feat(verlagsredaktion): 50 neue Spezial-Skills (7 Cluster, verzahnt mit Workflows)

50 neue Skills im Plugin verlagsredaktion/skills/ — verzahnt mit den
bestehenden workflow-* und verl-* Skills ueber Pflicht-Querverweise.

Cluster A — Manuskripteingang & Materialverwurstung (10):
- merkwuerdige-formate-rettung, audio-transkript-zu-fachbeitrag,
  podcast-zu-zeitschriftenbeitrag, powerpoint-verwurstung-zu-text,
  screenshot-pdf-ocr-redaktion, email-konvolute-zu-fachbeitrag,
  interview-roh-zu-magazinbeitrag, konferenzmitschnitt-zu-tagungsbericht,
  handschrift-und-altdoc-digitalisieren, roh-research-zu-essay

Cluster B — Ideen, Redaktionsmeeting, Themenfindung (5):
- redaktionssitzung-vorbereiten, themenscout-rechtsentwicklung,
  redaktionsmemo-jahresplanung, trend-radar-rechtsgebiete,
  ideenpool-und-priorisierung

Cluster C — Reviewen / Qualitaetsgate / Formatvorlage (10):
- formatvorlage-check-autor-manuskript, zitierweise-pruefung-jus-njw,
  relationslinien-pruefung, fussnoten-quellen-konsolidierung,
  rechtschreibung-amtlich-aktuell, grammatik-konsistenzcheck,
  stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift, aussagensicherheit-pruefung,
  glossar-konsistenz-pruefung, redaktionelle-rueckmeldung-formulieren

Cluster D — Abstimmungen / Workflow-Tooling (8):
- abstimmung-mit-lektorat-format, abstimmung-mit-vertrieb-marketing,
  abstimmung-mit-produktion-satz-druck, abstimmung-mit-autor-feedback,
  jourfix-vorbereiten-protokoll, statusbericht-an-verlagsleitung,
  eskalation-bei-deadline-konflikt, abstimmung-mit-rechtsabteilung

Cluster E — Honorar / Rechnungen / Vertraege (7):
- honorarrechnung-erstellen-pruefen, tantieme-abrechnung-jaehrlich,
  vorschuss-pruefung-buecher, vergleichsverhandlung-mit-autor,
  honorarvertrag-templates, zweitverwertungsrechte-pauschal,
  mahnung-an-autor-zahlung-frist

Cluster F — Marketing / Vertrieb / Online (5):
- pressetext-rechtsthemen, social-media-rechtsfachzeitschrift,
  newsletter-redaktion-jur, webinar-vorbereitung-fachbeitrag,
  vlb-katalog-pflege-jur

Cluster G — Krisenmanagement (5):
- rueckruf-fehlerbeitrag-spaet-erkannt, richtigstellung-online-print,
  loeschpflicht-und-archivierung-fachzs, haftungsfreistellung-autor-verlag,
  impressum-pflicht-und-pruefung

Charakteristika:
- Jeder Skill 100-180 Zeilen substanziell.
- Frontmatter strikt name + description, keine Zahl-Komma-Zahl.
- Pflicht-Querverweise auf workflow-kaltstart-und-routing,
  workflow-dokumentenintake, workflow-fristen-und-risikoampel,
  workflow-output-waehlen sowie verl-zeitschriftenartikel-leitfaden,
  verl-buchprojekt-bauleiter, verl-loseblattwerk-spezial,
  verl-online-kommentar-update-spezial.
- Mustertexte konkret (Anschreiben in Sie-Form mit Datumsbezug 2026,
  Rechnungsmuster, Pressestatements, Berichtigungstexte).
- Quellenhygiene: VerlG, UrhG §§ 32, 32a, BGB, DDG, MStV, KSVG, UStG,
  BuchPrG; keine erfundenen BGH-Az; Verweis auf bundesgerichtshof.de,
  dejure.org, gesetze-im-internet.de.

Validator OK. Keine Testakte (gemaess Auftrag).

https://claude.ai/code/session_011vwdNGtbxBSrb7x7Duo3BL
This commit is contained in:
Claude
2026-06-02 10:18:18 +00:00
parent d038c0b366
commit 6497b22823
50 changed files with 6155 additions and 0 deletions
@@ -0,0 +1,107 @@
---
name: verl-abstimmung-mit-autor-feedback-kanal
description: "Strukturiert die laufende Kommunikation mit Autorin: Kanal Frequenz Dokumentation Eskalationswege bei Konflikten Lieferverzug und Manuskriptaenderungen."
---
# Abstimmung mit Autorin (Feedback-Kanal)
## Worum geht es konkret
Die Beziehung zwischen Verlag und Autorin laeuft ueber einen kontinuierlichen Kommunikationskanal: Manuskripteingang, Lektoratsrueckmeldungen, Korrekturfahnen, Freigabe, Marketing-Abstimmung, Honorarabrechnung. Ohne saubere Kanalfuehrung entstehen Konflikte, Zuverlaessigkeitsverlust und im Schlimmsten Fall Manuskript-Abbruch. Dieser Skill ist die Vorlage fuer die strukturierte Autorenkommunikation.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn bei Vertragsabschluss eines neuen Manuskripts, bei sich anbahnenden Konflikten, bei Lieferverzug. Klaeren Sie:
1. Verhaeltnis (langjaehrige Autorin / Erstautor / schwieriges Verhaeltnis)?
2. Kommunikationspraeferenz (Mail, Telefon, Termin)?
3. Wer im Verlag ist Ansprechpartner (Schriftleitung, Lektorat, Verlag)?
4. Verbindliche Termine (Manuskriptabgabe, Korrektur, Druckfreigabe)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Autoren-/Verlagsvertrag.
- Bisheriger Mailverkehr.
- Heftplan / Buchprojektplan.
- Ggf. Konflikt-Dokumentation.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Kanal festlegen.** E-Mail als Primaerkanal (dokumentierbar), Telefon fuer komplexe Klaerungen, Termin fuer strategische Themen.
2. **Frequenz.** Bei aktiver Manuskriptbearbeitung mindestens monatlicher Statusaustausch; bei Druckphase woechentlich.
3. **Dokumentation.** Jedes wichtige Telefonat in einer Notiz festhalten und an Autorin als "Aktennotiz" mailen. So entsteht beidseitige Dokumentation.
4. **Eskalationswege.** Bei Konflikten: zunaechst direkte Klaerung; dann Schriftleitung; dann Verlagsleitung. Niemals von vorneherein eskalieren.
5. **Lieferverzug.** Bei drohendem Verzug fruehzeitig (vor Frist) Klaerung. Verzug nach Frist: schriftliche Mahnung, Ersatzfrist, ggf. Vertragsrueckabwicklung gemaess Verlagsgesetz.
6. **Manuskriptaenderungen.** Wenn Autorin nachtraeglich aendern will (nach Lektorat): Versionierung pruefen, Kosten / Zeit klaeren.
7. **Abschluss.** Nach Druck: Honorarrechnung, Belegexemplare, Marketing-Abstimmung, Ausblick auf Folgewerk.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Sehr engmaschig Status | B: Auf Anforderung Status | Empfehlung |
|------|-----------------------------|----------------------------|------------|
| Vertrauen Autor-Verlag | hoch | mittel | A bei Erstautor / Buchprojekt |
| Verlagsaufwand | hoch | gering | B bei eingespielten Autorinnen |
| Risiko Lieferverzug | gering | mittel | A bei Heftaufmacher mit fixem Termin |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Autorin, die nichts vom Verlag hoert, denkt, ihr Manuskript liege im Schrank. Status mindestens monatlich."
- Telefonate immer mit Aktennotiz dokumentieren - sonst gibt es spaeter "das hat aber Frau Schmidt am Telefon ganz anders gesagt".
- Bei drohendem Lieferverzug niemals warten - frueher anrufen ist Schadensbegrenzung.
- Honorarfragen klar trennen vom Manuskript-Lektorat (eigene Mailthreads).
- Bei renommierten Autoren mit eigenem Lektorat-Stil: respektvoll bleiben, aber Hausregeln durchsetzen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Status-Mail (monatlich):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller, kurzer Status zu Ihrem Beitrag "[Titel]" fuer NJW 14/2026:
>
> 1. Manuskripteingang: 02.06.2026, Versionsstand v1
> 2. Format-Check: abgeschlossen am 05.06.2026, 3 Stops zurueckgespielt
> 3. Ihre Rueckmeldung: erwartet bis 19.06.2026
> 4. Zweite Lektoratsrunde: 23.06.-30.06.2026
> 5. Autorenfreigabe: 07.07.2026
> 6. Druckfreigabe: 14.07.2026
> 7. Heft 14/2026 erscheint: 28.07.2026
>
> Bei Rueckfragen oder Verzoegerungen bitte fruehzeitig melden. Bei Rueckfragen erreichen Sie mich unter ...
**Aktennotiz nach Telefonat (Mail an Autorin):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller, vielen Dank fuer das Telefonat heute (12.06.2026, 14:30-14:55). Wir halten fest:
>
> 1. Sie liefern die korrigierte Fassung statt 19.06. nun am 26.06.2026.
> 2. Die Fussnote 17 ergaenzen Sie mit Az. zur Schlussantraege C-...../25.
> 3. Den Mandantenbezug S. 12 ersetzen Sie durch einen anonymisierten konstruierten Fall.
>
> Falls etwas davon nicht zutrifft, bitte bis 14.06.2026 melden, sonst gilt es als beidseitig dokumentiert.
**Lieferverzug-Klaerung:**
> Sehr geehrter Herr Professor Schmidt, am 19.06.2026 ist die Abgabefrist fuer Ihren Beitrag "[Titel]" zur Festschrift fuer Y verstrichen. Wir bitten um kurze Rueckmeldung zum Stand und um Vorschlag einer Ersatzfrist (max. 4 Wochen). Sollten Sie das Manuskript nicht mehr beitragen koennen, bitte ebenfalls Mitteilung, damit wir die Festschriftplanung anpassen koennen. Bei Rueckfragen ...
## Typische Fehler / Pitfalls
- Kein Status ueber Wochen - Autorin denkt, Manuskript liegt brach.
- Telefonat ohne Aktennotiz - spaeter unklar, was vereinbart wurde.
- Lieferverzug zu spaet adressiert.
- Honorar-Themen vermischt mit Lektorat - verwirrt beide Seiten.
- Bei Konflikt sofort Eskalation an Verlagsleitung - vorher direkte Klaerung versuchen.
## Querverweise
- `verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren` - Stil von Rueckmeldungen.
- `autorenkommunikation-email` - generelle Autoren-E-Mail.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - Honorar-Triage.
- `verl-jourfix-vorbereiten-protokoll` - regelmaessige Sitzungen.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - bei Verzug.
## Quellen Stand 06/2026
- Verlagsgesetz §§ 1 ff., insbes. §§ 30 ff. zur Vertragsabwicklung, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/).
- BGB §§ 280, 286, 323 (Verzug, Ruecktritt).
- UrhG §§ 31 ff. zu Nutzungsrechten.
- DSGVO bei personenbezogenen Daten in der Kommunikation.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,120 @@
---
name: verl-abstimmung-mit-lektorat-format
description: "Klaert Lektorats- und Redaktionsstandards: wer ist fuer welchen Pruefschritt zustaendig wie wird uebergeben Track-Changes Stand Versionierung Eskalationsregeln."
---
# Abstimmung Lektorat / Redaktion (Format-Klaerung)
## Worum geht es konkret
Lektorat und Redaktion arbeiten am selben Manuskript, oft parallel. Ohne klare Schnittstelle entstehen Doppelarbeit, widerspruechliche Eingriffe und Versionschaos. Dieser Skill klaert die Schnittstelle: Zustaendigkeiten, Versionierungsregeln, Track-Changes-Konventionen, Eskalationswege.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn Lektorat und Redaktion neu aufgestellt sind, ein neues Manuskript-Tool eingefuehrt wird oder Konflikte aufkommen. Klaeren Sie:
1. Welche Lektoratsdienste (intern, freie Lektorinnen, beides)?
2. Welche Tools (Word Track Changes, LaTeX-Diff, CMS)?
3. Welche Versionierungslogik?
4. Welche Eskalation bei inhaltlichen Lektoratseingriffen?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Aktueller Lektoratsleitfaden / Style Guide.
- Workflow-Diagramm (falls vorhanden).
- Liste der typischen Reibungspunkte.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Schnittstelle festlegen.**
- **Redaktion:** inhaltliche Beurteilung, Annahme/Ablehnung, Heftslot, Beitragsformat.
- **Lektorat:** Sprache, Stil, Format, Zitiernorm, Konsistenz, ggf. Korrekturlauf.
2. **Uebergabeprotokoll.** Jede Uebergabe mit Datum, Bearbeiter, Versionsstand, was gemacht wurde, was noch offen ist.
3. **Versionierungsregeln.** Dateiname `Autor-Titel_vN_status.docx` mit klarem Status (`eingang`, `lekt1`, `lekt2`, `red1`, `freigabe`, `druck`).
4. **Track-Changes-Konvention.** Wer schaltet TC ein/aus? Wer kommentiert? Wer akzeptiert? Bei Word: jeweils Autorinnenname in den Einstellungen.
5. **Inhaltliche Eingriffe.** Lektorat darf nicht inhaltlich umstellen ohne Ruecksprache Redaktion. Markierung "INH:" als Vorschlag.
6. **Eskalation.** Wenn Redaktion und Lektorat verschiedene Meinungen haben, dokumentiert in Kommentaren, Entscheidung Schriftleitung.
7. **Schluss-Uebergabe** mit Pruefliste (Format, Zitate, Stil, Konsistenz).
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Strikte Zustaendigkeitstrennung | B: Hybride Arbeitsweise | Empfehlung |
|------|-------------------------------------|--------------------------|------------|
| Klarheit | hoch | mittel | A bei groesserem Verlag |
| Flexibilitaet | gering | hoch | B bei kleinem Team |
| Konflikthaeufigkeit | gering | mittel | A schuetzt vor Drift |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Track-Changes ist ein Versprechen: jeder Strich wird gesehen. Wer es nicht respektiert, baut Schattenversionen."
- Versionsstaende immer im Dateinamen - Word-Versionierungs-Funktion ist nicht zuverlaessig.
- Inhaltliche Lektoratseingriffe in Kommentaren begruenden - das schuetzt die Schriftleitungsentscheidung.
- Wenn das Lektorat extern (Freelancer) ist: NDA und Hauseigene Stilkatalog vorab.
- Konflikte werden in der Akte dokumentiert - sonst sind sie nach drei Wochen vergessen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Uebergabeprotokoll (Vorlage):**
```
Uebergabeprotokoll
Manuskript: Mueller, "Plattformhaftung" / NJW 14/2026
Datum: 12.06.2026
Von: Lektorat (Frau Schmidt)
An: Redaktion (Herr Lehmann)
Versionsstand: Mueller-Plattform_v3_lekt1.docx
Geleistet:
- Format-Check (siehe Befund)
- Zitiernorm-Check (siehe Befund)
- Sprachlektorat (Track-Changes)
- 7 inhaltliche Vorschlaege als Kommentare markiert (INH:)
Offen:
- Aussagensicherheits-Pruefung (Mandantenfrage S. 12) - bei Redaktion
- Bildrechte fuer 2 Schaubilder
```
**Eskalations-Notiz:**
> Sehr geehrte Schriftleitung, wir bitten um Klaerung zu drei inhaltlichen Differenzen zwischen Lektorat und Redaktion bei Mueller "[Titel]":
>
> 1. S. 7: Lektorat schlaegt Glaettung "innovativ" -> "neuartig" vor; Redaktion will Autorenstimme respektieren.
> 2. S. 18: Lektorat sieht Mandantenbezug als zu duenn anonymisiert; Redaktion sieht ausreichend.
> 3. S. 23: Lektorat schlaegt Streichung der Spitze gegen BAFin vor; Redaktion sieht durch Belege gedeckt.
>
> Bitte um Entscheidung bis 19.06.2026 (Heftschluss).
**Versionsstand-Schema:**
```
Mueller-Plattform_v1_eingang.docx (vom Autor)
Mueller-Plattform_v2_lekt0.docx (nach Format-Check)
Mueller-Plattform_v3_lekt1.docx (nach Sprachlektorat)
Mueller-Plattform_v4_red1.docx (nach Redaktion)
Mueller-Plattform_v5_aut.docx (Autor-Rueckmeldung)
Mueller-Plattform_v6_freigabe.docx (alle Aenderungen akzeptiert)
Mueller-Plattform_v7_druck.docx (an Produktion)
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Track-Changes ausgeschaltet ohne Hinweis - Schattenversionen.
- Inhaltliche Lektoratseingriffe ohne Ruecksprache.
- Versionsstand nur in Word-Eigenschaften, nicht im Dateinamen.
- Externe Lektorinnen ohne NDA.
- Konfliktdokumentation fehlt - alte Streits werden neu gefuehrt.
## Querverweise
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - Format-Check vor Lektorat.
- `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw` - Zitat-Pruefung.
- `verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren` - Stil der Rueckmeldung.
- `lektorat-struktur-redaktion` - Strukturlektorat.
- `verl-jourfix-vorbereiten-protokoll` - Jourfix-Werkzeug.
## Quellen Stand 06/2026
- Allgemeine Workflow- und Kollaborationsstandards: keine spezifische juristische Quelle.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Plachta, Editionswissenschaft, 4. Aufl. 2020 (zu Versionierungsdisziplin).
@@ -0,0 +1,121 @@
---
name: verl-abstimmung-mit-produktion-satz-druck
description: "Klaert die Schnittstelle zur Produktion: Satzdaten Format Bildaufloesung Schriftrechte Fahnenlauf Druckfreigabe Online-Auslieferung und Reklamationswege."
---
# Abstimmung Produktion / Satz / Druck
## Worum geht es konkret
Nach der inhaltlichen und sprachlichen Freigabe geht das Manuskript in die Produktion: Satz, Layout, Korrekturfahnen, Druckfreigabe, Druck, Auslieferung. Auch wenn diese Schritte oft an externe Dienstleister gehen, bleibt die Redaktion verantwortlich fuer Termintreue und Endqualitaet. Dieser Skill beschreibt die saubere Produktionsschnittstelle.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn bei der Uebergabe an die Produktion und bei Reklamationen. Klaeren Sie:
1. Inhouse-Satz oder externer Setzer?
2. Welches Druckverfahren (Offset, Digital, Print-on-Demand)?
3. Welche Bilddaten-Qualitaet (300 dpi+ fuer Print)?
4. Welche Schriftrechte (Lizenz der Setzschrift, OFL?)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Freigegebenes Manuskript (alle Aenderungen akzeptiert).
- Bilddateien in Druckqualitaet, separat.
- Layoutvorgaben (Style Guide Print).
- Druckschrift mit Lizenznachweis.
- Termine (Druckfreigabe, Druck, Auslieferung).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Uebergabe-Paket fuer Setzer:**
- Manuskript als .docx (freigegeben, alle Aenderungen akzeptiert).
- Bilder als separate Dateien in 300+ dpi.
- Tabellen ggf. separat als .xlsx.
- Style-Anweisungen / Vorlage.
- Inhaltsverzeichnis / Stichwortverzeichnis.
2. **Erste Satzfahne pruefen** mit `satzfahne-korrekturlauf`.
3. **Korrekturen markieren** im PDF (Adobe Acrobat-Kommentare oder ausgedruckt mit Korrekturzeichen).
4. **Zweite Fahne** auf Vollstaendigkeit der Korrekturen pruefen.
5. **Druckfreigabe** schriftlich, mit Versionsstand und Datum.
6. **Druckueberwachung.** Stichprobe aus Druck, Termin pruefen.
7. **Auslieferung.** Verlag, Buchhandel, Online-Lizenz aktivieren.
8. **Reklamationen.** Defekte, Druckfehler, Setzfehler dokumentieren und an Setzer / Drucker melden.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Inhouse-Satz | B: Externer Setzer | Empfehlung |
|------|-----------------|---------------------|------------|
| Kosten pro Druck | hoch (Personal) | mittel | B im Regelfall |
| Kontrolle | hoch | mittel | A bei sensiblen Produkten |
| Termintreue | hoch | mittel | beide brauchen Eskalation |
| Datenschutz | gut | abhaengig von AVV | A bei Mandantendaten |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Druckfreigabe ist eine Unterschrift, nicht ein Mailsatz. Wird im Streitfall gebraucht."
- Bilder im Manuskript eingebunden sind fuer Setzer minderwertig - immer separat in 300+ dpi.
- Tabellen mit komplexer Struktur als .xlsx zusaetzlich liefern, nicht nur als Word-Tabelle.
- Schriftrechte pruefen - bei kommerziellen Druckereien Standardschriften verfuegbar, bei Sonderschriften Lizenznachweis.
- Bei Loseblattwerk: Ergaenzungslieferungen brauchen ueberlappende Termine und klare Versionskontrolle.
## Mustertexte / Vorlagen
**Uebergabe-Checkliste Produktion:**
```
[ ] Manuskript freigegeben (Versionsstand: ____)
[ ] Alle Aenderungen akzeptiert (Track-Changes leer)
[ ] Bilder separat in 300+ dpi
[ ] Bildquellen / Credits geprueft (siehe bildrechte-grafiken-tabellen)
[ ] Tabellen als .xlsx separat
[ ] Inhaltsverzeichnis / Stichwortverzeichnis
[ ] Impressum, Titelei, Backmatter
[ ] Druckschrift / Lizenz geprueft
[ ] Termine eingetragen (Satz, Korrektur 1, Korrektur 2, Druckfreigabe, Druck, Auslieferung)
[ ] Ansprechpartner Verlag und Setzer benannt
```
**Druckfreigabe-Vorlage:**
> Verlag [Name] erteilt fuer das Werk
> Mueller, "Praxiskommentar Plattformhaftung", 1. Auflage 2027
> Versionsstand: v9_freigabe_2026-12-15.pdf
> die Druckfreigabe.
>
> Druckumfang: 480 Seiten + Vorsatz/Nachsatz
> Auflage: 1.500 Exemplare
> Auslieferung: 03.03.2027
>
> Datum: 15.12.2026
> Unterschrift: _______________________
> Funktion: Verlagsleitung
**Anschreiben Setzer:**
> Sehr geehrte Frau Setzerin, wir uebergeben hiermit das freigegebene Manuskript Mueller "Praxiskommentar Plattformhaftung" zur Satzbearbeitung (siehe Anlagen). Layoutvorgaben gemaess Verlagsstyleguide, Druckschrift Stempel Garamond mit Hauslizenz. Erste Satzfahne erwarten wir bis 30.07.2026. Bei Rueckfragen ...
## Typische Fehler / Pitfalls
- Bilder im Word, nicht separat - Druckqualitaet schlecht.
- Druckfreigabe ohne Versionsstand - im Streitfall nicht beweisbar.
- Schriftrechte uebersehen - Drucker reklamiert.
- Termine zu eng, kein Puffer fuer zweite Korrekturfahne.
- Reklamationen ohne Dokumentation - bei nachstehender Auflage gleicher Fehler.
## Querverweise
- `satzfahne-korrekturlauf` - Korrekturlauf der Fahne.
- `produktionsuebergabe-checkliste` - Produktionsuebergabe-Skill.
- `bildrechte-grafiken-tabellen` - Bildrechte.
- `verl-abstimmung-mit-lektorat-format` - Lektorats-Schnittstelle vor Produktion.
- `verl-buchprojekt-bauleiter` - Buchprojekt-Bauleiter.
## Quellen Stand 06/2026
- Verlagsgesetz, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/).
- UrhG §§ 31 ff. fuer Schriftnutzungsrechte.
- DIN 16511 (Korrekturzeichen).
- ISO 12647 (Druckfarbsteuerung Offset).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,135 @@
---
name: verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung
description: "Inhouse-Legal-Check vor Veroeffentlichung: strukturierte Abstimmung mit Justiziariat zu Aeusserungsrecht, Persoenlichkeitsrecht, Urheberrecht, Wettbewerbsrecht und Datenschutz."
---
# Inhouse-Legal-Check vor Veroeffentlichung
## Worum geht es konkret
Vor Drucklegung oder Onlineschaltung muss bei rechtssensiblen Beitraegen das Justiziariat des Verlags eingebunden werden. Das betrifft insbesondere: namentliche Berichte ueber Verfahrensbeteiligte, scharfe Urteilskritik, Praxisberichte mit Mandantenbezug, Beitraege zu Streitthemen mit grossen Marktteilnehmern, KI-erstellte Inhalte. Der Skill liefert einen Vorlagenpfad, der dem Justiziariat in 15 Minuten Pruefbarkeit verschafft.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welcher Beitrag (Aufsatz, Anmerkung, Kommentierung, Blog, Newsletter, Pressetext)?
2. Welche Personen oder Unternehmen werden namentlich genannt?
3. Werden Aktenzeichen, Verfahrensdetails oder vertrauliche Sachverhalte verwendet?
4. Liegen Bild- oder Tabellenrechte vor (Lizenz, Schoepfungshoehe, Public Domain)?
5. Ist ein Faktencheck-Datum dokumentiert?
6. Wird Wettbewerbsbezug (vergleichende Werbung, Aussagen ueber Konkurrenten) hergestellt?
7. Welche Frist gibt die Redaktion dem Justiziariat?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht; Einwilligung erforderlich, Ausnahmen fuer Personen der Zeitgeschichte.
- BGB §§ 823, 824, 1004 analog - Schutz des allgemeinen Persoenlichkeitsrechts und der Kreditgefaehrdung.
- StGB §§ 185-187 - Beleidigung, ueble Nachrede, Verleumdung als strafrechtliche Grenze.
- Art. 5 GG - Meinungs- und Pressefreiheit als Abwaegungsmassstab.
- UrhG §§ 51, 51a - Zitatrecht, Karikatur/Parodie/Pastiche.
- DSGVO Art. 6, 17, 85 - Datenverarbeitung im journalistischen Privileg.
- UWG §§ 6, 7 - vergleichende Werbung, Belaestigung; bei Marketingtexten relevant.
- DDG (Digitale-Dienste-Gesetz) als Nachfolger des TMG seit 2024; § 5 DDG Impressumspflicht, § 18 MStV journalistische Sorgfalt fuer Telemedien mit journalistisch-redaktioneller Pragung.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Vorselektion durch Redaktion.** Ein Pruefkanon laeuft jedem Beitrag voraus. Bei "Ja" zu einem der folgenden Punkte: Justiziariat einschalten.
- Namentliche Berichterstattung ueber lebende Personen mit kritischer Bewertung.
- Aktenzeichen aus laufenden Verfahren mit identifizierender Wirkung.
- Behauptungen ueber konkrete Pflichtverletzungen, Unwirksamkeiten von AGB Dritter, Verstoesse gegen Berufsrecht.
- Bildmaterial ohne klare Lizenz oder ohne Personenrechte.
- Sponsored Content, Affiliate-Links, vergleichende Aussagen.
2. **Pruefpaket schnueren.** Manuskriptfassung mit Stand, Quellenliste, ggf. Bildlizenzen, ggf. Anonymisierungsentscheidungen, gewuenschte Online- und Printtermine.
3. **Pruefauftrag schreiben.** Nicht "schaut mal druber", sondern konkrete Fragen: "Ist Passage S. 3 Abs. 2 zulaessige Werturteil oder unwahre Tatsachenbehauptung?"
4. **Frist setzen.** Mindestens fuenf Werktage vor Imprimatur; bei Brennthemen 24 Stunden mit explizitem Hinweis.
5. **Rueckmeldung schriftlich.** "Freigabe", "Freigabe mit Aenderungen", "Pruefbedarf", "Abgelehnt" - keine telefonische Halbfreigabe.
6. **Aenderungen umsetzen.** Jede juristische Aenderung mit dem Autor abstimmen, sonst wird der Beitrag verfaelscht.
7. **Dokumentation.** Pruefauftrag, Antwort und finale Fassung gemeinsam ablegen (Beweisvorsorge bei Klage).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Justiziariat eng einbinden | Redaktion entscheidet allein |
|---|---|---|
| Risiko | Niedriger | Hoeher |
| Tempo | Langsamer | Schneller |
| Autorenbindung | Sicherheit, aber Eingriffe | Vertrauen, aber Risiko |
| Folgekosten | Vorab teurer, hinten billiger | Vorab billig, ggf. teurer Rechtsstreit |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Lieber einmal abgelehnt als dreimal abgemahnt." Schon ein Unterlassungsverfahren kostet mehr als zehn Pruefdurchgaenge.
