BGB). Das kontaminierte Produkt ist mangelhaft i.S.d. § 434 BGB (fehlende Eignung für den vereinbarten Zweck — Verwendung durch Profisportlerin). Ansprüche: Nacherfüllung (§ 439 BGB), Rücktritt (§ 440 BGB), Schadensersatz (§ 440 BGB i.V.m. §§ 280, 281, 283 BGB).
### 4.2 Vorvertragliche Haftung (§ 311 Abs. 2 BGB)
PowerNutrition GmbH bewirbt RecoveryMax Pro explizit als „geprüft und geeignet für Leistungssportler". Diese Marketingaussage begründet eine vorvertragliche Aufklärungspflicht über Kontaminationsrisiken, die verletzt wurde.
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## 5. Prozessstrategie
### 5.1 Außergerichtliche Forderung
Mit Schreiben vom 15.04.2026 wurden PowerNutrition GmbH und ihr Vorstand (Geschäftsführer: Klaus-Dieter Maier und Susanne Baier) aufgefordert:
1. Anerkennung der Haftung dem Grunde nach bis 30.04.2026
2. Unterlassungserklärung: keine weiteren Chargen 22-4188 in den Verkehr zu bringen
3. Rückruf aller Chargen mit möglicher Kontamination
4. Zahlung eines Vorschusses von 50.000 EUR auf den Gesamtschaden bis 15.05.2026
**Frist:** 30.04.2026. Bei fruchtlosem Ablauf: Klage vor dem LG Memmingen.
### 5.2 Parallel: Strafanzeige
Gleichzeitig wurde Strafanzeige erstattet (s. Aktenstück 22): § 223 StGB (Körperverletzung), § 230 StGB (Fahrlässige Körperverletzung) durch den Geschäftsführer der PowerNutrition GmbH.
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*Quellen: § 1 ProdHaftG; § 3 ProdHaftG; § 823 BGB; § 311 BGB; §§ 433 ff. BGB; § 11 LFGB; Art. 9 LMIV 1169/2011/EU; Palandt/Grüneberg, BGB, 83. Aufl. 2024, § 823 Rn. 55 ff.; BGH NJW 2014, 2022 (Produkthaftung Nahrungsmittel).*
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# 09 — Schriftwechsel mit NADA: Vorabinformation, Akteneinsicht, Fristen
**Erstellt:** 20.03.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. Chronologie des Schriftwechsels
### 1.1 Vorabinformation NADA an Mandantin (27.02.2026)
**Von:** NADA Deutschland e.V., Anti-Doping-Abteilung
**An:** Selin Uvalkanat (persönlich), Karl-Marx-Straße 47, 08056 Zwickau
**Datum:** 27.02.2026
**Art:** Einschreiben mit Rückschein; gleichzeitig per E-Mail
**Wesentlicher Inhalt:**
- Mitteilung AAF: Meldonium 0,54 µg/mL (A-Probe NAD-2026-0218-AU-6112-A)
- Vorläufige Suspendierung ab sofort nach Art. 7.3.2 NADC 2021
- Belehrung über Rechte: B-Probe-Antrag (Frist 10 Tage, bis 09.03.2026), schriftliche Erklärung (20 Tage, bis 18.03.2026)
- Hinweis auf kostenlosen NADA-Athletenbeauftragten
- Hinweis auf Anti-Doping-Beratungsstelle der Deutschen Sportzentrale
Empfang Rückschein: 01.03.2026.
### 1.2 Antwort Kanzlei auf Vorabinformation (01.03.2026)
**Von:** Lentze, Stopper & Partner, per Fax und E-Mail
**An:** NADA Deutschland e.V., Heussallee 38, 53113 Bonn; Fax: 0228/8160-1220
**Datum:** 01.03.2026
Inhalt: Vollmachtsvorlage; Beantragung B-Probe-Öffnung; Beantragung vollständiger Akteneinsicht nach Art. 14.1.2 NADC; Ankündigung schriftlicher Erklärung nach Auswertung.
### 1.3 NADA-Bestätigung B-Probe (02.03.2026)
**Von:** NADA
**An:** Kanzlei
B-Probe-Öffnung bestätigt für 04.03.2026, 10:00 Uhr, DSHS Köln. Anwesenheit Parteisachverständiger zugestimmt.
### 1.4 NADA-Schreiben nach B-Probe (06.03.2026)
**Von:** NADA
**An:** Kanzlei
AAF formal bestätigt. Verweis an DHB und Deutsches Sportschiedsgericht. Erklärungsfrist verlängert auf 26.03.2026 (auf Antrag).
### 1.5 Kanzlei-Antrag Akteneinsicht (08.03.2026)
Kanzlei beantragte vollständige Akteneinsicht nach Art. 14.1.2 NADC 2021 für folgende Unterlagen:
- Vollständiges Laborprotokoll DSHS Köln (A-Probe)
- Vollständiges Laborprotokoll DSHS Köln (B-Probe)
- DCO-Report des Kontrolleurs Schubert vom 18.02.2026
- Chain-of-Custody-Dokumentation (Lückenlosigkeit von Probenahme bis Laboreingang)
- WADA-ADAMS-Aufzeichnungen zur Proben-ID
- Akkreditierungsunterlagen des DSHS-Labors (aktuelles ISO-Zertifikat)
### 1.6 NADA gewährt Akteneinsicht (14.03.2026)
Teilweise Akteneinsicht gewährt. Übersandt: DCO-Report, Laborprotokolle A- und B-Probe, Chain-of-Custody. Nicht übersandt: ADAMS-Aufzeichnungen (NADA verweist auf Datenschutz). Kanzlei widerspricht der Verweigerung der ADAMS-Daten und kündigt ggf. Antrag auf gerichtliche Akteneinsicht an.
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## 2. Schriftliche Erklärung der Mandantin (26.03.2026)
**Von:** Kanzlei Lentze, Stopper & Partner
**An:** NADA Deutschland e.V.
**Datum:** 26.03.2026
### Wesentliche Punkte der Erklärung
**I. Sachverhalt**
Mandantin hat zu keiner Zeit Meldonium willentlich eingenommen. Sie verwendet seit Oktober 2024 RecoveryMax Pro (PowerNutrition GmbH, Memmingen, Charge 22-4188), ein an Sportler vermarktetes Nahrungsergänzungsmittel. Die Supplement-Analyse durch LGC Standards Hamburg (Auftrag 10.03.2026, Ergebnis erwartet April 2026) wird die Kontaminationsquelle nachweisen.
**II. Rechtliche Position**
Die Mandantin beruft sich auf Art. 10.5.1 NADC (kein erhebliches Verschulden) bzw. Art. 10.5.2 NADC (kein Verschulden), sobald die Supplement-Analyse vorliegt. Sie ersucht NADA, das Disziplinarverfahren bis zur Vorlage des Gutachtens (voraussichtlich 01.05.2026) auszusetzen.
**III. Antrag auf Aufhebung der vorläufigen Suspendierung**
Nach Art. 7.4.2 NADC kann der Athlet die Aufhebung der vorläufigen Suspendierung beim zuständigen Spruchkörper beantragen, wenn dies aus Billigkeit geboten ist. Mandantin beantragt Aufhebung, hilfsweise Beschränkung auf Wettkampfsport unter Weiterzulassung zum Training.
**IV. Kooperation**
Mandantin kooperiert vollumfänglich, stellt alle Beweismittel zur Verfügung (Supplement-Probe, Kaufbeleg, Kommunikation mit Trainerin Ehrfeld, Medikamenten-Tagebuch) und ist bereit, zu einem persönlichen Gespräch bei NADA zu erscheinen.
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## 3. NADA-Antwort auf Erklärung (08.04.2026)
NADA lehnte die Aussetzung des Verfahrens ab. Begründung: Der NADC sehe keine Ermächtigung zur Aussetzung allein wegen laufender Untersuchungen. Hingegen: Das Sportschiedsgericht könne die vorläufige Suspendierung im Rahmen des Hauptverfahrens überprüfen.
Zur Aufhebung der vorläufigen Suspendierung: NADA hat keinen Einwand gegen einen entsprechenden Antrag beim Deutschen Sportschiedsgericht nach DIS-SportSchO § 14.
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## 4. Antrag auf Aufhebung vorläufige Suspendierung (DIS-Sportschiedsgericht)
Kanzlei stellte am 15.04.2026 beim Deutschen Sportschiedsgericht (DSGSp 12/26) Antrag auf einstweilige Aufhebung der vorläufigen Suspendierung nach DIS-SportSchO § 14 Abs. 3. Begründung: Supplement-Analyse steht kurz vor Abschluss; ausreichende Beweise für Kontaminationsthese bereits vorhanden; schwerwiegende wirtschaftliche Schäden (Vertragskündigung BSV, Adidas-Forderung). Entscheidung des Schiedsgerichts ausstehend (Stand: 20.04.2026).
---
*Quellen: NADC 2021 Art. 7.3.2, 7.4.2, 14.1.2; DIS-SportSchO § 14; NADA-Schreiben 27.02.2026 und 06.03.2026 und 08.04.2026 (alle in Akte).*
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# 10 — DIS-Sportschiedsgericht Frankfurt: Verfahren DSGSp 12/26
**Erstellt:** 10.05.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / DSGSp 12/26
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## 1. Das Deutsche Sportschiedsgericht
### 1.1 Institutioneller Rahmen
Das **Deutsche Sportschiedsgericht** (offiziell: Schiedsgericht nach der DIS-Sportschiedsordnung) ist das zentrale Schiedsgericht für sportrechtliche Streitigkeiten in Deutschland. Es ist institutionell bei der **Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit e.V. (DIS)** in Frankfurt angesiedelt.
Rechtsgrundlagen:
- DIS-Sportschiedsordnung (DIS-SportSchO), zuletzt geändert 2022
- Dopingprozessordnung DOSB/DHB
- NADC 2021 Art. 8 (Recht auf faires Verfahren)
- Allgemeine Schiedsgerichtsbarkeit nach §§ 1025 ff. ZPO
Für DHB-Athleten gilt: Die DHB-Anti-Doping-Richtlinien bestimmen das Sportschiedsgericht nach DIS-SportSchO als zuständiges Entscheidungsgremium (erster Instanz vor CAS). Die Schiedsvereinbarung ist in der Athletenvereinbarung der DHB-Nationalmannschaft enthalten, die die Mandantin am 15.01.2023 unterzeichnet hat.
### 1.2 Spruchkammer
Für das vorliegende Verfahren (DSGSp 12/26) wurde eine Spruchkammer aus drei Schiedsrichtern gebildet:
- **Vorsitzender:** Prof. Dr. Hans-Jürgen Holzheid (Köln, ehemaliger Bundesrichter)
- **Beisitzerin benannt von NADA:** Dr. Katrin Führer (München, Sportrechtlerin)
- **Beisitzerin benannt von Mandantin:** RAin Dr. Claudia Werner (Stuttgart, Fachanwältin Sportrecht)
Konstituierung der Spruchkammer: 15.04.2026.
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## 2. Verfahrensgang
### 2.1 Antragsschrift NADA (Klageschrift) — 02.04.2026
NADA hat am 02.04.2026 die **Verfahrenseinleitung** beantragt. Antragsinhalt:
- Feststellung des Anti-Doping-Regelverstoßes nach Art. 2.1 NADC
- Verhängung einer Sperre von **4 Jahren** nach Art. 10.2.1 NADC (Behauptung: Meldonium ist ein Mittel zur Leistungssteigerung; NADA bestreitet Kontaminationsthese mangels Nachweises)
- Annullierung aller Wettkampfergebnisse seit 18.02.2026
- Kosten zu Lasten der Athletin
### 2.2 Klageerwiderung Mandantin — 12.05.2026
Kanzlei reichte am 12.05.2026 die Klageerwiderung ein (s. DOCX-Schriftsatz in docx/). Inhalt:
- Bestreitung der Absicht (Art. 10.2.1 NADC tatbestandlich nicht erfüllt)
- Darlegung der Kontaminationsthese mit Labornachweis (LGC Hamburg)
- Vorlage Gutachten Prof. Dr. Kempa
- Antrag: Freispruch (Art. 10.5.2 NADC), hilfsweise Reduzierung auf max. 12 Monate (Art. 10.5.1 NADC)
- Antrag auf Aufhebung der vorläufigen Suspendierung für die Dauer des Verfahrens
### 2.3 Beweisaufnahme — 15.05.2026
Mündliche Verhandlung und Beweisaufnahme fand am 15.05.2026, 09:0017:30 Uhr, im DIS-Schiedsgerichtszentrum, Beethovenstraße 5, 60325 Frankfurt am Main statt.
Anwesend: Spruchkammer (alle drei), NADA-Vertreter (Dr. Markus Röder, RA), Mandantin mit RA Prof. Dr. Lentze und RAin Wenderlich, Sachverständiger Prof. Dr. Kempa (per Videolink), Zeugin Barbara Ehrfeld (Vereinstrainerin BSV, per Präsenz), Zeugin Tamara Schönfeld (Torhüterin BSV, per Präsenz).
---
## 3. Verfahrensgrundrechte
### 3.1 Rechtliches Gehör (Art. 103 GG analog, Art. 8 NADC)
Das Recht auf rechtliches Gehör gilt auch im Schiedsverfahren. Art. 8 NADC i.V.m. DIS-SportSchO § 11 garantiert:
- Angemessene Frist zur Vorbereitung
- Recht auf Beiziehung eines Rechtsbeistands
- Recht auf Befragung von Zeugen
- Recht auf Akteneinsicht
Im vorliegenden Verfahren wurden alle diese Rechte gewahrt.
### 3.2 Fairness des Verfahrens — Mutu/Pechstein-Linie
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in **Mutu und Pechstein ./. Schweiz** (EGMR, Urt. 02.10.2018, Az. 40575/10 und 67474/10) entschieden, dass CAS-Schiedsverfahren unter bestimmten Voraussetzungen mit Art. 6 EMRK (Recht auf ein faires Verfahren) vereinbar sind, sofern:
- Das Schiedsverfahren freiwillig oder auf einer hinreichend legitimierten Grundlage basiert
- Verfahrensgarantien (Unabhängigkeit, Unparteilichkeit) gewährleistet sind
- Öffentlichkeit der Verhandlung zumindest auf Antrag möglich ist
Für das DIS-Sportschiedsgericht gelten dieselben Grundsätze. Die Kanzlei stellte vorsorglich einen Antrag auf **öffentliche Verhandlung** (DIS-SportSchO § 11 Abs. 4), der von der Spruchkammer mit Rücksicht auf Persönlichkeitsschutz der Mandantin abgelehnt wurde. Dies ist verfahrensrechtlich zulässig.
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## 4. Angehörte Zeugen
### 4.1 Barbara Ehrfeld — Vereinstrainerin BSV
Aussage: Sie empfahl RecoveryMax Pro der Mandantin und sieben weiteren Spielerinnen. Sie habe das Produkt auf einer Sportmesse (FIBO Köln, Oktober 2024) kennengelernt und es für unbedenklich gehalten. Sie habe keine Prüfung auf Verbotslisten-Konformität vorgenommen.
**Beweiswert:** Bestätigt die Empfehlungskette; zeigt strukturelles Versäumnis im Verein (keine systematische Supplement-Prüfung). Dies stärkt Art. 10.5.1-Argumentation: Mandantin durfte auf Empfehlung vertrauen.
### 4.2 Tamara Schönfeld — Torhüterin BSV
Aussage: Sie verwendet dasselbe Produkt, Charge 22-4188, seit Dezember 2024. Ihre eigene NADA-Kontrolle (Zufallsauswahl) am 20.03.2026 war negativ. Urinprobe im unabhängigen Labor: Meldonium 0,31 µg/mL (unterhalb Schwellenwert, aber nachweisbar).
**Beweiswert:** Nachweis, dass dasselbe Produkt bei einer weiteren Sportlerin zu Meldonium-Spuren führt — starkes Indiz für Kontamination.
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## 5. Schiedsspruch (30.06.2026) — Kurzzusammenfassung
Die Spruchkammer entschied mit Schiedsspruch vom 30.06.2026:
- **Anti-Doping-Regelverstoß:** Bejaht (Art. 2.1 NADC)
- **Absicht:** Verneint (Art. 10.2.1 NADC nicht anwendbar)
- **Kein erhebliches Verschulden:** Teilweise bejaht — Spruchkammer anerkannte Kontamination, monierte aber fehlenden Global-DRO-Check
- **Sperre:** **2 Jahre**, beginnend ab vorläufiger Suspendierung (28.02.2026); damit endend 27.02.2028
- **Annullierung Ergebnisse:** Wettkampfergebnisse ab 18.02.2026 annulliert
Gegen diesen Schiedsspruch legte die Mandantin fristgerecht Berufung beim **Court of Arbitration for Sport (CAS)** ein (s. Aktenstücke 13, 14).
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*Quellen: DIS-SportSchO 2022; NADC 2021 Art. 2.1, 8, 10.2, 10.5; §§ 1025 ff. ZPO; EGMR Urt. 02.10.2018, Az. 40575/10 und 67474/10 (Mutu/Pechstein ./. Schweiz); Art. 6 EMRK.*
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# 11 — Beweisaufnahme: Zeugen, Gutachter und Beweisanträge
**Erstellt:** 20.05.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / DSGSp 12/26
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## 1. Beweisantraege der Mandantin
Mit Schriftsatz vom 30.04.2026 stellte die Kanzlei folgende Beweisanträge:
### Beweisantrag 1: Sachverständiger Prof. Dr. Kempa
**Beweisthema:** Die festgestellte Urinkonzentration von Meldonium (0,520,54 µg/mL) ist kausal auf die Einnahme des Supplements RecoveryMax Pro, Charge 22-4188, zurückzuführen. Eine willentliche Einnahme pharmazeutischer Meldonium-Präparate ist pharmakologisch ausgeschlossen.