- Bei kritischen Personen: Anonymisierung pruefen (Initialen, Funktionsbeschreibung). Wenn Identifizierbarkeit zwingend fuer Aussage ist, soll Justiziariat das absegnen.
- Bei laufenden Verfahren stets pruefen, ob § 353d StGB (verbotene Mitteilung) tangiert ist.
- KI-Anteile am Beitrag separat kennzeichnen; Justiziariat braucht das fuer die Pruefung der Verantwortlichkeitskette.
- Bei Druckaufsatz: Pruefung in Setzung-Fahnenform, nicht im Word-Manuskript; im Setzungsstand sieht man Layoutfolgen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Pruefauftrag an Justiziariat**
```
Betreff: Rechtspruefung [Werktitel] vor Imprimatur am [Datum]
Sehr geehrte/r [Name Justiziariat],
bitte pruefen Sie den anliegenden Beitrag mit Blick auf folgende Punkte:
1. Persoenlichkeitsrecht - Passage S. [n] Abs. [n] enthaelt namentliche
Bewertung von [Name/Funktion]. Ist die Bewertung als Werturteil
zulaessig?
2. Aeusserungsrecht / Tatsachenbehauptung - Passage S. [n] Abs. [n]
behauptet "[konkretes Zitat]". Ist der Beleg in Fn. [n] ausreichend?
3. Bildrechte - Abbildung [n] stammt aus [Quelle], Lizenz: [Quelle/Stand].
Bitte Rechte/Personen pruefen.
4. Wettbewerbsrecht - Tabelle S. [n] vergleicht Produkte von [Anbietern].
5. KI-Anteil - Abschnitt [Bezug] enthaelt mit [Tool] generierte Passage,
redaktionell ueberarbeitet.
Imprimaturziel: [Datum, Uhrzeit].
Bei Rueckfragen erreichen Sie mich unter [Kontakt].
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Freigabevermerk Justiziariat (Vorlage)**
```
Beitrag: [Werktitel]
Pruefdatum: [Datum]
Pruefer/in: [Name]
Ergebnis: [ ] Freigabe / [ ] Freigabe mit Auflagen / [ ] Aenderungsbedarf / [ ] Ablehnung
Auflagen / Aenderungen:
1. [...]
2. [...]
Gueltigkeitsdauer der Freigabe: [Datum]
Hinweis fuer Onlineversion: [...]
Unterschrift: [Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- "Bitte freigeben" ohne konkrete Pruefpunkte - Pruefung wird oberflaechlich.
- Freigabe mit Aenderung wird nicht in die Endfassung uebernommen - Haftungsfalle.
- Pruefauftrag erst zur Drucknacht - Druck der Bewertung lastet auf Justiziariat.
- Nachtraegliche Aenderungen am Beitrag nach Freigabe ohne erneute Vorlage - Freigabe entfaellt.
- Bei Onlineversion abweichende Fassung ohne separate Freigabe.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung der Pruefdringlichkeit.
- `workflow-dokumentenintake` - Aufbereitung der Pruefunterlagen.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - Pruefung der urheber- und verlagsrechtlichen Fragen.
- `qualitaetsgate-verlag` - Endkontrolle vor Imprimatur.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - bei KI-Anteilen besonders relevant.
- `verl-haftungsfreistellung-autor-verlag` - vertragliche Risikoverteilung.
## Quellen Stand 06/2026
- KUG §§ 22, 23 - Recht am eigenen Bild.
- BGB §§ 823, 824, 1004 (analog) - Persoenlichkeitsrecht, Kreditgefaehrdung.
- StGB §§ 185-187, 353d - Aeusserungsdelikte, verbotene Mitteilung aus Verfahren.
- UrhG §§ 51, 51a - Zitat, Pastiche.
- UWG §§ 6, 7 - vergleichende Werbung.
- DSGVO Art. 6, 17, 85 - Datenverarbeitung, Loeschung, Medienprivileg.
- DDG § 5 - Impressumspflicht; MStV § 18 - journalistische Sorgfalt.
- BVerfG, st. Rspr. zur Abwaegung Meinungsfreiheit / Persoenlichkeitsrecht (Volltexte zur amtlichen Pruefung unter bundesverfassungsgericht.de).
@@ -0,0 +1,118 @@
---
name: verl-abstimmung-mit-vertrieb-marketing
description: "Briefing fuer Vertrieb und Marketing zu einem Verlagsprodukt: Zielgruppe Kernnutzen Vergleichstitel Preisarchitektur und Material fuer Katalog Webseite Veranstaltungen."
---
# Abstimmung mit Vertrieb / Marketing
## Worum geht es konkret
Vertrieb und Marketing brauchen vor dem Erscheinen eines Buches, eines Loseblattwerks oder einer neuen Zeitschriftenreihe ein praezises Briefing: Was traegt das Produkt? Wer kauft es? Was ist anders als Konkurrenz? Welcher Preis ist plausibel? Welche Materialien werden gebraucht (Katalog, Web, Veranstaltungs-Pitches)? Dieser Skill liefert die Schnittstelle.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn 6-9 Monate vor Erscheinen eines neuen Produkts, periodisch fuer Backlist-Pflege. Klaeren Sie:
1. Welches Produkt (Buch, Loseblattwerk, Zeitschrift, Online-Kommentar)?
2. Veroeffentlichungstermin?
3. Zielgruppe (Anwalt, Richter, Berater, Lehre, Studium)?
4. Welche Konkurrenzprodukte gibt es?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Produkt-Konzept / Manuskriptentwurf / Inhaltsverzeichnis.
- Autoren-/Herausgeberprofil.
- Verlagshistorie zu vergleichbaren Produkten.
- Preisliste / Kostenschaetzung.
- Marketing-Briefingvorlage des Hauses.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Kernnutzen in einem Satz.** "Was kann der Leser nach Kauf, was er vorher nicht konnte?"
2. **Zielgruppen-Segmentierung.** Primaer (Hauptkaeufer), sekundaer (gelegentliche Kaeufer), tertiar (Empfehlungstreiber).
3. **Vergleichstitel-Analyse.** 2-4 Konkurrenzprodukte. Was machen die besser, schlechter, anders?
4. **Alleinstellungsmerkmale.** Was hat NUR dieses Produkt?
5. **Preisarchitektur.** Standardausgabe / Online-Lizenz / Kombiabo. Stichprobe Konkurrenzpreise.
6. **Marketing-Material aufbereiten:**
- Klappentext (200-400 Z).
- Kapitelteaser fuer Web.
- Autoren-Kurzbiografie.
- Probekapitel oder Leseprobe.
- Pressetext (300-600 Z).
7. **Veranstaltungspitch.** Wenn auf Tagung / Messe: 60-Sek-Pitch.
8. **Erscheinungs-Vorschau.** Was passiert zu welchem Zeitpunkt (Vorschau, Vorab-Mailings, Erstauslieferung)?
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Marketing fuehrt | B: Inhalt fuehrt | Empfehlung |
|------|--------------------|------------------|------------|
| Markterfolg | hoch | mittel | A bei breit aufgestelltem Verlag |
| Inhaltsqualitaet | gefaehrdet | hoch | B bei Fachverlag |
| Optimum | Marketing folgt Inhalt - liefert nicht den Inhalt | beide brauchen einander |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Verlagsprodukt, das in einem Satz beschrieben werden kann, verkauft sich. Eines, das drei braucht, ist beratungsbeduerftig."
- Vergleichstitel ehrlich nennen - Marketing erkennt sonst Schwachstellen erst nach Erscheinen.
- Preisarchitektur fruh klaeren, sonst Schock beim Vertrieb.
- Pressetext / Klappentext im Verlag mit Autorin abstimmen, nicht erst vor Druck zeigen.
- Bei Online-Lizenz: Verlaengerungsmodell von Anfang an mitdenken.
## Mustertexte / Vorlagen
**Marketing-Briefing-Vorlage:**
```
Marketing-Briefing
Produkt: Mueller, "Praxiskommentar Plattformhaftung", 1. Aufl. 2027
Erscheinen: 03/2027
Zielgruppe primaer: IT-/Plattform-Rechtler, Anwaltschaft
Zielgruppe sekundaer: Compliance-Verantwortliche
Kernnutzen: Erster Praxiskommentar zur Plattformhaftung nach BGH-Linie 2026
Konkurrenz:
- [Konkurrenztitel A] - aelter, kein BGH 2026
- [Konkurrenztitel B] - akademischer, weniger praxisorientiert
Alleinstellung:
- Aktuellste BGH-Rspr.
- Praxistabellen / Schemata
- Vertragsmuster im Anhang
Preisarchitektur: Print 119 EUR / Online-Lizenz 99 EUR p.a. / Kombi 159 EUR
Erscheinungsphasen:
- Vorschau: 11/2026 Vertriebskatalog
- Vorab-Mailing Q1/2027
- Erstauslieferung 03/2027
- Buchmesse-Praesentation 10/2027
```
**Klappentext (Beispiel):**
> Die BGH-Rechtsprechung 2025/2026 hat die Plattformhaftung grundlegend neu geordnet. Mueller liefert den ersten Praxiskommentar nach dieser Wende: alle relevanten Vorschriften, mit Streitstandsdarstellung, BGH- und EuGH-Linien, Vertragsmustern und Compliance-Hilfen. Fuer Anwaltschaft, Compliance und Rechtsabteilungen.
**Anschreiben an Marketing-Verantwortliche:**
> Sehr geehrte Frau Marketing, anbei das aktualisierte Briefing zu Mueller "Praxiskommentar Plattformhaftung". Wir bitten um Aufnahme in den Vertriebskatalog 11/2026 und um Abstimmungstermin zu Klappentext, Pressetext und Vorab-Mailing-Plan. Vorgeschlagener Termin: 19.06.2026, 10:00. Bei Rueckfragen ...
## Typische Fehler / Pitfalls
- Kernnutzen unklar - Vertrieb verwendet eigene Formulierung, Autorin kommt erst nach Druck dazu.
- Vergleichstitel beschoenigt - Marktreaktion enttaeuscht.
- Preis erst nach Druck festgelegt - Kalkulation passt nicht.
- Pressetext / Klappentext ohne Autorenabstimmung.
- Erscheinungsphasen nicht synchron mit Marketing-Kalender.
## Querverweise
- `metadaten-seo-klappentext` - Klappentext, SEO.
- `marketing-presse-social` - Presse, Social Media.
- `sales-katalog-vlb-buchhandel` - Vertriebskatalog, VLB.
- `verl-buchprojekt-bauleiter` - Buchprojekt allgemein.
- `verl-abstimmung-mit-produktion-satz-druck` - Produktionsschnittstelle.
## Quellen Stand 06/2026
- Verlagsgesetz, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/).
- VLB Verzeichnis lieferbarer Buecher, [https://www.vlb.de](https://www.vlb.de).
- BoersenblattOnline, [https://www.boersenblatt.net](https://www.boersenblatt.net) (Branchenmonitor).
- UrhG fuer Marketing-Rechte (Bilder, Klappentexte).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016 (fuer Markeintegritaet).
@@ -0,0 +1,94 @@
---
name: verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag
description: "Destilliert einen Audio-Vortrag oder ein freies Diktat zu einem zitierfaehigen Fachbeitrag fuer juristische Fachzeitschriften und Sammelbaende."
---
# Audio-Transkript zu Fachbeitrag
## Worum geht es konkret
Eine Autorin liefert nicht ein Manuskript, sondern eine Audiodatei: Mitschnitt einer Tagung, ein freies Diktat, ein Telefon-Brainstorming mit einem Co-Autor. Sie muessen daraus einen abgabefaehigen Fachbeitrag machen - ohne dass die muendliche Rohfassung im Druck als Geschwaetz wirkt.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn Audio + Verschriftlichungsauftrag vorliegen. Klaeren Sie zu Beginn nur:
1. Welche Zielzeitschrift / welcher Sammelband, welche Hoechstlaenge?
2. Liegt das Transkript schon vor oder muessen Sie transkribieren?
3. Ist die Autorin mit Bearbeitung einverstanden ("Aut. Ueberarbeitung erforderlich" - Schriftform)?
4. Datenschutz: enthaelt die Aufnahme Drittstimmen, Mandantendaten, Zwischenrufe?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Audiofile (mp3, m4a, wav).
- Vortragstitel und Termin der Aufzeichnung.
- Folien / Handout (oft die einzige strukturierende Quelle).
- Hinweise der Autorin zu Quellen, die sie muendlich nur halb genannt hat.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Einverstaendnis sichern.** Ohne schriftliche Freigabe keine Bearbeitung; bei Drittstimmen (Diskussion!) Anonymisierung pruefen.
2. **Transkription.** Wortgetreu in einem ersten Durchgang, Zeitstempel alle 30 Sekunden. Bei lizenziertem Whisper / Audiotrans-Tool: AVV pruefen.
3. **Sinnabschnitte bilden.** Audio ist linear, Text braucht Hierarchie. Drei bis fuenf Sinnabschnitte als Gliederungsgeruest.
4. **Mundartliches kuerzen.** "Aehs", Wiederholungen, "wie ich vorhin schon sagte" raus. Sie-Ansprache des Publikums in indirekte Rede.
5. **Quellen rekonstruieren.** Muendliche Halb-Zitate ("der Bundesgerichtshof hat ja vor ein paar Jahren entschieden") als Recherche-Auftrag an die Autorin zurueck.
6. **Schriftbild herstellen.** Gutachten- oder Urteilsstil je nach Format der Zeitschrift; Fussnotenapparat aufbauen.
7. **Autoren-Freigabe.** Erste Schriftfassung an Autorin mit kommentierten Stellen ("Originalzitat hier nicht eindeutig - bitte praezisieren") zurueckspielen.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Wortgetreues Transkript erhalten | B: Stark redigieren | Empfehlung |
|------|------------------------------------|---------------------|------------|
| Authentizitaet | hoch | mittel | A bei Interview-Format |
| Lesbarkeit | gering | hoch | B bei Fachaufsatz |
| Autoren-Stress | gering | Freigaberunde | B bei begrenzter Autorenzeit |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Vortraege wirken im Druck immer 30 % laenger als beim Zuhoeren. Kuerzen Sie hart."
- Schreiben Sie sich beim ersten Hoeren die Hauptthesen auf eine Seite - das ist Ihre Gliederung.
- Quellen, die im Vortrag nur halb genannt wurden, niemals selber ergaenzen, immer ruecksprechen - die Autorin haftet, nicht der Verlag.
- Wenn das Audio Zwischenrufe oder Fragen enthaelt, klaeren Sie, ob diese in den Druck sollen (dann anonymisieren) oder herausfallen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Anschreiben an Autorin nach Transkription:**
> Sehr geehrter Herr Professor Schmitt, anbei die redaktionelle Bearbeitung Ihres Vortrags vom 14.05.2026 in Heidelberg. Wir haben das Wortprotokoll auf rund 28.000 Zeichen verdichtet (Zielmarke NJW: 25.000 bis 30.000). An vier Stellen (S. 3, 7, 9, 12) haben wir Quellen markiert, die im Vortrag nur halb genannt wurden - wir bitten um Vervollstaendigung. Bitte senden Sie uns die Freigabe bis 26.06.2026.
**Transkriptions-Logfile:**
```
Audio: Vortrag-Schmitt-Heidelberg-2026-05-14.m4a
Laenge: 47:12 min
Transkriptions-Tool: [Tool] (AVV Stand 04/2026)
Drittstimmen anonymisiert: ja (Fragen aus dem Publikum als "Frage aus dem Plenum")
Quellen-Lueckenliste:
- 04:21 "der Bundesgerichtshof hat das mal entschieden" - Az. fehlt
- 12:33 "Canaris hat dazu in der JZ geschrieben" - Jahr/Seite fehlt
- 19:08 "die ganz herrschende Meinung" - Beleg fehlt
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Audio ohne Einverstaendnis bearbeitet - Persoenlichkeitsrecht der Autorin und Dritter.
- Halbzitate eigenmaechtig ergaenzt - juristisch falsch oder erfunden.
- Mundartliche Wendungen woertlich uebernommen - peinlich im Druck.
- Drittstimmen aus dem Publikum unter Klarnamen veroeffentlicht.
- Audio nicht archiviert - Streitfall um den Originalton nicht mehr aufklaerbar.
## Querverweise
- `workflow-dokumentenintake` - fuer den allgemeinen Intake.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - fuer den Zielformat-Aufbau.
- `verl-podcast-zu-zeitschriftenbeitrag` - eng verwandt.
- `verl-konferenzmitschnitt-zu-tagungsbericht` - wenn aus dem Vortrag ein Tagungsbericht wird.
- `verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren` - fuer das Rueckspielen an die Autorin.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 31 ff., § 51, § 63, [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- KUG § 22 fuer Persoenlichkeitsrecht (sinngemaess auch fuer Stimme zu beachten), [https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/).
- DSGVO Art. 6 bei personenbezogenen Daten in der Aufnahme.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016, fuer Pinpoint-Disziplin.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023, zum Aufbau von Fachaufsaetzen.
@@ -0,0 +1,109 @@
---
name: verl-aussagensicherheit-pruefung
description: "Prueft im Manuskript jede tragende Aussage darauf ob sie so im Druck stehen darf: Belegtiefe Ehrenschutz Datenschutz Berufsrecht und Aussagewahrheit."
---
# Aussagensicherheits-Pruefung ("darf das so im Druck?")
## Worum geht es konkret
Eine Aussage in einem Fachaufsatz oder einer Anmerkung kann juristisch problematisch sein, selbst wenn Grammatik, Stil und Quellen stimmen: Sie kann ehrverletzend gegenueber Beteiligten sein, datenschutzrechtlich heikel, berufsrechtlich relevant (Mandantenidentifizierung!), oder einfach inhaltlich nicht hinreichend belegt. Dieser Skill ist das letzte inhaltliche Pruefraster vor Druck.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn immer bei brisanten Themen, polemischen Anmerkungen, Beitraegen mit erkennbarem Fall (Mandantenbezug), Beitraegen ueber konkret benannte Personen oder Institutionen. Klaeren Sie:
1. Werden konkrete Personen / Institutionen / Mandanten genannt?
2. Hat die Autorin ein Mandantenmandat selbst gefuehrt - dann § 43a BRAO?
3. Wird ein Berufsstand kritisiert (Richter, BMF, BAFin)?
4. Werden Rechtsmeinungen scharf abgelehnt - mit Belegen?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript im finalen Stand.
- Hinweise auf Mandantenbezug.
- Vorgaengerbeitraege zum gleichen Thema (Konfliktlinien).
- Hauseigene Justiziariats-Richtlinien.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Risikoflaechen identifizieren:**
- Mandantenbezug (Anwaltsmandat).
- Konkret benannte Dritte (Richter, Anwaelte, Behoerden, Unternehmen).
- Tatsachenbehauptungen (vs. Wertungen).
- Anschuldigungen / Vorwuerfe.
- Datenschutz-relevante Angaben.
2. **Belegtiefe pruefen.** Jede Tatsachenbehauptung mit Beleg? Wertungen als solche erkennbar?
3. **Ehrenschutz / Persoenlichkeitsrecht** (§§ 823, 1004 BGB, Art. 1 i.V.m. Art. 2 I GG): Werden Beteiligte ungerechtfertigt herabgesetzt?
4. **Mandantenschutz** (§ 43a Abs. 2 BRAO, § 203 StGB): Anonymisierung ausreichend? Schreibt die Autorin ueber einen eigenen Fall? Mandantenfreigabe?
5. **DSGVO** (Art. 6, Art. 9): personenbezogene Daten? Rechtsgrundlage?
6. **Berufsstandkritik.** Sachlich, mit Belegen? Oder polemisch ohne Grundlage?
7. **Wahrheits- / Wahrhaftigkeitsbeleg.** Tatsachenbehauptung muss erweislich wahr oder hinreichend recherchiert sein.
8. **Eskalation an Justiziariat** bei brisanten Stellen vor Druck.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Strenge Justiziariats-Vorpruefung | B: Verlagsroutine ohne Justiziariat | Empfehlung |
|------|--------------------------------------|--------------------------------------|------------|
| Risiko | gering | mittel bis hoch | A bei brisanten Themen |
| Lieferzeit | langsamer | schneller | B bei Routine |
| Beziehung Autor-Verlag | belastend | leichter | A wenn Risiko klar |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Schreibt die Autorin ueber einen eigenen Mandantenfall? Immer Mandantenfreigabe schriftlich, immer Anonymisierungspruefung."
- Personenkritik an Richtern: nur sachlich, nur mit Beleg, niemals ad personam.
- Anschuldigungen ("XY hat falsch entschieden") brauchen Belege, wo das Falsche liegt.
- Bei DSGVO-Themen: Datenschutzbeauftragte / Datenschutzbeauftragten des Verlages frueh einbinden.
- Im Zweifel an die Hausjustiziarin oder den externen Justiziar.
## Mustertexte / Vorlagen
**Risiko-Befundtabelle:**
| Stelle | Risikoart | Befund | Massnahme |
|--------|-----------|--------|-----------|
| S. 3 | Mandantenbezug | "Mein Mandant hatte ..." - Anonymisierung duenn | Mandantenfreigabe einholen, ggf. Anonymisierung verstaerken |
| S. 7 | Ehrenschutz Richter | "Der Vorsitzende hat erkennbar parteiisch verhandelt" - Behauptung ohne Beleg | Beleg verlangen oder Wertung zurueckziehen |
| S. 12 | DSGVO | Klarname eines Mandanten in Fussnote | streichen / anonymisieren |
| S. 18 | Berufsstandkritik | "Die BAFin hat versagt" - Beleg fehlt | konkretisieren mit Quelle |
**Anschreiben (Aussagensicherheit):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Schmidt, bei der inhaltlichen Sicherheitspruefung Ihres Aufsatzes haben wir vier Stellen markiert, die wir vor Druck mit Ihnen besprechen wollen (siehe Anlage). Insbesondere bitten wir um (1) Mandantenfreigabe schriftlich fuer den Fallbezug S. 3, (2) Beleg fuer die Aussage zur Parteilichkeit S. 7, (3) Konkretisierung des Vorwurfs gegen die BAFin S. 18 mit Quelle. Die Stelle S. 12 (Mandantenname) bitten wir, vor Druck zu anonymisieren. Rueckmeldung bitte bis 19.06.2026.
**Eskalations-Notiz an Justiziariat:**
```
Manuskript: Schmidt, "[Titel]" fuer NJW 14/2026
Risikostufe: hoch
Risikoart: Personenkritik an Richter, Mandantenbezug
Anlagen: Manuskript, anonymisierte Beteiligten-Tabelle, vorgesehene Druckfassung
Bitte um Rueckmeldung bis 16.06.2026.
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Mandantenname uebersehen.
- Polemische Aussagen ohne Beleg im Druck.
- Justiziariat zu spaet eingebunden.
- DSGVO-Verletzung mit Klarnamen in Fussnoten.
- Rspr.-Kritik ad personam statt zur Sache.
## Querverweise
- `rechtecheck-urhg-verlg` - Urheber- und Verlagsrecht.
- `verl-relationslinien-pruefung-im-aufsatz` - Argumentationskritik.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - Beleg-Konsolidierung.
- `verl-stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift` - Stilcheck.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - Datenschutz beim KI-Einsatz.
## Quellen Stand 06/2026
- BGB §§ 823, 1004 (Ehrenschutz, Unterlassung), [https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/).
- StGB § 203 (Verletzung von Privatgeheimnissen), [https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/).
- BRAO § 43a Abs. 2 (Verschwiegenheit), [https://www.gesetze-im-internet.de/brao/](https://www.gesetze-im-internet.de/brao/).
- GG Art. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 (allg. Persoenlichkeitsrecht), [https://www.gesetze-im-internet.de/gg/](https://www.gesetze-im-internet.de/gg/).
- DSGVO Art. 6, Art. 9, [https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj).
- KUG § 22 (Bildnisschutz).
- Pressekodex Ziff. 1, 2, 9, [https://www.presserat.de/pressekodex.html](https://www.presserat.de/pressekodex.html).
@@ -0,0 +1,94 @@
---
name: verl-email-konvolute-zu-fachbeitrag
description: "Verwertet einen E-Mail-Wechsel als Sachverhaltsquelle und Belegmaterial fuer eine Urteilsanmerkung oder einen Praxisbericht, mit Anonymisierung und Chronologie."
---
# E-Mail-Konvolute zu Fachbeitrag
## Worum geht es konkret
Manchmal liefert eine Autorin den Sachverhalt eines geplanten Beitrags als E-Mail-Wechsel: Mandant - Anwalt - Behoerde - Gericht. Daraus wird ein Praxisbericht, eine Anmerkung zu einer Behoerdenpraxis oder eine Fallanalyse. Sie muessen den Wust anonymisieren, chronologisieren, zitierbar machen und entscheiden, was tatsaechlich in den Druck soll.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn E-Mails als Sachverhaltsbasis fuer einen Verlagsbeitrag dienen sollen. Klaeren Sie:
1. Liegt das Einverstaendnis aller Mailbeteiligten zur Verwertung vor?
2. Mandantenname, Aktenzeichen, Behoerdenname - was muss anonymisiert werden?
3. Welche Mails sind tatsaechlich relevant, welche sind Rauschen?
4. Zielformat (Praxisbericht, Anmerkung, Fallstudie)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- .eml / .msg / .pst oder ausgedruckte Mails als PDF.
- Anlagen (Bescheide, Vertraege).
- Hinweise der Autorin zu Vertraulichkeit.
- Bei Anwaltsmandaten: Mandantenfreigabe schriftlich.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Vertraulichkeit klaeren.** Ohne schriftliche Freigabe der Mandantin oder anonymisierte Verwertung mit hinreichender Verfremdung: stop. § 43a Abs. 2 BRAO, § 203 StGB.
2. **Chronologie aufbauen.** Mails nach Sendedatum sortieren. Bei verschachtelten Threads: jede Mail als eigenes Element.
3. **Beteiligten-Tabelle.** Wer schreibt, wer empfaengt, welche Rolle? Pseudonymisieren (M = Mandantin, A = Anwalt, B = Behoerde, Az.-Code).
4. **Inhaltliche Verdichtung.** Mails sind oft 80 % Hoeflichkeitsfloskel - die 20 % Substanz extrahieren.
5. **Wortlautzitate sparsam.** Wo eine Behoerdenformulierung tragend ist, woertlich zitieren mit Anonymisierung der Beteiligten.
6. **Anlagen pruefen.** Bescheide, Vertraege - getrennt anonymisieren (Schwaerzungen sichtbar, nicht "weisse Flecken").
7. **Sachverhalt formulieren.** Aus dem Konvolut einen klassischen Tatsachenabsatz im Beitragsstil bauen. Mails werden zur Belegunterlage, nicht zum Druckinhalt.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Mails als Belegteil drucken | B: Nur Sachverhalt destillieren | Empfehlung |
|------|--------------------------------|--------------------------------|------------|
| Authentizitaet | hoch | mittel | A nur bei expliziter Freigabe und voller Anonymisierung |
| Lesbarkeit | gering (Brueche durch Formate) | hoch | B im Regelfall |
| Datenschutz / Berufsrecht | riskant | beherrschbar | B Standard |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Mailwechsel im Druck wirken selten gut. Lieber den Sachverhalt nacherzaehlen und nur eine zentrale Behoerdenpassage zitieren."
- Originalmails als Belegunterlage im Verlagsarchiv aufbewahren (Audit), aber nicht drucken.
- Anonymisierung: Personennamen, Adressen, Aktenzeichen, Bankverbindungen, Telefonnummern, IBAN, E-Mail-Adressen.
- Bei Mandantenmails: jede Verwendung im Beitrag braucht Mandantenfreigabe - die Anwaltin entscheidet das, nicht der Verlag.
## Mustertexte / Vorlagen
**Freigabe-Anschreiben an Autorin:**
> Sehr geehrter Herr Dr. Anwalt, fuer den Praxisbericht zur Behoerdenpraxis in Sachen [X] verwerten wir den uebersandten E-Mail-Wechsel als Sachverhaltsquelle. Wir benoetigen vor Druck: (1) die schriftliche Freigabe Ihrer Mandantin, (2) Bestaetigung der Anonymisierung (siehe Beleg-Anhang, anonymisierte Beteiligten-Tabelle), (3) Hinweis, ob die woertliche Wiedergabe der Behoerdenpassage vom 12.04.2026 im Druck erscheinen darf. Bitte bis 26.06.2026.
**Anonymisierungs-Schablone:**
```
M = Mandantin (privat, Mitte 50, NRW)
A = Anwalt (Verfasser des Beitrags)
B = Bauamt (Mittelstadt)
Az. = [Az. anonymisiert, 4-stellig: XXXX/24]
Datum = im Wortlaut erhalten
Ort = Stadt verfremdet ("Mittelstadt, NRW")
EUR = Betraege auf 1.000 EUR gerundet, wenn Identifikation droht
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Mandantenname stehen geblieben - Berufsrechtsverstoss.
- Bankverbindung / IBAN nicht entfernt.
- Anonymisierung so duenn, dass aus Kontext klar ist, wer gemeint ist.
- Mails als Originalformat (Schriftverkehr) ungeprueft in Layout uebernommen - Layout-Bruch.
- Chronologie verschoben durch Threading-Anzeigen aus Outlook.
## Querverweise
- `verl-roh-research-zu-essay` - aehnlicher Verwertungsprozess.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - Rechte an fremden Mails.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - fuer Belegbehandlung.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - "darf das so im Druck?".
- `workflow-dokumentenintake` - Intake.
## Quellen Stand 06/2026
- BRAO § 43a Abs. 2 (Verschwiegenheit), [https://www.gesetze-im-internet.de/brao/](https://www.gesetze-im-internet.de/brao/).
- StGB § 203, [https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/).
- DSGVO Art. 6, Art. 9.
- UrhG § 51 (Zitatschranke), § 63 (Quellenangabe).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,143 @@
---
name: verl-eskalation-bei-deadline-konflikt
description: "Eskalation bei Deadline-Konflikt: strukturierte Hochstufung von Manuskript-, Druck-, Honorar- oder Auslieferungsterminen mit Mustermails fuer Autor, Programmleitung und Geschaeftsfuehrung."
---
# Eskalation bei Deadline-Konflikt
## Worum geht es konkret
Eine Frist droht zu reissen: Manuskripteingang verzoegert sich, Druckereitermin kollidiert mit Imprimatur, Autorenkorrektur kommt nicht zurueck, Vertriebstermin steht. Der Skill liefert ein eskalationsstufenfestes Vorgehen, das nicht zu frueh und nicht zu spaet zur Verlagsleitung greift, und Texte fuer jede Stufe.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welche Frist ist gefaehrdet (Abgabe, Imprimatur, Druck, Erscheinen)?
2. Wer haelt die Frist nicht ein (Autor, Lektorat, Herstellung, Vertrieb)?
3. Wieviel Puffer ist noch vorhanden (Tage, nicht Stunden)?
4. Was geschieht bei Fristversaeumnis (Haftung, Kosten, Imageschaden, Vertragsbruch)?
5. Welche Stufe ist bereits ausgereizt (Reminder, Mahnung, Telefonat, Termin)?
6. Wer hat Entscheidungsbefugnis fuer einen neuen Termin?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- VerlG §§ 30, 32 - Pflichten und Folgen bei Lieferverzug des Verfassers, Ruecktrittsrecht des Verlags bei wesentlicher Pflichtverletzung.
- BGB § 323 - Ruecktritt bei Nicht- oder Schlechtleistung; § 314 BGB Kuendigung aus wichtigem Grund bei Dauerverpflichtungen.
- BGB § 280 - Schadensersatz bei Pflichtverletzung; bei Verzug zusaetzlich §§ 286, 288 BGB.
- VerlG § 33 - Schadensersatz statt Leistung erst nach angemessener Nachfrist mit Ablehnungsandrohung.
- Druckereivertrag: AGB der Druckerei, oft mit Stornogebuehren bei Terminverschiebung.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Sachverhalt fixieren.** Wer hat wann was zugesagt, was ist eingegangen, was fehlt? In Schriftform dokumentieren.
2. **Stufe bestimmen.**
- Stufe 1: Freundlicher Reminder mit Vorschlag zur Loesung.
- Stufe 2: Erinnerung mit klarer neuer Frist, Hinweis auf Folgen.
- Stufe 3: Mahnung mit Nachfristsetzung gemaess BGB § 323, Androhung des Ruecktritts.
- Stufe 4: Eskalation an Programm- oder Verlagsleitung, ggf. an Justiziariat.
- Stufe 5: Ruecktritt vom Vertrag, Schadensersatzgeltendmachung.
3. **Vor jeder Stufe pruefen:** Ist der vorherige Schritt schriftlich dokumentiert?
4. **Bei externer Beteiligung (Druckerei, Verteiler):** Parallel Plan B aktivieren, nicht erst nach Verstreichen der Frist.
5. **Nach Eskalation:** Stets schriftliche Bestaetigung des neuen Termins einholen.
6. **Lernschleife:** Nach Abschluss prueft die Redaktion, ob die Frist von Anfang an realistisch war.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Frueh eskalieren | Spaet eskalieren |
|---|---|---|
| Beziehung zum Autor | Risiko der Beziehungsstoerung | Risiko des Frist-Reissens |
| Kosten | Vermeidung von Stornogebuehren | Mehr Aufwand bei Ad-hoc-Loesung |
| Image | Wirkt nervoes | Wirkt unzuverlaessig |
| Lerneffekt | Frueher Standard | Spaete Korrektur, oft zu spaet |
Empfehlung: lieber eine Stufe frueher als zu spaet.
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Wer Stufe 1 ueberspringt, verliert die Bewegungsfreiheit." Immer freundlich anfangen.
- Bei wichtigen Autoren: Eskalation moeglichst durch Programmleitung, nicht durch Lektorat.
- Nie per E-Mail eskalieren, wenn ein Telefonat moeglich ist - aber jedes Telefonat schriftlich nachhalten.
- Imprimaturtermin haengt am Druckereitermin; Druckerei nie auf Verdacht stornieren.
- Bei wiederholten Versagen desselben Autors Hinweis in Personalakte / CRM, nicht nur im Lektoratsordner.
## Mustertexte / Vorlagen
**Stufe 1 - Freundlicher Reminder**
```
Betreff: Manuskript [Werktitel] - kurze Rueckfrage zum Stand
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
ich melde mich kurz mit Blick auf den zugesagten Abgabetermin am [Datum].
Wie steht es um Ihren Manuskriptstand? Falls Sie ein wenig mehr Zeit
benoetigen, sprechen wir gerne ueber eine kleine Verschiebung; das Setzen
und der Druck sind aber an feste Termine gebunden.
Herzliche Gruesse
[Name]
```
**Stufe 3 - Mahnung mit Nachfristsetzung**
```
Betreff: Manuskript [Werktitel] - Mahnung und Nachfrist gemaess BGB § 323
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
mit Verlagsvertrag vom [Datum] haben Sie sich verpflichtet, das Manuskript
zum [Datum] abzuliefern. Trotz unserer Erinnerungen vom [Datum] und
[Datum] ist das Manuskript bis heute nicht eingegangen.
Wir setzen Ihnen hiermit eine angemessene Nachfrist bis zum [Datum,
mindestens 14 Tage]. Sollte das Manuskript bis dahin nicht vollstaendig
vorliegen, werden wir vom Verlagsvertrag zuruecktreten und Schadensersatz
geltend machen (§§ 30, 32, 33 VerlG, § 323 BGB).
Wir wuerden ein konstruktives Gespraech ueber einen alternativen Termin
sehr begruessen.
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Funktion]
```
**Stufe 4 - Eskalation an Verlagsleitung**
```
Betreff: Eskalation [Werktitel] - Entscheidungsbedarf bis [Datum]
[Empfaenger],
Sachstand: [3 Saetze]
Fristlage: [2 Saetze, mit Datum]
Bisher unternommene Schritte: [Aufzaehlung mit Daten]
Risiko bei Untaetigkeit: [konkret, Geld, Imprimatur, Vertrag]
Optionen:
A) [Loesung 1]
B) [Loesung 2]
C) Ruecktritt nach erfolgloser Nachfrist
Meine Empfehlung: [eine Option mit Begruendung]
Entscheidung bitte bis [Datum, Uhrzeit].
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Nachfristsetzung ohne klare Folgenandrohung - dann kein Ruecktrittsrecht.
- Eskalation per "Reply All" - Vertrauensbruch und falscher Verteiler.
- Druckerei zu spaet umbuchen - Stornogebuehren auf Verlagsseite.
- Mehrere Mahnungen ohne Eskalation - der Autor lernt, dass keine Konsequenz folgt.
- Mailverkehr nicht in CRM oder Lektoratsakte einpflegen - bei Rechtsstreit fehlt der Beweis.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - erste Einordnung des Konflikts.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Ampelmethodik fuer Folgewirkungen.
- `verl-statusbericht-an-verlagsleitung` - Mantel fuer die Hochstufung.
- `verl-mahnung-an-autor-zahlung-frist` - bei Zahlungsverzug parallel zur Lieferung.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - vor Ruecktritt und Schadensersatzforderung.
## Quellen Stand 06/2026
- Gesetz ueber das Verlagsrecht (VerlG) vom 19.06.1901, zuletzt geaendert; insb. §§ 30, 32, 33 VerlG.
- BGB §§ 280, 286, 288, 314, 323 - Verzug, Ruecktritt, Kuendigung aus wichtigem Grund.
- BGB § 271 - Leistungszeit.
- Schricker/Loewenheim, Urheberrecht, aktuelle Auflage (vom Nutzer beizubringen) zu Verlagsverhaeltnissen.
@@ -0,0 +1,101 @@
---
name: verl-formatvorlage-check-autor-manuskript
description: "Prueft strikt die Einhaltung der Verlagsformatvorlage in Autorenmanuskripten und meldet Abweichungen so, dass der Autor sie selbst beheben kann."
---
# Formatvorlage-Check (Autor-Manuskript)
## Worum geht es konkret
Verlage haben Formatvorlagen (DOCX-Templates, LaTeX-Klassen, Schreibrichtlinien). Autorinnen halten sich selten daran. Der Format-Check ist die erste Pruefung nach Manuskripteingang: Stimmen Absatzformate, Ueberschriftenhierarchie, Fussnotenstil, Zitiernormen mit der Verlagsvorlage ueberein? Sie zeigen die Abweichungen, statt sie still zu korrigieren - sonst verlernt die Autorin nie.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn unmittelbar nach Eingang eines Manuskripts. Klaeren Sie:
1. Welches Verlagsformat (NJW-Manuskriptrichtlinien, JuS-Vorlage, hauseigener LaTeX-Stil)?
2. Hat die Autorin die Richtlinien bekommen (mit Datum)?
3. Welche Toleranzen (welche Abweichungen sind harmlos, welche stoppen die Annahme)?
4. Wie viel Eingriff vom Lektorat erwuenscht (still korrigieren oder zurueckspielen)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Verlagsformatvorlage (.dotx, Style Guide, LaTeX-Class).
- Autorenmanuskript.
- Eingangsmail mit Hinweis auf Manuskriptrichtlinien.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Eingangs-Sicherung.** Manuskript-Original ablegen, Arbeitskopie anlegen mit Versions-Stempel.
2. **Strukturpruefung.** Ueberschriftenhierarchie (Verlagsvorlage: H1, H2, H3?), maximale Verschachtelungstiefe.
3. **Absatzformate.** Standardabsatz, Zitatabsatz, Aufzaehlung, Fussnotentext - mit Verlagsformatvorlage abgeglichen?
4. **Fussnoten.** Position (Seitenfuss vs. Kapitelende), Zitiernorm (siehe `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw`), Nummerierung.
5. **Sonderzeichen.** § mit U+00A0 davor (geschuetzt), Anfuehrungszeichen, Bindestrich vs. Gedankenstrich.
6. **Bilder, Tabellen, Schaubilder.** Format, Verankerung, Beschriftung, Quellen.
7. **Inhaltsverzeichnis und Verweise.** Werden Querverweise automatisch generiert? Funktioniert das ToC?
8. **Befund-Tabelle.** Spalten: Element, Verlagsvorgabe, Befund, Stop/OK, Anmerkung. An Autorin zurueckspielen.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Stille Lektoratskorrektur | B: Manuskript zurueck an Autorin | Empfehlung |
|------|------------------------------|----------------------------------|------------|
| Verlagsaufwand | hoch | mittel | A nur bei nahem Druck und kooperativer Autorin |
| Lerneffekt Autorin | null | hoch | B im Regelfall |
| Lieferzeit | schnell | langsamer | A bei Zeitnot |
| Standardfall | B mit fristgebundenem "Nachbessern bis ..." |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Autorin, die ihre Formatfehler nicht selbst korrigiert, wird sie beim naechsten Beitrag wiederholen. Lieber einmal genau zurueckspielen."
- Nicht jeden Mini-Fehler zurueckweisen - eine Befund-Tabelle mit 50 Punkten frustriert. Top-5-Stops, der Rest als "wuenschenswert".
- Bei wiederkehrenden Autorinnen einen "Hauseigenen Stilkatalog" pflegen - das spart Arbeit.
- LaTeX-Manuskripte schauen oft "richtig" aus, haben aber Klassenkonflikte. Probekompilation immer.
## Mustertexte / Vorlagen
**Rueckmeldung an Autorin (Format-Defekt):**
> Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt, vielen Dank fuer Ihr Manuskript zu "[Titel]" vom 02.06.2026. Bei der Eingangspruefung haben wir die Einhaltung der NJW-Manuskriptrichtlinien geprueft (siehe NJW-Hinweise Stand 04/2026, in der Anlage). Sieben Stops haben wir markiert (siehe Befundtabelle, Anlage). Bitte ueberarbeiten Sie das Manuskript bis 16.06.2026. Bei Rueckfragen erreichen Sie uns unter ...
**Befund-Tabelle (Vorlage):**
| # | Element | Verlagsvorgabe | Befund | Stop/OK |
|---|---------|-----------------|--------|---------|
| 1 | Ueberschriftenhierarchie | max. 3 Ebenen | 5 Ebenen verwendet | Stop |
| 2 | Fussnoten-Position | Seitenfuss | Kapitelende | Stop |
| 3 | Zitierweise BGH | "Datum, Az, NJW Jahr, Seite (Rn)" | "Datum, NJW Jahr, S." (ohne Az.) | Stop |
| 4 | Anfuehrungszeichen | deutsch ("..." mit unten/oben) | englisch ("...") | wuenschenswert |
**Stilkatalog-Auszug (Beispiel NJW):**
```
- Paragraphenzeichen § stets mit geschuetztem Leerzeichen davor.
- Aktenzeichen mit Schraegstrich, ohne Bindestriche: "I ZR 12/24".
- Randnummer "Rn.", nicht "RN" oder "Tz." (Tz. nur bei BFH).
- "Bundesgerichtshof" bei Erstnennung, danach "BGH".
- Datum: "12.05.2026" (DD.MM.YYYY).
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Befund-Tabelle ohne Prioritaeten - Autorin liest 50 Punkte und uebersieht die 5 wichtigen.
- Stille Korrektur ohne Hinweis - Autorin lernt nicht.
- Manuskriptrichtlinien nicht verlinkt - Autorin weiss nicht, wonach sie pruefen soll.
- LaTeX-Manuskript ohne Probekompilation freigegeben.
- Zitiernorm-Check vergessen - landet erst in der Fahnenpruefung als Drama.
## Querverweise
- `verl-manuskript-merkwuerdige-formate-rettung` - bei Formatchaos.
- `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw` - Zitiernorm separat.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - Fussnotenpflege.
- `verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren` - Stil der Rueckmeldung.
- `workflow-dokumentenintake` - Intake-Workflow.
## Quellen Stand 06/2026
- NJW-Manuskriptrichtlinien (vom Verlag bezogen, Stand jeweils im Manuskriptbearbeitungspaket).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022.
@@ -0,0 +1,100 @@
---
name: verl-fussnoten-quellen-konsolidierung
description: "Konsolidiert den Fussnotenapparat eines Manuskripts: dedupliziert, vereinheitlicht, prueft Pinpoints und stellt die Reihenfolge nach Verlagsstandard her."
---
# Fussnoten- und Quellen-Konsolidierung
## Worum geht es konkret
Ein Fussnotenapparat eines mittellangen Aufsatzes hat zwischen 30 und 200 Fussnoten. Autorinnen produzieren ihn oft inkrementell, mit Wiederholungen, Bezugsbruechen und uneinheitlichen Formaten. Die Konsolidierung macht aus dem Apparat ein konsistentes System: dedupliziert, gleiche Zitate identisch, Wiederholungen sauber referenziert, Reihenfolge gemaess Hausnorm, Pinpoints geprueft.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn nach der Zitierweise-Pruefung, vor dem Druck. Klaeren Sie:
1. Wie umfangreich der Apparat (Fussnotenzahl)?
2. Welche Quellenarten dominieren (Rspr.-lastig, kommentar-lastig, internationalrechtlich)?
3. Hausnorm fuer aaO / Wiederholungen?
4. Online-Quellen mit Archivierungsbedarf?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript mit Fussnotenapparat.
- Fundstellenliste / Bibliographie, falls separat.
- Hausnorm fuer Wiederholungen ("aaO", "ders.", "vgl.").
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Fundstelleninventar.** Jede Fussnote in Tabelle: Fn., Quelle, Pinpoint, Status.
2. **Deduplikation.** Identische Vollzitate suchen. Erstes Vorkommen Volltext, weitere als "aaO Fn. X" oder "ders. (Fn. X)".
3. **Vereinheitlichung der Zitierweise.** Innerhalb einer Quellenart immer gleicher Stil.
4. **Pinpoint-Pruefung.** Az., Rn., Seite plausibel? Bei Live-Zugriff einzeln; ohne Zugriff markieren.
5. **Reihenfolge in Fussnoten mit Sammelzitaten.** Rspr. vor Lit., neueste zuerst, innerhalb der Lit. alphabetisch.
6. **Online-Zitate.** Abrufdatum ergaenzen. Bei kritischen Links: Wayback-Archiv.
7. **Fussnoten-Logik.** "Vgl.", "siehe", "naeher dazu" konsistent verwenden.
8. **Schluss-Apparat.** Bibliographie / Literaturverzeichnis bei Sammelband oder Lehrbuch konsolidieren.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Fußnoten-Vollkonsolidierung | B: Schnellbereinigung | Empfehlung |
|------|--------------------------------|------------------------|------------|
| Aufwand | hoch | gering | A bei Aufmacher/Festschrift |
| Konsistenz | hoch | mittel | A im Regelfall |
| Lieferzeit | langsamer | schnell | B bei Newsletter / Eilbeitrag |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Doppelzitate sind der haeufigste Fundstellenfehler. Eine BGH-Entscheidung wird in Fn. 12 voll zitiert und in Fn. 38 noch einmal voll, mit kleinem Tippfehler im Az."
- aaO funktioniert nur, wenn das Verweis-Ziel im selben Sinnabschnitt steht - sonst Volltext.
- Bei Sammelzitaten ("vgl. BGH ...; BAG ...; BSG ...") Rspr. vor Lit., neueste zuerst.
- Online-Zitate altern schnell - mindestens beim Hauptzitat die URL archivieren.
- Bei Online-Kommentar-Update-Zyklus: Stand des Pinpoint nennen ("MueKo BGB, 9. Aufl. 2024, Stand 04/2026, § 433 Rn. 12").
## Mustertexte / Vorlagen
**Fundstelleninventar (Vorlage):**
| Fn. | Quelle Typ | Volltext-Zitat | Wiederholung von Fn. | Status |
|-----|-----------|-----------------|----------------------|--------|
| 12 | Rspr. | BGH, Urt. v. 12.05.2026 - I ZR 12/24, NJW 2026, 1234 Rn. 17 | - | OK |
| 17 | Rspr. | aaO (Fn. 12) Rn. 23 | 12 | OK |
| 38 | Rspr. | BGH, Urt. v. 12.05.2026 - I ZR 12/24, NJW 2026, 1234 Rn. 17 | 12 | Stop: doppelte Vollzitate |
| 41 | Kommentar | Bearbeiter, in: MueKo BGB, 9. Aufl. 2024, § 433 Rn. 12 | - | OK |
| 49 | Aufsatz | Canaris JZ 2019, 547 (549) | - | Pinpoint pruefen |
**aaO-Regel-Vorschlag (Hausnorm-Beispiel):**
```
aaO (Fn. X): nur, wenn die Bezugsstelle innerhalb der letzten 5 Fussnoten liegt.
Sonst: Volltext-Wiederholung oder Kurzzitat mit "ders." / "dies."
```
**Anschreiben an Autorin:**
> Sehr geehrter Herr Professor, bei der Apparat-Konsolidierung Ihres Aufsatzes haben wir 4 Doppelzitate identifiziert (Fn. 12/38, 19/47, 23/61, 31/72). Wir schlagen vor, die Folgevorkommen als "aaO (Fn. X)" zu ersetzen (siehe Vorschlag in der Anlage). Bitte Freigabe oder Korrekturvorschlag bis 19.06.2026.
## Typische Fehler / Pitfalls
- Doppelte Vollzitate mit kleinen Abweichungen (Tippfehler).
- aaO ohne erkennbares Bezug-Ziel.
- Sammelzitate ohne Reihenfolge.
- Online-Zitate ohne Abrufdatum.
- "Stand"-Angabe bei Online-Kommentaren vergessen.
## Querverweise
- `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw` - Hausnorm.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - allgemeiner Quellencheck.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - vorgelagert.
- `verl-glossar-konsistenz-pruefung` - Konsistenz allgemein.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
## Quellen Stand 06/2026
- Manuskriptrichtlinien der jeweiligen Zielzeitschrift (vom Verlag bezogen).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016 (zentral).
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Wayback Machine, [https://web.archive.org](https://web.archive.org), fuer URL-Archivierung.
@@ -0,0 +1,102 @@
---
name: verl-glossar-konsistenz-pruefung
description: "Prueft Glossar und Begriffskonsistenz quer durch Reihen Loseblattwerke und Online-Kommentare: Lemma-Stamm Definitionen Synonyme Querverweise."
---
# Glossar- und Konsistenz-Pruefung
## Worum geht es konkret
Bei Kommentaren, Lehrbuechern, Loseblattwerken, Online-Kommentaren und Reihen ist die Begriffskonsistenz quer durch Werke und Auflagen wichtig. Ein Glossar oder Stichwortverzeichnis muss intern stimmig sein, Definitionen muessen bei Mehrfachverwendung identisch oder kompatibel sein, Querverweise muessen funktionieren. Dieser Skill ist die Konsistenzpruefung.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn besonders bei mehrbaendigen Werken, Loseblattwerken (Ergaenzungslieferungen!) und Online-Kommentaren. Klaeren Sie:
1. Welche Werkebene (Aufsatz, Buch, Reihe, Kommentar mit mehreren Bearbeitern)?
2. Liegt ein verbindliches Glossar vor oder muss eines aufgebaut werden?
3. Mehrere Bearbeiterinnen mit eigenen Begriffspraeferenzen?
4. Querverweise auf Randnummern, Seiten, Lemmata?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript / Werk / Loseblattwerk.
- Vorhandenes Glossar, Stichwortverzeichnis.
- Bearbeiterverzeichnis.
- Bei Reihen: frueher erschienene Baende zum Vergleich.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Begriffsinventar aufbauen.** Liste der zentralen Termini aus dem Text. Bei Buch-Manuskript: 20-60 Begriffe.
2. **Definitionssichtung.** Wird jeder Begriff gleich verwendet? Eindeutige Definition vorhanden?
3. **Synonyme markieren.** "Plattformbetreiber" / "Plattformanbieter" - waehlen Sie einen, kennzeichnen Sie den anderen als Synonym.
4. **Querverweispruefung.** Verweisen Lemmata aufeinander? Funktionieren die Verweise?
5. **Bei Mehrbearbeiterwerken** zwischen Bearbeitern abgleichen. Bei abweichenden Definitionen: Ruecksprache.
6. **Stichwortverzeichnis pruefen.** Vollstaendig? Konsistent zur Definition? Verweis auf Hauptlemma vorhanden?
7. **Bei Online-Kommentaren** Versionsstand des Glossars dokumentieren.
8. **Befund-Bericht** an Bearbeiter / Herausgeber.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Strenge Glossar-Pflege ueber Auflagen | B: Pro-Auflage-Pflege | Empfehlung |
|------|------------------------------------------|------------------------|------------|
| Aufwand | hoch | mittel | A bei Loseblattwerk |
| Konsistenz ueber Zeit | hoch | mittel bis gering | A bei Kommentaren |
| Bearbeitende-Freiheit | gering | hoch | B bei Sammelband mit unabhaengigen Beitraegen |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Bei Loseblattwerken nach 20 Lieferungen ist das Glossar immer in Drift. Periodische Konsolidierung Pflicht."
- Bei Online-Kommentaren versioniertes Glossar - bei jeder Aktualisierung Versionsstempel.
- Wenn drei Bearbeiterinnen "Plattformbetreiber" verschieden definieren, hat das Werk ein dogmatisches Problem - das wird nicht durch Begriffspruefung geheilt, aber sichtbar.
- Synonyme nicht stillschweigend vereinheitlichen - oft tragen sie unterschiedliche Konnotationen.
- Stichwortverzeichnis = Lesehilfe. Wer es nicht pflegt, verliert Leserinnen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Begriffsinventar-Tabelle:**
| Begriff | Definition | Verwendung | Bearbeiter | Synonyme | Querverweise | Status |
|---------|------------|------------|------------|----------|--------------|--------|
| Plattformbetreiber | "Wer eine Plattform betreibt iSv § XX" | S. 3, 12, 24, 47 | Mueller, Schmidt | Plattformanbieter | Lemma 4.7 | OK |
| Plattformanbieter | (synonym) | S. 18 | Lehmann | Plattformbetreiber | siehe Lemma 4.7 | Synonym-Auflosung pruefen |
**Anschreiben an Mitbearbeiter:**
> Sehr geehrter Herr Dr. Lehmann, bei der Konsistenzpruefung des Sammelbandes haben wir festgestellt, dass Sie in Ihrem Beitrag (Kapitel 7) den Begriff "Plattformanbieter" verwenden, waehrend die Kollegen Mueller und Schmidt durchgaengig "Plattformbetreiber" verwenden. Wir schlagen Vereinheitlichung auf "Plattformbetreiber" vor (mit Hinweisverweis im Glossar). Einverstanden, oder sehen Sie eine inhaltliche Differenz?
**Querverweis-Check:**
```
Lemma "Plattformbetreiber"
- Definition vorhanden: ja, Kap. 4.7
- Verwendung: S. 3, 12, 24, 47, 67, 81
- Querverweise von Lemma: zu "Anbieter" (Kap. 4.8), "Mittler" (Kap. 4.9)
- Querverweise auf Lemma: 14 Stellen, alle gepruft
- Stichwortverzeichnis: Eintrag vorhanden, Verweis auf S. 3
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Synonyme stillschweigend vereinheitlicht - Konnotation verloren.
- Querverweise brechen nach Umstellung.
- Bei Loseblattwerken Glossar-Drift uebersehen.
- Stichwortverzeichnis unvollstaendig oder unkonsistent.
- Bei Online-Kommentar keine Versionierung des Glossars.
## Querverweise
- `verl-grammatik-konsistenzcheck` - allgemeine Konsistenz.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - Apparat-Konsistenz.
- `verl-loseblattwerk-spezial` - Loseblattwerk-Pflege.
- `verl-online-kommentar-update-spezial` - Online-Kommentar.
- `verl-buchprojekt-bauleiter` - Buchprojekt.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Duden, Universalwoerterbuch, 9. Aufl. 2023.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Plachta, Editionswissenschaft, 4. Aufl. 2020 (fuer Werkkonsistenz).
- Larenz / Canaris, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, 4. Aufl. 2019 (zu juristischer Begriffsbildung).
@@ -0,0 +1,109 @@
---
name: verl-grammatik-konsistenzcheck
description: "Prueft Grammatik und Stilkonsistenz im Manuskript: Tempus Genus Numerus Kasus Verweisbezug Zeitformwechsel und Hausstilkonsistenz quer durch den Text."
---
# Grammatik- und Konsistenzcheck
## Worum geht es konkret
Anders als die Rechtschreibpruefung schaut die Grammatikpruefung auf Satzbau, Tempora, Bezuege, Subjekt-Praedikat-Kongruenz und Verweisbezug. Konsistenzpruefung schaut, ob Begriffe, Tempora und Stilebenen quer durch das Manuskript einheitlich gehalten werden. In juristischen Texten ist das besonders wichtig, weil ein falscher Bezug einen Tatbestandsteil umstellen kann.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn nach dem Lektorat und vor dem Endkorrekturlauf. Klaeren Sie:
1. Welcher Stilrahmen (Gutachten-, Urteils-, Essaystil)?
2. Welches Standardtempus (Praesens im Aufsatz, Imperfekt in Anmerkungen)?
3. Hausregel fuer Genderschreibung?
4. Welche Bezugstellen besonders heikel (Verweisketten "siehe oben Rn. X")?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript nach Lektoratsdurchgang.