**Beweismittel:** Gutachten Prof. Dr. Kempa vom 20.04.2026 (bereits vorliegend); mündliche Erläuterung in der Verhandlung.
**Beschluss:** Zulässig — Spruchkammer ließ Gutachten als Parteigutachten zu und hörte Prof. Dr. Kempa per Videolink am 15.05.2026.
---
### Beweisantrag 2: Supplement-Analysebericht LGC Standards
**Beweisthema:** RecoveryMax Pro, Charge 22-4188, enthält Meldonium in einer Konzentration von 0,84 mg/Kapsel, nicht deklariert.
**Beweismittel:** Analysebericht LGC Standards GmbH Hamburg, Nr. LGC-2026-0310-4188 vom 01.04.2026.
**Beschluss:** Zulässig und als Urkundsbeweis zugelassen.
---
### Beweisantrag 3: Zeugnis Barbara Ehrfeld
**Beweisthema:** Die Vereinstrainerin empfahl der Mandantin das Supplement; keine Prüfung auf NADA/WADA-Konformität wurde vorgenommen; kein Beratungsprogramm des Vereins existiert.
**Beweis:** Zeugenbefragung mündlich am 15.05.2026.
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### Beweisantrag 4: Urinprobe Tamara Schönfeld
**Beweisthema:** Dieselbe Supplement-Charge führt bei einer weiteren BSV-Spielerin zu nachweisbaren Meldonium-Spuren im Urin (0,31 µg/mL bei unabhängiger Analyse).
**Beweismittel:** Laborprotokoll Institut für Doping-Analytik Kreischa, Nr. KADA-2026-0320-4788 vom 28.03.2026; Zeugenbefragung Tamara Schönfeld.
**Beschluss:** Zulässig und zugelassen.
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### Beweisantrag 5 (abgelehnt): DHB-Verbandsarzt
**Beweisthema:** DHB-Verbandsarzt Dr. Andreas Becker kann bestätigen, dass kein strukturiertes Supplement-Beratungsprogramm für DHB-Spielerinnen in Bundesligavereinen existiert.
**Beschluss:** Abgelehnt — nicht entscheidungserheblich für die Frage des persönlichen Verschuldens.
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## 2. Verhandlungsprotokoll (15.05.2026, Auszug)
### 09:00 Uhr — Eröffnung
Prof. Dr. Holzheid (Vorsitzender) eröffnet die Verhandlung. Feststellung der Anwesenheit; Belehrung der Zeugen nach DIS-SportSchO § 13 (Pflicht zur Wahrheit). Mandantin anwesend, sichtlich nervös aber gefasst.
### 09:30 Uhr — Einlassung Mandantin
Prof. Dr. Lentze trägt Einlassung vor. Mandantin ergänzt auf Befragen des Vorsitzenden: Sie habe RecoveryMax Pro täglich eingenommen, immer morgens mit Orangensaft, seit Oktober 2024. Sie habe das Etikett gelesen und nichts Verdächtiges gefunden. Der Begriff „Meldonium" sei ihr nicht bekannt gewesen. Sie habe bei einer Internetrecherche nach dem Hersteller keine negativen Hinweise gefunden.
Auf Frage NADA-Anwalt Röder: „Haben Sie vor der Einnahme einen Arzt oder den DHB-Verbandsarzt konsultiert?" — Antwort Mandantin: „Nein, das habe ich nicht. Ich habe auch nicht gewusst, dass ich das sollte. Die Trainerin hat das Produkt empfohlen, das habe ich für ausreichend gehalten."
Röder versucht, die fehlende Global-DRO-Prüfung als grobe Fahrlässigkeit darzustellen. Prof. Dr. Lentze widerspricht: Bei einem in Deutschland zugelassenen und auf Sportler zielenden Produkt eines deutschen Herstellers dürfe ein nicht vollständig geschulter Athlet auf die Unbedenklichkeit vertrauen; die Pflicht zu einer systematischen Datenbankprüfung treffe primär Nationalmannschafts-Athleten mit Beratungsunterstützung.
### 11:00 Uhr — Zeugin Ehrfeld
Barbara Ehrfeld (53, Vereinstrainerin BSV Sachsen Zwickau seit 2018): „Ich habe das Produkt auf der FIBO empfohlen bekommen und selbst eingenommen. Wir machen keine systematischen Supplement-Checks im Verein. Das ist mir jetzt bewusst, dass das ein Fehler war."
Auf Frage RAin Werner (Schiedsrichterin, zugleich Beisitzerin Mandantin): „Haben Sie die Spielerinnen auf die Möglichkeit einer NADA-Prüfung hingewiesen?" — Ehrfeld: „Nein, leider nicht."
### 13:30 Uhr — Sachverständiger Prof. Dr. Kempa (Videolink)
Kempa erläutert sein Gutachten. NADA-Anwalt stellt kritische Fragen zur Validierungsgenauigkeit der LGC-Analyse. Kempa bestätigt: LGC ist ein international anerkanntes Labor, ISO-zertifiziert; die Ergebnisse sind belastbar. Auf Vorhalt, ob es andere Quellen für die Konzentration geben könnte: „Nein, die Konzentration ist nicht mit einer therapeutischen Einnahme vereinbar. Sie ist ausschließlich mit einer niedrigdosierten Dauerexposition konsistent, wie sie durch ein kontaminiertes Supplement entsteht."
### 15:00 Uhr — Zeugin Schönfeld
Tamara Schönfeld (29, Torhüterin BSV): Bestätigt Einnahme RecoveryMax Pro Charge 22-4188. Ihr Laborbefund (Meldonium 0,31 µg/mL, unterhalb Schwellenwert) wird verlesen. Schönfeld: „Ich habe Glück gehabt, dass ich nicht über dem Grenzwert lag."
---
## 3. NADA-Position in der Verhandlung
NADA-Anwalt Dr. Röder argumentierte:
1. Die Supplement-Kontamination sei zwar belegt, aber die Mandantin hätte diese durch einfache Global-DRO-Recherche vermeiden können — dies stelle erhebliches Verschulden dar (Art. 10.5.1, nicht Art. 10.5.2).
2. Die Sperre von 2 Jahren sei angemessen und entspreche dem Ausgangspunkt bei fehlender Absicht (Art. 10.2.2 NADC) ohne vollständige Schuldbefreiung.
3. Selbst bei Art. 10.5.1 sei eine Mindest-Sperre von 12 Monaten zu verhängen; NADA beantragte 18 Monate.
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## 4. Plädoyers
### 4.1 Mandantin (Prof. Dr. Lentze)
„Die Spruchkammer hat heute gehört, dass das Produkt tatsächlich kontaminiert war, dass eine weitere Spielerin denselben Rückstand hatte, dass meine Mandantin keinerlei Dopingabsicht hatte und dass sie auf eine sachkundige Empfehlung ihrer Trainerin vertraute. Der einzig beanstandbare Punkt ist das unterlassene Global-DRO-Screening. Dieser Fehler wurde von einer 26-Jährigen begangen, die kein Beratungsprogramm vom Verband erhielt. Das ist kein erhebliches Verschulden — das ist ein geringfügiges Versäumnis. Wir beantragen Art. 10.5.2 NADC: Vollständige Aufhebung der Sperre."
### 4.2 NADA (Dr. Röder)
„Das WADA-System funktioniert nur, wenn Athleten ihrer Verantwortung nachkommen. Die Mandantin hat als Nationalmannschafts-Athletin im Registered Testing Pool die Pflicht, Supplements zu prüfen. Das wurde unterlassen. Das ist erhebliches Verschulden. Wir beantragen 18 Monate Sperre."
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*Quellen: DIS-SportSchO §§ 11, 13; NADC 2021 Art. 10.2.2, 10.5.1, 10.5.2; Protokoll Verhandlung DSGSp 12/26 vom 15.05.2026.*
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# 12 — Schiedsspruch DSGSp 12/26 und Berufungsstrategie CAS
**Erstellt:** 15.07.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / DSGSp 12/26 / CAS 2026/A/8821
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## 1. Schiedsspruch DSGSp 12/26 (30.06.2026)
### 1.1 Tenor (Auszug)
Das Deutsche Sportschiedsgericht, Spruchkammer DSGSp 12/26, hat am 30.06.2026 wie folgt entschieden:
**1. Es wird festgestellt, dass die Antragsgegnerin (Selin Uvalkanat) einen Anti-Doping-Regelverstoß nach Art. 2.1 NADC 2021 begangen hat.**
**2. Die Antragsgegnerin wird mit einer Sperre von 2 (zwei) Jahren belegt, beginnend am 28.02.2026, endend am 27.02.2028.**
**3. Alle Wettkampfergebnisse der Antragsgegnerin ab dem 18.02.2026 werden annulliert.**
**4. Die Kosten des Verfahrens werden der Antragsgegnerin zu 2/3 und NADA zu 1/3 auferlegt.**
**5. Jeder Partei werden ihre eigenen Rechtsanwaltskosten auferlegt.**
### 1.2 Begründung (Wesentliche Punkte)
**Zum Regelverstoß:** Die Spruchkammer folgt dem LGC-Analysebericht und dem Gutachten Kempa. Die Kontamination des Supplements ist nachgewiesen; das Supplement ist die Quelle des Meldonium-Befundes.
**Zur Absicht:** NADA hat keine Absicht nachgewiesen. Art. 10.2.1 NADC scheidet aus. Ausgangspunkt: 2 Jahre nach Art. 10.2.2 NADC.
**Zum Verschulden:** Die Spruchkammer verneint ein vollständiges Schuldlösungsrecht (Art. 10.5.2 NADC). Die Mandantin hätte als Nationalkader-Athletin mit RTP-Status die Global-DRO-Datenbank prüfen müssen. Das Unterlassen stellt ein erhebliches Versäumnis dar. **Art. 10.5.1 NADC wird angewendet**, würde aber nach dem Wortlaut von Art. 10.5.1 nur eine Reduzierung erlauben, wenn das Verschulden als „gering" eingestuft wird; die Spruchkammer stuft das Verschulden als „mittel-gering" ein und verbleibt beim Ausgangspunkt von **2 Jahren** (da Art. 10.5.1 bei nicht-spezifizierten Substanzen keine Unterschreitung von 1 Jahr erlaubt, aber auch keine obligatorische Reduzierung).
**Kritische Würdigung:** Die Begründung ist angreifbar. Erstens: Meldonium ist seit 2022 mit Schwellenwert versehen — was den Charakter als „metabolischen Modulator" abschwächt. Zweitens: CAS-Rechtsprechung zu Art. 10.5.1 ist großzügiger bei kleinen Schwellenwertüberschreitungen. Drittens: Die fehlende strukturelle Unterstützung durch DHB und BSV ist nicht hinreichend gewürdigt worden.
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## 2. Rechtsmittelbelehrung und Frist
Der Schiedsspruch enthält folgende Rechtsmittelbelehrung:
„Gegen diesen Schiedsspruch ist Berufung beim Court of Arbitration for Sport (CAS), Lausanne, nach dessen Verfahrensregeln (Code of Sports-related Arbitration, R47 ff.) innerhalb von **21 Tagen** nach Zustellung des vollständig begründeten Schiedsspruchs zulässig."
Zustellung des vollständig begründeten Schiedsspruchs: **07.07.2026**.
Berufungsfrist: **28.07.2026**.
Statement of Appeal eingereicht: **15.07.2026** (innerhalb Frist).
---
## 3. Berufungsstrategie CAS
### 3.1 Berufungsbegründung — Hauptargumente
**Argument 1: Fehlerhafte Anwendung Art. 10.5.1 NADC**
Die Spruchkammer hat das Verschulden als „mittel-gering" eingestuft, ohne dies auf belastbare Tatsachen zu stützen. Nach CAS-Rechtsprechung (CAS 2024/A/9317, Pawłowski) ist bei belegter Supplement-Kontamination und fehlender Vorgeschichte der Athlet allenfalls mit „gering" zu belegen. Entsprechend ist die Sperre auf 812 Monate zu reduzieren, oder — bei Art. 10.5.2 — aufzuheben.
**Argument 2: Art. 10.5.2 NADC (kein Verschulden)**
Die Spruchkammer hat Art. 10.5.2 mit unzureichender Begründung verneint. Der CAS hat in einer Reihe von Fällen anerkannt, dass ein auf eine sachkundige Empfehlung gestütztes Vertrauen in ein Produkt eines regulierten deutschen Herstellers die Sorgfaltspflicht erfüllen kann, wenn weitere Umstände eine Prüfung nicht nahelegen. Die Mandantin ist eine 26-Jährige ohne systematischen Anti-Doping-Unterricht durch DHB oder Verein.
**Argument 3: Verhältnismäßigkeit der Sperre**
Eine 2-Jahres-Sperre für eine Grenzfall-Überschreitung (0,02 µg/mL über Schwellenwert) bei einem Erstverstoß und nachgewiesener Kontamination ist unverhältnismäßig und steht im Widerspruch zur CAS-Tendenz, bei Supplement-Kontaminationen erheblich zu mildern (vgl. CAS 2016/A/4372 — Halep, 1 Monat; CAS 2024/A/9317 — Pawłowski, 6 Monate).
**Argument 4: Fehlende Würdigung DHB-Versagen**
Der DHB unterhält kein strukturiertes Supplement-Beratungsprogramm für Bundesliga-Spielerinnen. WADA-Leitfäden verlangen, dass Verbände ihre Athleten schulen (WADA Anti-Doping Education Framework 2023). Das Versäumnis des DHB mindert das Verschulden der Athletin.
### 3.2 Anträge im CAS-Verfahren
1. Aufhebung des Schiedsspruchs DSGSp 12/26 betreffend die Sperre
2. Freispruch nach Art. 10.5.2 NADC, hilfsweise
3. Reduktion der Sperre auf maximal 8 Monate nach Art. 10.5.1 NADC
4. Aufhebung der vorläufigen Suspendierung für die Dauer des CAS-Verfahrens
5. Kostenentscheidung zu Lasten NADA
---
## 4. Zeitplan CAS-Verfahren
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 15.07.2026 | Statement of Appeal eingereicht (CAS 2026/A/8821) |
| 28.07.2026 | Ablauf Berufungsfrist (Statement of Appeal fristgerecht) |
| 01.08.2026 | CAS-Aktenzeichen bestätigt; CAS-Registrar nimmt Verfahren an |
| 30.08.2026 | Frist Berufungsbegründung (Appeal Brief) |
| 30.09.2026 | Frist Gegenschrift NADA/WADA (Answer) |
| Oktober 2026 | Mündliche Verhandlung CAS Lausanne (terminiert) |
| Dezember 2026 | Schiedsspruch CAS (erwartet) |
---
*Quellen: Schiedsspruch DSGSp 12/26 vom 30.06.2026; NADC 2021 Art. 10.2.2, 10.5.1, 10.5.2; CAS Code R47 ff.; CAS 2016/A/4372 (Halep); CAS 2024/A/9317 (Pawłowski); WADA Anti-Doping Education Framework 2023.*
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# 13 — CAS Lausanne: Verfahrenseinleitung CAS 2026/A/8821
**Erstellt:** 01.08.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / CAS 2026/A/8821
---
## 1. Der Court of Arbitration for Sport (CAS)
### 1.1 Institutioneller Rahmen
Der **Court of Arbitration for Sport (CAS)** — Tribunal Arbitral du Sport (TAS) — ist das weltweit führende Schiedsgericht für sportrechtliche Streitigkeiten. Sitz: Avenue de Beaumont 2, 1012 Lausanne, Schweiz.
Gründung: 1984 (Initiative des IOC); seit 1994 institutionell unabhängig durch Gründung des International Council of Arbitration for Sport (ICAS). Der CAS ist nach Schweizer Recht organisiert und unterliegt der Aufsicht des Schweizerischen Bundesgerichts.
Zuständigkeit in Anti-Doping-Fällen: Art. 13.2 WADC, Art. 13.2 NADC — Berufungsinstanz gegen Entscheidungen nationaler Schiedsgerichte und Sportverbände in Doping-Angelegenheiten.
**Besonderheit:** In Anti-Doping-Fällen hat der CAS Berufungszuständigkeit auch für WADA und nationale Anti-Doping-Organisationen. Sowohl die Athletin als auch NADA und WADA können Berufung einlegen.
### 1.2 Anwendbares Recht
Nach Art. R58 CAS Code (Berufungsverfahren) wendet das Schiedsgerichtspanel an:
- Vorrangig: die Statuten und Regeln des Verbandes (hier: NADC 2021, DHB-Anti-Doping-Richtlinien)
- Subsidiär: Schweizer Recht
- Anerkannte Prinzipien des Sportrechts
---
## 2. Statement of Appeal (15.07.2026)
### 2.1 Formalanforderungen CAS Code R48
Das Statement of Appeal muss nach Art. R48 CAS Code enthalten:
- Bezeichnung der angefochtenen Entscheidung
- Name und Anschrift der Parteien
- Kurzdarstellung der Tatsachen und Anträge
- Nominierung des Schiedsrichters durch die Berufungsführerin
Eingereicht am 15.07.2026, per E-Mail an cas@tas-cas.org und schriftlich per Kurier.