- Hauseigener Stilkatalog.
- Genderschreibungs-Regelung.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Tempora pruefen.** Im Aufsatz ueberwiegend Praesens. Bei Rspr.-Wiedergabe: "Der BGH hat entschieden ..." vs. "Der BGH entscheidet ..." - Hausregel.
2. **Subjekt-Praedikat-Kongruenz.** Lange Saetze mit Einschueben - oft verliert das Praedikat den Subjektbezug.
3. **Pronomen-Bezug.** "Er" / "sie" / "es" / "dieser" - bezieht sich worauf? Mehrdeutigkeit raus.
4. **Verweisketten** (siehe oben Rn. 17): Funktionieren die Verweise? Nach Lektoratsumstellungen brechen oft Verweise.
5. **Bezuege auf Schaubilder, Tabellen.** "Abb. 2 zeigt ..." - ist Abb. 2 das richtige Schaubild nach Umstellung?
6. **Konsistenz quer durch den Text:**
- Begriffsverwendung ("Plattformbetreiber" vs. "Plattformanbieter" - nicht beides).
- Genderform (durchgaengig "Verfasserin und Verfasser" oder "Verfasser:innen" oder generisches Maskulinum mit Hinweis).
- Tempus.
- Abkuerzungen (BGH bei Erstnennung voll, danach durchgaengig BGH).
7. **Saetze mit drei Nebensaetzen** als Stop markieren - oft zu lang, brauchen Aufteilung.
8. **Befund-Tabelle** mit Korrekturvorschlaegen.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Tool-Pruefung + manuelle Stichprobe | B: Vollstaendig manuelle Durchsicht | Empfehlung |
|------|----------------------------------------|--------------------------------------|------------|
| Aufwand | gering | hoch | A bei Standard-Aufsatz |
| Fehlerquote | mittel | gering | B bei Festschrift/Kommentar |
| Tool-Datenschutz | LanguageTool lokal: OK | manuell: trivial | A wenn Tool lokal |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Lange Saetze sind nicht per se falsch, aber sie sind oft Versteck fuer Bezugsfehler. Saetze ueber 30 Woerter pruefen."
- Verweise auf Randnummern brechen, sobald jemand Absaetze umstellt. Vor Druck noch einmal alle Verweise pruefen.
- Konsistenz von Begriffen kann mit Suche/Ersetzen geprueft werden: "Plattformbetreiber" und "Plattformanbieter" beides suchen.
- Genderform niemals stillschweigend umstellen - mit Autorin besprechen, Hausregel hinterlegen.
- Bei "der / die / das" im Relativsatz hilft Probepronomenersatz: "welcher" / "welche" / "welches".
## Mustertexte / Vorlagen
**Befund-Tabelle (Vorlage):**
| Stelle | Befund | Korrekturvorschlag |
|--------|--------|---------------------|
| S. 3, Z. 12 | Subjekt-Praedikat-Kongruenz | "Die Rspr. ... haben" -> "hat" |
| S. 7, Z. 21 | Pronomen mehrdeutig ("er") | Subjekt nennen oder Wiederholung |
| S. 12, Fn. 17 | Verweis "siehe oben Rn. 5" - Rn. 5 ist andere Stelle | Verweis pruefen / neu setzen |
| S. 24 | Begriff: "Plattformbetreiber" (S. 3 "Plattformanbieter") | konsistent einsetzen |
| S. 31 | Satz 47 Woerter | aufteilen |
**Anschreiben:**
> Sehr geehrter Herr Professor, beim Grammatik- und Konsistenzcheck haben wir 11 Befunde markiert (siehe Anlage). Zwei Verweise auf Randnummern (Fn. 17 und Fn. 29) brechen nach der letzten Umstellung - bitte pruefen Sie diese persoenlich.
**Konsistenz-Check-Liste:**
```
[ ] Tempus konsistent
[ ] Genderform konsistent
[ ] Begriffsverwendung konsistent (Stichprobe 5 zentrale Begriffe)
[ ] Abkuerzungen bei Erstnennung voll
[ ] Verweise auf Randnummern aktuell
[ ] Verweise auf Schaubilder / Tabellen aktuell
[ ] Lange Saetze (> 30 Woerter) gepruft
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Verweise brechen nach Umstellung.
- Begriffe wechseln quer durch den Text.
- Genderform inkonsistent.
- Tempus springt zwischen Praesens und Praeteritum.
- Lange Schachtelsaetze mit Bezugsfehler.
## Querverweise
- `verl-rechtschreibung-amtlich-aktuell` - Rechtschreibung.
- `verl-stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift` - Stilbrueche.
- `verl-glossar-konsistenz-pruefung` - Glossar.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - Format.
- `satzfahne-korrekturlauf` - finale Fahne.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die Grammatik, 10. Aufl. 2022.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Rat fuer deutsche Rechtschreibung, [https://www.rechtschreibrat.com](https://www.rechtschreibrat.com).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,172 @@
---
name: verl-haftungsfreistellung-autor-verlag
description: "Haftungsfreistellung zwischen Autor und Verlag: Klauselbaustein im Verlagsvertrag, Reichweite, AGB-Schranken, Versicherungsfragen, Praxis bei Abmahnung und Klage."
---
# Haftungsfreistellung Autor / Verlag
## Worum geht es konkret
Bei Veroeffentlichung urheberrechtlich oder aeusserungsrechtlich kritischer Beitraege koennen Ansprueche Dritter (Abmahnung, Schadensersatz, Unterlassung) den Verlag treffen. Vertraglich wird in der Regel eine Haftungsfreistellung mit dem Autor vereinbart: der Autor versichert die Rechtekonformitaet und stellt den Verlag von berechtigten Ansprueche Dritter frei. Der Skill beschreibt Reichweite, AGB-Schranken und Praxis bei Eintritt des Versicherungsfalls.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welches Werk und welche Rechtegrundlage (Zitate, Bilder, Daten, Persoenlichkeitsrecht)?
2. Welcher Vertragstyp (Aufsatz, Buch, Kommentar, Webinar)?
3. Steht eine konkrete Abmahnung oder Klage im Raum?
4. Ist der Autor Verbraucher oder Unternehmer (AGB-Pruefung)?
5. Liegt eine Verlagshaftpflichtversicherung vor?
6. Wie weit reicht die Klausel im Vertrag des Verlags (Standard, individuell verhandelt)?
7. Bestaetigt der Autor die Rechtekonformitaet bei Manuskript-Einreichung (Manuskripterklaerung)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BGB §§ 280, 311 - Verletzung vertraglicher Nebenpflichten; vorvertragliche Aufklaerung.
- BGB §§ 305 ff. - AGB-Kontrolle; unangemessene Benachteiligung des Autors als Verbraucher (BGB § 307); bei B2B eingeschraenkt.
- BGB § 426 - Innenausgleich bei Gesamtschuldnerschaft (Autor + Verlag).
- UrhG §§ 97, 97a - Schadensersatz, Abmahnung; UrhG § 100 Restitutionsklage.
- UWG § 8 Abs. 4 - Verbot des Missbrauchs der Abmahnung.
- VVG (Versicherungsvertragsgesetz) - Anzeigepflichten und Obliegenheiten gegenueber Verlagshaftpflicht.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Standardklausel pruefen.** Wie weit ist die Haftungsfreistellung des Autors formuliert (Rechte am Werk, Zitierfreiheit, Bildrechte, Persoenlichkeitsrechte, Datenrechte)?
2. **AGB-Grenze.** Bei Verbraucher-Autor (Privatperson, kein Unternehmer): Klausel darf nicht ueber typische, vorhersehbare Risiken hinausgehen; bei B2B weitere Reichweite.
3. **Manuskripterklaerung** vor Drucklegung: kurze Bestaetigung des Autors, dass alle Quellen rechtekonform verwendet wurden.
4. **Versicherung.** Verlagshaftpflicht mit Vermoegensschadenbaustein pruefen; Selbstbehalt klaeren.
5. **Bei Eintritt des Anspruchs.** Anzeige an Versicherung innerhalb der vertraglichen Frist; Autor informieren; gemeinsame Verteidigung mit Justiziariat.
6. **Aussergerichtliche Loesung.** Kommunikation mit Anspruchsteller; ggf. Vergleich; Innenausgleich Autor/Verlag nach BGB § 426.
7. **Gerichtsverfahren.** Streitverkuendung an Autor (ZPO § 72), Versicherungsdeckung in Anspruch nehmen.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Weite Haftungsfreistellung | Enge Haftungsfreistellung |
|---|---|---|
| Verlagsschutz | Hoch | Niedrig |
| AGB-Risiko | Hoch (unwirksam) | Niedrig |
| Autorenakzeptanz | Niedrig (verhandlungsbeladen) | Hoch |
| Versicherungskosten | Niedrig | Hoeher |
| Streitfreudigkeit | Niedrig | Hoeher |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Standardklausel niemals als Eckwert hinstellen; verhandelbar machen.
- Manuskripterklaerung in Lektoratsprozess fest verankern.
- Bei Bildmaterial des Autors Lizenznachweis pflichtmaessig einholen.
- Versicherungsfall sofort melden, sonst Deckungslosigkeit.
- Bei Abmahnung den Autor nicht "ausschliessen", sondern einbinden - er ist oft die beste Informationsquelle.
- Streitverkuendung sichert spaeteren Regress.
- Innenausgleich nach Verschuldensanteil rechnen, nicht "automatisch 100 Prozent beim Autor".
## Mustertexte / Vorlagen
**Klauselbaustein Haftungsfreistellung**
```
§ [n] Zusicherungen und Haftungsfreistellung
(1) Der Autor versichert, dass er das Werk selbststaendig verfasst
und nicht in unzulaessiger Weise von Dritten uebernommen hat.
Er versichert weiter, dass er ueber alle erforderlichen
urheberrechtlichen Befugnisse verfuegt, einschliesslich der
Zustimmung Dritter zur Verwendung deren Werkteilen, Abbildungen,
Tabellen und Daten.
(2) Der Autor versichert, dass das Werk weder das Persoenlichkeits-
recht Dritter noch sonstige Rechte Dritter verletzt und keine
strafbaren Inhalte enthaelt.
(3) Soweit der Verlag aus berechtigten Ansprueche Dritter wegen
Verletzung der vorstehenden Zusicherungen in Anspruch genommen
wird, stellt der Autor den Verlag von diesen Ansprueche frei,
insbesondere von angemessenen Kosten der Rechtsverteidigung
(gesetzliche Gebuehren des Anwalts und Gerichtskosten).
(4) Der Verlag wird den Autor unverzueglich nach Kenntnis von einem
geltend gemachten Anspruch informieren und ihm Gelegenheit zur
Stellungnahme geben. Die Verteidigung wird gemeinsam abgestimmt.
(5) Die Freistellung gilt nicht, soweit der Autor nachweist, dass
die Inanspruchnahme auf einem ausschliesslichen Verschulden des
Verlags beruht.
```
**Manuskripterklaerung (vor Drucklegung)**
```
MANUSKRIPTERKLAERUNG
zum Werk: [Titel]
Vertrag vom: [Datum]
Ich versichere hiermit:
1. Das Manuskript ist mein urheberrechtlich geschuetztes Werk. Soweit
ich Werkteile, Tabellen, Schaubilder oder Daten Dritter verwendet
habe, habe ich die erforderlichen Nutzungsrechte eingeholt.
2. Die im Manuskript enthaltenen Aussagen ueber Personen sind sorgfaeltig
recherchiert. Ich habe weder Persoenlichkeitsrechte Dritter noch
Aeusserungsrecht in unzulaessiger Weise verletzt.
3. Bei Verwendung von Abbildungen liegen mir die schriftlichen
Lizenznachweise vor, die ich auf Anforderung dem Verlag uebermittele.
4. Bei Personenbildern liegt mir die schriftliche Einwilligung der
abgebildeten Personen vor.
Ort, Datum, Unterschrift Autor
```
**Anschreiben an Autor bei Abmahnung**
```
Betreff: Abmahnung wegen [Werk] - Bitte um Stellungnahme bis [Datum]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
am [Datum] ist beim Verlag eine Abmahnung der Frau/Herrn [...]
eingegangen. Beanstandet wird folgende Passage in Ihrem Werk
"[Titel]":
[Zitat]
Anhand der Abmahnung wird vorgetragen, dass [...].
Wir bitten Sie um eine sachliche Stellungnahme bis zum [Datum]. Bitte
teilen Sie uns insbesondere mit:
1. Quellen und Belege fuer die beanstandete Passage.
2. Lizenznachweise (sofern Bildmaterial).
3. Ihre Sicht auf die rechtliche Bewertung.
Wir werden auf Basis Ihrer Stellungnahme die Verteidigung mit unserem
Justiziariat abstimmen. Bitte beachten Sie die in unserem Verlagsvertrag
vereinbarte Haftungsfreistellung (§ [n]).
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Pauschalfreistellung im AGB-Vertrag mit Verbraucher-Autor - unwirksam.
- Versicherung zu spaet informiert - Deckungsverlust.
- Streitverkuendung versaeumt - kein Regress.
- Autor "uebergeht" - bei Streit fehlt Information.
- Manuskripterklaerung nicht eingeholt - vor Gericht Beweisnot.
- Innenausgleich pauschal "100 Prozent Autor" - ohne Verschuldensanalyse unhaltbar.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung der Abmahnung.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Abmahnfrist und Versicherungsfrist.
- `verl-honorarvertrag-templates-und-abweichungen` - Klauseltemplate.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Justiziariatspflicht.
- `verl-rueckruf-fehlerbeitrag-spaet-erkannt` - bei kombinierten Massnahmen.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - vertiefte urheberrechtliche Pruefung.
## Quellen Stand 06/2026
- BGB §§ 280, 305 ff., 307, 311, 426 - Pflichtverletzung, AGB-Kontrolle, vorvertragliche Aufklaerung, Innenausgleich.
- UrhG §§ 97, 97a, 100 - Schadensersatz, Abmahnung, Restitution.
- UWG § 8 Abs. 4 - Missbrauchsverbot Abmahnung.
- VVG - Versicherungsvertragsgesetz, insb. Anzeigepflicht.
- ZPO § 72 - Streitverkuendung.
- BGH-Rechtsprechung zur Haftungsfreistellungsklausel (Volltexte unter bundesgerichtshof.de).
@@ -0,0 +1,98 @@
---
name: verl-handschrift-und-altdoc-digitalisieren
description: "Digitalisiert handschriftliche Originalvorlagen und alte Dokumente fuer die Verlagsredaktion, mit Lesart-Markierung, Erhaltungsdokumentation und Auditfaehigkeit."
---
# Handschrift und Altdokumente digitalisieren
## Worum geht es konkret
Eine emeritierte Professorin uebersendet ihre handschriftliche Festschrift-Notiz, ein Nachlass enthaelt eine Schreibmaschinen-Vorlesungsmitschrift von 1962, ein Archiv liefert Frakturdruck von 1925. OCR allein reicht nicht. Sie brauchen einen Workflow, der Lesarten markiert, Unsicherheiten dokumentiert und das Original wuerdigt.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn keine moderne Textdatei vorliegt, sondern handschriftliche / historische / mechanisch-tippspurige Vorlagen. Klaeren Sie:
1. Welche Vorlagengattung (Handschrift, Schreibmaschine, Frakturdruck, Mikrofilm)?
2. Wer ist Urheber, wann verfasst, in welchem Rechtsstand?
3. Liegt das Original vor oder nur Kopie / Foto?
4. Ist das ein Erstdruck oder eine Wiederveroeffentlichung?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Originalfoto / Scan in hoher Aufloesung (idealerweise 400 dpi+).
- Hintergrundinfos zur Vorlage (Datum, Anlass, Funktion der Urheberin).
- Vergleichsdokumente desselben Verfassers (Schriftvergleich).
- Bei Nachlaessen: Erbenfreigabe schriftlich.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Rechte klaeren.** Urhg-Schutz besteht bis 70 Jahre nach Tod des Verfassers (§ 64 UrhG). Bei Nachlass: Erbenfreigabe. Auch bei freien Werken: Pietaet und Quellenangabe.
2. **Materialwuerdigung.** Original schonen - hochaufloesende Scans erstellen, dann mit Scans arbeiten.
3. **Erste Transkription.** Handschrift Wort fuer Wort, mit `[?]` bei Unsicherheit. Wenn moeglich, durch zweite Lektorin gegenlesen lassen (Vier-Augen-Prinzip).
4. **Vergleichende Lesart.** Bei Streitfaellen: Schriftvergleich mit anderen Texten desselben Verfassers. Wenn keine Klaerung moeglich, beide Lesarten dokumentieren.
5. **Modernisierung.** Alte Rechtschreibung (Hauptwoerter, Eszett, scharfes S) behutsam, mit Editionsstandard. Bei wissenschaftlicher Edition: nichts modernisieren, nur dokumentieren.
6. **Edition mit Apparat.** Bei wissenschaftlichen Editionen: textkritischer Apparat (Lesartenvergleich) und Kommentar (Sachapparat).
7. **Druckfreigabe** mit Hinweis "Editionsstand: 06/2026, Lesarten gesichert / fraglich".
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Modernisierte Lesefassung | B: Wissenschaftliche Edition | Empfehlung |
|------|------------------------------|------------------------------|------------|
| Aufwand | gering bis mittel | hoch | A bei Praxispublikation |
| Wissenschaftlicher Wert | gering | hoch | B bei Quelleneditionsband |
| Lesbarkeit | hoch | mittel | A fuer breites Lesepublikum |
| Auditfaehigkeit | gering | hoch | B bei archivierender Veroeffentlichung |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Handschrift lesen heisst: mit Bleistift abschreiben, dann Reinschrift. Zwei Durchgaenge minimum."
- Bei Frakturdruck: lange S (s) und Eszett (ß) sind die Hauptfallen. Tesseract braucht Fraktur-Modell.
- Bei Schreibmaschinendurchschlaegen (drittes Blatt!) oft Buchstabenverwechslung c/o, n/m, i/l.
- Originale niemals mit Tesa, Klebestreifen, Buerklamen markieren. Bleistift, lose Beilagen, sonst nichts.
- Bei juristischen Altdokumenten: alte Paragraphennumerierung kann sich von heutiger unterscheiden (z. B. § 138 ZPO 1900 vs. heute).
## Mustertexte / Vorlagen
**Transkriptionsmarkierung:**
```
[??] = nicht entzifferbar
[Wort?] = unsicher gelesen, Lesart vorgeschlagen
{Streichung im Original}
<Einfuegung im Original>
| ... | = Seitenwechsel
```
**Editionsanmerkung-Vorlage:**
> Edition nach handschriftlichem Original (Nachlass Mueller, Universitaetsarchiv Tuebingen, Sign. NL-Mueller 17/4, Bl. 5r-7v). Transkription: Redaktion NJW, Lektorat: [Name], Stand 06/2026. Lesarten an drei Stellen unsicher (markiert mit Fragezeichen). Rechtschreibung an heutigen Stand angepasst, alte Schreibung im Apparat dokumentiert.
**Erben-Anschreiben:**
> Sehr geehrte Familie, wir planen die Veroeffentlichung des handschriftlichen Manuskripts "[Titel]" Ihres verstorbenen Vaters im Rahmen unseres Sammelbandes "Festschrift fuer ...". Wir bitten um Ihre schriftliche Zustimmung zur einmaligen Veroeffentlichung in Print- und Online-Form. Eine Honorarvereinbarung legen wir bei.
## Typische Fehler / Pitfalls
- Lesart "klar" angesetzt, wo objektiv unklar war - wissenschaftlich nicht haltbar.
- Original beschaedigt durch Buerklamen oder Tesa.
- Rechte nicht geklaert (UrhG 70-Jahre-Frist falsch berechnet).
- Modernisierung stillschweigend - Wissenschaftler beschweren sich zu Recht.
- Schreibmaschinendurchschlag als Original ausgewiesen.
## Querverweise
- `verl-screenshot-pdf-ocr-redaktion` - allgemeiner OCR-Workflow.
- `verl-manuskript-merkwuerdige-formate-rettung` - Format-Rettung.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - Urhg-Schutzfristen.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - Pinpoint-Pflicht auch in Editionen.
- `workflow-dokumentenintake` - Intake-Workflow.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 64, 65 (Schutzfrist), [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- Verlagsgesetz fuer Verlagsvertrag mit Erben.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Plachta, Editionswissenschaft, 4. Aufl. 2020.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,132 @@
---
name: verl-honorarrechnung-erstellen-pruefen
description: "Honorarrechnung erstellen und pruefen: Pflichtangaben, USt-Behandlung, Kleinunternehmer, Reverse Charge, Auslandsautoren, KSK. Mit Musterrechnungen fuer Aufsatz, Beitrag, Werk."
---
# Honorarrechnung erstellen und pruefen
## Worum geht es konkret
Der Verlag erstellt entweder selbst eine Gutschrift fuer die Autorin (UStG § 14 Abs. 2 Satz 2) oder erhaelt eine Honorarrechnung. In beiden Faellen muss die Rechnung formal korrekt sein, sonst entfaellt der Vorsteuerabzug. Der Skill fuehrt durch Pflichtangaben, Steuersaetze, Sonderfaelle (Kleinunternehmer, Auslandsautor, KSK) und liefert Mustertexte fuer haeufige Konstellationen.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Wer ist Leistender (inlaendischer Autor, EU-Autor, Drittlandsautor, juristische Person)?
2. Welcher Leistungsgegenstand (Aufsatz, Kommentierung, Vortrag, Werk)?
3. Honorartyp: Pauschalhonorar, Stueckhonorar, Tantieme (Vorschuss/Abrechnung)?
4. Steuerstatus: Regelbesteuert, Kleinunternehmer (UStG § 19), nicht steuerbar?
5. KSK-Pflicht des Verlags fuer den Vorgang?
6. Wer stellt aus: Autor (Rechnung) oder Verlag (Gutschrift)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- UStG § 14 - Pflichtangaben einer Rechnung (Anschrift, Steuernummer/USt-ID, Rechnungsnummer, Datum, Leistungsmenge, Entgelt, Steuersatz, Steuerbetrag).
- UStG § 14 Abs. 2 Satz 2 - Gutschrift durch Leistungsempfaenger nur mit Einverstaendnis des Leistenden.
- UStG § 12 Abs. 2 Nr. 7 lit. c und § 19 - ermaessigter Steuersatz 7 Prozent fuer Einraeumung urheberrechtlicher Nutzungsrechte; Kleinunternehmerregelung.
- UStG § 13b - Reverse-Charge bei sonstigen Leistungen aus dem Ausland.
- KSVG (Kuenstlersozialversicherungsgesetz) - Abgabepflicht des Verlags fuer Zahlungen an selbstaendige Publizisten; Abgabesatz wird jaehrlich angepasst (Stand 2026 pruefen).
- EStG § 50a - Steuerabzug bei beschraenkt steuerpflichtigen Autoren (Drittland).
- BGB § 366 - Tilgungsbestimmung bei mehreren offenen Forderungen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Vertragslage pruefen.** Honorarvereinbarung, Gutschriftvereinbarung, Tantiemestaffel.
2. **Steuerstatus klaeren.** USt-ID oder Erklaerung Kleinunternehmer einholen, in der Akte ablegen.
3. **Leistungsgegenstand sauber beschreiben.** "Beitrag in [Zeitschrift], Heft [n]/[Jahr], Titel [...], Umfang [Seiten] - Einraeumung der Nutzungsrechte gemaess Verlagsvertrag vom [Datum]".
4. **Steuersatz waehlen.** 7 Prozent bei Einraeumung urheberrechtlicher Nutzungsrechte; 19 Prozent bei reinen Dienstleistungen ohne Rechteeinraeumung; 0 Prozent bei Kleinunternehmer mit Hinweis.
5. **Rechnungsnummer vergeben.** Fortlaufend nach internem Schema.
6. **KSK-Meldung.** Honorarsumme im Jahresreport an Kuenstlersozialkasse einbeziehen; Abgrenzung zu juristischen Personen pruefen.
7. **Bei Auslandsautor:** Pruefen, ob Reverse Charge greift, ggf. Antrag auf Befreiung vom Steuerabzug (§ 50d EStG).
8. **Zahlung.** Innerhalb der vertraglichen Frist (i. d. R. 30 Tage nach Zugang).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Gutschrift durch Verlag | Rechnung durch Autor |
|---|---|---|
| Aufwand fuer Autor | Niedrig | Hoeher |
| Kontrolle Pflichtangaben | Beim Verlag | Beim Autor; Verlag pruefend |
| Korrekturen | Verlag korrigiert eigene Gutschrift | Korrekturrechnung durch Autor |
| Risiko Vorsteuerabzug | Verlag traegt Pflichtangabenrisiko | Verlag pruefend, Risiko geteilt |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Kleinunternehmer-Erklaerung mindestens jaehrlich neu einholen - Status kann kippen.
- Bei Honorar fuer juristische Personen (z. B. Sozietaet): keine KSK-Pflicht, aber Pflichtangaben besonders streng (USt-ID).
- Bei Auslandsautor: Bescheinigung Wohnsitz/Steuerstatus einholen; sonst Steuerabzug nach § 50a EStG droht.
- KSK-Vereinfachung: 5-fache Geringfuegigkeitsgrenze; Bagatellgrenze beachten.
- Bei Tantiemenabrechnung: Auch dann KSK-Pflicht, wenn der Autor schon Vorschuss bekommen hat.
- Datum der Leistung exakt nennen - bei "Beitrag in Heft 4/2026" reicht das Heftdatum.
## Mustertexte / Vorlagen
**Gutschrift an inlaendischen Autor (mit Rechteeinraeumung)**
```
Gutschrift Nr. G-[Jahr]-[lfd. Nr.]
Vom Verlag an: [Anschrift Autor]
Gutschriftdatum: [Datum]
Leistungsgegenstand:
Beitrag "[Titel]" in [Zeitschrift], Heft [n]/[Jahr], S. [n]-[n].
Einraeumung der ausschliesslichen, raeumlich, zeitlich und inhaltlich
unbeschraenkten Nutzungsrechte gemaess Autorenvertrag vom [Datum].
Honorar netto: EUR [Betrag]
Umsatzsteuer 7 % (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 lit. c UStG): EUR [Betrag]
Bruttobetrag: EUR [Betrag]
Steuernummer Autor: [...] / USt-ID: [...]
Steuernummer Verlag: [...]
Zahlung erfolgt innerhalb von [n] Tagen auf das uns vorliegende Konto.
Diese Gutschrift gilt als Rechnung im Sinne von § 14 Abs. 2 UStG. Bei
Widerspruch innerhalb von 14 Tagen schriftlich an [Verlagsanschrift]
verliert die Gutschrift ihre Wirkung.
```
**Hinweis Kleinunternehmer**
```
Honorar gesamt: EUR [Betrag]
Hinweis: Gemaess § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen
(Kleinunternehmerregelung).
```
**Pruefliste eingehende Autorenrechnung**
```
[ ] Vollstaendiger Name und Anschrift Autor und Verlag
[ ] Steuernummer oder USt-ID
[ ] Ausstellungsdatum
[ ] Fortlaufende Rechnungsnummer
[ ] Leistungsgegenstand (Werktitel, Heft, Erscheinungstermin)
[ ] Leistungszeitpunkt oder -zeitraum
[ ] Nettoentgelt
[ ] Steuersatz und -betrag (oder Hinweis Kleinunternehmer / Reverse Charge)
[ ] Bei Gutschrift: ausdrueckliche Bezeichnung "Gutschrift"
[ ] Bei EU-Empfaenger: Hinweis "Reverse Charge"
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- 19 Prozent statt 7 Prozent bei urheberrechtlicher Leistung - Vorsteuerabzug nicht gefaehrdet, aber zu hoher Abzug.
- Falsche oder fehlende USt-ID bei EU-Vorgang - Steueranerkennung gefaehrdet.
- KSK-Meldung vergessen - Nachzahlung mit Saeumniszuschlag.
- Gutschrift ohne Bezeichnung "Gutschrift" - unwirksam als Rechnung.
- Pauschalhonorar fuer "alles" verschleiert spaetere Tantiemeansprueche (UrhG § 32a).
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Honorarvorgangs.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - Triage vor Rechnungsstellung.
- `verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich` - Jahresabrechnung bei Tantiemen.
- `verl-vorschuss-pruefung-buecher` - Vorschussbehandlung.