### 2.2 Inhalt des Statement of Appeal (Auszug)
„**Court of Arbitration for Sport**
Avenue de Beaumont 2
1012 Lausanne, Schweiz
**Statement of Appeal**
CAS 2026/A/8821
**Appellant:** Selin Uvalkanat, Karl-Marx-Straße 47, 08056 Zwickau, vertreten durch RA Prof. Dr. Markus Lentze, Kanzlei Lentze, Stopper & Partner, Kronenstraße 55, 70174 Stuttgart
**Respondent:** NADA Deutschland e.V., Heussallee 38, 53113 Bonn
**Interested Party:** World Anti-Doping Agency (WADA), Stock Exchange Tower, 800 Place Victoria, Suite 1700, Montréal QC H4Z 1B7, Canada
**Angefochtene Entscheidung:** Schiedsspruch des Deutschen Sportschiedsgerichts (DSGSp 12/26) vom 30.06.2026, zugestellt 07.07.2026
**Anträge:**
1. Aufhebung der Sperre; hilfsweise Reduzierung auf maximal 8 Monate
2. Rückwirkende Aufhebung der vorläufigen Suspendierung, soweit die Sperre kürzer als die bisherige Suspendierungszeit ausfällt
3. Kosten zu Lasten NADA"
### 2.3 Schiedsrichter-Nominierung
Die Mandantin nominierte **Prof. Dr. Antoine Duval** (Asser-Institut, Den Haag) als Beisitzer (vorgeschlagen durch ISDE-Netzwerk; Expertise in EU-Sportrecht und EMRK). CAS-Registrar bestätigt Akzeptanz am 22.07.2026.
---
## 3. CAS-Panel-Zusammensetzung
CAS bildet ein Panel aus drei Schiedsrichtern:
- **Vorsitzender:** Mr. James Hamilton KC (England, Barrister, CAS-Liste)
- **Beisitzer Appellant:** Prof. Dr. Antoine Duval (Niederlande, nominiert durch Appellant)
- **Beisitzerin Respondent:** Dr. Maria Koval (Ukraine/Schweiz, nominiert durch NADA; CAS-Liste)
Konstituierung Panel: 05.08.2026.
---
## 4. Verfahrensschritte nach Art. R51R57 CAS Code
### 4.1 Appeal Brief (30.08.2026)
Frist für den vollständigen Appeal Brief: 45 Tage nach Statement of Appeal — somit **30.08.2026**. Der Appeal Brief enthält die vollständige rechtliche und tatsächliche Begründung (s. DOCX-Schriftsatz im docx/-Verzeichnis).
**Wesentliche Anlagen:**
- Schiedsspruch DSGSp 12/26 vom 30.06.2026
- LGC-Analysebericht Nr. LGC-2026-0310-4188
- Gutachten Prof. Dr. Kempa vom 20.04.2026
- DSHS-Köln-Protokoll B-Probe vom 04.03.2026
- CAS-Präzedenzfälle (Halep, Pawłowski, Sharapowa)
- Erklärung Prof. Dr. Lentze zur WADA-Leitliniendiskrepanz
### 4.2 Answer (30.09.2026)
NADA hat 30 Tage zur Einreichung ihrer Answer (Art. R55 CAS Code). WADA als Interested Party kann ebenfalls eine Stellungnahme einreichen. Erfahrungsgemäß reicht WADA regelmäßig in CAS-Anti-Doping-Verfahren eine eigene Stellungnahme ein.
### 4.3 Mündliche Verhandlung
Geplant: Oktober 2026 in Lausanne (exakter Termin TBD durch CAS-Registrar). Ort: CAS-Räumlichkeiten, Avenue de Beaumont 2. Dauer: voraussichtlich 12 Tage. Sprache: Englisch (mit Simultandolmetschung Deutsch/Englisch auf Antrag bewilligt).
---
## 5. Vorläufige Suspendierung während CAS-Verfahren
### 5.1 Status Quo
Die vorläufige Suspendierung besteht fort. Mandantin ist seit 28.02.2026 nicht spielberechtigt. Gesamtdauer Suspendierung bis Oktober 2026 (Verhandlung): ca. 8 Monate.
### 5.2 Antrag auf Aufhebung vorläufige Suspendierung beim CAS
Nach Art. R37 CAS Code kann eine einstweilige Verfügung beantragt werden. Kanzlei beantragte am 20.07.2026 die Aufhebung der vorläufigen Suspendierung für die Dauer des CAS-Verfahrens. CAS-Panel lehnte mit Beschluss vom 10.08.2026 ab: „Die Ergebnisse der erstinstanzlichen Spruchkammer wurden sorgfältig durchgeführt. Eine Aufhebung der Suspendierung würde dem Grundsatz der Rechtssicherheit widersprechen, solange das Panel den Fall nicht inhaltlich geprüft hat."
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## 6. Kostenvorschuss
CAS verlangt von der Berufungsführerin einen Kostenvorschuss. Für dieses Verfahren: CHF 3.500 (Registrierungsgebühr). Einzahlung erfolgte am 17.07.2026. Weiterer Vorschuss für Verfahrenskosten wird nach Panel-Konstituierung festgesetzt (erwartet: CHF 15.00020.000).
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*Quellen: CAS Code of Sports-related Arbitration (R47R65); NADC 2021 Art. 13.2; WADC 2021 Art. 13.2; CAS-Webseite (www.tas-cas.org); Art. R37 CAS Code (einstweilige Verfügung); Art. R48, R51, R55, R57 CAS Code.*
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# 14 — CAS-Rechtsprechung: Mutu/Pechstein-Linie und Verfahrensgrundrechte
**Erstellt:** 25.08.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / CAS 2026/A/8821
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## 1. Die Mutu/Pechstein-Entscheidung des EGMR
### 1.1 Sachverhalt und Entscheidung
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied am **02.10.2018** in den verbundenen Rechtssachen **Mutu und Pechstein ./. Schweiz** (Az. 40575/10 und 67474/10) über die Vereinbarkeit von CAS-Schiedsverfahren mit Art. 6 EMRK (Recht auf ein faires Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht).
**Hintergrund Adrian Mutu:** Der rumänische Fußballer Adrian Mutu wurde wegen positiven Kokain-Befundes 2004 gesperrt und vom Chelsea FC auf Schadensersatz in Anspruch genommen. Das CAS bestätigte die Schadensersatzpflicht; Mutu rügte die fehlende Unparteilichkeit des CAS.
**Hintergrund Claudia Pechstein:** Die deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wurde 2009 aufgrund atypischer Blutparameter (Hämoglobin-Werte) — ohne positiven Substanznachweis — gesperrt. Pechstein rügte vor dem EGMR, die obligatorische Schiedsklausel im CAS verletze Art. 6 EMRK, weil sie keine freiwillige Unterwerfung darstelle.
### 1.2 EGMR-Entscheidung (Kernaussagen)
**Zur Freiwilligkeit:**
Der EGMR unterschied die Situation von Mutu (freiwillige Profi-Athletin) und Pechstein (faktisch ohne Alternative). Für Pechstein stellte der EGMR fest, dass die Unterwerfung unter die CAS-Schiedsgerichtsbarkeit nicht freiwillig war, da ohne Teilnahme am Wettkampf keine sportliche Karriere möglich gewesen wäre. **Gleichwohl** sah der EGMR Art. 6 EMRK nicht verletzt, weil:
1. Das CAS genügend Garantien der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit bietet (Unabhängigkeit des ICAS, Partei-Nominierungsrecht)
2. Die Verfahrensgarantien (Waffengleichheit, Akteneinsicht, Anhörungsrecht) gewährleistet sind
3. CAS-Entscheidungen der Kontrolle durch das Schweizerische Bundesgericht unterliegen (Art. 190 IPRG)
**Zur Öffentlichkeit:**
Der EGMR kritisierte, dass CAS-Verfahren in Anti-Doping-Fällen nicht öffentlich sind. Für Pechstein wurde festgestellt: Die fehlende Öffentlichkeit allein verletzt nicht Art. 6 EMRK, wenn der Athlet nicht aktiv eine öffentliche Verhandlung beantragt hat. Der EGMR empfahl jedoch, die CAS-Regeln anzupassen.
**Ergebnis:** Keine Verletzung von Art. 6 EMRK in beiden Fällen, aber wichtige Leitlinien für die Ausgestaltung sportrechtlicher Schiedsgerichtsbarkeit.
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## 2. Auswirkungen auf den vorliegenden Fall
### 2.1 Schiedsklausel — Freiwilligkeit
Die Mandantin hat die DHB-Athletenvereinbarung am 15.01.2023 unterzeichnet, die die Schiedsklausel enthält. Nach der Pechstein-Linie des EGMR ist die Freiwilligkeit fraglich, da der DHB-Nationalkader faktisch ohne Unterwerfung unter die CAS-Jurisdiktion nicht zugänglich ist. Gleichwohl verletzt dies nach dem EGMR-Maßstab Art. 6 EMRK noch nicht.
**Verteidigungspotenzial:** Die Mutu/Pechstein-Linie erlaubt es, bei gravierenden Verfahrensmängeln vor dem CAS eine Verletzung von Art. 6 EMRK geltend zu machen und ggf. vor dem Schweizer Bundesgericht oder dem EGMR weiterzukämpfen. Im vorliegenden Fall sind keine offensichtlichen Verfahrensmängel ersichtlich; dieses Argument ist eine Reserve für den Fall eines unfairen CAS-Verfahrens.
### 2.2 Unparteilichkeit des CAS-Panels
Die Mandantin nominierte Prof. Dr. Duval, einen ausgewiesenen EMRK/EU-Sportrechtsexperten, der kritisch gegenüber dem WADA-System steht. NADA nominierte Dr. Koval. Der Vorsitzende Hamilton wird vom CAS-Präsident ernannt. Es bestehen keine Anhaltspunkte für Befangenheit; ein Ablehnungsantrag ist derzeit nicht angebracht.
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## 3. Weitere CAS-Rechtsprechung zur Kontaminationsthese
### 3.1 CAS 2011/A/2566 — Cilic ./. ITF
**Sachverhalt:** Kroatischer Tennisspieler Marin Cilic (ATP Top-10), positiver Befund auf Nikethamid (S6-Stimulans) durch kontaminiertes Energiegel, das irrtümlich von seiner Mutter in der Apotheke gekauft wurde.
**Ergebnis:** CAS reduzierte Sperre von 9 Monaten auf **4 Monate** unter Anwendung von Art. 10.5.2 NADC (kein erhebliches Verschulden).
**Relevanz für Uvalkanat:** Verwandter Sachverhalt; zeigt, dass CAS bei nachgewiesener Kontaminationsquelle und glaubhafter Geschichte erheblich reduziert.
### 3.2 CAS 2016/A/4372 — Halep ./. ITF
**Sachverhalt:** Rumänische Tennisspielerin Simona Halep, positiver Befund auf Sibutramin (S6) in einem nicht-deklariert kontaminierten Supplement.
**Ergebnis:** Sperre auf **1 Monat** reduziert (praktisch durch provisorische Suspendierung bereits verbüßt).
**Relevanz:** Ähnlich gelagerte Sachverhaltskonstellation; besonders günstig für unsere Position.
### 3.3 CAS 2024/A/9317 — Pawłowski ./. PZPS
**Sachverhalt:** Polnischer Handballer Artur Pawłowski, positiver Meldonium-Befund (0,58 µg/mL) — also ähnliche Konzentration wie Uvalkanat — durch kontaminiertes Supplement (chinesischer Hersteller).
**Ergebnis:** Sperre von 2 Jahren auf **6 Monate** reduziert (Art. 10.5.1 NADC; erhebliches Verschulden verneint, da Produktkontamination nachgewiesen).
**Relevanz:** **Schlüsselpräzedenzfall** für Uvalkanat; gleiche Substanz, ähnliche Konzentration, Supplement-Kontamination. Panel wird aufgefordert, Pawłowski direkt zu folgen.
---
## 4. Schweizer Bundesgericht — Anschlusskontrolle
### 4.1 Rechtsmittelweg nach CAS
Gegen CAS-Schiedssprüche ist Beschwerde beim **Schweizerischen Bundesgericht** möglich, jedoch nur unter engen Voraussetzungen (Art. 190 Abs. 2 IPRG):
- Unzuständigkeit des Schiedsgerichts
- Fehlerhaft zusammengesetztes Panel
- Verletzung des Grundsatzes pacta sunt servanda
- Unvereinbarkeit mit dem ordre public
Inhaltliche Kontrolle des CAS-Entscheids ist grundsätzlich ausgeschlossen. Das Bundesgericht prüft nur prozedurale und ordre-public-relevante Fehler.
### 4.2 EGMR als letzte Instanz
Nach Erschöpfung des innerstaatlichen Rechtswegs (Bundesgericht) steht der Weg zum EGMR offen, wenn eine Verletzung von EMRK-Rechten (insb. Art. 6) geltend gemacht wird. Die Pechstein-Linie zeigt, dass dieser Weg in extremen Fällen gangbar ist, aber selten Erfolg hat.
---
## 5. Bedeutung für die Mandantin
Die Mutu/Pechstein-Linie und die CAS-Präzedenzfälle ergeben folgendes Gesamtbild:
1. **Das CAS-Verfahren ist grundsätzlich mit Art. 6 EMRK vereinbar** — das Panel wird die materiell-rechtliche Frage (Verschulden/Sanktionsbemessung) in den Vordergrund stellen.
2. **Die Supplement-Kontaminations-Rechtsprechung (Halep, Pawłowski) ist für Uvalkanat günstig** — eine Reduzierung auf 612 Monate ist realistisch.
3. **Das CAS hat keine Hemmungen, den deutschen Schiedsspruch umfassend zu überprüfen** — De-novo-Prüfung in Anti-Doping-Fällen ist Standard (Art. R57 CAS Code).
4. **Zielposition:** Sperre max. 8 Monate (mit bereits verbüßter provisorischer Suspendierung: de facto sofortige Spielberechtigung nach CAS-Entscheid).
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*Quellen: EGMR, Urt. 02.10.2018, Az. 40575/10 und 67474/10 (Mutu/Pechstein ./. Schweiz); CAS 2011/A/2566 (Cilic); CAS 2016/A/4372 (Halep); CAS 2024/A/9317 (Pawłowski); Art. 6 EMRK; Art. 190 Abs. 2 IPRG (Schweiz); Art. R57, R58 CAS Code.*
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# 15 — Fristlose Kündigung BSV Sachsen Zwickau e.V., 12.03.2026
**Erstellt:** 14.03.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26
---
## 1. Kündigungsschreiben BSV Sachsen Zwickau (12.03.2026)
Am 12.03.2026 erhielt die Mandantin per Boten folgendes Schreiben des BSV Sachsen Zwickau e.V.:
---
*[Vereinsbriefkopf BSV Sachsen Zwickau e.V., Am Scheffelberg 3, 08056 Zwickau]*
**Kündigung des Arbeitsvertrages**
Sehr geehrte Frau Uvalkanat,
hiermit kündigen wir den zwischen uns bestehenden Arbeitsvertrag vom 01.07.2024 mit sofortiger Wirkung, hilfsweise zum nächstmöglichen Termin, außerordentlich aus wichtigem Grund gemäß § 626 Abs. 1 BGB.
**Grund der Kündigung:**
Durch Schreiben der NADA Deutschland e.V. vom 27.02.2026 wurden wir über einen positiven Dopingbefund (Meldonium) bei Ihrer Person informiert. Am 04.03.2026 wurde uns die Bestätigung durch die B-Probe mitgeteilt. Damit liegt ein Verstoß gegen Art. 2.1 NADC vor, was nach § 7 Abs. 7 Ihres Arbeitsvertrages eine außerordentliche Kündigung berechtigt.
Der BSV Sachsen Zwickau e.V. duldet keinerlei Dopingverstöße. Das Vertrauen in Ihre Person als Leistungssportlerin ist durch den vorliegenden Sachverhalt unwiederbringlich zerstört.
Wir bitten Sie, sämtliche Vereinsgegenstände (Trikots, Trainingsausrüstung, Schlüssel) bis 20.03.2026 zurückzugeben.
*Zwickau, 12.03.2026*
*Volker Bernstein, 1. Vorsitzender BSV Sachsen Zwickau e.V.*
---
## 2. Rechtliche Analyse der Kündigung
### 2.1 Voraussetzungen § 626 BGB
§ 626 Abs. 1 BGB: „Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann."
§ 626 Abs. 2 BGB: Die Kündigung kann nur innerhalb von 2 Wochen erfolgen, nachdem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt hat.
### 2.2 Wichtiger Grund — Prüfung
**Vorliegen eines Sachverhalts:**
Der BSV stützt die Kündigung auf den positiven Dopingbefund. Ein positiver Dopingbefund ist grundsätzlich geeignet, einen wichtigen Grund darzustellen — jedoch nicht automatisch. Entscheidend ist eine Interessenabwägung.
**Interessenabwägung:**
*Für die Kündigung:*
- Verpflichtung des Vereins zu sauberem Sport (Sponsorenpflichten, Verbandssatzung)
- Vorläufige Suspendierung macht Spielerin unverfügbar
- Reputationsschaden des Vereins
- Arbeitsvertrag Abs. 7 sieht Kündigungsrecht vor
*Gegen die Kündigung:*
- Kündigung erfolgt, bevor ein rechtskräftiger Schiedsspruch vorliegt
- Kontaminationsthese ist plausibel und wird gerichtlich untersucht
- 7-jährige Vereinsbindung (seit U17) — besondere Loyalitätsbeziehung
- Dopingbefund liegt nur knapp über dem Schwellenwert
- Kein Straf- oder Disziplinarurteil ist ergangen
**Rechtsprechung BAG:** Das Bundesarbeitsgericht hat wiederholt entschieden, dass eine fristlose Kündigung wegen Dopingverdachts vor rechtskräftigem Abschluss des Disziplinarverfahrens regelmäßig unwirksam ist, wenn der Arbeitnehmer den Vorwurf substantiiert bestreitet (BAG, Urt. 06.08.1987, Az. 2 AZR 226/87; bestätigt durch LAG Sachsen, Urt. 15.03.2019, Az. 3 Sa 441/18).
### 2.3 Ausschlussfrist § 626 Abs. 2 BGB
BSV hatte Kenntnis vom Dopingbefund spätestens am 27.02.2026 (Schreiben NADA). Die 2-Wochen-Frist lief damit bis **13.03.2026**. Kündigung datiert auf 12.03.2026 — **fristgerecht** innerhalb der Ausschlussfrist.
---
## 3. Klageziele im Kündigungsschutzverfahren
### 3.1 Unwirksamkeit der Kündigung
**Primärantrag:** Feststellung der Unwirksamkeit der fristlosen Kündigung nach § 626 BGB wegen fehlenden wichtigen Grundes. Hilfsweise: Unwirksamkeit wegen überschrittener Interessenabwägung. Rechtsfolge: Arbeitsvertrag besteht fort; Annahmeverzugslohn nach § 615 BGB.
**Annahmeverzugslohn:** BSV schuldet ab 13.03.2026 den vertraglichen Arbeitslohn (6.200 EUR brutto/Monat), auch ohne Gegenleistung, wenn die Kündigung unwirksam ist. Bei Verfahrensdauer von 12 Monaten bis zum rechtskräftigen Urteil: ca. 74.400 EUR Annahmeverzugslohn.
### 3.2 Weiterbeschäftigung
Hilfsantrag: Bis zur rechtskräftigen Entscheidung ist BSV zur Weiterbeschäftigung verpflichtet (wenn die vorläufige Suspendierung aufgehoben wird). Im Widerspruch zu NADA-Suspendierung — auf dieses Spannungsfeld weisen wir BSV-Anwalt hin.
### 3.3 Auflösung und Abfindung
Äußerster Hilfsantrag: Falls Weiterbeschäftigung unzumutbar ist, Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch Urteil nach § 9 KSchG und Zahlung einer Abfindung. Berechnung: 0,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr = 0,5 × 7 × 6.200 EUR = 21.700 EUR. (Richtwert; tatsächliche Höhe durch Ermessen des Gerichts.)
---
## 4. Zuständigkeit und Verfahren
**Zuständiges Gericht:** Arbeitsgericht Chemnitz — da der Arbeitsort (Trainings- und Spielbetrieb) in Zwickau liegt (§ 48 Abs. 1a ArbGG: Ort der gewöhnlichen Arbeit). Sachsen-weite Zuständigkeit → ArbG Chemnitz.
**Klagefrist:** § 4 KSchG: 3 Wochen ab Zugang der Kündigung. Kündigung zugegangen: 12.03.2026. Frist: **02.04.2026**. Klage eingereicht: **20.03.2026** (fristgerecht).
**AZ:** 4 Ca 88/26 (ArbG Chemnitz)
**Gütetermin:** Voraussichtlich Mai/Juni 2026 (ArbG Chemnitz ist moderat belastet).
---
*Quellen: § 626 BGB (fristlose Kündigung); § 4 KSchG (Klagefrist); § 9 KSchG (Auflösung); § 615 BGB (Annahmeverzug); § 48 ArbGG; BAG, Urt. 06.08.1987, Az. 2 AZR 226/87; LAG Sachsen, Urt. 15.03.2019, Az. 3 Sa 441/18.*
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# 16 — Kündigungsschutzklage ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26
**Erstellt:** 21.03.2026
**Bearbeiter:** RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26
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## 1. Klageschrift (Auszug)
**Arbeitsgericht Chemnitz**
Annaberger Straße 204
09120 Chemnitz
**Klage**
**Klägerin:** Selin Uvalkanat, Karl-Marx-Straße 47, 08056 Zwickau
**Prozessbevollmächtigte:** RA Prof. Dr. Markus Lentze, Kanzlei Lentze, Stopper & Partner, Kronenstraße 55, 70174 Stuttgart
**Beklagter:** BSV Sachsen Zwickau e.V., Am Scheffelberg 3, 08056 Zwickau
vertreten durch den Vorstand: Volker Bernstein (1. Vorsitzender)
**Streitwert:** 37.200 EUR (3 Bruttomonatsgehälter × 6 Monate Restlaufzeit äquivalent, nach Richtwert § 42 Abs. 2 GKG: 3 Monatsentgelte)
---
### Anträge
1. Es wird festgestellt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien durch die außerordentliche Kündigung des Beklagten vom 12.03.2026 nicht aufgelöst worden ist.
2. Der Beklagte wird verurteilt, die Klägerin bis zur rechtskräftigen Beendigung des Rechtsstreits als Handball-Bundesliga-Spielerin (Linksaußen) zu den bisherigen Bedingungen des Arbeitsvertrages vom 01.07.2024 weiterzubeschäftigen, soweit die vorläufige Suspendierung durch die NADA nicht entgegensteht.
3. Der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin seit 13.03.2026 auflaufenden Annahmeverzugslohn in Höhe von jeweils 6.200 EUR brutto monatlich nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit jeweiliger Fälligkeit zu zahlen.
4. Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Beklagte.
---
### Begründung
#### I. Sachverhalt
Die Klägerin ist seit dem 01.07.2019 beim Beklagten beschäftigt. Zum 01.07.2024 wurde ihr Arbeitsvertrag zuletzt bis zum 30.06.2028 verlängert (Bruttogehalt: 6.200 EUR/Monat). Am 12.03.2026 kündigte der Beklagte das Arbeitsverhältnis außerordentlich nach § 626 BGB wegen eines positiven Dopingbefundes bei der Trainingskontrolle vom 18.02.2026.
#### II. Rechtliche Würdigung
**A. Kein wichtiger Grund**
Zum Zeitpunkt der Kündigung lagen keine hinreichenden Tatsachen für einen wichtigen Grund i.S.d. § 626 Abs. 1 BGB vor. Zwar bestand ein positiver Dopingbefund; jedoch ist dieser Befund kein rechtskräftiges Disziplinarurteil. Die Klägerin bestreitet ausdrücklich und substantiiert jeden Vorsatz. Die von ihr dargelegte Kontaminationsthese — die durch das Analyselabor LGC Standards Hamburg (Bericht Nr. LGC-2026-0310-4188) bereits Bestätigung gefunden hat — macht die außerordentliche Kündigung unverhältnismäßig.
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urt. 06.08.1987, Az. 2 AZR 226/87; Urt. 12.11.1998, Az. 2 AZR 614/97) rechtfertigt der bloße Verdacht eines Dopingverstoßes — ohne rechtskräftige Entscheidung der zuständigen Anti-Doping-Instanz — keine außerordentliche Kündigung, wenn der Arbeitnehmer den Vorwurf glaubhaft und substantiiert bestreitet.
**B. Interessenabwägung**
Die gebotene Interessenabwägung fällt zu Lasten des Beklagten aus:
Auf Seiten der Klägerin: 7-jährige untadelige Vereinsbindung seit U17; keine Dopingvorgeschichte (6 negative Kontrollen); Beinahe-Schwellenwertüberschreitung von nur 8 %; nachgewiesene Kontaminationsquelle; erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Kündigung.
Auf Seiten des Beklagten: Reputationsinteresse; Spielunverfügbarkeit durch Suspendierung. Diese Interessen überwiegen nicht, zumal der Beklagte die vorläufige Suspendierung ohnehin hinzunehmen hätte — eine Kündigung ist insoweit kein Mehrwert.
**C. Annahmeverzug § 615 BGB**
Der Beklagte befindet sich seit Ablauf der Kündigungsfrist (14.03.2026, weil außerordentlich: sofortige Wirkung ab 12.03.2026; somit ab 13.03.2026) in Annahmeverzug nach § 293 BGB i.V.m. § 615 BGB. Die Klägerin muss sich weder die Leistung von Sozialleistungen noch eigene Erwerbstätigkeit anrechnen lassen (§ 615 Satz 2 BGB — kein böswilliges Unterlassen).
---
## 2. Gütetermin — 18.06.2026
Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Chemnitz: 18.06.2026, 10:30 Uhr, Saal 4.
Beisitzerin: Richterin Dr. Sabine Hoffmann.
BSV vertreten durch RAin Claudia Sprenger (Leipzig).
**Ergebnis:** Güteversuch gescheitert. BSV besteht auf Wirksamkeit der Kündigung. Weitergehend: BSV beruft sich auf Sonderklausel Abs. 7 des Arbeitsvertrages.
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## 3. Kammertermin — geplant Oktober 2026
Kammertermin voraussichtlich Oktober 2026. Voraussichtlich wird das ArbG Chemnitz das Verfahren bis zur Entscheidung des CAS aussetzen (§ 148 ZPO i.V.m. § 46 Abs. 2 ArbGG), da die Frage des wichtigen Grundes von der Entscheidung des CAS abhängt.
**Prozessrisiko-Bewertung:**
- Obsiegen bei Art. 10.5.2-Freispruch durch CAS: hoch (kein ADRV rechtskräftig → kein wichtiger Grund)
- Obsiegen bei 8-Monate-Sperre: möglich (Interessenabwägung zugunsten Klägerin; Restlaufzeit bis 2028 intakt)
- Unterliegen bei 2-Jahres-Sperre: Kündigung wahrscheinlich wirksam (§ 7 Abs. 7 Arbeitsvertrag greift bei > 6 Monate Sperre)
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## 4. Abfindungsverhandlung — Überlegungen
Falls das ArbG Chemnitz die Kündigung für wirksam hält oder der CAS-Schiedsspruch ungünstig ausfällt, kommt eine Abfindungslösung in Betracht. BSV-Anwältin Sprenger hat am Rande des Gütegesprächs 15.000 EUR Abfindung angedeutet. Dies ist deutlich zu niedrig. Realistischer Korridor:
| Berechnung | Basis |
|---|---|
| Abfindung nach § 1a KSchG | 0,5 × 7 Jahre × 6.200 EUR = 21.700 EUR |
| Annahmeverzugslohn (MärzOktober 2026) | 7 × 6.200 EUR = 43.400 EUR brutto |
| Summe Gesamtforderung (bei Unwirksamkeit) | mind. 65.100 EUR |
| Vergleichsangebot unsererseits | 50.000 EUR |
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*Quellen: § 626 BGB; §§ 293, 615 BGB (Annahmeverzug); § 4 KSchG; § 9 KSchG; § 42 Abs. 2 GKG; § 148 ZPO; BAG, Urt. 06.08.1987, Az. 2 AZR 226/87; BAG, Urt. 12.11.1998, Az. 2 AZR 614/97.*
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# 17 — Persönlichkeitsrechtsverletzung durch BILD-Schlagzeile „Doping-Selin"
**Erstellt:** 16.03.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / LG Berlin 27 O 411/26
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## 1. Sachverhalt: Die BILD-Schlagzeile
Am **14.03.2026** erschien in der BILD-Zeitung (Printausgabe und Online) folgender Artikel:
**Schlagzeile:** „Doping-Selin — Handball-Star mit Droge erwischt"
**Unterzeile:** „Selin Uvalkanat (26) vom BSV Zwickau hat bei der NADA-Kontrolle versagt. Die Nationalspielerin soll Meldonium genommen haben — das Mittel, das auch Sharapowa den Tennisschläger aus der Hand schlug."
**Artikelinhalt (Zusammenfassung):** Der Artikel stellte den AAF als erwiesene Tatsache dar, bezeichnete Meldonium als „Doping-Mittel" und implizierte eine willentliche Einnahme durch Uvalkanat. Zitat im Artikel: „Insider berichten, dass Uvalkanat schon länger unter Verdacht stand." Die Namenszeichnung (Byline): Sportredaktion BILD.
**Foto:** Ein Bild der Mandantin in DHB-Trikot aus einer öffentlich zugänglichen DHB-Pressemappe; Bildunterschrift: „Selin Uvalkanat — des Dopings überführt?"
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## 2. Rechtliche Würdigung
### 2.1 Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts (APR)
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) ist in Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG verankert und wird zivilrechtlich über § 823 Abs. 1 BGB (sonstiges Recht) und § 1004 BGB analog geschützt.
**Verletzungshandlungen:**
1. **„Doping-Selin":** Die Verwendung des Wortes „Doping" als Vorname-Attribut stellt eine Vorverurteilung dar. Der AAF ist kein rechtskräftiger Dopingbefund. Die Formulierung „Doping-Star" oder „Doping-Selin" suggeriert eine abgeschlossene Schuldfeststellung — dies verletzt die Unschuldsvermutung und das APR.
2. **„des Dopings überführt?":** Die Bildunterschrift in Frageform kann nicht über ihre verurteilende Wirkung hinwegtäuschen. Nach BGH NJW 2016, 789 (Verdachtsberichterstattung) sind Schlagzeilen mit verurteilenden Attributionen auch dann rechtswidrig, wenn sie formell als Frage formuliert sind, wenn der Gesamteindruck eine Verurteilung suggeriert.
3. **„Insider berichten":** Ohne Namensnennung und Konkretisierung stellt diese Passage eine nicht belegbare ehrenrührige Behauptung dar.
4. **Foto ohne Zustimmung für diffamierende Berichterstattung:** Die Nutzung eines DHB-Pressefotos für eine Berichterstattung, die die Mandantin als Dopingbetrügerin hinstellt, verletzt das Recht am eigenen Bild (§§ 22, 23 KUG) in der Ausprägung, dass eine presserechtlich zulässige Verwendung eines Fotos nicht für Diffamierungen genutzt werden darf.
### 2.2 Maßstab Verdachtsberichterstattung
Die Presse darf über laufende Anti-Doping-Verfahren berichten — dies ist durch die Pressefreiheit (Art. 5 GG) gedeckt. Jedoch gelten für die **Verdachtsberichterstattung** strenge Regeln (BGH, Urt. 18.11.2014, VI ZR 76/14 — Ebay-Betrug; BGH NJW 2016, 789):
- Mindestbestand an Beweistatsachen (hier: AAF = hinreichend)
- Keine Vorverurteilung im Stil einer Tatsachenbehauptung
- Erkennbarkeit der Verdachtsberichterstattung als solche
- Einbeziehung der Gegendarstellung/Stellungnahme der Betroffenen
Die BILD hat die Mandantin **nicht** um Stellungnahme gebeten vor Veröffentlichung. Auch die Kanzlei wurde nicht kontaktiert. Dies allein begründet regelmäßig die Rechtswidrigkeit der Berichterstattung.
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## 3. Unterlassungsanspruch
**Anspruchsgrundlage:** § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB analog i.V.m. § 823 Abs. 1 BGB; § 22 KUG.
**Antrag (einstweilige Verfügung, eingereicht 16.03.2026):**
1. Es wird der Axel Springer SE (Herausgeberin BILD) untersagt, über die Antragstellerin mit der Bezeichnung „Doping-Selin" oder gleichsinnigen Attributionen zu berichten.
2. Es wird der Axel Springer SE untersagt, das Foto der Antragstellerin in DHB-Uniform im Kontext von Berichterstattungen zu verwenden, die eine willentliche Dopingeinnahme suggerieren.
3. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wird ein Ordnungsgeld bis 250.000 EUR angedroht.
**LG Berlin 27 O 411/26 — einstweilige Verfügung erteilt am 10.04.2026** (ohne mündliche Verhandlung nach § 937 Abs. 2 ZPO).
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## 4. Geldentschädigungsanspruch
Nach § 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG besteht bei schwerwiegender APR-Verletzung ein Geldentschädigungsanspruch (Gegenstück zum Schmerzensgeld im APR). Voraussetzung: schwerwiegende Beeinträchtigung, die durch Unterlassung allein nicht vollständig behoben werden kann.
**Schwerwiegende Beeinträchtigung hier:**
- Massenmedialer Reichweite (Druckauflage BILD ca. 0,7 Mio.; Online-Aufrufe > 500.000 in den ersten 48 Stunden)
- Nationale Berichterstattung mit Ripple-Effekt in Handball-Medien
- Karriereschaden, der über das Anti-Doping-Verfahren hinausgeht
- Psychische Beeinträchtigung (Sportpsychologin Dr. Böhm attestiert Angstzustände und Schlafstörungen seit 14.03.2026)
**Geldentschädigungsanspruch:** mindestens **25.000 EUR** (Orientierung: BGH NJW 2014, 2029 — Caroline-Linie für Medienopfer; BVerfG, Beschl. 14.02.1973 — Lebach).
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## 5. Gegendarstellung
Die Kanzlei verlangte mit Schreiben vom 15.03.2026 nach § 11 LPresseG NW (gilt analog über Berliner Presserecht, §§ 10, 11 BerlPresseG) die **Veröffentlichung einer Gegendarstellung** in BILD innerhalb von 3 Werktagen.
**Gegendarstellungstext:**
„In der BILD vom 14.03.2026 wurde berichtet, Selin Uvalkanat sei „des Dopings überführt" und hätte ein Doping-Mittel genommen. Hierzu erkläre ich: Ich habe zu keinem Zeitpunkt willentlich eine verbotene Substanz eingenommen. Der positive Befund ist auf eine nicht deklarierte Verunreinigung eines handelsüblichen Nahrungsergänzungsmittels zurückzuführen, die durch ein unabhängiges Labor bestätigt wurde. Ein rechtskräftiger Dopingbefund liegt nicht vor. Mein Disziplinarverfahren ist noch nicht abgeschlossen. — Selin Uvalkanat"
BILD veröffentlichte die Gegendarstellung am 19.03.2026 auf Seite 12 (kleiner Kasten, ohne Schlagzeile). Die Kanzlei rügt die unzureichende Platzierung (nicht gleichwertig mit Originalberichterstattung) und behält sich weiteren Klageantrag vor.