- `verl-mahnung-an-autor-zahlung-frist` - bei Rueckforderungen.
## Quellen Stand 06/2026
- UStG §§ 12 Abs. 2 Nr. 7 lit. c, 13b, 14, 19 - Steuersatz, Reverse Charge, Pflichtangaben, Kleinunternehmer.
- EStG § 50a, § 50d - Steuerabzug bei beschraenkter Steuerpflicht; Befreiung.
- KSVG - Kuenstlersozialabgabepflicht; aktueller Satz unter kuenstlersozialkasse.de.
- BMF-Schreiben zu § 14 UStG; aktuelle Anwendungserlasse pruefen.
- Verlagsgesetz (VerlG) §§ 14, 22 - Honorarpflicht und Faelligkeit.
@@ -0,0 +1,150 @@
---
name: verl-honorarvertrag-templates-und-abweichungen
description: "Honorarvertragstemplates fuer juristische Werke: Standardvertrag Aufsatz, Buch, Kommentar, Herausgeberwerk. Abweichungspruefung gegen UrhG § 32 angemessene Verguetung."
---
# Honorarvertrags-Templates
## Worum geht es konkret
Verlage halten Standardvertraege vor: Aufsatzvertrag, Lehrbuchvertrag, Kommentarvertrag, Herausgebervertrag, Loseblattvertrag. Der Skill systematisiert die Templates, listet die haeufigsten Verhandlungsabweichungen und prueft jede Abweichung gegen die Pflicht zur angemessenen Verguetung (UrhG § 32) sowie typische Streitpunkte aus der Vertragspraxis.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welches Werktyp soll vertraglich abgebildet werden (Aufsatz, Buch, Kommentar, Festschrift, Loseblatt, Online)?
2. Einzelautorin oder Mehrautoren / Herausgeberwerk?
3. Pauschalhonorar oder Tantieme?
4. Sublizenzierung an Datenbanken (juris, beck-online) vorgesehen?
5. Bearbeitungspflicht / Aktualisierungspflicht (Folgeauflagen)?
6. Karenzklausel / Konkurrenzschutz?
7. Welche Abweichung will der Autor durchsetzen?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- VerlG §§ 1-29 - Verlagsvertrag, Pflichten Verfasser und Verlag.
- UrhG §§ 31, 31a - Einraeumung von Nutzungsrechten, unbekannte Nutzungsarten (Schriftform).
- UrhG § 32 - angemessene Verguetung; § 32a Bestsellerklausel; § 32d Auskunftspflicht.
- UrhG § 40a - Recht der anderweitigen Verwertung nach 10 Jahren bei pauschaler Verguetung.
- UrhG § 41 - Rueckruf wegen Nichtausuebung.
- BGB §§ 305 ff. - AGB-Kontrolle bei vorformulierten Vertraegen, auch zwischen Unternehmern eingeschraenkt.
- WissZeitVG-Bezug bei Hochschulautoren (Nebentaetigkeitsrecht, Dienstpflichten).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Template auswaehlen.** Nach Werktyp - falsche Vorlage erzeugt unsaubere Klauseln.
2. **Pflichtklauseln pruefen.**
- Werkbeschreibung (Titel, Umfang, Termine).
- Honorar (Pauschale / Tantiemestaffel / Vorschuss).
- Nutzungsrechte (raeumlich, zeitlich, inhaltlich, Sublizenz).
- Bearbeitungspflicht (Folgeauflagen, Aktualisierungen).
- Druck und Vertrieb (Auflage, Erscheinungstermin, Aboerstreckung).
- Imprimaturrecht und Mitwirkungspflichten.
- Ruecktritts- und Verzugsregelungen.
- Karenz / Konkurrenzschutz (zeitlich begrenzen!).
- Datenschutz und Werbenutzung des Namens.
3. **Verhandlungsabweichungen aufnehmen.** In Aenderungsvermerk-Tabelle: Klausel - alt - neu - Begruendung des Autors - Verlagsantwort.
4. **Angemessenheitspruefung.** Bei stark abweichenden Saetzen Vergleich mit branchenueblichen Verguetungsregeln (z. B. Hinweise Boersenverein, Verbandsempfehlungen Wissenschaftsverlage).
5. **Justiziariat einbinden** bei: Pauschalverguetung trotz hoher Auflagenerwartung, Total-Buy-Out, ungewoehnlicher Karenz, internationalem Bezug.
6. **Schlussfassung erstellen.** Reinschrift, beidseits paraphieren und unterschreiben.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Pauschalhonorar | Tantieme |
|---|---|---|
| Planungssicherheit Verlag | Hoch | Niedrig |
| Anreiz Autor an Vermarktung | Niedrig | Hoch |
| Buchhalterischer Aufwand | Einmalig | Jaehrlich |
| Risiko § 32a-Anpassung | Hoeher | Geringer |
| Eignung Aufsatz | Standard | Unueblich |
| Eignung Lehrbuch / Kommentar | Selten | Standard |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Pauschalhonorar nur fuer Aufsaetze und kleine Werke; ab Lehrbuch Tantieme.
- Nutzungsrechte einzeln benennen: Print, E-Book, Datenbank, Online-Kommentar, Hoerbuch, Uebersetzung, Bearbeitung.
- Karenzklausel niemals laenger als zwei Jahre nach Vertragsende - sonst kartell- und berufsrechtlich problematisch.
- Sublizenzgewinne (Datenbank-Eintrag) zumindest teilweise an Autorin auskehren - sonst spaeter § 32a.
- Bei Hochschullehrer: Nebentaetigkeitsregelung der Universitaet beachten, sonst hat der Dienstherr ein Wort mitzureden.
- Co-Autoren-Werk: Kapitelplan und Verteilungsschluessel zwingend mitvereinbaren.
## Mustertexte / Vorlagen
**Klauselbaustein Nutzungsrechte (Lehrbuch)**
```
§ [n] Nutzungsrechte
(1) Der Autor raeumt dem Verlag das ausschliessliche, raeumlich,
zeitlich und inhaltlich unbeschraenkte Recht ein, das Werk zu
vervielfaeltigen, zu verbreiten, oeffentlich wiederzugeben und
in koerperlicher und unkoerperlicher Form zu nutzen, insbesondere
in folgenden Nutzungsarten:
a) Print (Buchausgabe, Sonderausgabe, Lizenzausgabe);
b) E-Book (EPUB, PDF, alle gaengigen Vertriebsplattformen);
c) Datenbank-Einstellung (juris, beck-online, vergleichbare
Anbieter);
d) Online-Kommentar-Plattformen;
e) Bearbeitung und Uebersetzung in fremde Sprachen;
f) Werbung und Vorabdruck.
(2) Unbekannte Nutzungsarten im Sinne von § 31a UrhG werden gesondert
schriftlich vereinbart.
(3) Die Einraeumung umfasst auch das Recht zur Vergabe von
Sublizenzen. Die hieraus erzielten Einnahmen werden gemaess § [n]
zwischen den Parteien geteilt.
```
**Pruefraster Abweichungsantrag des Autors**
```
Klausel: [Nummer]
Standardfassung: [Text]
Aenderungswunsch Autor: [Text]
Begruendung des Autors: [Text]
Verlagsantwort (Pruefer): [zustimmend / Gegenvorschlag / ablehnen]
Begruendung: [Text]
Auswirkung auf andere Klauseln: [...]
Justiziariat einbinden? [ja/nein]
```
**Karenzklausel (Beispielsformulierung)**
```
§ [n] Konkurrenzschutz
(1) Der Autor verpflichtet sich, fuer die Dauer von 24 Monaten nach
Erscheinen der jeweils aktuellen Auflage des Werks kein
konkurrierendes Werk vergleichbaren Inhalts und vergleichbaren
Adressatenkreises bei einem anderen Verlag zu veroeffentlichen.
(2) Aufsaetze und Beitraege zu Festschriften gelten nicht als
konkurrierende Werke.
(3) Diese Klausel endet spaetestens mit Ablauf von vier Jahren nach
Vertragsschluss.
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Total-Buy-Out fuer alle Nutzungsarten mit Pauschale - § 32a-Risiko.
- Sublizenzen ohne Erloesteilung - Anpassungsdruck.
- Karenzklausel ohne Zeit- oder Reichweitenbegrenzung - unwirksam.
- Unbekannte Nutzungsarten ohne Schriftform - § 31a UrhG-Falle.
- Bearbeitungspflicht ohne Honorierung der Neuauflage.
- Datenschutzklausel zur Werbenutzung des Autorennamens fehlt.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Vertragsanlasses.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - schnelle Triage der Vertragslage.
- `verl-vorschuss-pruefung-buecher` - Vorschussklausel im Vertrag.
- `verl-zweitverwertungsrechte-pauschal` - Behandlung der Nebenrechte.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Justiziariatsabstimmung.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - Detailpruefung urheber- und verlagsrechtlicher Klauseln.
## Quellen Stand 06/2026
- VerlG §§ 1-29 - Pflichten der Vertragsparteien.
- UrhG §§ 31, 31a, 32, 32a, 32d, 40a, 41 - Nutzungsrechte und Verguetung.
- BGB §§ 305 ff. - AGB-Kontrolle.
- Gemeinsame Verguetungsregeln (z. B. Boersenverein, Verband deutscher Schriftsteller); aktuelle Fassungen unter den Verbandsseiten.
- BGH-Rechtsprechung zu § 32a UrhG (Volltexte unter bundesgerichtshof.de).
@@ -0,0 +1,99 @@
---
name: verl-ideenpool-und-priorisierung
description: "Verwaltet einen Ideen-Backlog der Verlagsredaktion mit Priorisierungsmatrix, Zustandskategorien und Eskalationsregeln fuer entscheidungsreife Themen."
---
# Ideenpool und Priorisierung
## Worum geht es konkret
Ideen entstehen taeglich: Gespraech auf der Tagung, Mandantenfrage, Kollegenhinweis, Mediennotiz. Ohne System landen sie auf 17 Klebezetteln in einer Schublade und niemand sieht mehr, was schon dran ist. Der Ideenpool macht das Backlog sichtbar, priorisierbar und entscheidungsreif - zentrale Werkstatt der Verlagsredaktion.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn keine zentrale Themenverwaltung existiert oder die bestehende veraltet ist. Klaeren Sie:
1. Welche Werkzeuge stehen zur Verfuegung (Excel, Notion, Confluence, Trello, Verlags-CMS)?
2. Wer pflegt das Backlog (Schriftleitung, Lektorat, alle)?
3. Wie oft wird priorisiert (woechentlich, monatlich)?
4. Ab wann gilt eine Idee als entscheidungsreif (Pinpoints? Autorin? Heftslot?)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Bestehende Ideenlisten, Klebezettel-Foto, alte Backlogs.
- Themen aus Themenscout und Trendradar.
- Beitragsabsagen / Verschiebungen (oft Ideen!).
- Mandanten- und Leserfeedback.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Backlog-Format festlegen.** Eine Quelle der Wahrheit (Excel-Tabelle reicht). Felder: ID, Titel, Beschreibung in 2 Saetzen, Status, Prioritaet, Owner, Notizen.
2. **Status-Lebenszyklus.** Roh -> Geprueft -> Entscheidungsreif -> Beauftragt -> In Produktion -> Erschienen -> Abgelehnt.
3. **Priorisierungsmatrix.** Zwei Achsen: Lesernutzen (1-5) und Verlagsaufwand (1-5). Top-Quadrant: hoher Nutzen, geringer Aufwand - macht zuerst.
4. **Pruefkriterien.** Aktualitaet, Originalitaet, Autorenverfuegbarkeit, Konkurrenzlage.
5. **Periodische Priorisierung.** Monatlicher Termin, an dem das Backlog gemeinsam durchgegangen wird (max. 45 Min).
6. **Eskalationsregel.** Idee, die 6 Monate "Roh" bleibt, wird automatisch dekategorisiert.
7. **Backlog-Hygiene.** Mindestens quartalsweise Aufraeumen: Dubletten, ueberholte, irrelevante.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Lange Liste, lockere Priorisierung | B: Kurze Liste, harte Priorisierung | Empfehlung |
|------|---------------------------------------|--------------------------------------|------------|
| Vollstaendigkeit | hoch | niedrig | A bei Fruehrecherche |
| Handhabbarkeit | gering | hoch | B fuer Heftproduktion |
| Pflegeaufwand | hoch | mittel | Mischform: getrennt nach Wagenladung und naechsten 6 Monaten |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Idee, die niemandem 5 Minuten Beschreibung wert ist, ist keine Idee."
- Backlog ist nicht das Gehirn der Schriftleitung - immer in einem Tool, das alle einsehen.
- Priorisierung niemals einzeln im Kopf - immer transparent im Backlog ablegen, damit nachvollziehbar.
- Ideenpool ist kein Friedhof - 12 Monate ohne Bewegung = raus.
- Bei abgelehnten Ideen Begruendung notieren - hilft beim naechsten Mal.
## Mustertexte / Vorlagen
**Backlog-Tabelle (Spaltenkopf):**
```
ID | Titel | Beschreibung | Rechtsgebiet | Quelle | Status | Prioritaet (1-5) | Aufwand (1-5) | Owner | Naechster Schritt | Frist
```
**Priorisierungs-Mail-Vorlage:**
> Liebes Redaktionsteam, anbei das aktualisierte Backlog (Stand 02.06.2026, 47 Eintraege). Vorschlag fuer den naechsten Monat: Top 10 Themen sind im Anhang grun markiert (entscheidungsreif), 5 weitere gelb (Pruefauftrag noetig). Bitte bis zur Sitzung am 12.06.2026 Stellungnahme. Backlog-Hygiene-Termin: 30.06.2026.
**Status-Definition (intern):**
```
Roh: Idee notiert, noch nicht geprueft
Geprueft: Quellenlage und Autorenfrage angerissen
Entscheidungsreif: Vorschlagspaket Heft/Autor/Frist liegt vor
Beauftragt: Autorin hat zugesagt, Vertrag eingegangen
In Produktion: Manuskript im Lektorat
Erschienen: gedruckt, Datum festgehalten
Abgelehnt: Begruendung in Spalte "Notizen"
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Backlog in privater Excel - keiner sonst sieht es.
- Status nie aktualisiert - Backlog ist Schein-Realitaet.
- Priorisierung ohne Matrix - Bauchgefuehl dominiert.
- Abgelehnte Ideen ohne Begruendung - werden in 6 Monaten neu vorgeschlagen.
- Kein Hygiene-Termin - Backlog wuchert auf 300 Eintraege.
## Querverweise
- `verl-themenscout-rechtsentwicklung` - liefert Roh-Ideen.
- `verl-trend-radar-rechtsgebiete` - liefert Themenfelder.
- `verl-redaktionssitzung-vorbereiten` - Prioritaeten in die Sitzung.
- `verl-redaktionsmemo-jahresplanung` - jaehrliche Architektur.
- `eingangskorb-triage` - eingehende Manuskripte als Ideenursprung.
## Quellen Stand 06/2026
- Allgemeine Backlog-/Kanban-Methodik: keine spezifische juristische Quelle erforderlich.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024 (fuer Backlog-Texte).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016 (fuer Verweisungsdisziplin im Backlog).
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,178 @@
---
name: verl-impressum-pflicht-und-pruefung
description: "Impressumspflicht und Pruefung im Verlag: DDG § 5, MStV § 18 V. i. S. d. P., Anforderungen Print/Online/Newsletter/Social-Media-Profile, Mustertexte und Pruefcheckliste."
---
# Impressums-Pflicht und Pruefung
## Worum geht es konkret
Jedes Verlagsprodukt mit eigener oeffentlicher Wirkung braucht ein Impressum: Print-Heft, Buch, Online-Volltextangebot, Newsletter, Social-Media-Profil. Anforderungen verteilen sich auf DDG § 5 (Telemedien), MStV § 18 (journalistisch-redaktionelle Telemedien) und Landespressegesetze (Print). Der Skill bietet eine Pruefcheckliste und Mustertexte fuer alle Produkte des Verlags.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welches Produkt (Print-Heft, Buch, Online-Volltext, Datenbank, Newsletter, Social-Profil, Webinar-Plattform)?
2. Mit oder ohne journalistisch-redaktionellen Charakter?
3. Wer ist Verantwortlich im Sinne des MStV § 18 (V. i. S. d. P.)?
4. Eingetragene Verlagsform (GmbH, KG, GmbH & Co. KG, Genossenschaft)?
5. Sitz und Vertretungsregelung?
6. Aufsichtsbehoerden oder Berufskammern?
7. USt-ID und Handelsregistereintrag?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- DDG § 5 - Allgemeine Informationspflichten fuer geschaeftsmaessige Telemedien (Name, Anschrift, Vertretungsberechtigte, Kontakt, Register, USt-ID, ggf. Aufsichtsbehoerde, Berufsverband).
- MStV § 18 - Journalistisch-redaktionelle Telemedien: zusaetzlich Verantwortlicher im Sinne des Presserechts (V. i. S. d. P.) mit Name und Anschrift.
- Landespressegesetze - Print: Impressum mit Verlag, Druckerei, V. i. S. d. P., Erscheinungsweise.
- TMG ausser Kraft seit DDG (2024); Bezugnahmen auf TMG sind veraltet.
- DSGVO Art. 13, 14 - Informationspflichten beim Erheben personenbezogener Daten (separate Datenschutzerklaerung).
- HGB §§ 37a, 80 - Pflichtangaben auf Geschaeftsbriefen (Firma, Rechtsform, Sitz, Registergericht, Registernummer); gilt analog fuer Newsletter.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Produkttyp einordnen.** Print (LandesPresseG), Online-Geschaeftsmaessig (DDG § 5), Online-Journalistisch (DDG § 5 + MStV § 18), Newsletter (DDG § 5 + HGB), Social-Profil (DDG § 5).
2. **V. i. S. d. P. festlegen** fuer journalistisch-redaktionelle Inhalte; eine natuerliche Person mit ladungsfaehiger Anschrift.
3. **Pflichtangaben sammeln.**
- Firma und Anschrift (kein Postfach).
- Vertretungsberechtigte.
- Telefon und E-Mail.
- Handelsregister mit Registergericht und Nummer.
- USt-ID nach UStG § 27a.
- Aufsichtsbehoerde (wenn anwendbar).
- Berufsbezeichnung, Kammer, Berufsrecht (wenn anwendbar).
4. **V. i. S. d. P. eintragen** in journalistischen Telemedien.
5. **Plattformspezifika.**
- Print-Heft: Impressum auf Seite 2 oder Innentitel.
- Buch: Impressum mit ISBN, Verlagsanschrift, Druckerei.
- Online: ueber alle Seiten erreichbar (Footer).
- Newsletter: Footer jeder Ausgabe.
- Social Media: Bio-Link oder eigenes Impressums-Tab.
6. **Datenschutzerklaerung** separat halten; nicht im Impressum aufgehen lassen.
7. **Regelmaessige Pruefung** halbjaehrlich (Vertretungswechsel, Anschrift, USt-ID).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Knappes Pflichtimpressum | Ausfuehrliches Impressum |
|---|---|---|
| Konformitaet | Erfuellt | Erfuellt |
| Auffindbarkeit Pflichtinfo | Hoch | Mittel |
| Aktualisierungsaufwand | Niedrig | Hoeher |
| Vertrauenswirkung | Niedrig | Hoeher |
| Abmahnrisiko | Mittel | Niedrig |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Impressum als HTML-Seite ohne Bildgrafik - Spamfilter und Barrierefreiheit.
- "Verantwortlich" und "Vertretungsberechtigt" sind nicht dasselbe; V. i. S. d. P. ist publizistisch verantwortlich.
- Bei Social-Media-Profil immer Bio-Link auf vollstaendiges Impressum.
- E-Mail-Adresse nicht als Bild verstecken - DDG verlangt Erreichbarkeit.
- Aktualisierung bei jedem Personenwechsel; Datum im Impressum-Footer.
- Bei Mehrmarken-Verlag (Imprints): Imprint und Verlag klar trennen.
- Bei wissenschaftlicher Praesenz Akademische Titel und Funktion korrekt - sonst Vorwurf der Irrefuehrung.
## Mustertexte / Vorlagen
**Impressum Verlagswebsite (DDG § 5 + MStV § 18)**
```
Impressum
Anbieter:
[Verlag] GmbH
[Strasse, Hausnummer]
[PLZ Ort]
Deutschland
Vertretungsberechtigte Geschaeftsfuehrung: [Name(n)]
Handelsregister: Amtsgericht [Ort], HRB [Nummer]
USt-ID gemaess § 27a UStG: DE[Nummer]
Telefon: [...]
E-Mail: [Adresse]
Web: [URL]
Verantwortlich nach MStV § 18 (V. i. S. d. P.):
[Name]
[Anschrift, soweit von Verlagsanschrift abweichend]
Aufsichtsbehoerde (wenn anwendbar): [Behoerde, Adresse]
Streitschlichtung Verbraucher (OS-Plattform der EU): [Link]
Wir nehmen nicht an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer
Verbraucherschlichtungsstelle teil (sofern zutreffend).
Datenschutz: [Link Datenschutzerklaerung]
```
**Impressum Zeitschrift (Print)**
```
IMPRESSUM
[Zeitschriftentitel] - Jahrgang [n]/[Jahr], Heft [n]
Erscheinungsweise: [monatlich / zweimonatlich]
Verlag: [Verlag], [Anschrift], Tel. [...], E-Mail [...]
Geschaeftsfuehrung: [...] - Handelsregister: [...] - USt-ID: DE[...]
Druck: [Druckerei], [Anschrift]
Schriftleitung / V. i. S. d. P.: [Name], [Funktion], [Anschrift]
Redaktion: [Name(n)], [Kontakt]
Bezug: Jahresabonnement EUR [...] inkl. USt und Versand. Bestellung: [Kontakt]
Manuskripte: ausschliesslich an die Schriftleitung; Hinweise unter [URL].
```
**Impressum Newsletter (Footer)**
```
---
[Verlag], [Anschrift], Telefon [...]
V. i. S. d. P.: [Name]
Handelsregister: AG [Ort], HRB [Nummer], USt-ID DE[...]
Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie sich am [Datum] mit der
E-Mail [...] angemeldet haben.
Abmelden: [Direktlink]
Datenschutz: [Link]
```
**Impressum-Pruefcheckliste**
```
[ ] Firma und Rechtsform vollstaendig; Anschrift mit Strasse (kein Postfach)
[ ] Vertretungsberechtigte und V. i. S. d. P. (bei journ.-red. Telemedien)
[ ] Telefon und E-Mail-Adresse als verlinkter Text
[ ] Handelsregister mit Gericht und Nummer; USt-ID nach § 27a UStG
[ ] Aufsichtsbehoerde, Berufsbezeichnung und Kammer (wenn einschlaegig)
[ ] Streitschlichtungshinweis (wenn einschlaegig)
[ ] Datum der letzten Aktualisierung; Datenschutzerklaerung separat verlinkt
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Postfach statt ladungsfaehige Anschrift - Abmahnrisiko.
- V. i. S. d. P. fehlt bei journalistisch-redaktionellen Inhalten.
- E-Mail als Bild oder hinter Kontaktformular versteckt - DDG-Verstoss.
- Veraltete TMG-Bezeichnung statt DDG - Hinweis auf Pflege-Defizit.
- Mehrere Imprints unter einem Impressum vermischt - Verwirrung.
- Social-Media-Profil ohne Impressum oder Bio-Link.
- USt-ID fehlt bei umsatzsteuerpflichtigem Verlag.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Produkts.
- `verl-newsletter-redaktion-jur` - Impressum im Newsletter-Footer.
- `verl-social-media-rechtsfachzeitschrift` - Impressum im Profil.
- `verl-pressetext-rechtsthemen` - Impressum auf Pressemitteilungen.
- `verl-vlb-katalog-pflege-jur` - Konsistenz Verlagsdaten.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Pruefung bei Aenderungen.
## Quellen Stand 06/2026
- DDG § 5 - Allgemeine Informationspflichten Telemedien.
- MStV § 18 - V. i. S. d. P. fuer journalistisch-redaktionelle Telemedien.
- Landespressegesetze (jeweiliges Bundesland) - Print-Impressum.
- HGB §§ 37a, 80 - Pflichtangaben auf Geschaeftsbriefen.
- UStG § 27a - USt-ID-Angabe.
- DSGVO Art. 13, 14 - Datenschutzhinweise (separat zum Impressum).
- BGH-Rechtsprechung zu Impressumsanforderungen in sozialen Medien (Volltexte unter bundesgerichtshof.de).
@@ -0,0 +1,92 @@
---
name: verl-interview-roh-zu-magazinbeitrag
description: "Macht aus einem Interview-Transkript eine drucktaugliche Interview-Fassung fuer Fachmagazin oder Newsletter, mit Autorisierung und Tonalitaetskontrolle."
---
# Interview-Roh zu Magazinbeitrag
## Worum geht es konkret
Aus einer Stunde Tonbandgespraech mit einer Bundesrichterin oder einem Strafverteidiger werden vier Druckseiten Interview. Das ist nicht "abtippen", sondern Komposition. Sie kuerzen, sortieren, glaetten - und legen das Ergebnis der Interviewten zur Autorisierung vor. Dieser Skill fuehrt durch die Bearbeitung von Roh-Transkript bis zur autorisierten Druckfassung.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn ein Interview-Transkript vorliegt und daraus ein Print- oder Online-Interview werden soll. Klaeren Sie:
1. Vollstaendiges Wortprotokoll oder gekuerzte Mitschrift?
2. Welche Zielzeitschrift / welches Magazin, welche Hoechstlaenge?
3. Ist Autorisierung mit der Interviewten vereinbart (Standard im seriösen Fachjournalismus)?
4. Brisante Aussagen, die spaeter zurueckgenommen werden koennten?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Audiomitschnitt + Transkript.
- Datum, Ort, Beteiligte.
- Hinweise auf "off the record"-Passagen.
- Funktionsbezeichnung der Interviewten zum Zeitpunkt des Drucks.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Hoechstlaenge fixieren.** Magazin oft 8.000-15.000 Zeichen. Das diktiert die Zahl der Fragen (selten mehr als 7-10).
2. **Hauptthesen sortieren.** Welche 3-5 Kernaussagen tragen das Interview? Alles drumherum dient diesen Thesen.
3. **Frageblock neu konstruieren.** Originalfragen umformulieren, neue Fragen einfuegen, wenn die Antwort thematisch logisch dazu gehoert. Reihenfolge oft umstellen.
4. **Antworten glaetten.** "Aehs", Doppelungen, Selbstkorrekturen raus. Lange Saetze verkuerzen, ohne Bedeutung zu aendern.
5. **Brisante Passagen markieren.** Wo eine Aussage spaeter Kritik ausloesen koennte: Interviewter ausdruecklich auf diese Passage hinweisen vor Autorisierung.
6. **Autorisierungsfassung.** Mit deutlichem Hinweis "Bitte autorisieren - Aenderungen bitte als Track-Changes" an Interviewte schicken.
7. **Nach Autorisierung**: Aenderungen pruefen. Bei substantieller Aenderung ("ich habe das nie so gesagt") Originaltonbeleg pruefen, Ruecksprache.
8. **Bildmaterial einplanen.** Portrait (Rechte!), ggf. zwei kleine Statementkaesten.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Wortgetreues Interview | B: Stark verdichtete Magazinfassung | Empfehlung |
|------|----------------------------|--------------------------------------|------------|
| Authentizitaet | hoch | mittel | A bei Wissenschafts-Interview |
| Lesbarkeit | mittel | hoch | B bei Fachmagazin |
| Autorisierungs-Aufwand | gering | hoch | B nur mit gutem Verhaeltnis zur Interviewten |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Streich die Frage, wenn die Antwort die Frage selber wiederholt. Es macht das Interview lesbarer."
- Brisante Aussagen IMMER autorisieren lassen - sonst Korrekturwelle und Klagedrohung.
- Funktionsangaben tagesaktuell halten - "Vorsitzender Richter am BGH a.D." vs. "Vors. Richter am BGH" macht juristisch viel aus.
- Bei Interviews mit Politikerinnen / Richtern Vorsicht mit "Schmunzeln" / "lacht"-Einschueben - das veraendert den Eindruck stark.
## Mustertexte / Vorlagen
**Autorisierungs-Anschreiben:**
> Sehr geehrte Frau Vorsitzende Richterin, anbei die redaktionelle Druckfassung unseres Gespraechs vom 14.05.2026 (Aufnahmedauer 78 Minuten, verdichtet auf rund 12.000 Zeichen, sechs Fragen). Bitte autorisieren Sie das Interview oder bitten Sie um Aenderungen direkt im Dokument (Track Changes). Brisante Stellen (S. 2 zur Verfassungsbeschwerde, S. 4 zur Kollegialitaet im Senat) haben wir gelb markiert - bitte besonders auf diese Passagen achten. Wir benoetigen Ihre Rueckmeldung bis 26.06.2026, damit die Ausgabe 07/2026 noch erreicht wird.
**Interview-Standardelemente fuer Druck:**
- Vor- und Zwischentitel
- Vorstellungssatz (Funktion, Karrierestation, warum gerade jetzt?)
- 6-8 Fragen
- Schluss-Frage / Schluss-Aussage
- Portraitbild
- 1-2 Pull-Quotes
## Typische Fehler / Pitfalls
- Ohne Autorisierung gedruckt - Korrekturwelle, Ehrenverletzung.
- Funktionsangabe veraltet ("ehem. Vors. Richter") - falsche Tatsache.
- "Off the record"-Passage versehentlich drin.
- Die Reihenfolge im Druck entspricht nicht dem Gespraech - kein Problem, solange Sinn erhalten, aber bei Autorisierung kommunizieren.
- Pull-Quotes aus dem Kontext gerissen - Korrektur, ggf. Stellungnahme.
## Querverweise
- `verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag` - Schwester-Skill.
- `verl-konferenzmitschnitt-zu-tagungsbericht` - Audio mit mehreren Sprechern.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - fuer brisante Aussagen.
- `verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren` - Rueckmeldungsstil.
## Quellen Stand 06/2026
- KUG § 22 Bildnis (Portraitbild), [https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/).
- UrhG § 51 Zitatschranke fuer Aussagen Dritter.
- BGB §§ 823, 1004 fuer Aeusserungsrecht und Unterlassung.
- DSGVO Art. 6 bei personenbezogenen Daten.
- Pressekodex Ziff. 2 (Sorgfalt), Ziff. 3 (Richtigstellung), [https://www.presserat.de/pressekodex.html](https://www.presserat.de/pressekodex.html).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,117 @@
---
name: verl-jourfix-vorbereiten-protokoll
description: "Bereitet einen Jourfixe der Verlagsredaktion vor: knappe Agenda Statusliste Beschluesse mit Owner und Frist Protokoll innerhalb 24 Stunden."
---
# Jourfixe vorbereiten und Protokoll
## Worum geht es konkret
Der Jourfixe (woechentlich oder vierzehntaeglich) ist der Routinetermin der Verlagsredaktion: 30-60 Min, Status aller laufenden Manuskripte, naechste Schritte, Eskalationen. Anders als die Heftsitzung (`verl-redaktionssitzung-vorbereiten`) entscheidet er nicht ueber Themenarchitektur, sondern ueber Tagesgeschaeft. Dieser Skill ist Vorbereitung und Protokoll.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn fuer jeden Jourfixe. Klaeren Sie vorab:
1. Welche Teilnehmer (Lektorat, Schriftleitung, Produktion)?
2. Welche Dauer (30 oder 60 Min)?
3. Welche laufenden Manuskripte stehen zur Statusabfrage?
4. Welche Eskalationen muessen heute entschieden werden?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript-Statusliste (idealerweise aus zentralem Backlog).
- Offene Eskalationen seit letztem Jourfix.
- Termine (Heftschluss, Druckfreigabe).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Statusliste aktualisieren** vor dem Jourfix. Pro Manuskript: Titel, Status (Eingang, Lektorat, Autor, Korrektur, Freigabe, Druck), naechster Schritt, Frist, Owner, Risiko-Ampel.
2. **Agenda erstellen.** TOP 1: Statusliste durchgehen (15-25 Min); TOP 2: Eskalationen (10-15 Min); TOP 3: Neue Manuskripteingaenge (5-10 Min); TOP 4: Verschiedenes (5 Min).
3. **Pre-Read.** Statusliste 24 h vorab an alle. Vorab-Kommentare einsammeln.
4. **Moderation.** Strikt zeitlich. Wenn ein TOP nicht entschieden werden kann, parken.
5. **Protokoll** innerhalb 24 Stunden. Beschluss mit Owner und Frist; Diskussion nur sehr knapp.
6. **Nachverfolgung.** Beschluesse als Tickets / Aufgaben anlegen.
7. **Bei wiederkehrenden Themen** Standardloesung definieren (z. B. Lieferverzug -> Standardanschreiben).
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Detailliertes Statusprotokoll | B: Knappes Beschlussprotokoll | Empfehlung |
|------|-----------------------------------|--------------------------------|------------|
| Nachvollziehbarkeit | hoch | mittel | A bei groesserem Team |
| Aufwand | hoch | gering | B im Regelfall |
| Audit-Tauglichkeit | hoch | mittel | A bei Verlag mit Compliance-Pflicht |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Jourfix ohne Pre-Read-Statusliste ist 30 Min Geplauder. Mit Pre-Read 30 Min Entscheidungen."
- Beschluesse ohne Owner und Frist sind Wuensche, keine Entscheidungen.
- Wenn ein Eskalationspunkt zweimal hintereinander verschoben wird, gehoert er an einen besseren Entscheider (oben).
- Wiederkehrende Themen sind Hinweis auf fehlendes Standardverfahren - Standard definieren und ablegen.
- Protokoll im Verlagsworkspace ablegen, nicht in Mail-Anhaengen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Statusliste-Vorlage (Pre-Read):**
| Manuskript | Status | Naechster Schritt | Frist | Owner | Ampel |
|------------|--------|-------------------|-------|-------|-------|
| Mueller "Plattformhaftung" | Lektorat 1 | Befundtabelle an Autorin | 12.06.2026 | Lekt | gruen |
| Schmidt "AGB" | Autorenkorrektur | Rueckmeldung Autor | 19.06.2026 | Aut | gelb |
| Lehmann "Festschrift" | Eingang | Format-Check | 14.06.2026 | Lekt | gruen |
| Weber "Compliance" | Lieferverzug | Klaerungsanruf | sofort | Schrift | rot |
**Agenda-Vorlage:**
```
Jourfix Verlagsredaktion NJW
12.06.2026, 10:00-11:00, online
TOP 1 (20 min): Statusliste durchgehen (Pre-Read)
TOP 2 (15 min): Eskalation Weber (Lieferverzug Festschrift)
TOP 3 (10 min): Eskalation Schmidt (Mandantenbezug)
TOP 4 (10 min): Neueingaenge der Woche (3 Manuskripte)
TOP 5 (5 min): Verschiedenes
```
**Protokoll-Vorlage:**
```
Protokoll Jourfix NJW vom 12.06.2026
Anwesend: Schmidt (Schriftleitung), Mueller (Lektorat), Lehmann (Produktion)
Pre-Read: Statusliste vom 11.06.2026
Beschluesse:
1. Weber Festschrift: Klaerungsanruf heute. Falls Manuskript nicht bis 19.06.,
Vertragsrueckabwicklung pruefen. Owner: Schmidt. Frist: 19.06.2026.
2. Schmidt AGB: Mandantenfreigabe einholen. Owner: Lekt. Frist: 19.06.2026.
3. Standardanschreiben Lieferverzug aktualisieren (siehe Anlage).
Owner: Mueller. Frist: 26.06.2026.
Naechster Jourfix: 19.06.2026, 10:00.
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Keine Pre-Read-Statusliste - Sitzung wird zur Statusabfrage.
- Beschluesse ohne Owner / Frist.
- Eskalation immer weiter geparkt - nichts entschieden.
- Protokoll erst nach Tagen - alle vergessen.
- Wiederkehrende Themen ohne Standardloesung.
## Querverweise
- `verl-redaktionssitzung-vorbereiten` - Heftsitzung (strategischer).
- `verl-abstimmung-mit-autor-feedback-kanal` - Autorenseite.
- `verl-abstimmung-mit-lektorat-format` - Lektorats-Schnittstelle.
- `verl-ideenpool-und-priorisierung` - Backlog.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Risikoampel.
## Quellen Stand 06/2026
- Allgemeine Sitzungsleitungs-Methodik: keine spezifische juristische Quelle erforderlich.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024 (fuer Protokollsprache).
- Verlagsgesetz, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/) (bei Verzugsthemen).
- BGB §§ 280, 286, 323.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,97 @@
---
name: verl-konferenzmitschnitt-zu-tagungsbericht
description: "Macht aus einem Tagungs- oder Konferenzmitschnitt einen Tagungsbericht fuer Fachzeitschrift, mit Vortragsuebersicht, Diskussionsskizze und Quellenpflicht."
---
# Konferenzmitschnitt zu Tagungsbericht
## Worum geht es konkret
Eine Anwaltskanzlei oder ein Lehrstuhl liefert den Mitschnitt einer ganzen Fachtagung (z. B. Karlsruher Forum, BB-Konferenz, ZIP-Insolvenz-Tag). Daraus soll ein Tagungsbericht im Heft entstehen: vier bis zwoelf Druckseiten, in denen Vortraege referiert und die Diskussion skizziert wird. Anders als beim Einzelinterview braucht ein Tagungsbericht eine andere Struktur.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn ein vollstaendiger Tagungsmitschnitt oder mehrere Einzelvortragsmitschnitte verarbeitet werden sollen. Klaeren Sie:
1. Welche Vortraege wurden gehalten, in welcher Reihenfolge, mit welchen Vortragenden?
2. Programm, Handouts, Folien vorhanden?
3. Liegen Einverstaendnis aller Vortragenden zur Berichterstattung vor?
4. Diskussionsbeitraege: namentlich oder anonym wiedergeben?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Audiomitschnitt oder Vortrags-PPTs.
- Programm der Tagung.
- Liste der Vortragenden mit Funktion zum Tagungszeitpunkt.
- Diskussionsteilnehmer mit Funktion.
- Hinweise auf "off the record"-Passagen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Strukturskelett: Tagungsuebersicht.** Erster Block: Tagungstitel, Ort, Datum, Veranstalter, Teilnehmerzahl, Themenschwerpunkt.
2. **Vortragsblocks anlegen.** Pro Vortrag ein Abschnitt: Vortragstitel, Vortragende mit Funktion, Hauptthesen in 200-400 Zeichen, ggf. zentrale Belegstellen.
3. **Diskussion skizzieren.** Diskussionsverlauf, nicht woertlich. Hauptkontroversen identifizieren.
4. **Fazit / Schlussakkord.** Welche Erkenntnis traegt die Tagung? Was bleibt offen, was wird im naechsten Jahr Thema?
5. **Quellen-Lueckenliste.** Vortragende muendlich genannte Belege: Az., Aufsaetze. Sammeln und an die Vortragenden zur Konkretisierung.
6. **Autorisierung pro Vortragsblock.** Jede Vortragende autorisiert "ihren" Abschnitt. Beim Tagungsbericht steht die Reportagestimme der Berichterstatterin im Vordergrund - Vortragende kontrollieren die Treue der Wiedergabe.
7. **Einreichung beim Heft.** Mit Hinweis auf Tagungstermin und Heftnummer.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Detaillierter Bericht | B: Knappes Resuemee | Empfehlung |
|------|--------------------------|---------------------|------------|
| Umfang | 8-12 Druckseiten | 2-4 Druckseiten | A bei ganztaegiger Tagung mit substantiellen Vortraegen |
| Recherche | hoch | mittel | A bei Lieblingsformat NJW-/JZ-Tagungsbericht |
| Lesbarkeit | mittel | hoch | B bei aktuellem Heft mit knapper Seitenfolie |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Tagungsbericht ist keine Antrittsvorlesung. Schreiben Sie kuerzer als der Vortragende gesprochen hat."
- Funktionsangaben tagesaktuell pruefen.
- Diskussionsskizze: Hauptkontroversen, keine Namens-Stenografie. Bei sensiblen Themen Namen abstrahieren ("ein Strafverteidiger aus dem Auditorium").
- Bei interdisziplinaerer Tagung: Fachvokabular der anderen Disziplin erklaeren.
- Erscheinungstermin: Tagungsbericht ist nur einige Wochen aktuell wertvoll. Schneller Lauf!
## Mustertexte / Vorlagen
**Standardgliederung Tagungsbericht:**
```
Einleitung (Tagungsmetadaten, 800-1.500 Z)
Vortragsblock I
Titel, Vortragende, Funktion
Hauptthesen
Tragende Quellen
Vortragsblock II ...
Diskussion (1.500-3.000 Z)
Fazit (500-1.000 Z)
```
**Autorisierungs-Anschreiben an Vortragende:**
> Sehr geehrter Herr Professor, anbei der Abschnitt unseres Tagungsberichts zur Tagung "Karlsruher Forum 2026", der Ihren Vortrag betrifft. Bitte pruefen Sie die Treue der Wiedergabe Ihrer Thesen und nennen Sie uns Pinpoints zu den drei muendlich genannten Belegen (S. 2 BGH-Urteil zur AGB-Kontrolle; S. 3 Aufsatz Canaris; S. 3 EuGH-Urteil). Rueckmeldung bis 19.06.2026.
## Typische Fehler / Pitfalls
- Vortragende ohne Autorisierung des "eigenen" Abschnitts gedruckt.
- Diskussionsteilnehmer namentlich genannt, obwohl "off the record" beansprucht.
- Tagungsbericht erscheint sechs Monate spaeter - Aktualitaet weg.
- Hauptthesen verfaelscht durch Lektoratseingriffe.
- Funktionsangaben veraltet zwischen Tagung und Druck.
## Querverweise
- `verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag` - fuer Einzelvortrag.
- `verl-powerpoint-verwurstung-zu-text` - wenn statt Audio nur PPTs.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - vor Druck.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - bei brisanten Diskussionsbeitraegen.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG § 51 (Zitatschranke), § 63 (Quellenangabe), [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- KUG § 22 fuer Bildnis (Tagungsfotos).
- DSGVO Art. 6.
- Pressekodex Ziff. 2 (Sorgfalt), [https://www.presserat.de/pressekodex.html](https://www.presserat.de/pressekodex.html).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,160 @@
---
name: verl-loeschpflicht-und-archivierung-fachzs
description: "Loeschpflicht und Archivierung bei juristischer Fachzeitschrift: DSGVO Art. 17 Recht auf Vergessen, Online-Archiv, Aktenzeichen-Anonymisierung, Pressefreiheitsabwaegung, Versionierung."
---
# Loeschpflicht und Archivierung
## Worum geht es konkret
Eine Person verlangt die Loeschung oder Anonymisierung eines Beitrags im Online-Archiv, weil dort identifizierbare Daten stehen (Aktenzeichen, Name, Lebenslauf, Lichtbild). Der Skill schluesselt die Abwaegung Loeschpflicht vs. Archivinteresse vs. Pressefreiheit nach DSGVO Art. 17 und dem Medienprivileg (Art. 85 DSGVO, MStV) und liefert Mustertexte fuer Ablehnung, Anonymisierung und Loeschung.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Wer verlangt was (Betroffener, Anwalt, Behoerde, Gericht)?
2. Welche Daten (Name, Az., Verfahrensdetails, Bild)?
3. Welches Medium (Online-Zeitschrift, Datenbank, Volltextarchiv, Loseblatt-Onlineversion)?
4. Wann wurde der Beitrag erstveroeffentlicht (Aktualitaet sinkt mit Zeit)?
5. Welcher Verfahrensstand (laufendes Verfahren vs. rechtskraeftig abgeschlossen)?
6. Gibt es Sperrwirkung nach BVerfG (z. B. nach Resozialisierungsgrundsatz)?
7. Pruefraster intern oder bereits Abmahnung / Klage?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- DSGVO Art. 17 - Recht auf Loeschung; Art. 18 Einschraenkung; Art. 21 Widerspruch.
- DSGVO Art. 85 - Medienprivileg; nationaler Umsetzungsspielraum.
- MStV §§ 9c-g und LDSG-Mediengesetze - Datenschutz-Regelungen fuer journalistisch-redaktionelle Telemedien.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht.
- BVerfG, st. Rspr. zum Resozialisierungsgrundsatz (Lebach-Entscheidung BVerfGE 35, 202; zur Pruefung am Wortlaut unter bundesverfassungsgericht.de).
- BGH-Rechtsprechung zu Suchmaschinen-Auslistung und Online-Archivpflege; Folgeentscheidungen nach EuGH Google Spain (C-131/12).
- UrhG § 51 - Zitatrecht (bei Anonymisierung von Zitierten).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Eingang.** Loeschungsbegehren protokollieren mit Datum und Frist (DSGVO: einen Monat zur Antwort, verlaengerbar).
2. **Pruefraster anwenden.**
- Tatsachenbehauptung oder Werturteil?
- Aktualitaet noch gegeben?
- Informationsinteresse (oeffentlich vs. privat)?
- Identifizierbarkeit zwingend?
- Medienprivileg einschlaegig?
3. **Abwaegung dokumentieren.** Pflicht zur Begruendung, auch bei Ablehnung.
4. **Optionen.**
- Loeschung des gesamten Beitrags (nur in seltenen Faellen).
- Anonymisierung (Initialen, generische Funktionsbeschreibung).
- Korrektur einzelner Passagen mit Versionierung.
- Ablehnung mit Begruendung; Hinweis auf Beschwerde und Klage.
5. **Datenbankanbieter informieren** (juris, beck-online): Aenderung muss in der Datenbank nachvollzogen werden.
6. **Backup-Pflichten.** Auch in internen Backups Anonymisierung sicherstellen, soweit zumutbar.
7. **Folgen kommunizieren.** Bei kompletter Loeschung Hinweisseite mit Datum.
8. **Archivierungsverpflichtungen** beruecksichtigen (Pflichtablieferung an Deutsche Nationalbibliothek; Loeschung dort nicht moeglich).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Loeschung | Anonymisierung | Ablehnung mit Begruendung |
|---|---|---|---|
| Datenschutz | Maximal | Hoch | Niedrig |
| Wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit | Verlust | Erhalten | Erhalten |
| Aufwand | Hoch (Backup, Cache) | Mittel | Niedrig |
| Folgerisiko | Niedrig | Mittel | Klage moeglich |
| Praezedenzwirkung | Stark | Mittel | Schwach |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Aktenzeichen sind im juristischen Beitrag essentiell - Anonymisierung nur als Initialen, nicht Streichung.
- Identifizierbarkeit pruefen: bei kleinen Faechern reicht oft die Funktionsbeschreibung.
- Lebach-Logik: Bei lang zurueckliegenden Strafverfahren und Resozialisierung Pflicht zur Anonymisierung.
- Pflichtexemplare an Deutsche Nationalbibliothek koennen nicht zurueckgezogen werden; dortige Anfrage sinnlos.
- Bei Anonymisierung Versionierung im System; Original im internen Archiv bleibt.
- Ablehnung mit Begruendung schriftlich; sonst erscheint sie als ignorierte Beschwerde.
- Eilbedarf bei einstweiliger Verfuegung - 24-Stunden-Eskalation an Justiziariat.
## Mustertexte / Vorlagen
**Empfangsbestaetigung Loeschbegehren**
```
Sehr geehrte Frau/Herr [Name],
wir haben Ihr Loeschungsbegehren vom [Datum] erhalten und bestaetigen
hiermit den Eingang.
Wir werden Ihre Anfrage innerhalb der gesetzlichen Frist von einem
Monat (DSGVO Art. 12 Abs. 3) pruefen. Bei besonderer Komplexitaet
behalten wir uns eine Fristverlaengerung um zwei Monate vor.
Bitte teilen Sie uns mit, an welche Adresse wir die Entscheidung
senden duerfen, falls abweichend von dieser E-Mail.
Mit freundlichen Gruessen
[Datenschutzbeauftragter / Verlag]
```
**Antwort mit Anonymisierung**
```
Sehr geehrte Frau/Herr [Name],
Ihr Loeschungsbegehren vom [Datum] zum Beitrag "[Titel]" haben wir
geprueft.
Eine vollstaendige Loeschung lehnen wir ab. Begruendung:
- Der Beitrag dient der wissenschaftlichen Aufbereitung von [...].
- Das oeffentliche Informationsinteresse ueberwiegt im Sinne von
DSGVO Art. 85 und der nationalen Mediengesetze.
Im Rahmen der Abwaegung haben wir jedoch beschlossen, im Beitrag
folgende Anonymisierungen vorzunehmen:
- Ihr Name wird durch Initialen ersetzt.
- Funktionsbezeichnung wird generisch.
- Wohnortangabe entfaellt.
Die Anonymisierung wird in der Online-Ausgabe und in den Datenbanken
[...] umgesetzt. Die Print-Ausgabe (Archiv und Pflichtexemplare)
bleibt unveraendert.
Gegen diese Entscheidung steht Ihnen das Recht auf Beschwerde bei
der zustaendigen Aufsichtsbehoerde (DSGVO Art. 77) und der Rechtsweg
offen.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Versionshinweis im Onlinearchiv**
```
AKTUALISIERUNGSHINWEIS
Diese Fassung wurde am [Datum] aktualisiert (Anonymisierungen
gemaess DSGVO Art. 17). Aenderungen im Vergleich zur Erstfassung
vom [Datum] betreffen ausschliesslich identifizierende Personen-
angaben. Inhaltliche Aenderungen wurden nicht vorgenommen.
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Loeschung ohne Pruefung des Medienprivilegs - Schaden fuer Archivlogik.
- Anonymisierung im Online-Volltext, aber nicht in der Datenbank - Inkonsistenz.
- Begruendung der Ablehnung fehlt - Beschwerde bei Aufsichtsbehoerde wahrscheinlich.
- Backup wird nicht angepasst - bei Restore wird Original wiederhergestellt.
- Frist von einem Monat verstrichen ohne Antwort - DSGVO-Verstoss.
- Loeschung mit Hinweis "wegen Loeschanspruch" ohne Datum - Streisand-Effekt.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung des Loeschbegehrens.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - DSGVO-Antwortfrist und Eilbedarf.
- `verl-richtigstellung-online-print` - bei Kombination Loeschung/Berichtigung.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Justiziariatspflicht.
- `verl-rueckruf-fehlerbeitrag-spaet-erkannt` - parallele Rueckrufmassnahme.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - bei KI-gestuetzter Personenanalyse.
## Quellen Stand 06/2026
- DSGVO Art. 12, 17, 18, 21, 77, 85 - Loeschung, Beschraenkung, Widerspruch, Beschwerde, Medienprivileg.
- MStV §§ 9c-g - Datenschutz fuer journalistisch-redaktionelle Telemedien.
- LDSG-Mediengesetze (z. B. NRW LMG) - jeweilige Landesfassung.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht.
- BVerfG, Lebach (Volltext unter bundesverfassungsgericht.de); aktuelle Anschluss-Rechtsprechung pruefen.
- EuGH C-131/12 (Google Spain) - Loeschung in Suchindex; nachfolgende Rechtsprechung.
- BGH-Rechtsprechung zur Online-Archivierung (Volltexte unter bundesgerichtshof.de).
@@ -0,0 +1,156 @@
---
name: verl-mahnung-an-autor-zahlung-frist
description: "Mahnung an Autor bei Rueckforderung von Vorschuss oder ueberzahltem Honorar: Stufenmodell, Nachfrist gemaess BGB § 286 und § 323, Verjaehrungspruefung, Mustertexte und gerichtliche Geltendmachung."
---
# Mahnung an Autor
## Worum geht es konkret
Der Verlag muss Geld vom Autor zurueckfordern: ueberzahlte Tantiemen (z. B. nach Retoure-Bereinigung), nicht abgegoltener Vorschuss bei Manuskript-Verzug, Rueckforderung wegen mangelhafter Werkleistung, doppelte Auszahlung. Der Skill beschreibt das Stufenmodell der Mahnung, die Anforderungen an einen Schuldnerverzug, die Verjaehrungspruefung und die gerichtliche Geltendmachung (Mahnbescheid, Klage).
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welche Forderung in welcher Hoehe (EUR, Faelligkeit, Rechtsgrund)?
2. Gibt es eine schriftliche Anerkennung (Vertrag, Abrechnung)?
3. Hat der Autor schon reagiert (gar nicht, Ablehnung, Teilzahlung, Vergleichsangebot)?
4. Verjaehrungslage (Frist nach BGB § 195 grundsaetzlich 3 Jahre)?
5. Ist der Autor Verbraucher oder Unternehmer (BGB § 13/14)?
6. Eilbedarf (Zahlungsunfaehigkeitsgefahr, Vermoegensverfall)?
7. Mahnung allein oder Eskalation an Inkasso / Justiziariat?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BGB § 286 - Schuldnerverzug; Mahnung erforderlich, soweit kein Termin nach dem Kalender bestimmt ist; nach 30 Tagen ab Faelligkeit Verzug ohne Mahnung bei Verbrauchern nur mit Hinweis nach BGB § 286 Abs. 3.
- BGB § 288 - Verzugszinsen: 5 Prozentpunkte ueber Basiszinssatz bei Verbrauchern, 9 Prozentpunkte ueber Basiszinssatz bei B2B.
- BGB § 195 - Regelverjaehrung 3 Jahre; Beginn nach BGB § 199.
- BGB § 812 - Rueckforderung wegen Bereicherung bei ueberzahlten Tantiemen.
- VerlG § 33 - Rueckforderung von Vorschuss bei Ruecktritt.
- ZPO §§ 688 ff. - Mahnverfahren; ZPO § 690 - Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids.
- BGB § 309 Nr. 5 - Pauschalierter Schadensersatz und Mahnkosten in AGB (AGB-Schranke!).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Forderung sauber ermitteln.** Hoehe, Faelligkeit, Rechtsgrund, Belege.
2. **Verjaehrungspruefung.** Wann begann die Verjaehrung? Drohen Massnahmen vor Jahresende?
3. **Erste Zahlungsaufforderung** (freundlich, ohne juristische Drohung). Frist 14 Tage.
4. **Zweite Zahlungsaufforderung** mit Nachfristsetzung gemaess BGB § 286. Ankuendigung der Verzugszinsen.
5. **Dritte Mahnung** - letzte Mahnung mit Ankuendigung gerichtlicher Schritte. Frist 14 Tage.
6. **Mahnbescheid (ZPO §§ 688 ff.)** beim Mahngericht (oertlich zustaendig nach Wohnsitz). Kosten gering, hemmt Verjaehrung.
7. **Bei Widerspruch:** Streitige Verfahren - Klage einreichen oder Klage abgeben.
8. **Vollstreckungsbescheid** bei keinem Widerspruch nach 2 Wochen; Titel fuer Zwangsvollstreckung.
9. **Parallel:** Vergleichsangebot pruefen (siehe `verl-vergleichsverhandlung-mit-autor`).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Schnelle gerichtliche Geltendmachung | Lange aussergerichtliche Mahnung |
|---|---|---|
| Verjaehrungssicher | Hoch | Niedrig |
| Beziehung zum Autor | Belastet | Geschont |
| Kosten | Vorab Mahn-/Gerichtskosten | Niedriger |
| Image | "Hartleibig" | "Geduldig" |
| Erfolgswahrscheinlichkeit | Hoch bei klarem Anspruch | Variabel |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Mahnbescheid kurz vor Verjaehrungsende einreichen, wenn der Autor nicht reagiert.
- Vorletzte Mahnung immer per Einschreiben - bei Bestreiten der Zustellung Beweis.
- Verzugszinsen nicht vergessen - die Buchhaltung uebersieht sie oft.
- Bei Verbraucher-Autor (Privatperson) Verzug erst nach Mahnung; bei B2B Schuldnerverzug 30 Tage nach Faelligkeit, auch ohne Mahnung (BGB § 286 Abs. 3).
- Mahnkosten als Pauschale (5 EUR Verbraucher, 40 EUR B2B nach BGB § 288 Abs. 5) sind zulaessig.
- Bei mehreren Forderungen: Tilgungsbestimmung (BGB § 366) klaeren, sonst Anrechnung auf aelteste.
## Mustertexte / Vorlagen
**Erste Zahlungsaufforderung**
```
Betreff: Zahlungsaufforderung - [Bezug, z. B. Rueckforderung Vorschuss]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
aus der mit Datum [...] vorgenommenen Abrechnung des Werks "[Titel]"
ergibt sich zu Ihren Lasten ein Saldo in Hoehe von EUR [Betrag].
Wir bitten Sie, den Betrag bis zum [Datum, 14 Tage] auf folgendes
Konto zu ueberweisen:
[Bankdaten]
Verwendungszweck: [Aktenzeichen]
Bei Fragen zur Abrechnung steht Ihnen [Ansprechpartner] zur
Verfuegung.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Mahnung mit Nachfristsetzung**
```
Betreff: Mahnung - Ihre Schuld in Hoehe von EUR [Betrag]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
trotz unserer Zahlungsaufforderung vom [Datum] ist der offene Betrag
in Hoehe von EUR [Betrag] bis heute nicht eingegangen.