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*Quellen: § 823 Abs. 1 BGB; § 1004 BGB; §§ 22, 23 KUG; Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1, 5 GG; BGH, Urt. 18.11.2014, VI ZR 76/14; BGH NJW 2016, 789; BGH NJW 2014, 2029; §§ 10, 11 BerlPresseG; BGH, Beschl. 14.02.1973 — Lebach; BVerfG NJW 1973, 1221.*
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# 18 — Klage LG Berlin 27 O 411/26: Unterlassung und Geldentschädigung
**Erstellt:** 12.04.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / LG Berlin 27 O 411/26
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## 1. Einstweilige Verfügung (10.04.2026)
Das Landgericht Berlin, 27. Zivilkammer (Pressekammer), erließ am **10.04.2026** ohne mündliche Verhandlung folgende einstweilige Verfügung:
**LG Berlin, Az. 27 O 411/26**
**Beschluss (einstweilige Verfügung)**
Der Antragsgegnerin (Axel Springer SE, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin) wird bei Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu **250.000 EUR**, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, untersagt:
**1.** Die Antragstellerin (Selin Uvalkanat) mit der Bezeichnung „Doping-Selin" oder gleichsinnigen Attributen zu bezeichnen, die eine willentliche Dopingeinnahme oder eine rechtskräftig festgestellte Dopingverletzung suggerieren.
**2.** Die Behauptung zu verbreiten, die Antragstellerin sei „des Dopings überführt" oder „habe Meldonium genommen", soweit dies als Tatsachenbehauptung und nicht als erkennbarer Verdacht formuliert wird.
**3.** Das Lichtbild der Antragstellerin (DHB-Pressefoto, Saison 2024/25) im Kontext von Berichterstattungen zu verwenden, die eine absichtliche Dopingeinnahme nahelegen.
*Gez. Vorsitzende Richterin Dr. Petra Helbig, 27. Zivilkammer LG Berlin*
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## 2. Widerspruch der Axel Springer SE
Axel Springer SE legte am 24.04.2026 durch ihre Anwälte (Freshfields Bruckhaus Deringer LLP, Berlin) Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung ein. Begründung:
**Zur Bezeichnung „Doping-Selin":**
Axel Springer beruft sich auf die **Pressefreiheit** (Art. 5 GG). Der Begriff „Doping-Selin" sei eine zulässige Kurzbezeichnung im Rahmen einer von tatsächlichem AAF gedeckten Berichterstattung. Die Schlagzeile habe kenntlich gemacht, dass ein Dopingbefund vorliegt — was unbestreitbar wahr sei.
**Zur Vorverurteilung:**
Die Formulierung „des Dopings überführt?" sei als Frage zu verstehen und stelle keine Tatsachenbehauptung dar. Das Fragezeichen signalisiere Offenheit des Verfahrens.
**Zu den Insiderberichten:**
Es sei gängige journalistische Praxis, auf anonyme Quellen zu verweisen. Die Quelle sei verlässlich (Details werden Gericht gegenüber offenbart).
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## 3. Mündliche Verhandlung LG Berlin — 22.05.2026
### 3.1 Verhandlungsverlauf (Protokoll-Auszug)
**Vorsitzende Richterin Dr. Helbig:** „Meine Herren, die Kammer hat die einstweilige Verfügung auf Grundlage der eingereichten Unterlagen erlassen. Wir sind der Auffassung, dass Doping-Selin' eine Vorverurteilung darstellt, die angesichts des noch laufenden Verfahrens rechtswidrig ist. Das gilt selbst wenn ein AAF vorliegt — denn AAF ist nicht gleich ADRV."
**Freshfields (Axel Springer):** „Der BGH hat in Entscheidungen zur Verdachtsberichterstattung immer betont, dass bei einem nachgewiesenen tatsächlichen Befund — und ein Laborergebnis ist ein tatsächlicher Befund — die Berichterstattung zulässig ist."
**Prof. Dr. Lentze:** „Das verwechselt Sachverhalt und Wertung. Ein positiver Laborwert ist noch kein Dopingverstoß — schon gar nicht kein rechtskräftiger. Die Kammer weiß, dass selbst Athleten, die nachher freigesprochen wurden, als 'Doper' bezeichnet wurden — das ist genau der Fall, den § 1004 BGB verhindern soll."
**Richterliche Würdigung:** Die Kammer ließ anklingen, dass sie an der Verfügung festhalten will, jedoch die Abgrenzung zwischen zulässiger Verdachtsberichterstattung und unzulässiger Vorverurteilung im Urteil präzisieren wird.
### 3.2 Ergebnis
Kammer bestätigte einstweilige Verfügung in den Punkten 1 und 2, modifizierte Punkt 3 (Foto): Nutzung mit sachlicher Bebilderung (neutrales Sportfoto, nicht im diffamierenden Kontext) bleibt zulässig.
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## 4. Hauptsache — Geldentschädigungsklage
Nach Abschluss des einstweiligen Verfügungsverfahrens legte die Kanzlei am **10.06.2026** die Hauptsacheklage vor dem LG Berlin ein.
**Streitwert:** 75.000 EUR
**Klageantrag:** Zahlung einer Geldentschädigung wegen schwerwiegender APR-Verletzung i.H.v. mind. 50.000 EUR.
**Klagebegründung (Kernaussagen):**
1. Die BILD-Berichterstattung vom 14.03.2026 erreichte nach Axel-Springer-eigenen Angaben einen Online-Reach von über 1,2 Millionen Unique Users innerhalb von 24 Stunden. Eine solch massive, bundesweite Diffamierung mit falscher Tatsachenbehauptung (willentliche Dopingeinnahme) begründet einen Anspruch auf Geldentschädigung nach der Caroline-Linie des BGH.
2. Die Mandantin hat durch die Berichterstattung erhebliche psychische Beeinträchtigungen erlitten (Attest Dr. Böhm: schwere Schlafstörungen, Angstattacken, sozialer Rückzug — behandlungsbedürftig seit 14.03.2026). Die Sportpsychologin behandelt zweimal wöchentlich.
3. Der Abschreckungseffekt (Präventionsfunktion) der Geldentschädigung erfordert einen spürbaren Betrag, der über einen symbolischen Wert hinausgeht. Vergleichsfall BGH, Urt. 24.11.2009 — VI ZR 219/08: 5.000 EUR bei Schlagzeile über Privatperson. Für einen deutlich größeren Reichweite-Fall mit nachweisbarer Karrierebeeinträchtigung sind 50.000 EUR angemessen.
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## 5. Vergleichsüberlegungen
Im Güteversuch (25.06.2026) hat Axel Springer SE über Freshfields 20.000 EUR Vergleich angeboten. Dies ist zu niedrig. Unsere Mindestforderung: **35.000 EUR** plus Übernahme Anwaltskosten und Übernahme Kosten einstweilige Verfügung. Verhandlungen laufen.
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## 6. Gegendarstellung — Nachbesserungsklage
Da die Gegendarstellung vom 19.03.2026 unzureichend platziert war (§ 11 BerlPresseG fordert gleichwertige Platzierung), wird zusätzlich Klage auf erneute Veröffentlichung der Gegendarstellung mit adäquater Hervorhebung eingereicht.
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*Quellen: § 823 Abs. 1 BGB; § 1004 BGB; Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG; Art. 5 GG; §§ 22, 23 KUG; §§ 10, 11 BerlPresseG; BGH NJW 2014, 2029 (Geldentschädigung APR); BGH, Urt. 24.11.2009, VI ZR 219/08; BGH NJW 2016, 789 (Verdachtsberichterstattung).*
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# 19 — Sponsorenvertrag Adidas AG: Moralklausel und Rückforderung
**Erstellt:** 30.03.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / ICC Zürich 28-2026/SPO
---
## 1. Sponsorenvertrag — Vertragsstruktur
Der am 01.01.2025 abgeschlossene Sponsorenvertrag zwischen Selin Uvalkanat und der Adidas AG (Adi-Dassler-Straße 1, 91074 Herzogenaurach) hat folgende Kernstruktur:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Vertragsparteien | Selin Uvalkanat / Adidas AG |
| Laufzeit | 01.01.2025 bis 31.12.2027 |
| Jahresvergütung | 40.000 EUR netto p.a. |
| Zahlungsweise | Quartalsweise, je 10.000 EUR |
| Provisionsvorschuss 2026 | 80.000 EUR brutto (ausgezahlt 15.01.2026) |
| Provisionsvorschuss 2027 | 40.000 EUR brutto (noch nicht fällig) |
| Verpflichtungen Athletin | Bildrechte, Social Media (2x/Monat), 4 Werbetage/Jahr |
| Rechtswahl | Deutsches Recht |
| Schiedsklausel | ICC-Schiedsverfahren Zürich, 3 Schiedsrichter |
| Gerichtsstand staatlich | Amtsgericht/Landgericht Herzogenaurach (subsidiär) |
---
## 2. Moralklausel Ziff. 9.3
Der Vertrag enthält in Ziff. 9.3 folgende Moralklausel:
„**Moralklausel.** Adidas ist berechtigt, diesen Vertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen und/oder die Zusammenarbeit zu suspendieren, wenn der Athlet in ein Verfahren verwickelt wird, das geeignet ist, den Ruf von Adidas erheblich zu schädigen, insbesondere: (a) ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Tat, (b) ein Anti-Doping-Verfahren wegen eines positiven Befundes auf eine verbotene Substanz, (c) ein anderes Verhalten, das den Werten von Adidas — Fairness, Integrität, Leistung — zuwiderläuft. Im Fall einer Kündigung oder Suspendierung nach diesem Absatz ist Adidas berechtigt, ausgezahlte Vorschüsse und Honorare anteilig zurückzufordern."
---
## 3. Adidas-Schreiben (25.03.2026)
Am 25.03.2026 erhielt die Kanzlei folgendes Schreiben der Adidas AG (Rechtsabteilung, Dr. Klaus Meissner):
„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lentze,
wir nehmen Bezug auf das Anti-Doping-Verfahren gegen Frau Uvalkanat. Adidas AG sieht sich gezwungen, die Zusammenarbeit mit Frau Uvalkanat nach Ziff. 9.3 des Sponsorenvertrages mit sofortiger Wirkung zu suspendieren.
Gleichzeitig fordern wir gemäß Ziff. 9.3 Satz 3 die anteilige Rückzahlung des am 15.01.2026 ausgezahlten Provisionsvorschusses für das Jahr 2026 in voller Höhe von **80.000 EUR brutto**. Wir bitten um Rückzahlung bis zum 15.04.2026.
Darüber hinaus behalten wir uns vor, weitere Schadensersatzansprüche geltend zu machen.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Klaus Meissner, Leiter Rechtsabteilung, Adidas AG"
---
## 4. Rechtliche Analyse
### 4.1 Wirksamkeit der Moralklausel
Die Moralklausel unterliegt als Allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) der Inhaltskontrolle nach §§ 307 ff. BGB. Adidas-Verträge mit Athleten werden standardisiert angeboten — daher ist von AGB-Qualität auszugehen.
**Prüfung § 307 Abs. 1 BGB (unangemessene Benachteiligung):**
Die Klausel ist in Ziff. 9.3 lit. b so gestaltet, dass **bereits die Einleitung eines Anti-Doping-Verfahrens** — ohne rechtskräftige Entscheidung — zur Suspendierung und Rückforderung berechtigt. Dies ist problematisch:
- Nach BGH NJW 2013, 2885 sind Klauseln unwirksam, die den Vertragspartner bei bloßem Verdacht und ohne Schuldnachweis sanktionieren, wenn kein sachlicher Grund besteht.
- Die Klausel differenziert nicht zwischen AAF (Laborergebnis) und ADRV (rechtskräftige Entscheidung). Sie lässt offen, ob auch ein schließlich freigesprochener Athlet den Vorschuss zurückzahlen muss.
- Die Unschuldsvermutung ist im zivilrechtlichen Kontext zwar nicht unmittelbar anwendbar; gleichwohl kann eine Klausel nach § 307 Abs. 1 BGB unwirksam sein, wenn sie in unangemessener Weise die Rechtsposition des Vertragspartners verschlechtert, ohne dass ein legitimer Zweck dies rechtfertigt.
**Gleichwohl:** Im Bereich der Sportler-Sponsoring-Verträge hat die Rechtsprechung Moralklauseln tendenziell akzeptiert (OLG München, Urt. 20.09.2018, 23 U 1284/18: Moralklausel bei Schauspielerin bei Strafverfahren — wirksam). Die Frage, ob ein AAF ausreicht oder ein ADRV erforderlich ist, wurde in Deutschland gerichtlich noch nicht abschließend entschieden.
### 4.2 Rückforderungsanspruch — Umfang
Selbst wenn die Moralklausel wirksam ist: Der Rückforderungsanspruch bezieht sich auf den „anteiligen" Vorschuss. Der Vorschuss von 80.000 EUR war für das Jahr 2026 gezahlt. Adidas kündigt am 25.03.2026 — also nach ca. 2,5 Monaten des Jahres 2026.
Anteilige Berechnung: 2,5/12 × 40.000 EUR (Jahresvergütung) = ca. 8.333 EUR bereits „verdient". Der Vorschuss übersteigt die Jahresvergütung (80.000 EUR > 40.000 EUR). Der überschießende Teil (80.000 EUR 40.000 EUR = 40.000 EUR) ist nach § 812 BGB als ungerechtfertigte Bereicherung rückforderbar; der Restbetrag (40.000 EUR) bezieht sich auf die vertragliche Vergütung, die bei Vertragsauflösung pro rata zu berücksichtigen ist.
**Verteidigungsansatz:** Selbst bei wirksamer Moralklausel schuldet die Mandantin höchstens **71.667 EUR** (80.000 EUR minus 8.333 EUR anteilig verdient). Diese Berechnung werden wir gegen Adidas einsetzen. Vorzugslösung: Moralklausel ist unwirksam (§ 307 BGB); kein Rückforderungsanspruch.
---
## 5. ICC-Schiedsverfahren Zürich (28-2026/SPO)
Da der Sponsorenvertrag eine ICC-Schiedsklausel enthält, hat Adidas das Schiedsverfahren bei der **International Chamber of Commerce (ICC)** in Zürich eingeleitet (Registrierungsnummer 28-2026/SPO).
**Status:** ICC-Sekretariat hat die Klage am 18.04.2026 formell registriert. Adidas' Anspruch: Rückzahlung 80.000 EUR. Gegenklage Mandantin: Fortbestand des Vertrages, Schadensersatz wegen ungerechtfertigter Suspendierung.
**Zeitplan:** Panel-Konstituierung bis Juni 2026; mündliche Verhandlung voraussichtlich Anfang 2027.
**Anwendbares Recht:** Deutsches Recht (Ziff. 12 des Sponsorenvertrages). Verfahrenssprache: Deutsch (Parteivereinbarung).
---
*Quellen: § 307 BGB (AGB-Inhaltskontrolle); § 812 BGB (ungerechtfertigte Bereicherung); BGH NJW 2013, 2885; OLG München, Urt. 20.09.2018, 23 U 1284/18; ICC-Schiedsordnung 2021; Sponsorenvertrag Ziff. 9.3, 12.*
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# 20 — ICC-Schiedsverfahren Zürich 28-2026/SPO: Adidas-Streit
**Erstellt:** 25.04.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001 / ICC Zürich 28-2026/SPO
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## 1. Die ICC als Schiedsgerichtsinstitution
Die **International Chamber of Commerce (ICC)** mit Sitz in Paris betreibt den weltweit bekanntesten Schiedsgerichtshof (ICC Court of Arbitration). Die ICC-Schiedsordnung (ICC Rules of Arbitration 2021) gilt als besonders geeignet für internationale Handels- und Vertragstreitigkeiten.
**Schweizer Schiedsort:** Im vorliegenden Fall ist Zürich als Schiedsort vereinbart. Dies hat folgende Konsequenzen:
- Lex loci arbitri: Schweizerisches Privatrecht (IPRG Kapitel 12) regelt die Formfragen des Schiedsverfahrens
- Angreifbar beim Schweizerischen Bundesgericht (Art. 190 IPRG)
- Materiell deutsches Recht anwendbar (Parteiwahl)
---
## 2. Schiedsverfahren — Verfahrensgang
### 2.1 Klage Adidas (18.04.2026)
Adidas hat als Klägerin folgende Anträge gestellt:
1. Die Beklagte (Selin Uvalkanat) wird verurteilt, EUR 80.000 brutto nebst Zinsen von 5 % p.a. seit 15.04.2026 zu zahlen.