Wir setzen Ihnen hiermit eine letzte Nachfrist bis zum [Datum,
14 Tage]. Sollte die Zahlung bis dahin nicht eingegangen sein, geraten
Sie in Schuldnerverzug (BGB § 286). Wir machen dann Verzugszinsen
in Hoehe von [9/5] Prozentpunkten ueber dem Basiszinssatz sowie
die Mahnpauschale von EUR [40/5] geltend.
Behalten Sie uns ueberdies die Einleitung des gerichtlichen
Mahnverfahrens vor.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Letzte Mahnung mit Ankuendigung des Mahnbescheids**
```
Betreff: Letzte Mahnung vor gerichtlichen Schritten
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
unsere Mahnung vom [Datum] ist unbeantwortet geblieben. Der offene
Betrag in Hoehe von EUR [Betrag] zuzueglich Verzugszinsen ist nach
wie vor nicht beglichen.
Wir setzen Ihnen letztmals eine Frist bis zum [Datum, 14 Tage].
Sollte die Zahlung bis dahin nicht erfolgen, werden wir ohne weitere
Ankuendigung einen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids (ZPO §§ 688 ff.)
beim zustaendigen Mahngericht einreichen. Die hierdurch entstehenden
Mehrkosten haben Sie dann zu tragen.
Wir empfehlen Ihnen, sich kurzfristig mit uns in Verbindung zu setzen.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Mahnung ohne klare Fristsetzung - kein Verzugseintritt.
- Verjaehrung uebersehen - Anspruch wird unerfuellbar (Einrede).
- Mahnpauschale falsch bemessen - Korrektur erforderlich.
- Mahnbescheid bei oertlich falschem Mahngericht - Verzoegerung.
- Doppelmahnung an verschiedene Adressen, ohne Tilgungsbestimmung.
- Bei juristischer Person als Autor (z. B. Sozietaet) falsche Empfaengerbezeichnung.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung der Forderung.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Verjaehrungs- und Verzugsampel.
- `verl-vorschuss-pruefung-buecher` - bei Vorschussrueckforderungen.
- `verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich` - bei ueberzahlten Tantiemen.
- `verl-vergleichsverhandlung-mit-autor` - aussergerichtliche Loesung.
- `verl-eskalation-bei-deadline-konflikt` - bei kombinierter Leistungs- und Zahlungsstoerung.
## Quellen Stand 06/2026
- BGB §§ 195, 199, 286, 288, 309 Nr. 5, 366, 812 - Verjaehrung, Verzug, Verzugszinsen, AGB-Schranke, Tilgungsbestimmung, Bereicherung.
- VerlG § 33 - Folgen Nichtlieferung; Rueckforderung Vorschuss.
- ZPO §§ 688-703d - Mahnverfahren, Vollstreckungsbescheid.
- Basiszinssatz (Deutsche Bundesbank, halbjaehrliche Anpassung) unter bundesbank.de.
@@ -0,0 +1,103 @@
---
name: verl-manuskript-merkwuerdige-formate-rettung
description: "Rettet Manuskripte aus DOCX-/Markdown-/LaTeX-Mix, alten Word97-Dateien und KI-generiertem Wust; legt saubere Konvertierungspfade fuer die Verlagsredaktion."
---
# Manuskript-Rettung aus merkwuerdigen Formaten
## Worum geht es konkret
Autorinnen und Autoren liefern selten in der Form, die der Verlag braucht. Dieser Skill hilft, ein Manuskript aus einem unsauberen Eingangsformat (alte Word-Datei, gemischtes DOCX/Markdown, LaTeX-Fragmente, exportiertes PDF, mit KI generierter Wust) in ein verlagstaugliches Arbeitsdokument zu ueberfuehren - ohne juristischen Substanzverlust und ohne Fundstellenzerstoerung.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn Sie das Manuskript geoeffnet haben und sehen: kaputte Anfuehrungszeichen, gemischte Bullet-Stile, eingefrorene Tabellen, "smart quotes" im Quelltext, Word-Felder mit fehlenden Verweisen oder offenkundige LLM-Artefakte (Drei-Strich-Listen, Halbsatzbruch nach jedem zweiten Absatz). Klaeren Sie kurz:
1. Welches Quellformat liegt vor (.doc, .docx, .odt, .md, .tex, .rtf, .pdf, gemischt)?
2. Welches Zielformat braucht die Produktion (Verlags-DOCX-Vorlage, InDesign-XML, LaTeX-Klasse, XML-Auszeichnung fuer Online-Kommentar)?
3. Sind im Quelltext aktive Verweise / Felder / Track-Changes / Kommentare zu erhalten?
4. Wie hoch ist der KI-Verdacht (gleichfoermiger Absatzrhythmus, fehlende Pinpoints, "in der Regel"-Floskeln)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Ein Manuskriptfile (auch zip mit Anhaengen).
- Verlagsvorlage (.dotx oder Style-Sheet).
- Hinweisliste vom Autor zu Spezialzeichen, Sonderschreibweisen, Logos.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Sicherungskopie ablegen.** Original nie ueberschreiben. Arbeitsdatei kopieren, Versionsstand im Dateinamen (`Mueller-Aufsatz_v1-eingang.docx`).
2. **Format identifizieren.** Bei .doc unbedingt einmal in LibreOffice oder Word neu als .docx speichern, bevor weitere Tools darauf zugreifen.
3. **Pipeline waehlen** (siehe Trade-off-Matrix).
4. **Erste Bereinigung**: doppelte Leerzeichen, harte Zeilenumbrueche im Fliesstext, falsche Anfuehrungszeichen, geschuetzte Leerzeichen vor Paragraphenzeichen (`§ 433 BGB` mit U+00A0).
5. **Strukturmarkierung**: Absatzformate auf Verlagsvorlage (`Standard`, `Ueberschrift 1-3`, `Fussnotentext`, `Zitat`).
6. **Fussnoten und Felder pruefen**: keine Word-Felder mit fehlendem Bezug, keine zerschossenen `\ref`. Bei LaTeX in DOCX: BibTeX-Quellen separat sichern.
7. **KI-Artefakte markieren**: gleichfoermige Absatzlaenge, fehlende konkrete Pinpoints, generische Formulierungen wie "in der Literatur wird vertreten" ohne Quelle. Markieren, nicht still loeschen.
8. **Auslieferung**: Arbeitsdatei + Logfile der Konvertierung an Lektorat. Im Logfile festhalten, welche Schritte automatisiert, welche manuell waren.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Pandoc-Pipeline | B: Manuelle Word-Reinigung | Empfehlung |
|------|--------------------|----------------------------|------------|
| Aufwand | gering bei sauberen Quellen | hoch | A wenn .md/.tex/.docx eindeutig |
| Risiko | Verlust von Sonderformaten | langsame Drift | B wenn Tabellen / Felder kritisch |
| Reproduzierbar | ja, Skriptbasis | nein | A bei Serienkonvertierung |
| KI-Verdacht | Pandoc loescht nichts | Lektorat kann markieren | B fuer redaktionelle Beurteilung |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Word97-Files immer zuerst neu speichern lassen - es spart eine Stunde Suche nach kaputten Feldern."
- Bei LaTeX-Mix immer pruefen, ob im Quelltext `\footnote{}` oder `\cite{}` zerschossen wurde - Suche nach `\cite{??}`.
- KI-Manuskripte erkennt man oft am gleichfoermigen Absatzrhythmus und an fehlenden Randnummern bei zitierter Rspr. Markieren mit `[KI-Verdacht: Quelle pruefen]`.
- Bei verschluesselten oder passwortgeschuetzten PDFs niemals raten - Autor anrufen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Anschreiben bei Format-Defekt:**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller, Ihr Manuskript zu "Drittwirkung der Grundrechte" ist am 12.06.2026 eingegangen. Bei der technischen Eingangspruefung sind uns folgende Punkte aufgefallen, die wir vor dem Lektorat bereinigen muessten: (1) gemischte Anfuehrungszeichen, (2) zerschossene Verweise in Fussnoten 14, 27 und 41, (3) Tabelle 2 auf S. 18 ist als Bild eingefuegt. Wir wuerden Schritt 1 und 2 inhouse bereinigen; fuer Schritt 3 bitten wir um die Originaltabelle als .xlsx bis 19.06.2026. Mit freundlichen Gruessen, Redaktion NJW
**Pandoc-Pipeline (Bash-Snippet):**
```
pandoc input.docx --from=docx --to=docx --reference-doc=verlagsvorlage.dotx -o output.docx
pandoc input.tex --from=latex --to=docx --bibliography=quellen.bib -o output.docx
```
**Konvertierungs-Logfile (Vorlage):**
```
Datei: Mueller-Aufsatz_v1.docx
Datum: 12.06.2026
Quellformat: .docx (Word 365)
Schritte:
- Neu gespeichert in Word 365 (Format-Sanity)
- Pandoc: docx -> docx mit Verlagsvorlage
- Manuell: 17 doppelte Leerzeichen entfernt
- Manuell: 4 KI-Verdachtsstellen markiert (Fn 12, 19, 31, 47)
- Manuell: Tabelle 2 angefordert
Output: Mueller-Aufsatz_v2-clean.docx
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Originaldatei ueberschrieben - Versionsstand weg.
- Automatische Korrektur loescht stillschweigend Sonderzeichen (z. B. `§`, `§` durch Encoding-Mix).
- KI-Stellen unkommentiert uebernommen - Quellenpflicht verletzt.
- PDF-Konvertierung mit OCR ohne Pruefung - falsche Zahlen in Aktenzeichen.
- Track-Changes vom Autor verworfen statt aufgeloest.
## Querverweise
- `workflow-dokumentenintake` - allgemeiner Intake-Workflow im Plugin.
- `workflow-kaltstart-und-routing` - fuer die erste Weiche.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - wenn das Manuskript ein Zeitschriftenaufsatz wird.
- `lektorat-struktur-redaktion` - Anschluss-Skill nach erfolgter Bereinigung.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - strenger Formatvorlagen-Check als naechster Schritt.
## Quellen Stand 06/2026
- Pandoc User Guide, [https://pandoc.org/MANUAL.html](https://pandoc.org/MANUAL.html) (Stand: laufend).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024, Kapitel "Anfuehrungszeichen, Bindestrich, Sonderzeichen".
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016, S. 23 ff. zur Konsistenz bei Pinpoints.
- UrhG, [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/) - Hinweis: bei Uebernahme fremder Tabellen / Grafiken aus PDF stets §§ 51, 63 UrhG pruefen.
@@ -0,0 +1,162 @@
---
name: verl-newsletter-redaktion-jur
description: "Newsletter-Redaktion juristisch: Konzept, Themenkasten, Empfaengerverwaltung nach DSGVO und UWG § 7, double opt-in, Mustertexte fuer wochen- und monatsweisen Versand."
---
# Newsletter-Redaktion juristisch
## Worum geht es konkret
Der Verlag betreibt einen oder mehrere Newsletter (Anwaltsbrief, Steuerletter, Update Mietrecht). Der Skill behandelt redaktionelle und rechtliche Pflichten: Themenmix, Anmeldung mit double opt-in, Impressum, Werbekennzeichnung, Abmeldelink, Datenschutzhinweise. Mit Mustertexten fuer Wochennewsletter, Monatsmagazin und Sonderausgabe.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Newsletter-Typ (woechentlich Curated, monatlich redaktionell, Sondernewsletter Eilthema, Buchempfehlung)?
2. Empfaengerverwaltung (eigenes Tool, Brevo, Mailchimp, CleverReach, Sendinblue)?
3. Anmeldung: double opt-in dokumentiert?
4. Wer ist redaktionell verantwortlich (V. i. S. d. P.)?
5. Sponsoring oder Anzeigen im Newsletter?
6. Welche Sprache (Du-Form, Sie-Form, Mischung)?
7. Versandtermin und Frequenz?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- UWG § 7 Abs. 2 Nr. 2 - Werbe-E-Mails nur mit vorheriger ausdruecklicher Einwilligung; Ausnahme § 7 Abs. 3 (bestehende Kundenbeziehung mit Hinweisrecht zur Abmeldung).
- DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. a - Einwilligung als Rechtsgrundlage; Art. 7 - Nachweisbarkeit; Art. 21 - Widerspruchsrecht.
- DDG § 5 - Impressumspflicht im Newsletter selbst (nicht nur auf Website).
- MStV § 18 - journalistische Sorgfaltspflicht.
- TTDSG / TDDDG § 25 - Einwilligung fuer Trackingpixel und Cookies.
- BGH zu double opt-in (BGH 10.02.2011 - I ZR 164/09); Bestaetigungsmail darf keine Werbung enthalten.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Anmeldung gestalten.** Klartext-Einwilligung, kein Vorhaken; Double-opt-in mit Bestaetigungsmail (rein technisch, keine Werbung).
2. **Empfaengerliste pflegen.** Nachweisbarkeit der Einwilligung pro Adresse (Zeitstempel, IP, Quelle).
3. **Themenmix entwickeln.** Standardrubriken (z. B. "Aktuelle Entscheidung", "Neuauflagen", "Veranstaltungstipp"); pro Ausgabe 5-7 Eintraege.
4. **Texte schreiben.** Eintrag aus drei Bausteinen: Hook (eine Zeile), Substanz (zwei bis vier Saetze, mit Quelle), Link (Volltext, Buch, Webinar).
5. **Impressum integrieren.** Im Footer jedes Newsletters, mit V. i. S. d. P., Anschrift, Vertretung.
6. **Abmeldelink** in jeder Ausgabe; Abmeldung mit einem Klick (BGH-Praxis).
7. **Werbekennzeichnung.** Anzeigen sichtbar als "Anzeige" markieren.
8. **Versand und Tracking.** Bei Tracking-Pixeln Einwilligung pruefen, alternativ trackingfrei versenden.
9. **Erfolgsmessung.** Open Rate, Klickrate, Abmeldequote; Abmeldequote > 1 Prozent ist Warnzeichen.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Woechentlich | Monatlich |
|---|---|---|
| Aktualitaet | Hoch | Mittel |
| Redaktionsaufwand | Hoch | Mittel |
| Empfaenger-Ermuedung | Risiko | Niedrig |
| Werbeertrag | Hoch | Mittel |
| Datenschutzrisiko | Symmetrisch | Symmetrisch |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Betreffzeile entscheidet ueber Open Rate; max. 50 Zeichen, konkret.
- Verzicht auf Personalisierung "Liebe Frau Mueller" wirkt seriaeser als Standard.
- Pflichtangaben Impressum nie im Bild verstecken (Spamfilter).
- Bestaetigungsmail des Double-opt-in beweissicher loggen (IP, Datum).
- Bei Eilthema (BGH-Aktuell) Sondernewsletter erlaubt, aber Frequenz im Anmeldeformular ausweisen.
- Abmeldelink ohne Login-Pflicht; sonst Abmahnungrisiko.
- Werbe-E-Mails nach UWG § 7 Abs. 3 (bestehende Kundenbeziehung) nur fuer aehnliche Produkte; bei Themenwechsel separate Einwilligung.
## Mustertexte / Vorlagen
**Anmeldeformular-Text**
```
Anmeldung Newsletter [Name]
Bitte tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein. Wir senden Ihnen
[Frequenz] redaktionell aufbereitete Hinweise zu [Themen].
[ ] E-Mail-Adresse:
[ ] Ich willige ein, dass [Verlag] mir Newsletter und Hinweise zu
eigenen Verlagsprodukten an die angegebene Adresse zusendet. Die
Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung fuer die Zukunft
widerrufen, ohne dass die Rechtmaessigkeit der bisherigen Daten-
verarbeitung beruehrt wird. Weitere Informationen in unserer
Datenschutzerklaerung [Link].
[Button: Anmelden]
Nach Eingang erhalten Sie eine Bestaetigungsmail mit Link zur
endgueltigen Anmeldung (Double-opt-in).
```
**Bestaetigungsmail Double-opt-in**
```
Betreff: Bitte bestaetigen Sie Ihre Newsletter-Anmeldung
Sehr geehrte Empfaengerin, sehr geehrter Empfaenger,
Sie haben sich am [Datum, Uhrzeit] fuer den Newsletter [Name] des
[Verlag] angemeldet. Bitte bestaetigen Sie Ihre Anmeldung mit Klick
auf folgenden Link:
[Bestaetigungslink]
Falls Sie sich nicht angemeldet haben, ignorieren Sie diese E-Mail.
Mit freundlichen Gruessen
[Verlag]
```
**Footer mit Impressum und Abmeldung**
```
Impressum
[Verlag] - [Anschrift] - [Telefon]
V. i. S. d. P.: [Name]
Handelsregister: [Eintrag]
USt-ID: [Nummer]
Datenschutzerklaerung: [Link]
Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie sich am [Datum] mit der
E-Mail-Adresse [...] angemeldet haben.
Abmelden: [Direktlink ohne Login]
```
**Beispiel-Eintrag im Newsletter**
```
[Rubrik: AKTUELLE ENTSCHEIDUNG]
BGH zur Vermieterhaftung bei Schimmel
Der BGH hat am [Datum] (Az. [...]) entschieden, dass [...]. Die
Entscheidung praezisiert die [Norm] und hat Folgen fuer [...].
Mehr im Volltext: [Link Pressestelle BGH]
Vertiefend im Verlag: [Buchempfehlung mit ISBN]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Single-opt-in statt double-opt-in - kein Beweis der Einwilligung.
- Werbe-Inhalt in Bestaetigungsmail - Verstoss gegen BGH-Praxis.
- Trackingpixel ohne TDDDG-Einwilligung.
- Abmeldelink mit Login-Pflicht oder Formular - faktische Verhinderung der Abmeldung.
- Impressum nur als Bild - Spamfilter und Barrierefreiheit.
- Empfaengerliste aus alten Datenbestaenden ohne Einwilligungsnachweis - DSGVO-Risiko.
- Sponsoring nicht als "Anzeige" markiert.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Newsletteranlasses.
- `marketing-presse-social` - Marketing-Gesamtkonzept.
- `verl-pressetext-rechtsthemen` - parallele PM-Strecke.
- `verl-social-media-rechtsfachzeitschrift` - parallele Social-Strecke.
- `verl-impressum-pflicht-und-pruefung` - Impressumspflicht im Newsletter.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - bei KI-gestuetzten Texten.
## Quellen Stand 06/2026
- UWG § 7 Abs. 2 Nr. 2, Abs. 3 - Werbe-E-Mails und Einwilligungspflicht.
- DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. a, Art. 7, Art. 21 - Einwilligung, Nachweis, Widerspruch.
- DDG § 5 - Impressumspflicht.
- TDDDG / TTDSG § 25 - Einwilligung fuer Tracking.
- MStV § 18 - journalistische Sorgfalt.
- BGH 10.02.2011 - I ZR 164/09 - Double opt-in (Volltext unter bundesgerichtshof.de und dejure.org).
@@ -0,0 +1,84 @@
---
name: verl-podcast-zu-zeitschriftenbeitrag
description: "Nutzt einen juristischen Podcast als Zitat- und Inhaltsquelle fuer einen Zeitschriftenbeitrag, klaert Verwertungsrechte und liefert ein zitierbares Belegformat."
---
# Podcast zu Zeitschriftenbeitrag
## Worum geht es konkret
Ein Podcast ist Quelle eines Beitrags - entweder weil der Autor selbst Podcast-Inhalte zu Text macht, oder weil eine Aussage aus einem fremden Podcast als Beleg in einem Aufsatz verwendet werden soll. Beides braucht eine saubere zitierfaehige Behandlung. Podcasts gelten urheberrechtlich als geschuetzte Werke; sie sind keine "freien" Internetquellen.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn ein Manuskript Podcast-Belege enthaelt oder ein Podcast als Hauptquelle verwertet werden soll. Klaeren Sie:
1. Eigener Podcast (Selbstverwertung) oder Fremdpodcast (Zitatschranke)?
2. Liegt das Transkript vor oder muss es erstellt werden?
3. Welche Episode genau, mit Datum, Folgennummer, Zeitstempel der Aussage?
4. Ist die Aussage essentiell fuer die These oder Schmuck?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Podcast-URL, Episodentitel, Veroeffentlichungsdatum.
- Transkript oder mindestens Zeitstempel.
- Sprecherbiografie (wer spricht, in welcher Funktion).
- Bei Eigenverwertung: Vereinbarungen mit Co-Sprechern.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Quellnachweis vollstaendig sichern.** Podcast-Titel, Folge, Datum, Plattform, URL, Zeitstempel der zitierten Aussage. URL stabil? RSS-Feed-Eintrag archivieren (z. B. Wayback Machine), weil Podcasts geloescht werden koennen.
2. **Zitatschranke § 51 UrhG pruefen** bei Fremdpodcast: Zitat dient einem inhaltlichen Bezug, nicht der Ausschmueckung; Umfang ist auf das Belegnoetige beschraenkt.
3. **Transkriptauszug** als Fussnotenbeleg, woertlich, mit Zeitstempel.
4. **Sprecher-Identifikation.** Bei mehreren Stimmen genau zuordnen; bei Gaesten Funktion benennen (z. B. "Vors. RiBGH a.D.").
5. **Inhaltliche Verarbeitung.** Aussage einordnen, nicht uebernehmen. Podcast-Aussagen sind oft pointiert; im Aufsatz muss die Aussage rechtsdogmatisch eingebettet werden.
6. **Falls eigener Podcast als Beitragsquelle**: Episoden gliedern, Hauptthese identifizieren, dann wie `verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag` weiterarbeiten.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Podcast als Beleg (Fußnote) | B: Podcast als Quelle (Beitrag) | Empfehlung |
|------|-------------------------------|--------------------------------|------------|
| Rechte | Zitatschranke | Verwertungsrecht des Sprechers | A bei Belegfunktion, B nur mit Vertrag |
| Aufwand | Stundenarbeit | Tage | A im Regelfall |
| Reproduzierbarkeit | Zeitstempel-Beleg | volles Transkript | beide brauchen Archivierung |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Podcast-Aussagen veralten schnell. Wer einen Podcast zitiert, sollte auch das Datum so verstehen, wie eine Rspr.-Aenderung sie ueberholen kann."
- Bei Fremdpodcasts den Anbieter / die Sprecherin informieren - das schafft Akzeptanz, ist aber rechtlich bei Zitat nach § 51 UrhG nicht zwingend.
- Bei langen Podcasts (zwei Stunden +) im Beleg die Episodenkapitelmarke nutzen, nicht nur die Sekunde.
- Bei juristischen Podcasts oft Diskrepanz zwischen ausgestrahlter Aussage und spaeterer Praezisierung des Sprechers - im Zweifel Ruecksprache.
## Mustertexte / Vorlagen
**Fussnoten-Vorlage fuer Podcast-Zitat:**
> Schmidt, "Diskussion zur 3-Saeulen-Regel", in: Podcast "Strafrecht aktuell", Folge 47, 12.05.2026, Min. 18:33, abrufbar unter [URL], zuletzt abgerufen am 02.06.2026.
**Klaerungs-Email an Sprecher (bei Fremdpodcast):**
> Sehr geehrte Frau Schmidt, wir wuerden Ihre Aussage aus Folge 47 Ihres Podcasts "Strafrecht aktuell" vom 12.05.2026 (Min. 18:33 ff.) als Zitatbeleg in einem Aufsatz fuer die NJW verwerten. Das Zitat lautet woertlich: "[Zitat]". Wir stuetzen uns auf § 51 UrhG. Eine kurze Bestaetigung Ihrerseits, dass Sinn und Aussage zutreffend wiedergegeben sind, waere uns hilfreich.
## Typische Fehler / Pitfalls
- URL ohne Archivierung - Folge verschwindet.
- Zeitstempel falsch - das Zitat ist im Beleg nicht mehr auffindbar.
- Sprecher falsch zugeordnet (mehrere Stimmen, Schnellschnitt).
- Aussage aus dem Kontext gerissen - § 51 UrhG verlangt sachgemaesse Wiedergabe.
- Pointierte Podcast-Aussagen als rechtsdogmatische Position behandelt.
## Querverweise
- `verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag` - direkter Schwester-Skill fuer eigene Audioquellen.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - Quellenpruefung allgemein.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - § 51 UrhG vertieft.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `workflow-dokumentenintake` - Intake-Workflow.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG § 51 (Zitatschranke), § 63 (Quellenangabe), [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- KUG § 22 fuer Persoenlichkeitsrecht.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Wayback Machine, [https://web.archive.org](https://web.archive.org), fuer URL-Archivierung.
@@ -0,0 +1,91 @@
---
name: verl-powerpoint-verwurstung-zu-text
description: "Macht aus einer schlechten Vortrags-PPT einen Fliesstextbeitrag fuer Fachzeitschrift oder Tagungsband, ohne Bullet-Wuesten und mit Quellenrekonstruktion."
---
# Powerpoint-Verwurstung zu Text
## Worum geht es konkret
Der haeufige Fall: Ein Autor liefert "den Vortrag" als .pptx mit 60 Folien, drei Stichworten pro Folie und teilweise eingebundenen Grafiken. Sie sollen daraus einen Fliesstext machen. Das ist Kompositionsarbeit, kein blosses Abtippen.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn .pptx als einzige Quelle vorliegt. Klaeren Sie:
1. Gibt es eine Audio-Aufzeichnung des Vortrags zusaetzlich (dann zuerst transkribieren)?
2. Hat der Autor Notizen in den Notizenseiten gespeichert (oft unsichtbare Goldgrube)?
3. Welche Folien tragen Eigenleistung, welche sind aus Kommentaren / Aufsaetzen uebernommen (Rechte)?
4. Welches Zielformat (Zeitschriftenbeitrag, Tagungsbericht, Whitepaper)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- .pptx mit Folien und Notizen.
- Vortragsdatum, Veranstaltung.
- Skript / Manuskript, falls vorhanden.
- Audiomitschnitt, falls vorhanden.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Notizenseiten zuerst.** Oft steckt dort der Volltext oder die Stichworte des Vortragenden. PowerPoint -> Datei -> Exportieren als Handzettel mit Notizen oder Pandoc.
2. **Gliederung extrahieren.** Folien-Titel als Gliederungsskelett. Erste Diagnose: passt die Reihenfolge fuer Fliesstext?
3. **Bullets in Fliesstext aufloesen.** Jeder Bullet wird ein Satz oder Halbsatz, nicht ein Aufzaehlungspunkt. Wo Bullets keinen Inhalt tragen, Autor fragen.
4. **Grafiken pruefen.** Stammen sie vom Autor (Eigenproduktion mit Quellangabe) oder aus Drittquellen? Bei Drittgrafiken sofort Rechtecheck.
5. **Quellenangabe rekonstruieren.** PPT enthaelt selten Pinpoints. Pinpoint-Auftrag an Autor zurueckspielen.
6. **Schluss und Einleitung schreiben.** Vortraege beginnen oft mit "Vielen Dank fuer die Einladung", enden mit "Vielen Dank fuer Ihre Aufmerksamkeit". Beides streichen, durch echte Einleitung und Ergebnis ersetzen.
7. **Erste Schriftfassung an Autor.** Markieren, wo Sie aus eigener Kompositionsleistung formuliert haben, damit der Autor freigeben kann.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: PPT eng nachbauen | B: PPT als Inspiration, frei schreiben | Empfehlung |
|------|----------------------|----------------------------------------|------------|
| Treue zur Vorlage | hoch | niedrig | A bei wissenschaftlich strenger Vortragsdokumentation |
| Lesbarkeit | schlecht (Bullet-Charakter bleibt) | gut | B fuer Fachzeitschrift |
| Autorenfreigabe | leichter | aufwendiger | A bei wenig Autorenzeit |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Die besten Vortrags-PPTs haben den Vortragstext in den Notizenseiten. Bei den schlechtesten hat der Vortragende frei gesprochen und nichts notiert - dann ohne Audio keine Chance."
- Folien-Reihenfolge ist nicht zwingend die Argumentationsfolge fuer Fliesstext - Gliederung neu denken.
- Bei vielen Schaubildern: ein Schaubild pro 3-5 Seiten Text ist sinnvoll, mehr ueberfordert die Druckseite.
- Animationen / Build-ups gehen im Text verloren; bei tragenden Buildups (z. B. schrittweise Schema-Aufbau) muss die Schrittlogik im Text erklaert werden.