2. Es wird festgestellt, dass der Sponsorenvertrag vom 01.01.2025 infolge der Kündigung vom 25.03.2026 beendet ist.
3. Kosten des Verfahrens zu Lasten der Beklagten.
**Klagebegründung Adidas:**
- Moralklausel Ziff. 9.3 lit. b wirksam
- AAF begründet Kündigungsrecht
- Vorschuss vollständig rückforderbar
### 2.2 Klageerwiderung und Widerklage Mandantin (20.05.2026)
Kanzlei reichte Klageerwiderung und Widerklage ein:
**Klageerwiderungsanträge:**
1. Klage abweisen — Moralklausel unwirksam (§ 307 BGB)
2. Hilfsweise: Rückforderung beschränkt auf max. 71.667 EUR
**Widerklageanträge:**
1. Feststellung, dass der Sponsorenvertrag durch die Kündigung vom 25.03.2026 nicht beendet wurde
2. Zahlung der fälligen Quartals-Vergütung AprilJuni 2026: 10.000 EUR nebst Zinsen
3. Schadensersatz wegen verfrühter Suspendierung: 40.000 EUR (entgangene Jahresvergütung 2026 abzüglich anteilig verdienter Beträge bis 25.03.2026)
---
## 3. AGB-Kontrolle § 307 BGB — Vertiefung
### 3.1 Unklarheitenregel § 305c Abs. 2 BGB
Ziff. 9.3 des Sponsorenvertrages spricht von einem Verfahren „wegen eines positiven Befundes auf eine verbotene Substanz". Die Klausel ist unklar: Meint sie den AAF (Laborergebnis) oder den ADRV (rechtskräftige Feststellung)? Nach § 305c Abs. 2 BGB (Unklarheitenregel) gehen Auslegungszweifel zu Lasten des Verwenders — also zu Lasten von Adidas. Auslegung: „positiver Befund" = ADRV, nicht AAF. Da kein ADRV rechtskräftig ist, war Adidas nicht zur Kündigung berechtigt.
### 3.2 Überraschende Klausel (§ 305c Abs. 1 BGB)
Alternativ: Eine Klausel, die bei bloßem AAF ohne rechtskräftige Entscheidung zur Rückforderung des gesamten Vorschusses berechtigt, ist so ungewöhnlich, dass ein Athlet nicht damit zu rechnen braucht. Sie wäre überraschend i.S.d. § 305c Abs. 1 BGB und damit nicht Vertragsbestandteil.
### 3.3 Unangemessene Benachteiligung (§ 307 Abs. 1 BGB)
Selbst wenn die Klausel formell gilt: Sie benachteiligt die Mandantin unangemessen, weil sie
- keine Differenzierung zwischen AAF und ADRV enthält,
- keine Rücksicht auf das Ergebnis des Hauptverfahrens nimmt (auch ein freigesprochener Athlet müsste zurückzahlen),
- den Rückforderungsanspruch pauschal auf 100 % des Vorschusses fixiert, ohne anteilige Verrechnung mit erbrachten Leistungen.
Dies entspricht nicht dem Grundgedanken des Bereicherungsverbots und ist nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB als Abweichung vom gesetzlichen Leitbild unwirksam.
---
## 4. Parallelargument: Suspendierung vs. Kündigung
Die Moralklausel gibt Adidas das Recht zur **Suspendierung oder Kündigung** — es besteht also ein Ermessen. Adidas hat von Beginn an „suspendiert" (Schreiben 25.03.2026), aber gleichzeitig Rückzahlung des **gesamten** Vorschusses gefordert. Dies setzt voraus, dass auch eine Kündigung erklärt wurde.
Das Schreiben vom 25.03.2026 enthält keine eindeutige Kündigungserklärung — es spricht von „Suspendierung". Eine Suspendierung berechtigt nicht automatisch zur Rückforderung aller ausgezahlten Beträge. Adidas-Klage ist daher zumindest teilweise unbegründet, weil keine wirksame Kündigung vorliegt.
---
## 5. Schiedsgerichtliche Vorläufige Verfügung
Am 10.05.2026 beantragte die Kanzlei beim ICC-Tribunal eine **vorläufige Verfügung** (Art. 28 ICC Rules), mit der Adidas untersagt werden soll, die Suspendierung öffentlich als „Vertragskündigung" zu kommunizieren (da dies die Verhandlungsposition der Mandantin gegenüber zukünftigen Sponsoren schädigt). Entscheidung ausstehend.
---
## 6. Vergleichsüberlegungen
Beide Parteien haben Interesse an einem raschen Abschluss:
- Adidas: Reputationsschaden durch laufendes Verfahren und mögliche AGB-Unwirksamkeit
- Mandantin: Finanzielle Belastung (80.000 EUR Rückforderung)
**Vergleichskorridor:** Mandantin zahlt 20.00025.000 EUR zurück (anteilig erbrachte Leistungsgegenleistung). Vertrag wird für die Dauer der Sperre ruhend gestellt, danach reaktiviert wenn CAS-Urteil günstig ausfällt.
Adidas hat in einem Telefonat am 20.05.2026 grundsätzliches Interesse an einem Vergleich signalisiert, verlangt aber 50.000 EUR Rückzahlung. Lücke: 25.00050.000 EUR. Verhandlungen laufen.
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*Quellen: ICC Rules of Arbitration 2021, Art. 28 (vorläufige Maßnahmen); Art. 190 IPRG (Schweiz); § 305c BGB (überraschende/unklare Klauseln); § 307 BGB (unangemessene Benachteiligung); BGH NJW 2013, 2885; OLG München, Urt. 20.09.2018, 23 U 1284/18.*
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# 21 — Verbandssanktionen: DHB-Bundeskaderausschluss, EHF/IHF-Wechselsperre
**Erstellt:** 05.05.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze / RAin Sophie Wenderlich
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
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## 1. DHB-Bundeskaderausschluss
### 1.1 DHB-Beschluss (02.03.2026)
Mit Schreiben vom 02.03.2026 informierte DHB-Generalsekretär Thomas Bergmann die Mandantin, dass sie mit sofortiger Wirkung nicht mehr für den Bundeskader (A-Nationalmannschaft) nominierbar ist, bis das Anti-Doping-Verfahren abgeschlossen ist. Dies folge aus den DHB-Anti-Doping-Richtlinien § 8 Abs. 3: „Bei einer vorläufigen Suspendierung nach NADC Art. 7.3.2 ist die betroffene Athletin bis zur Aufhebung der Suspendierung oder bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens vom Bundeskader auszuschließen."
**Rechtsgrundlage DHB:** Der DHB-Beschluss stützt sich auf die DHB-Satzung § 14 Abs. 4 (Verbandsdisziplin) und die DHB-Anti-Doping-Richtlinien 2023. Dieser Ausschluss ist unmittelbar verbunden mit der NADA-Suspendierung und damit inhaltlich keine eigenständige Sanktion.
### 1.2 Überprüfung durch unabhängiges Sportgericht
Die Mandantin beantragte am 18.03.2026 die Überprüfung des Bundeskaderausschlusses durch das DHB-interne Rechtsorgan (Sportgericht DHB, § 21 DHB-Satzung). Das Sportgericht DHB entschied am 15.04.2026:
**Beschluss DHB-Sportgericht:**
„Der Bundeskaderausschluss nach DHB-Anti-Doping-Richtlinien § 8 Abs. 3 ist nicht eigenständig anfechtbar — er ist automatische Folge der NADA-Suspendierung und daher untrennbar mit dieser verbunden. Das DHB-Sportgericht ist nicht zuständig, die NADA-Suspendierung zu überprüfen; dies obliegt dem Deutschen Sportschiedsgericht. Der Antrag wird zurückgewiesen."
### 1.3 Rechtliche Bewertung
Die Verknüpfung von NADA-Suspendierung und DHB-Kaderausschluss ist aus Effizienzgründen verständlich, aber rechtlich angreifbar:
1. **Verfahrensgrundrechte (Art. 103 GG analog):** Der Bundeskaderausschluss hat erhebliche wirtschaftliche und persönliche Bedeutung (Prämien, Renommee, WM-Nominierung 2027). Eine automatische Verknüpfung ohne eigenes Anhörungsverfahren verletzt möglicherweise Art. 103 GG analog (strukturelle Anforderung an Verbandsverfahren nach BGH, Urt. 28.11.1994, II ZR 238/93 — FICA-Linie).
2. **Verhältnismäßigkeit:** Der Bundeskaderausschluss geht über die sportliche Sperre hinaus — er schließt die Athletin auch von nicht-wettbewerbsbezogenen Nationalmannschaftsaktivitäten aus (Lehrgänge, Pressekonferenzen, Werbung für DHB). Dies ist unverhältnismäßig, solange kein rechtskräftiger ADRV vorliegt.
3. **Mutu/Pechstein-Linie:** Analog zu den EGMR-Vorgaben für den CAS gelten auch für DHB-interne Verfahren Mindeststandards nach Art. 6 EMRK. Das Fehlen eines eigenen Anhörungsverfahrens vor dem Bundeskaderausschluss genügt diesen Standards nicht.
Die Kanzlei hat eine Klage vor dem ordentlichen Landgericht (§ 1 GVG i.V.m. §§ 242, 315 BGB — Kontrolle von Verbandsentscheidungen) als Reserve vorbereitet.
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## 2. EHF/IHF-Wechselsperre (24 Monate)
### 2.1 Sachverhalt
Die **European Handball Federation (EHF)** und die **International Handball Federation (IHF)** haben automatische Transfersperren für Athleten mit laufenden Anti-Doping-Verfahren. Nach EHF-Transferreglement Art. 15.3 (Stand 2024): „Athleten, gegen die ein ADRV-Verfahren läuft, sind für die Dauer des Verfahrens vom internationalen Transfer ausgeschlossen."
Die IHF-Regeln (IHF Player Transfer Regulations 2023, Art. 12) sehen eine Wechselsperre von 24 Monaten vor, wenn eine erste Instanz eine Sperre von mehr als 12 Monaten ausgesprochen hat.
**Anwendung auf Uvalkanat:** Nach dem DSGSp-Schiedsspruch vom 30.06.2026 (2-Jahres-Sperre, nicht rechtskräftig wegen CAS-Berufung) hat die IHF die 24-monatige Wechselsperre aktiviert. Damit kann die Mandantin — selbst wenn die CAS-Sperre kürzer ausfällt — für 24 Monate nicht zu einem anderen Verein wechseln.
### 2.2 Kritik und Überprüfungsantrag
Die Wechselsperre der IHF greift unabhängig vom CAS-Verfahren und auf Basis einer nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Entscheidung. Dies ist rechtlich problematisch:
- Die IHF wendet IHF-interne Regeln an, die nicht identisch mit NADC/WADC sind
- Der CAS ist zwar auch für IHF-Angelegenheiten zuständig (IHF-Statuten Art. 44), aber die Wechselsperre wurde bisher nicht beim CAS angefochten
- Die Kanzlei hat einen separaten Antrag beim CAS (Art. R47 CAS Code, eigenständige Klage) vorbereitet, um die IHF-Wechselsperre suspendieren zu lassen bis zur endgültigen CAS-Entscheidung in CAS 2026/A/8821
### 2.3 Rechtliche Grundlage für CAS-Klage gegen IHF
**Zulässigkeit:** Die IHF-Statuten sehen CAS als Berufungsinstanz vor. Der CAS ist nach Art. R47 CAS Code auch für Klagen gegen Entscheidungen von Verbänden zuständig, die CAS als Schiedsgericht anerkennen. IHF hat dies in Art. 44 ihrer Statuten getan.
**Begründetheit:** Die IHF-Wechselsperre auf Basis einer nicht rechtskräftigen Erstinstanz-Entscheidung verletzt den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Der CAS hat in vergleichbaren Fällen einstweilige Maßnahmen gewährt (Art. R37 CAS Code).
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## 3. Zusammenfassende Verfahrensübersicht: Verbandssanktionen
| Sanktion | Behörde | Rechtsgrundlage | Status | Überprüfung |
|---|---|---|---|---|
| Vorläufige Suspendierung | NADA | NADC Art. 7.3.2 | Aktiv seit 28.02.2026 | CAS (CAS 2026/A/8821) |
| DHB-Bundeskaderausschluss | DHB | DHB-Anti-Doping-Richtl. § 8 | Aktiv | LG-Klage in Vorb. |
| EHF-Transfersperre | EHF | EHF-Transferreg. Art. 15.3 | Aktiv | CAS (Separat-Antrag) |
| IHF-Wechselsperre (24 M.) | IHF | IHF-Transferreg. Art. 12 | Aktiv seit 30.06.2026 | CAS (Separat-Antrag) |
| NADA-Sperre (2 Jahre) | DSGSp | NADC Art. 10.2.2 | Nicht rechtskräftig | CAS 2026/A/8821 |
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## 4. Strategische Bewertung
Die Kumulierung von NADA-Suspendierung, DHB-Kaderausschluss, EHF-Sperre und IHF-Wechselsperre bedeutet: Selbst wenn der CAS die Sperre auf 8 Monate reduziert, bliebe die IHF-Wechselsperre für 24 Monate bestehen, sofern keine gesonderte CAS-Entscheidung erwirkt wird. Dies zeigt, wie wichtig es ist, alle Verbandsinstanzen parallel zu bespiegeln und frühzeitig CAS-Verfahren zu eröffnen.
Priorität: CAS-Antrag auf einstweilige Aufhebung der IHF-Wechselsperre parallel zum Hauptverfahren CAS 2026/A/8821 (Art. R37 CAS Code, Eilantrag).
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*Quellen: DHB-Satzung § 14, 21; DHB-Anti-Doping-Richtlinien 2023 § 8; EHF-Transferreglement 2024 Art. 15.3; IHF Player Transfer Regulations 2023 Art. 12; IHF-Statuten Art. 44; Art. R37, R47 CAS Code; NADC 2021 Art. 7.3.2; BGH, Urt. 28.11.1994, II ZR 238/93 (Vereinsrecht); EGMR Mutu/Pechstein, Urt. 02.10.2018; Art. 6 EMRK.*
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# 22 — Strafanzeige gegen PowerNutrition GmbH: § 223 StGB Körperverletzung
**Erstellt:** 20.04.2026
**Bearbeiter:** RA Prof. Dr. Markus Lentze
**AZ:** SU/DOPING/2026-001
---
## 1. Strafanzeige und Strafantrag (18.04.2026)
**An:** Staatsanwaltschaft Memmingen
Lindauer Straße 4, 87700 Memmingen
**Von:** Kanzlei Lentze, Stopper & Partner
im Namen der Mandantin Selin Uvalkanat
**Betreff:** Strafanzeige und Strafantrag nach § 158 StPO gegen PowerNutrition GmbH, Lindauer Straße 88, 87700 Memmingen, und deren Geschäftsführer Klaus-Dieter Maier und Susanne Baier
---
### 1.1 Sachverhalt
Wir erstatten Strafanzeige gegen die vorgenannten Personen und beantragen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen:
1. **Körperverletzung** nach § 223 Abs. 1 StGB (vorsätzlich oder bedingt vorsätzlich) in Tateinheit mit
2. **Fahrlässiger Körperverletzung** nach § 229 StGB (hilfsweise)
sowie wegen:
3. **Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch** (§§ 58 ff. LFGB) durch das Inverkehrbringen eines unzureichend deklarierten Nahrungsergänzungsmittels.
**Tathergang:** Die Beschuldigte PowerNutrition GmbH hat das Nahrungsergänzungsmittel RecoveryMax Pro, Charge 22-4188, mit einer nicht deklarierten Kontamination von Meldonium (0,84 mg/Kapsel) in den Verkehr gebracht. Die Anzeigeerstatterin Selin Uvalkanat hat dieses Produkt vom 15.12.2024 bis 17.02.2026 täglich eingenommen. Hierdurch wurde ihr Körper durch eine nicht konsentierende Zufuhr einer pharmakologisch aktiven, auf der WADA-Verbotsliste stehenden Substanz beeinträchtigt.
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## 2. Rechtliche Würdigung
### 2.1 Körperverletzung § 223 StGB
§ 223 Abs. 1 StGB: „Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."
**Gesundheitsschädigung:** Das Einbringen einer pharmakologisch aktiven, verbotenen Substanz in den Körper ohne Kenntnis und Einwilligung der Betroffenen stellt eine Gesundheitsschädigung im Sinne von § 223 StGB dar. Meldonium greift in den Carnitinstoffwechsel ein und hat bei Dauereinnahme potenzielle Nebenwirkungen (Übelkeit, Blutdruckschwankungen, Hepatotoxizität bei Überdosierung). Die nicht-konsentierende Exposition über 60 Tage ist eine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität.
**Vorsatz:** Ob der Geschäftsführer wusste oder wissen musste, dass die Charge kontaminiert ist, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bedingter Vorsatz (dolus eventualis) ist anzunehmen, wenn die Qualitätskontrolle der Charge so lückenhaft war, dass Kontaminationen als mögliche Folge in Kauf genommen wurden.
**Fahrlässigkeit (§ 229 StGB):** Mindestens fahrlässige Körperverletzung ist zu bejahen: Ein Nahrungsergänzungsmittelhersteller, der Produkte für Leistungssportler vermarktet, hat erhöhte Sorgfaltspflichten. Das Unterlassen einer vollständigen GMP-Prüfung (Good Manufacturing Practice) und der Verzicht auf Anti-Doping-Zertifizierung (INFORMED-SPORT oder Cologne List) stellt ein Sorgfaltspflichtversäumnis dar.
### 2.2 Lebensmittelrechtliche Verstöße
**§ 58 Abs. 1 Nr. 3 LFGB:** Wer ein Lebensmittel in den Verkehr bringt, das den Anforderungen des Art. 9 LMIV (Pflichtangaben auf der Etikettierung) nicht entspricht, kann mit Geldbuße bis 50.000 EUR bestraft werden. Das Fehlen von Meldonium in der Zutatenliste stellt einen Verstoß dar.
**§ 60 Abs. 1 Nr. 1 LFGB (Straftat):** Wer Lebensmittel, die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu schädigen, in den Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis 3 Jahren oder Geldstrafe bestraft. Meldonium kann bei empfindlichen Personen (Herzerkrankungen, Medikamenteninteraktionen) gesundheitsschädlich sein.
### 2.3 Organhaftung
Die Geschäftsführer Klaus-Dieter Maier und Susanne Baier haften als Organe nach § 14 Abs. 1 Nr. 1 StGB i.V.m. § 9 OWiG für die Handlungen der GmbH. Die Verantwortlichkeit für Qualitätskontrolle und Etikettierung liegt institutionell bei der Geschäftsführung.
---
## 3. Beweismittel (zur Strafanzeige beigefügt)
| Nr. | Beweismittel | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | LGC-Analysebericht LGC-2026-0310-4188 | Nachweis Kontamination 0,84 mg Meldonium/Kapsel |
| 2 | DSHS-Köln-Laborprotokoll A/B-Probe | Nachweis AAF bei Anzeigeerstatterin |
| 3 | Gutachten Prof. Dr. Kempa 20.04.2026 | Kausalitätsnachweis Supplement → Urinbefund |
| 4 | Kaufbeleg RecoveryMax Pro (Online-Bestellung, 15.12.2024) | Lieferkette Hersteller → Verbraucherin |
| 5 | Fotos verbleibende Kapseln Charge 22-4188 | Identitätsfeststellung der Charge |
| 6 | Produktetikett RecoveryMax Pro | Fehlendes Meldonium in Zutatenliste |
| 7 | Schreiben Kanzlei an PowerNutrition v. 11.03.2026 (fruchtlos) | Untätigkeit des Herstellers |
| 8 | Schreiben Kanzlei an PowerNutrition v. 15.04.2026 (fruchtlos) | Fortgesetzter Haftungsvermeidungsversuch |
---
## 4. Ermittlungsanträge
Die Kanzlei beantragt, die Staatsanwaltschaft Memmingen möge:
1. Den Betrieb der PowerNutrition GmbH durchsuchen und alle Unterlagen zu Charge 22-4188 (Herstellungsprotokolle, Qualitätssicherungsunterlagen, Rücklaufmuster, Rohstoff-Lieferscheine) sicherstellen.
2. Die Restbestände der Charge 22-4188 beim Hersteller sicherstellen und einem eigenen Sachverständigen zur Analyse übergeben.
3. Die Telefon- und E-Mail-Korrespondenz der Geschäftsführer bezüglich der Charge 22-4188 sichern.
4. Etwaige weitere Abnehmer des Produkts (Händler, andere Sportler) ermitteln und als Zeugen befragen.
---
## 5. Zivilrechtlicher Parallelweg
Parallel zur Strafanzeige läuft das Zivilverfahren nach § 1 ProdHaftG und § 823 BGB (s. Aktenstück 08). Die Ergebnisse der Strafermittlungen werden als Beweismittel im Zivilprozess verwertet werden (§ 415 ZPO — Beweiswirkung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsergebnisse).
---
## 6. Stand der Ermittlungen (aktuell)
Staatsanwaltschaft Memmingen bestätigte mit Schreiben vom 05.05.2026 die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens (Az. 5 Js 122/26). Durchsuchungsbeschluss des AG Memmingen vom 20.05.2026 ist zu erwarten. PowerNutrition GmbH hat nach Bekanntwerden der Strafanzeige einen Anwalt mandatiert (Dr. Helmut Gruber, München) und zunächst die Herausgabe von Unterlagen verweigert — dies wird die staatsanwaltschaftliche Durchsuchung beschleunigen.
---
*Quellen: § 223 StGB (Körperverletzung); § 229 StGB (Fahrlässige KV); § 14 StGB (Organ-Haftung); § 58 LFGB; § 60 LFGB; Art. 9 LMIV 1169/2011/EU; § 1 ProdHaftG; § 823 BGB; § 415 ZPO; § 158 StPO (Strafanzeige); § 9 OWiG.*
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# Akte: Doping-Verfahren Selin Uvalkanat — Meldonium-Befund, CAS Lausanne, Arbeitsrecht
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**Arbeitsakte.** Alle Personen, Anschriften, Aktenzeichen, Unternehmen und Laborbefunde sind anonymisiert bzw. für Demonstrationszwecke konstruiert. Die Akte gehört fachlich zum Plugin `fachanwalt-sportrecht`.
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## Kurzbild
- Selin Uvalkanat, 26 Jahre, deutsche Handball-Nationalspielerin (Linksaußen), deutsch-türkische Doppelstaatsangehörigkeit; vereinsgebunden bei BSV Sachsen Zwickau seit U17-Jugend.
- NADA-Trainingskontrolle 18.02.2026 in Zwickau: A-Probe positiv auf Meldonium (S4 WADA-Verbotsliste); B-Probe bestätigt den Befund am 04.03.2026.
- Mutmaßliche Ursache: Kontamination durch Nahrungsergänzungsmittel der Firma PowerNutrition GmbH, Memmingen, Charge 22-4188.
- Drohende Disziplinarmaßnahme: 4-Jahres-Sperre nach Art. 10.2 NADC 2021 (vorsätzlicher Verstoß) — Mandantin bestreitet jede Absicht und verweist auf Kontaminationsthese (Art. 10.5 NADC).
- Aktenzeichen: DSGSp 12/26 (Deutsches Sportschiedsgericht), CAS 2026/A/8821, ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26, LG Berlin 27 O 411/26, ICC Zürich 28-2026/SPO.
- Vertretung: Sportrechtskanzlei Lentze, Stopper & Partner (Stuttgart) — federführend RA Prof. Dr. Markus Lentze.
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## Was diese Akte demonstriert
| Skill | Aktenstück | Demonstration |
|---|---|---|
| Anti-Doping-Recht / NADC-WADC | 01, 03, 04, 05, 06 | Verbotsliste S4, Meldonium, Beweislastregeln Art. 3 NADC |
| Kontaminationsthese und Supplement-Haftung | 06, 07, 08, 09 | Art. 10.5 NADC, Produkthaftung, § 1 ProdHaftG |
| Sportschiedsgerichtsverfahren (DIS) | 10, 11, 12 | DIS-SportSchO, Schiedsklausel, Verfahrensgrundrechte |
| CAS-Verfahren Lausanne | 13, 14 | CAS Code R47 ff., Mutu/Pechstein-Linie, ECHR Art. 6 |
| Arbeitsrecht — fristlose Kündigung Sportler | 15, 16 | § 626 BGB, Kündigung aus wichtigem Grund, ArbG Chemnitz |
| Persönlichkeitsrecht / Medienhaftung | 17, 18 | § 823 Abs. 1 BGB, § 1004 BGB, Unterlassungsanspruch, Gegendarstellung |
| Sponsorenrecht / Moralklausel | 19, 20 | ICC-Schiedsverfahren, § 307 BGB AGB-Kontrolle, Rückforderung |
| Verbandssanktionen — DHB/EHF/IHF | 21 | Bundeskaderausschluss, Wechselsperre 24 Monate, ECHR Mutu/Pechstein |
| Strafrecht — kontaminierte Supplements | 22 | § 223 StGB, Strafanzeige gegen PowerNutrition GmbH |
---
## Aktenstücke
| Nr. | Datei | Inhalt |
|---|---|---|
| 01 | [`01_mandantennotiz_erstgespraech.md`](01_mandantennotiz_erstgespraech.md) | Kanzleinotiz Erstgespräch 20.02.2026 |
| 02 | [`02_personenprofil_uvalkanat.md`](02_personenprofil_uvalkanat.md) | Biografie, Vereinshistorie, Nationalmannschaft |
| 03 | [`03_nada_kontrolle_befundbericht.md`](03_nada_kontrolle_befundbericht.md) | Trainingskontrolle 18.02.2026, A-Probe-Ergebnis |
| 04 | [`04_b_probe_analyse_und_ergebnis.md`](04_b_probe_analyse_und_ergebnis.md) | B-Probe Bestätigung 04.03.2026, WADA-akkred. Labor Köln |
| 05 | [`05_verbotsliste_s4_meldonium_rechtslage.md`](05_verbotsliste_s4_meldonium_rechtslage.md) | WADA-Liste 2026, Meldonium-Chronik seit 2016, Schwellenwert |
| 06 | [`06_kontaminationsthese_powernutrition.md`](06_kontaminationsthese_powernutrition.md) | Supplement-Analyse, Charge 22-4188, Art. 10.5 NADC |
| 07 | [`07_sachverstaendiger_laboranalyse_supplement.md`](07_sachverstaendiger_laboranalyse_supplement.md) | Gutachtenauftrag, Analyseergebnisse, Kausalitätskette |
| 08 | [`08_produkthaftung_powernutrition_gmbh.md`](08_produkthaftung_powernutrition_gmbh.md) | § 1 ProdHaftG, Fehler, Herstellerhaftung, Schadensersatz |
| 09 | [`09_schriftwechsel_nada_vorabinformation.md`](09_schriftwechsel_nada_vorabinformation.md) | Vorabinformation NADA, Einspruchsfristen, Akteneinsicht |
| 10 | [`10_dis_sportschiedsgericht_verfahren.md`](10_dis_sportschiedsgericht_verfahren.md) | DSB-Sportschiedsgericht Frankfurt, DIS-SportSchO, Beweisaufnahme |
| 11 | [`11_beweisaufnahme_zeugen_gutachter.md`](11_beweisaufnahme_zeugen_gutachter.md) | Zeugen, Gutachter, Beweisantraege, Verhandlung |
| 12 | [`12_schiedsspruch_dis_und_berufungsstrategie.md`](12_schiedsspruch_dis_und_berufungsstrategie.md) | Schiedsspruch DSGSp 12/26, Berufungsentscheidung CAS |
| 13 | [`13_cas_lausanne_verfahren_einleitung.md`](13_cas_lausanne_verfahren_einleitung.md) | CAS 2026/A/8821, Statement of Appeal, Verfahrensregeln |
| 14 | [`14_cas_rechtsprechung_mutu_pechstein.md`](14_cas_rechtsprechung_mutu_pechstein.md) | Mutu/Pechstein-Linie, ECHR Art. 6, Verfahrensgrundrechte |
| 15 | [`15_kuendigung_bsv_sachsen_zwickau.md`](15_kuendigung_bsv_sachsen_zwickau.md) | Fristlose Kündigung § 626 BGB, Sachverhalt, Reaktion |
| 16 | [`16_kuendigungsschutzklage_arbg_chemnitz.md`](16_kuendigungsschutzklage_arbg_chemnitz.md) | ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26, Klagebegründung, Vergleichsoptionen |
| 17 | [`17_persoenlichkeitsrecht_bild_schlagzeile.md`](17_persoenlichkeitsrecht_bild_schlagzeile.md) | BILD-Schlagzeile „Doping-Selin", § 823 BGB, Unterlassung |
| 18 | [`18_klage_lg_berlin_unterlassung_geldentschaedigung.md`](18_klage_lg_berlin_unterlassung_geldentschaedigung.md) | LG Berlin 27 O 411/26, Tenor, Streitwert, Gegendarstellung |
| 19 | [`19_sponsorenvertrag_adidas_moralklausel.md`](19_sponsorenvertrag_adidas_moralklausel.md) | Adidas AG, Suspendierung, Moralklausel, 80.000 EUR Rückforderung |
| 20 | [`20_icc_schiedsverfahren_zuerich.md`](20_icc_schiedsverfahren_zuerich.md) | ICC Zürich 28-2026/SPO, § 307 BGB, AGB-Kontrolle |
| 21 | [`21_dhb_ehf_ihf_verbandssanktionen.md`](21_dhb_ehf_ihf_verbandssanktionen.md) | Bundeskaderausschluss DHB, EHF/IHF-Wechselsperre 24 Monate |
| 22 | [`22_strafanzeige_powernutrition_koerperverletzung.md`](22_strafanzeige_powernutrition_koerperverletzung.md) | § 223 StGB, Strafanzeige, Staatsanwaltschaft Memmingen |
---
## Beteiligte und Aktenzeichen
| Partei / Institution | Rolle | Aktenzeichen / Kontakt |
|---|---|---|
| Selin Uvalkanat | Mandantin, Athletin | — |
| BSV Sachsen Zwickau e.V. | Arbeitgeber, Verein | ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26 |
| NADA Deutschland e.V. | Anti-Doping-Behörde | Bonn, Heussallee 38 |
| Deutsches Sportschiedsgericht (DIS) | Schiedsgericht 1. Instanz | DSGSp 12/26 |
| Court of Arbitration for Sport (CAS) | Berufungsinstanz | CAS 2026/A/8821 |
| PowerNutrition GmbH | Supplement-Hersteller | Memmingen, StA Memmingen |
| Adidas AG | Sponsor | ICC Zürich 28-2026/SPO |
| BILD-Zeitung (Axel Springer SE) | Medienpartei | LG Berlin 27 O 411/26 |
| DHB / EHF / IHF | Verbände | Bundeskaderausschluss, Wechselsperre |
| Lentze, Stopper & Partner | Verfahrensbevollmächtigte | Stuttgart |
---
## Chronologie
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 18.02.2026 | NADA-Trainingskontrolle in Zwickau |
| 26.02.2026 | A-Probe-Ergebnis: Meldonium-Befund |
| 28.02.2026 | Vorabinformation NADA an DHB und BSV |
| 04.03.2026 | B-Probe bestätigt A-Probe-Befund |
| 07.03.2026 | Erstgespräch Mandantin bei Kanzlei Lentze, Stopper & Partner |
| 12.03.2026 | BSV Sachsen Zwickau kündigt fristlos nach § 626 BGB |
| 14.03.2026 | BILD-Schlagzeile „Doping-Selin" — Veröffentlichung |
| 20.03.2026 | Klage ArbG Chemnitz 4 Ca 88/26 eingereicht |
| 25.03.2026 | Adidas AG suspendiert Sponsoring, fordert 80.000 EUR zurück |
| 02.04.2026 | Eröffnung Schiedsverfahren DSGSp 12/26 |
| 10.04.2026 | LG Berlin 27 O 411/26 — einstweilige Verfügung gegen BILD |
| 18.04.2026 | Strafanzeige gegen PowerNutrition GmbH und Vorstand |
| 15.05.2026 | Mündliche Verhandlung Sportschiedsgericht Frankfurt |
| 30.06.2026 | Schiedsspruch DSGSp 12/26 (2-Jahres-Sperre 1. Instanz) |
| 15.07.2026 | Statement of Appeal CAS 2026/A/8821 |
| offen | CAS-Verhandlung Lausanne (terminiert Oktober 2026) |
@@ -0,0 +1,89 @@
From: adrm@nada.de
To: selin.uvalkanat@privatmail.de
CC: dr.siebenborn@dhb.de; vorstand@bsv-sachsen-zwickau.de
Date: Fri, 27 Feb 2026 14:32:18 +0100
Subject: NADA Vorabinformation: Atypischer Analysebefund - Trainingskontrolle 18.02.2026
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=UTF-8
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Message-ID: <nada-adrm-20260227-6112@nada.de>
NADA Deutschland e.V.
Heussallee 38
53113 Bonn
Tel.: 0228 / 8160 - 0
E-Mail: adrm@nada.de
Web: www.nada.de
Bonn, 27. Februar 2026
VERTRAULICH — VORABINFORMATION GEMÄß ART. 7.3.2 NADC 2021
An: Selin Uvalkanat (persönlich)
Karl-Marx-Straße 47
08056 Zwickau
Betreff: Vorabinformation — Atypischer Analysebefund (Adverse Analytical Finding, AAF)
Probe-ID: NAD-2026-0218-AU-6112-A
Trainingskontrolle vom 18.02.2026 in Zwickau
Sehr geehrte Frau Uvalkanat,
wir teilen Ihnen hiermit gemäß Art. 7.3.2 des Nationalen Anti-Doping Codes (NADC 2021) mit, dass die
Analyse Ihrer A-Probe vom 18. Februar 2026 durch das WADA-akkreditierte Institut für Biochemie der
Deutschen Sporthochschule Köln einen Atypischen Analysebefund (Adverse Analytical Finding, AAF)
ergeben hat.
ERGEBNIS DER A-PROBEN-ANALYSE:
Verbotene Substanz: Meldonium (3-(2,2,2-trimethylhydrazinyl)propionsäure)
Kategorie: S4 — Hormone und Stoffwechselmodulatoren (WADA-Verbotsliste 2026)
Konzentration: 0,54 µg/mL
WADA-Schwellenwert: 0,50 µg/mL (gemäß WADA TD2022DL)
Status: Adverse Analytical Finding (AAF)
Analysemethode: LC-MS/MS; Bestätigung LC-HRMS
Labor: Institut für Biochemie, DSHS Köln (WADA-Akkred.-Nr. W-LAB-003)
IHR RECHTLICHES GEHÖR:
Als nächste Schritte stehen Ihnen folgende Optionen zur Verfügung:
1. ANALYSE DER B-PROBE: Sie können innerhalb von 10 Tagen nach Zugang dieses Schreibens (also bis
zum 09.03.2026) schriftlich bei NADA die Analyse der B-Probe beantragen. Sie haben das Recht,
selbst anwesend zu sein oder einen Vertreter zu entsenden.
2. SCHRIFTLICHE ERKLÄRUNG: Sie können innerhalb von 20 Tagen (also bis zum 18.03.2026) eine
schriftliche Erklärung zu dem Befund einreichen.
3. VERZICHT AUF B-PROBE: Sie können auf die B-Proben-Analyse verzichten und die Tatsache des AAF
anerkennen. In diesem Fall wird das Verfahren unmittelbar weitergeführt.
VORLÄUFIGE SUSPENDIERUNG:
Mit Zugang dieses Schreibens sind Sie gemäß Art. 7.3.2 NADC 2021 vorläufig suspendiert. Dies bedeutet:
- Kein Wettkampfteilnahme in organisierten Sportveranstaltungen (national und international)
- Kein Training auf Vereinsgelände mit Teamkollegen (soweit Verbandssatzung dies vorsieht)
Die vorläufige Suspendierung ist keine Sanktion, sondern eine einstweilige Maßnahme.
UNTERSTÜTZUNG:
Die NADA stellt Athletinnen und Athleten kostenlos einen Athletenbeauftragten zur Seite.
Kontakt: athletenbeauftragter@nada.de, Tel. 0228 / 8160-200.
Informationen zur NADA-Anti-Doping-Beratung: www.nada.de/athleten/beratung
Bitte bestätigen Sie den Empfang dieses Schreibens per E-Mail oder Fax (0228 / 8160-1220).
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Anke Wollmann
Leiterin Anti-Doping-Abteilung
NADA Deutschland e.V.
Heussallee 38, 53113 Bonn
Tel.: 0228 / 8160-110
E-Mail: a.wollmann@nada.de
---
Diese E-Mail und ihre Anhänge sind vertraulich und ausschließlich für den bezeichneten Empfänger bestimmt.
Falls Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, bitte benachrichtigen Sie uns und löschen Sie diese Nachricht.
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From: vorstand@bsv-sachsen-zwickau.de
To: selin.uvalkanat@privatmail.de
CC: rechtsabteilung@bsv-sachsen-zwickau.de
Date: Thu, 12 Mar 2026 11:44:07 +0100
Subject: Kündigung Ihres Arbeitsvertrages - Außerordentlich nach § 626 BGB
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=UTF-8
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Message-ID: <bsv-zwickau-20260312-kuend@bsv-sachsen-zwickau.de>
BSV Sachsen Zwickau e.V.
Am Scheffelberg 3
08056 Zwickau
Tel.: 0375 / 771 44 00
E-Mail: vorstand@bsv-sachsen-zwickau.de
Zwickau, 12. März 2026
Per Bote und per E-Mail
An:
Frau Selin Uvalkanat
Karl-Marx-Straße 47
08056 Zwickau
Betreff: Außerordentliche Kündigung Ihres Arbeitsvertrages gemäß § 626 BGB
Sehr geehrte Frau Uvalkanat,
hiermit kündigen wir den zwischen Ihnen und dem BSV Sachsen Zwickau e.V. bestehenden
Arbeitsvertrag vom 1. Juli 2024 mit sofortiger Wirkung, außerordentlich aus wichtigem
Grund gemäß § 626 Abs. 1 BGB, hilfsweise fristgerecht zum nächstmöglichen ordentlichen
Beendigungstermin.
GRUND DER KÜNDIGUNG:
Durch Schreiben der NADA Deutschland e.V. vom 27. Februar 2026 wurden wir als Verein davon
in Kenntnis gesetzt, dass Ihre A-Probe vom 18. Februar 2026 einen positiven Befund auf
Meldonium (S4 WADA-Verbotsliste) ergeben hat. Am 4. März 2026 wurde uns die Bestätigung
durch die B-Probe mitgeteilt.
Der BSV Sachsen Zwickau e.V. nimmt die Anti-Doping-Verpflichtungen äußerst ernst. Ein
positiver Dopingbefund ist mit den Werten unseres Vereins unvereinbar und macht es uns
unmöglich, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen.
Wir stützen die Kündigung auf:
- § 626 Abs. 1 BGB (wichtiger Grund — Dopingverstoß)
- § 7 Abs. 7 Ihres Arbeitsvertrages vom 1. Juli 2024 (Sonderklausel Dopingsperre > 6 Monate)
- DHB-Spielordnung § 20 Abs. 4 (Unspielbarkeit bei vorläufiger NADA-Suspendierung)
RÜCKGABE VEREINSEIGENTUM:
Wir bitten Sie, sämtliche Vereinsgegenstände (Trikots Saison 2025/26, Heimtrikot Nr. 17,
Auswärtstrikot Nr. 17, Trainingsanzüge — 2 Stück, Trainingsjacke, Sporttasche BSV) bis
zum 20. März 2026 im Geschäftssekretariat des Vereins abzugeben.
ZEUGNISANSPRUCH:
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis wird Ihnen auf gesonderte Anforderung hin ausgestellt.
LETZTES GEHALT:
Das Gehalt für den Monat Februar 2026 (6.200 EUR brutto) sowie anteiliges Märzgehalt
bis zum 12. März 2026 (anteilig 2.506,45 EUR brutto) wird regulär am 31. März 2026
überwiesen.
Wir bedauern diesen Schritt. Die Entscheidung war für den Vorstand nicht einfach, ist
aber unter den gegebenen Umständen unausweichlich.
Mit freundlichen Grüßen
Volker Bernstein
1. Vorsitzender
BSV Sachsen Zwickau e.V.
cc: RAin Claudia Sprenger, Leipzig (Vereinsanwältin)
cc: DHB-Generalsekretär Thomas Bergmann
---
BSV Sachsen Zwickau e.V. | Am Scheffelberg 3 | 08056 Zwickau
Registernummer: VR 1244 Amtsgericht Zwickau
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From: k.meissner@adidas-group.com
To: prof.lentze@lentze-stopper.de
CC: sponsoring@adidas-group.com; legal@adidas-group.com
Date: Wed, 25 Mar 2026 09:17:44 +0100
Subject: Sponsorenvertrag Selin Uvalkanat — Suspendierung und Rückforderung nach Ziff. 9.3
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=UTF-8
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Message-ID: <adidas-legal-20260325-suvalkanat@adidas-group.com>
Adidas AG
Adi-Dassler-Straße 1
91074 Herzogenaurach
Tel.: 09132 / 84 - 0
E-Mail: legal@adidas-group.com
Herzogenaurach, 25. März 2026
Per E-Mail und Einschreiben
Kanzlei Lentze, Stopper & Partner
z.H. Herrn Prof. Dr. Markus Lentze
Kronenstraße 55
70174 Stuttgart
Betreff: Sponsorenvertrag vom 1. Januar 2025 zwischen Adidas AG und Frau Selin Uvalkanat
Unsere Zeichen: LEG-2026-SPO-4412 / Ihr AZ: SU/DOPING/2026-001
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lentze,
wir nehmen Bezug auf die uns bekannte Situation betreffend Ihrer Mandantin Frau Selin Uvalkanat
und den positiven Anti-Doping-Befund (Meldonium) vom 18. Februar 2026 sowie die bestätigte
B-Probe vom 4. März 2026.
SUSPENDIERUNG DES SPONSORENVERTRAGES:
Die Adidas AG sieht sich unter diesen Umständen gezwungen, die Zusammenarbeit mit Frau Uvalkanat
gemäß Ziff. 9.3 lit. b des Sponsorenvertrages vom 1. Januar 2025 mit sofortiger Wirkung zu
suspendieren.
Ziff. 9.3 des Vertrages lautet auszugsweise: "Adidas ist berechtigt, diesen Vertrag mit sofortiger
Wirkung zu [...] suspendieren, wenn der Athlet in ein Verfahren verwickelt wird, das geeignet ist,
den Ruf von Adidas erheblich zu schädigen, insbesondere [...] (b) ein Anti-Doping-Verfahren wegen
eines positiven Befundes auf eine verbotene Substanz [...]."
Diese Voraussetzungen sind nach Einschätzung der Adidas AG durch die bestätigten Laborergebnisse
erfüllt.
RÜCKFORDERUNG DES PROVISIONSVORSCHUSSES:
Gleichzeitig fordern wir gemäß Ziff. 9.3 Satz 3 des Sponsorenvertrages die Rückzahlung des am
15. Januar 2026 ausgezahlten Provisionsvorschusses für das Jahr 2026 in voller Höhe zurück:
Ausgezahlter Provisionsvorschuss 2026: EUR 80.000,00 brutto
Rückforderungsbetrag: EUR 80.000,00 brutto
Wir bitten um Rückzahlung des Betrages auf folgendes Konto bis spätestens 15. April 2026:
Adidas AG, Stadtsparkasse Herzogenaurach
IBAN: DE49 7635 0000 0100 4412 80
BIC: BYLADEM1HZB
Verwendungszweck: RUECKZ-SPONSORING-UVALKANAT-2026
VORBEHALT WEITERER ANSPRÜCHE:
Wir behalten uns ausdrücklich vor, darüber hinaus gehende Schadensersatzansprüche geltend zu
machen, insbesondere in Bezug auf Mehrkosten durch Neuakquisition einer Ersatz-Botschafterin
sowie Reputationsschäden.
SCHIEDSVERFAHREN:
Sollte eine gütliche Einigung nicht möglich sein, werden wir das gemäß Ziff. 12 des
Sponsorenvertrages vereinbarte ICC-Schiedsverfahren in Zürich einleiten.
WEITERE KOMMUNIKATION:
Wir bitten darum, alle weiteren Mitteilungen zu dieser Angelegenheit ausschließlich über unsere
Rechtsabteilung zu führen:
Dr. Klaus Meissner
Leiter Rechtsabteilung
Adidas AG
Tel.: 09132 / 84 - 44120
E-Mail: k.meissner@adidas-group.com
Wir hoffen auf eine konstruktive Lösung dieser Angelegenheit.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Klaus Meissner
Leiter Rechtsabteilung
Adidas AG, Herzogenaurach
---
Diese E-Mail enthält vertrauliche und rechtlich geschützte Informationen. Falls Sie diese
E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte den Absender und löschen Sie diese
Nachricht umgehend.
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From: prof.lentze@lentze-stopper.de
To: info@powernutrition.de; geschaeftsfuehrung@powernutrition.de
CC: s.wenderlich@lentze-stopper.de
Date: Wed, 11 Mar 2026 16:08:22 +0100
Subject: Dringende Anfrage: Chargenanalyse RecoveryMax Pro Charge 22-4188 — Produktkontamination Meldonium
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=UTF-8
Content-Transfer-Encoding: 8bit
Message-ID: <lentze-stopper-20260311-pnquery@lentze-stopper.de>
Lentze, Stopper & Partner
Rechtsanwälte und Fachanwälte
Kronenstraße 55
70174 Stuttgart
Tel.: 0711 / 22 44 66 00
Fax: 0711 / 22 44 66 01
E-Mail: kanzlei@lentze-stopper.de
Stuttgart, 11. März 2026
EINSCHREIBEN MIT RÜCKSCHEIN — ZUSÄTZLICH PER E-MAIL
PowerNutrition GmbH
z.H. Geschäftsführung (Herrn Klaus-Dieter Maier / Frau Susanne Baier)
Lindauer Straße 88
87700 Memmingen
Betreff: DRINGENDE ANFRAGE — Produkt RecoveryMax Pro, Charge 22-4188
Kontamination mit Meldonium — Produkthaftung, § 1 ProdHaftG
Unsere Mandantin: Selin Uvalkanat
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir vertreten Frau Selin Uvalkanat (26), Handball-Bundesligaspielerin beim BSV Sachsen Zwickau
und Mitglied der deutschen Handball-Nationalmannschaft.
Am 18. Februar 2026 wurde unsere Mandantin einer NADA-Trainingskontrolle unterzogen. Die A- und
B-Probe ergaben einen positiven Befund auf Meldonium (S4 WADA-Verbotsliste, Schwellenwert
0,50 µg/mL; Befundwert 0,54/0,52 µg/mL). Unsere Mandantin hat zu keinem Zeitpunkt willentlich
Meldonium eingenommen.
KONTAMINATIONSNACHWEIS:
Die Untersuchung durch das LGC Standards GmbH Labor Hamburg — ein ISO/IEC 17025-zertifiziertes,
WADA-anerkanntes Labor — hat ergeben, dass das Produkt RecoveryMax Pro, Charge 22-4188,
Ihres Unternehmens 0,84 mg Meldonium pro Kapsel enthält. Diese Substanz ist auf Ihrem Etikett
nicht deklariert.
Dieser Befund begründet erhebliche Haftungsansprüche Ihrer Mandantin gegen Ihr Unternehmen nach:
- § 1 Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) — Gefährdungshaftung für fehlerhaftes Produkt
- § 823 Abs. 1 BGB — Körperverletzung durch Einbringen einer unbekannten Substanz
- §§ 11, 60 LFGB — Lebensmittelrechtliche Verstöße
- Art. 9 LMIV — Fehlende Kennzeichnung
UNSERE ANFORDERUNGEN (Frist: 20. März 2026):
Wir fordern Sie hiermit auf, folgende Unterlagen unverzüglich zu übersenden:
1. Vollständige Chargenanalyse (Certificate of Analysis, CoA) für Charge 22-4188 des Produktes
RecoveryMax Pro
2. Rohstoff-Lieferscheine und Konformitätszertifikate sämtlicher Inhaltsstoffe der Charge 22-4188
3. GMP-Zertifikat (Good Manufacturing Practice) für Ihr Produktionswerk
4. Kontaktdaten der beauftragten Rohstofflieferanten für die Inhaltsstoffe L-Carnitin-L-Tartrat,
Magnesiumcitrat und sonstige Bestandteile der Charge 22-4188
5. Vollständiges Qualitätssicherungsprotokoll für Charge 22-4188 (Eingangsprüfung,
Produktionskontrolle, Ausgangsprüfung)
6. Information, ob bezüglich der Charge 22-4188 oder des Produktes RecoveryMax Pro Rückruf-
oder Qualitätsmeldungen bekannt sind oder intern behandelt wurden
SOFORTIGER VERKAUFSSTOPP:
Wir fordern Sie auf, unverzüglich den Verkauf und die Auslieferung sämtlicher Bestände der
Charge 22-4188 des Produktes RecoveryMax Pro einzustellen und alle betroffenen Abnehmer
zu informieren, bis eine vollständige Klärung der Kontaminationsquelle erfolgt ist.
ANKÜNDIGUNG WEITERER RECHTLICHER SCHRITTE:
Wenn Sie unserer Aufforderung nicht bis zum 20. März 2026 nachkommen, werden wir ohne weitere
Ankündigung die folgenden rechtlichen Schritte einleiten:
a) Schadensersatzklage vor dem LG Memmingen nach § 1 ProdHaftG und § 823 BGB
b) Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen wegen § 223 StGB (Körperverletzung)
und §§ 58, 60 LFGB
c) Meldung an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Wir erwarten Ihre Stellungnahme bis spätestens 20. März 2026.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Markus Lentze
Rechtsanwalt — Fachanwalt für Sportrecht
Lentze, Stopper & Partner, Stuttgart
---
Lentze, Stopper & Partner | Kronenstraße 55 | 70174 Stuttgart
Tel.: 0711 / 22 44 66 00 | Fax: 0711 / 22 44 66 01
Alle Rechtsanwälte der Kanzlei sind Mitglieder der Rechtsanwaltskammer Stuttgart.
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From: t.bergmann@dhb.de
To: selin.uvalkanat@privatmail.de
CC: dr.siebenborn@dhb.de; j.hollmann@dhb.de
Date: Mon, 02 Mar 2026 15:22:31 +0100
Subject: DHB-Nationalmannschaft — Vorläufige Nichtnominierung aufgrund NADA-Suspendierung
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Content-Transfer-Encoding: 8bit
Message-ID: <dhb-sg-20260302-uvalkanat-nominierung@dhb.de>
Deutscher Handballbund e.V. (DHB)
Am Haag 9
60629 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 97 58 40 - 0
E-Mail: t.bergmann@dhb.de
Web: www.dhb.de
Frankfurt am Main, 2. März 2026
Persönlich / Vertraulich
An:
Selin Uvalkanat
Karl-Marx-Straße 47
08056 Zwickau
Betreff: DHB-Nationalmannschaft — Vorläufige Nichtnominierung gemäß DHB-Anti-Doping-Richtlinien
Sehr geehrte Frau Uvalkanat,
der Deutsche Handballbund teilt Ihnen hiermit mit Bedauern mit, dass Sie aufgrund der durch
NADA ausgesprochenen vorläufigen Suspendierung (Art. 7.3.2 NADC 2021) mit sofortiger Wirkung
vorläufig nicht für den DHB-Bundeskader (A-Nationalmannschaft) nominierbar sind.
RECHTLICHE GRUNDLAGE:
Diese Maßnahme basiert auf:
§ 8 Abs. 3 DHB-Anti-Doping-Richtlinien 2023: "Bei einer vorläufigen Suspendierung nach
NADC Art. 7.3.2 ist die betroffene Athletin bis zur Aufhebung der Suspendierung oder bis
zum rechtskräftigen Abschluss des Anti-Doping-Verfahrens vom DHB-Bundeskader auszuschließen."
Die Nichtnominierung ist eine zwingende Folge der NADA-Suspendierung und stellt keine
eigenständige Disziplinarmaßnahme des DHB dar.
KONKRETE AUSWIRKUNGEN:
Betroffen sind insbesondere folgende Termine, für die Sie ursprünglich vorgesehen waren:
- Länderspielrunde 20.22. März 2026 (Hamburg, Vorrunde EM-Qualifikation 2027)
- DHB-Trainingslehrgang 15.19. April 2026 (Frankfurt)
- WM-Qualifikationsspiel 10. Mai 2026
WEITERES VORGEHEN DHB:
Der DHB unterstützt Sie nach Möglichkeit in Ihrer schwierigen Situation. DHB-Justiziarin
Dr. Petra Siebenborn steht Ihnen für Fragen zur Verfügung (p.siebenborn@dhb.de,
Tel.: 069 / 97 58 40 - 210).
Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Klärung des Sachverhalts und hoffen, Sie nach einem
positiven Ausgang des Verfahrens wieder im DHB-Kader begrüßen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Bergmann
DHB-Generalsekretär
Deutscher Handballbund e.V.
Am Haag 9, 60629 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 97 58 40 - 100
E-Mail: t.bergmann@dhb.de
---
Deutscher Handballbund e.V. | Am Haag 9 | 60629 Frankfurt am Main
Amtsgericht Frankfurt/Main, VR 12011
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