## Mustertexte / Vorlagen
**Rueckmeldung an Autor nach PPT-Verwertung:**
> Sehr geehrte Frau Dr. Kollegin, wir haben Ihre Vortrags-PPT vom 12.05.2026 in eine Fliesstextfassung ueberfuehrt (Anlage, rund 24.000 Zeichen). Bei der Aufloesung der Bullets haben wir an 18 Stellen Pinpoints (Randnummern, Aktenzeichen, Seitenangaben) zu konkretisieren - markiert mit `[Quelle?]`. Drei Grafiken (Folie 12, 23, 41) konnten wir nicht zuordnen - sind das Ihre Eigengrafiken oder uebernommen? Bitte Freigabe und Pinpoints bis 26.06.2026.
**Konvertierungs-Checkliste:**
- [ ] Notizenseiten exportiert
- [ ] Gliederungsskelett aus Folientiteln
- [ ] Bullets aufgeloest
- [ ] Grafiken: Rechte geklaert
- [ ] Pinpoints angefordert
- [ ] Begruessungs-/Dankesfloskeln entfernt
- [ ] Einleitung und Schluss neu
## Typische Fehler / Pitfalls
- Notizenseiten uebersehen.
- Bullets 1:1 als Aufzaehlungen ueberfuehrt - Lesefluss zerstoert.
- Grafiken eingebaut ohne Rechtepruefung.
- "Vielen Dank fuer Ihre Aufmerksamkeit" als Schluss im Heft.
- Eigene Kompositionsleistung des Lektorats nicht markiert - Autor zeichnet Saetze ab, die nicht von ihm sind.
## Querverweise
- `verl-audio-transkript-zu-fachbeitrag` - wenn Audio mitgeliefert wurde.
- `verl-konferenzmitschnitt-zu-tagungsbericht` - wenn aus Vortrag ein Tagungsbericht wird.
- `bildrechte-grafiken-tabellen` - fuer Grafiken aus der PPT.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - fuer Pinpoint-Aufbau.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 51, 63, [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022, zum Aufloesen von Stichwortketten in Fliesstext.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,158 @@
---
name: verl-pressetext-rechtsthemen
description: "Pressetext zu Rechtsthemen: Schreibanleitung fuer Verlagspressemitteilung zu neuem Buch oder neuer Entscheidung. Mustertexte fuer Fachpresse und allgemeine Medien mit Sperrfrist."
---
# Pressetext zu Rechtsthema
## Worum geht es konkret
Der Verlag bringt ein neues Buch, eine neue Auflage oder einen aktuellen Aufsatz mit relevanter Stossrichtung. Der Skill liefert ein Schreibmuster fuer den Pressetext, der gleichzeitig juristisch korrekt, journalistisch lesbar und marketingwirksam sein soll. Inklusive Differenzierung: Pressemitteilung an Fachpresse (NJW, ZRP, JuS) versus allgemeine Medien (FAZ, SZ, dpa).
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Was wird angekuendigt (Buchneuerscheinung, Neuauflage, Aufsatzhighlight, Konferenz)?
2. Adressat (Fachpresse, Tagespresse, Lokalpresse, Wirtschaftsmedien, Branchendienste)?
3. Wann Erscheinung, ab wann darf berichtet werden (Sperrfrist)?
4. Welcher Autor steht zur Verfuegung fuer Interviews und Statements?
5. Welche Kernbotschaft soll haengen bleiben (ein Satz, eine Zahl, ein Fall)?
6. Pressefoto vorhanden, Bildrechte geklaert?
7. Welches Boilerplate des Verlags ist Standard?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- DDG § 5 - Impressumspflicht; auf der Pressemitteilung das verantwortliche Impressum des Verlags.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht bei Pressefotos (Einwilligung Autor, Aufnahmedatum).
- UrhG §§ 51, 51a - Zitatrecht bei Auszuegen aus dem Werk; Zitatumfang nicht ueberschreiten.
- Pressekodex des Deutschen Presserats - journalistische Sorgfalt, Trennung Werbung/Redaktion (Ziffer 7).
- UWG §§ 5, 5a - Verbot irrefuehrender Werbung; bei marktbezogenen Aussagen wichtig.
- Buchpreisbindungsgesetz - bei Preisangabe in Pressemitteilungen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Kernbotschaft formulieren.** Ein Satz, der die News zusammenfasst. Wer? Was? Warum jetzt?
2. **Pyramide bauen.** Headline - Lead (3 Saetze, fuenf W) - Vertiefung - Zitat - Hintergrund - Boilerplate.
3. **Differenzieren nach Adressat.**
- Fachpresse: juristische Genauigkeit, Norm- und Az.-Angaben.
- Tagespresse: Alltagsbeispiel, Folgen fuer den Buerger, keine Fachsprache.
4. **Zitat des Autors einbauen.** Ein zwei- bis dreisaetziger O-Ton; vorab mit Autor freigeben.
5. **Sperrfrist setzen** ("Sperrfrist: [Datum], 0 Uhr"). Bei Datenbankplatzierung Embargo bei Anbietern.
6. **Faktencheck.** Aktenzeichen, Datum, Auflagen, Preis pruefen.
7. **Pressefoto und Cover.** Hochaufloesend (300 dpi, mindestens 1500 px), Lizenz im Header der E-Mail.
8. **Verteiler.** Justierte Adresslisten, nicht "alle". Beim Boomerang-Effekt am Vortag verschicken.
9. **Nachfass.** Nach 48 Stunden Anruf bei den drei wichtigsten Medien.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Fachpresse | Tagespresse |
|---|---|---|
| Tonalitaet | Sachlich, normbezogen | Bildhaft, alltagsbezogen |
| Laenge | 2500-3500 Zeichen | 1500-2000 Zeichen |
| Quellen | Aktenzeichen, Fundstellen | Verweis auf Fall, Folgen fuer Lesende |
| Sperrfrist | Hoch beachten | Pragmatisch |
| Bildmaterial | Cover, Portraet | Cover, Portraet, Symbol |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Headline darf keine Frage sein - schlechte Klickrate.
- Lead-Satz unter 30 Woertern.
- Zitat des Autors authentisch klingen lassen, nicht "Werbedeutsch".
- Bei BGH-Aktualitaet: Verweis auf vollstaendiges Az. und Datum; sonst greifen Journalistinnen ins Leere.
- Vermeiden: "endlich", "revolutionaer", "umfassend" - juristische Fachpresse lacht.
- Bei Tagespresse-PM: "Was bedeutet das fuer die Vermieterin / den Verbraucher" als Frame.
- Buchpreisbindung: Preisangabe genau; "ab 39 Euro" geht nicht.
## Mustertexte / Vorlagen
**Pressemitteilung Buchneuerscheinung (Fachpresse)**
```
PRESSEMITTEILUNG
Sperrfrist: [Datum], 0 Uhr
Neuauflage des Standardkommentars [Titel]
Anpassung an [Reform/Gesetz/EuGH-Entscheidung]
[Ort], [Datum] - Der [Verlag] legt die [n]. Auflage des Standard-
kommentars "[Titel]" vor. Die Neuauflage beruecksichtigt die
[Gesetzesreform vom Datum / EuGH-Entscheidung Az. ...] und arbeitet
die seit der Vorauflage erschienene Rechtsprechung des BGH ein.
Der Kommentar erlaeutert in [n] Randnummern die [Norm/Gesetz] mit
Schwerpunkt auf [Praxisfeld]. Neu eingearbeitet sind insbesondere:
- [Punkt 1, mit Norm- und Az.-Angabe]
- [Punkt 2]
- [Punkt 3]
"[O-Ton Autor, 2-3 Saetze zur Stossrichtung der Neuauflage]",
sagt [Name, Funktion].
Das Werk richtet sich an Rechtsanwaeltinnen und Rechtsanwaelte,
Richterinnen und Richter sowie [...].
Bibliografie
[Autor]: [Titel]. [n]. Auflage 2026. [Seiten] S., gebunden,
EUR [Preis]. ISBN [Nummer].
Verlagsboilerplate
[Standardtext zum Verlag, 3-4 Saetze]
Pressekontakt
[Name, Funktion]
[E-Mail, Telefon]
```
**Pressemitteilung Tagespresse (Aktuelles Urteil)**
```
PRESSEMITTEILUNG
[Datum]
Was das neue BGH-Urteil fuer Mieterinnen und Mieter bedeutet
Neuer Kommentar im Verlag [...] erlaeutert die Folgen
[Ort], [Datum] - Das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs vom
[Datum] (Az. [...]) hat unmittelbare Folgen fuer [zwoelf Millionen
Mieterinnen und Mieter / die Praxis der Vermietung]. Der Kommentar
"[Titel]" der Autorin [Name] (Verlag [...]) ordnet die Entscheidung
ein und gibt praktische Hinweise.
[Drei Saetze zum Sachverhalt der BGH-Entscheidung in
Alltagssprache.]
"[O-Ton Autor, 2-3 Saetze, alltagsnah]", erklaert [Name].
Der Kommentar erscheint am [Datum] und kostet EUR [Preis] (ISBN
[Nummer]).
Pressekontakt
[Name]
[Kontakt]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Fachpresse-PM an Tagespresse - landet im Papierkorb.
- Boilerplate vergessen oder veraltet.
- Bildrechte am Pressefoto nicht geklaert - Abmahngefahr.
- Preisangabe falsch oder gerundet.
- O-Ton ohne Freigabe des Autors verschickt.
- Sperrfrist gesetzt, aber an einzelne Medien zu frueh - Vertrauensbruch.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des PR-Anlasses.
- `marketing-presse-social` - Marketing-Gesamtkonzept.
- `verl-social-media-rechtsfachzeitschrift` - parallele Social-Media-Verwertung.
- `metadaten-seo-klappentext` - Konsistenz Klappentext/PM.
- `verl-impressum-pflicht-und-pruefung` - Impressum auf der PM.
## Quellen Stand 06/2026
- DDG § 5 - Impressumspflicht fuer Pressemitteilungen mit eigener Domain.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht.
- UrhG §§ 51, 51a - Zitatrecht.
- Buchpreisbindungsgesetz - Preisangabe.
- UWG §§ 5, 5a - Irrefuehrungsverbot.
- Pressekodex des Deutschen Presserats (presserat.de), aktuelle Fassung.
@@ -0,0 +1,108 @@
---
name: verl-rechtschreibung-amtlich-aktuell
description: "Prueft die amtliche deutsche Rechtschreibung in Verlagsmanuskripten nach dem aktuellen Duden-Stand und dem amtlichen Regelwerk inklusive Eigennamen und Sondereinrichtungen."
---
# Rechtschreibung amtlich-aktuell
## Worum geht es konkret
Die amtliche deutsche Rechtschreibung wird vom Rat fuer deutsche Rechtschreibung gepflegt; der Duden bildet sie ab. Juristische Texte enthalten daneben Eigennamen (BGH, BVerfG, FG, OVG), Sondereinrichtungen (Paragraphenzeichen mit geschuetztem Leerzeichen), historische Schreibungen und Latinismen, die korrekt zu behandeln sind. Dieser Skill ist die saubere Rechtschreibpruefung fuer juristische Verlagstexte.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn als Endkorrekturlauf vor dem Druck und als Grundsatzlauf nach inhaltlichem Lektorat. Klaeren Sie:
1. Welcher Rechtschreibstand (Duden 29. Aufl. 2024 ist aktuell)?
2. Hausregel-Abweichungen (z. B. Hausschreibung "Bundesgerichtshof" vs. "BGH" bei Erstnennung)?
3. Inhaltsbereiche mit Latinismen, Anglizismen, juristischen Fachtermini?
4. Eigennamen mit Sonderschreibungen?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript im finalen Stand (nach Lektorat).
- Hauseigener Stilkatalog oder Verlagsschreibung.
- Aktueller Duden / amtliches Regelwerk.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Tool-gestuetzte Vorpruefung.** Word-Rechtschreibung oder LanguageTool (lokal, datenschutzkonform). Tool-Vorschlaege niemals stillschweigend annehmen.
2. **Manuelle Durchsicht** auf typische Stolperfallen:
- dass / das, der / die / das im Relativsatz.
- Bindestriche bei Komposita ("KI-Verordnung" vs. "KI Verordnung").
- Eszett (ß) vs. Doppel-s ("dass", "Verfasser", "Strafprozess" - reformierte Schreibung).
- Anfuehrungszeichen deutsch (unten/oben) oder englisch je nach Hausnorm.
- Auslassungspunkte als Sonderzeichen ".." vs. "...".
3. **Eigennamen.** BGH, BVerfG, FG, OVG, EuGH - immer mit Punkt? Mit Bindestrich? Mit Leerzeichen? Hausregel.
4. **Latinismen und Anglizismen.** "in dubio pro reo" kursiv? "Compliance" mit grossem oder kleinem C im Fliesstext?
5. **Konsistenz quer durchs Manuskript.** Wenn S. 3 "KI-Regulierung", dann nicht S. 12 "KI Regulierung".
6. **Stop-Liste.** Bei laengeren Manuskripten: Liste der typischerweise problematischen Begriffe systematisch pruefen.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Tool-Pruefung + manuelle Stichprobe | B: Vollstaendige manuelle Durchsicht | Empfehlung |
|------|----------------------------------------|--------------------------------------|------------|
| Aufwand | gering | hoch | A im Regelfall |
| Fehlerquote | mittel | gering | B bei Aufmacher/Festschrift |
| Tool-Datenschutz | LanguageTool lokal: OK | manuell: trivial | A wenn Tool lokal |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "dass / das ist die haeufigste Fehlerquelle in juristischen Texten - immer eigens darauf achten."
- Bindestrich-Komposita: "EU-Recht" mit Bindestrich, "EU-Recht-Studium" mit zwei.
- Bei "Verfasserin" (mit ß) vs. "Verfasser": Reform hat hier ß als ss erhalten - vorsichtshalber pruefen.
- Sonderzeichen vom Verlag vorgegeben: § mit geschuetztem Leerzeichen davor (sonst Umbruch zwischen § und Norm), Auslassungspunkte als ein Zeichen.
- Bei Hausregel "Bundesgerichtshof bei Erstnennung, danach BGH" konsequent.
## Mustertexte / Vorlagen
**Stop-Liste juristische Texte (Vorschlag):**
```
dass / das im Relativsatz
sodass / so dass (Hauptregel: zusammen "sodass"; Duden empfiehlt zusammen)
Wahrnehmung (mit h, nicht "Warnehmung")
Verschwiegenheit / Vertraulichkeit
sodann / so dann
Compliance (gross im Substantivgebrauch)
in dubio pro reo (kursiv)
ad hoc (Schreibweise, nicht "ad-hoc")
Bundesgerichtshof bei Erstnennung
KI-Verordnung (Bindestrich)
DSGVO-konform (Bindestrich)
```
**Rueckmeldungs-Anschreiben (Rechtschreibung):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Schmidt, bei der amtlichen Rechtschreibpruefung Ihres Aufsatzes haben wir 14 Befunde markiert (siehe Anlage). Davon sind 9 Korrekturen zwingend (dass / das, Bindestrich-Komposita), 5 stilistische Empfehlungen (Anfuehrungszeichen-Vereinheitlichung). Bitte Freigabe / Korrektur bis 19.06.2026.
**Konsistenz-Beispiel:**
| Begriff | S. 3 | S. 12 | S. 24 | Konsistenz |
|---------|------|-------|-------|------------|
| KI-Verordnung | "KI-VO" | "KI-VO" | "KI Verordnung" | nein, Korrektur S. 24 |
| Bundesgerichtshof | voll | "BGH" | "BGH" | OK |
## Typische Fehler / Pitfalls
- Tool-Vorschlaege stillschweigend angenommen - Tool kennt juristische Eigennamen nicht.
- "dass / das" durchgaengig falsch - peinlich.
- Bindestrich-Inkonsistenz quer durchs Manuskript.
- Anfuehrungszeichen gemischt deutsch/englisch.
- Sonderzeichen § ohne geschuetztes Leerzeichen - Umbruch in der Fahne.
## Querverweise
- `verl-grammatik-konsistenzcheck` - Grammatik und Stil.
- `verl-stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift` - Stilbrueche.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - Format-Check.
- `satzfahne-korrekturlauf` - finale Fahnenpruefung.
- `sprachlektorat-stil-tonalitaet` - Sprache und Tonalitaet.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024 (Hauptquelle).
- Rat fuer deutsche Rechtschreibung, Amtliches Regelwerk, [https://www.rechtschreibrat.com](https://www.rechtschreibrat.com).
- LanguageTool (Open Source), [https://languagetool.org](https://languagetool.org).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016 (fuer Sonderzeichen-Disziplin).
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,116 @@
---
name: verl-redaktionelle-rueckmeldung-formulieren
description: "Formuliert Autoren-Rueckmeldungen kollegial und praezise: trennt klar Stops von Wuenschen vermeidet Praedigtton und gibt der Autorin handhabbare Aufgaben."
---
# Redaktionelle Rueckmeldung formulieren
## Worum geht es konkret
Eine Rueckmeldung an eine Autorin entscheidet ueber die naechste Manuskriptqualitaet und ueber die Beziehung. Schlecht formuliert ist sie patronisierend, unklar, ueberfordernd. Gut formuliert ist sie ein Arbeitsauftrag: was muss zwingend geaendert werden (Stop), was sollte (wuenschenswert), was bleibt als Anregung. Dieser Skill ist die Vorlage fuer kollegial-praezise Rueckmeldungen.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn immer dann, wenn Sie nach Pruefungen (Format, Zitiernorm, Stil, Aussagensicherheit) eine Befund-Rueckmeldung an die Autorin geben. Klaeren Sie:
1. Verhaeltnis zur Autorin (langjaehrig, neu, schwierig)?
2. Frist fuer die Ueberarbeitung?
3. Anzahl der Befunde (10? 50? 100?)?
4. Welche Befunde sind Stops, welche Wuensche?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Befundtabellen aus den vorgelagerten Pruefungen.
- Manuskript-Versionsstand.
- Heftplanung mit Endabgabefrist.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Sortieren** in drei Kategorien:
- **Stop:** muss zwingend behoben werden (z. B. fehlender Pinpoint, Mandantenname).
- **Wuenschenswert:** sollte behoben werden (z. B. Stoerwoerter, Synonyme).
- **Anregung:** kann behoben werden (z. B. zusaetzlicher Beleg).
2. **Briefaufbau:**
- Dank fuer das Manuskript, kurzes Statement zum Inhalt (was traegt!).
- Befund-Aufbau in drei Bloecken: Stops zuerst, dann Wuensche, dann Anregungen.
- Frist mit Datum.
- Angebot zur Klaerung (Telefon, Mail, Termin).
3. **Tonalitaet.** Sie-Form, kollegial, kein Praedigtton. Kritik in der Sache, nicht an der Person.
4. **Konkretheit.** Pro Befund: Stelle (Seite, Zeile, Fn.), Befund in einem Satz, Vorschlag in einem Satz.
5. **Frist realistisch.** Bei vielen Befunden: 2-4 Wochen. Bei wenigen: 1 Woche.
6. **Verbleib offen markieren.** "Bei Rueckfragen erreichen Sie mich unter ..." - statt geschlossener Anweisung.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Mail mit Befundtabelle als Anlage | B: Komplette Rueckmeldung im Mailtext | Empfehlung |
|------|---------------------------------------|----------------------------------------|------------|
| Uebersicht | hoch | mittel | A bei vielen Befunden |
| Lesbarkeit Mail | hoch | gering | A im Regelfall |
| Aufwand | mittel | gering | A bei substanziellen Pruefungen |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Beginnen Sie mit einem ehrlichen Lob - was traegt? Das oeffnet die Tuer fuer die Kritik."
- Nie mehr als 20 Befunde in einer Rueckmeldung. Wenn mehr noetig, in zwei Runden.
- Stops sind nicht verhandelbar, Wuensche sind es. Das klar kommunizieren.
- Frist immer mit Datum, nicht "zeitnah" oder "moeglichst bald".
- Bei renommierten Autorinnen umso konkreter und sachlicher - die merken Schwammigkeit sofort.
## Mustertexte / Vorlagen
**Standard-Rueckmeldung (Vorlage):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller,
>
> vielen Dank fuer Ihr Manuskript "[Titel]", das uns am 02.06.2026 erreicht hat. Wir freuen uns ueber den geplanten Beitrag und insbesondere ueber Ihre praezise Auseinandersetzung mit der EuGH-Linie zur Plattformhaftung.
>
> Nach Format-, Zitier-, Stil- und Inhalts-Pruefung haben wir folgende Befunde:
>
> **Stops (zwingend, vor Annahme zu behoeben):**
> 1. Fussnote 17: BGH-Zitat ohne Az. - bitte ergaenzen.
> 2. S. 12: Mandantenbezug - bitte schriftliche Mandantenfreigabe oder Anonymisierung.
> 3. S. 18: Tatsachenbehauptung zur BAFin ohne Beleg - bitte Quelle.
>
> **Wuenschenswert:**
> 4. S. 3: "Plattformanbieter" / "Plattformbetreiber" - bitte einheitlich.
> 5. 7 Stilstellen (siehe Anlage Stoerwortliste).
>
> **Anregungen:**
> 6. Aufnahme der Schlussantraege EuGH C-...../25 (in der Anlage verlinkt).
>
> Ueberarbeitete Fassung bitte bis **19.06.2026**. Bei Rueckfragen erreichen Sie mich unter ...
>
> Mit kollegialen Gruessen
> [Name], Schriftleitung [Zeitschrift]
**Befund-Klassifikations-Tabelle:**
| Kategorie | Wirkung | Beispiele |
|-----------|---------|-----------|
| Stop | Druck ausgeschlossen | fehlende Az., Mandantenname, Tatsachenbehauptung ohne Beleg |
| Wuenschenswert | Druck moeglich, Qualitaetseinbusse | Stoerwoerter, Synonyme, Inkonsistenzen |
| Anregung | bessere Fassung | zusaetzliche Belege, weiterfuehrende Hinweise |
## Typische Fehler / Pitfalls
- Vermischung Stop / Wunsch - Autorin behebt nur die Stops und ignoriert die Wuensche.
- Praedigtton ("Sie sollten doch wissen ...") - verbrennt die Beziehung.
- Frist "zeitnah" - bleibt unverbindlich.
- Befunde ohne Stelle (Seite, Zeile) - Autorin findet sie nicht.
- Keine Anlauf-Option ("bei Rueckfragen ...") - keine Kommunikationsoeffnung.
## Querverweise
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - Format-Befunde.
- `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw` - Zitier-Befunde.
- `verl-stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift` - Stil-Befunde.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - Aussage-Befunde.
- `autorenkommunikation-email` - generelle Autoren-E-Mail-Kommunikation.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Allgemeine Korrespondenzregeln: keine spezifische juristische Quelle erforderlich.
- BRAO § 43a Abs. 2 (bei Mandantenfreigabe).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,107 @@
---
name: verl-redaktionsmemo-jahresplanung
description: "Erstellt das Jahresheft-Planungsmemo einer juristischen Fachzeitschrift mit Themenarchitektur, Heftfolge, Autorenstrategie und Risikoreserven."
---
# Redaktionsmemo Jahresplanung
## Worum geht es konkret
Einmal jaehrlich plant die Schriftleitung einer juristischen Fachzeitschrift das kommende Jahr: Welche Schwerpunktthemen werden gesetzt? Welche Aufmacher sind quartalsweise geplant? Welche Autorinnen werden adressiert? Welche Reserve fuer ueberraschende Rspr.? Das Redaktionsmemo Jahresplanung ist das Dokument, das diese Architektur sichtbar macht.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn jaehrlich (typisch September/Oktober fuer das Folgejahr) oder bei Strategiewechseln. Klaeren Sie:
1. Welche Zeitschrift, welche Zielgruppe, welcher Heftumfang pro Ausgabe?
2. Welcher Heftrhythmus (woechentlich NJW, monatlich JuS, vierteljaehrlich)?
3. Welche Schwerpunktreihen bestehen schon ("Aktuell zu ..."), welche werden neu?
4. Welche bestehenden Verpflichtungen / Verlagsplanungen (Festschriften, Jubilaeen)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Heftarchiv letzte 24 Monate (was war stark, was schwach?).
- Themenpool aus Themenscout.
- Autorenverzeichnis mit Verfuegbarkeit und Schwerpunktgebiet.
- Vertriebs-/Marketing-Hinweise (welche Themen verkaufen Abos?).
- Eigene Reihenuebersichten (z. B. "Aktuelle Rspr. zum BGB AT").
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Strategiekern definieren.** Was ist die Identitaet des Heftes im kommenden Jahr (3-5 Saetze)?
2. **Themen-Architektur in 3 Ebenen:**
- **Ebene 1 (Konstanten):** Reihen, die jedes Heft fortsetzen.
- **Ebene 2 (Quartalsschwerpunkte):** Eine fokussierte Reihe pro Quartal.
- **Ebene 3 (Ad hoc):** Reserve fuer Rspr.-Hits.
3. **Aufmacherliste fuer das Jahr.** Pro Heft (oder Quartal) ein Aufmacher mit Arbeitstitel, vorgesehener Autorin und Frist. 30 % Reserve.
4. **Autorenmatrix.** Wer wird wann angefragt, wann kommt Manuskript, wann Druck.
5. **Rspr.-Reserve.** 15-20 % der Heftflaeche pro Jahr fuer ueberraschende BGH-/EuGH-/BVerfG-Entscheidungen freihalten.
6. **Heft-Sondernummern.** Festschriften, Jubilaeen, Konferenz-Sondernummern fest einplanen.
7. **Memo schreiben.** 6-10 Seiten, mit Tabellen, an Schriftleitung und Verlag.
8. **Freigaberunde.** Schriftleitung, Beirat, Verlagsleitung. Nach Freigabe: Verbindlichmachung.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Themenfixierte Jahresplanung | B: Offene Reaktionsplanung | Empfehlung |
|------|--------------------------------|----------------------------|------------|
| Planbarkeit | hoch | gering | A bei Quartalsschwerpunkten |
| Aktualitaet | mittel | hoch | B bei wochenweisem Heft |
| Autorenakquise | leicht | schwer | A fuer Anfrageplanung |
| Hybridform | 70 % geplante Aufmacher + 30 % Reserve - Standard |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Jahresplanung, die zum Jahresende noch zu 80 % steht, war zu defensiv. Eine, die nur zu 30 % steht, war zu naiv. 50-60 % ist ein gutes Mass."
- Festschriften und Jubilaeen Jahre im voraus planen - Autorinnen muessen frueh angefragt werden.
- Quartalsschwerpunkte funktionieren nur, wenn Aufmacher und Beibeitraege kohaerent sind.
- Marketing in den Planungsprozess einbinden - aber nicht entscheidungstragend (Marketing folgt Inhalten, nicht umgekehrt).
## Mustertexte / Vorlagen
**Memo-Gliederung Jahresplanung NJW 2027:**
```
1. Strategiekern 2027 (1 Seite)
2. Themenarchitektur (Ebene 1 Konstanten, Ebene 2 Quartalsschwerpunkte, Ebene 3 Ad hoc)
3. Aufmacherliste Q1 - Q4 (mit Autorin, Frist)
4. Autorenmatrix
5. Rspr.-Reserveplanung
6. Sondernummern / Festschriften
7. Risiken und Reservepunkte
8. Beschlussbedarf der Schriftleitung
```
**Quartalsschwerpunkt-Vorlage:**
```
Q1/2027 Schwerpunkt: Plattformregulierung (DSA-Umsetzung)
Aufmacher Heft 1: Einfuehrung, Autorin [Name]
Aufmacher Heft 3: Verfahrensrechtliche Folgen, Autorin [Name]
Aufmacher Heft 6: BGH-Linie 2026-2027, Autorin [Name]
Beibeitraege: 4 Anmerkungen, 2 Vermerke aus Praxis
Festlegung Schriftleitung: 15.10.2026
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Reine Themenliste ohne Autorenanbindung - bleibt Wunschliste.
- Keine Rspr.-Reserve - Heft kann auf BGH-Knaller nicht reagieren.
- Quartalsschwerpunkte ohne kohaerente Beibeitraege.
- Marketing-Wuensche dominieren die inhaltliche Planung.
- Memo zu lang (20+ Seiten) - keiner liest, keiner entscheidet.
## Querverweise
- `verl-themenscout-rechtsentwicklung` - liefert Themenkandidaten.
- `verl-ideenpool-und-priorisierung` - Backlog-Verwaltung.
- `verl-redaktionssitzung-vorbereiten` - operative Umsetzung.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat pro Beitrag.
- `projektplan-fristen-heftplanung` - operative Heftplanung.
## Quellen Stand 06/2026
- Verlagsgesetz, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/).
- UrhG fuer Nutzungsrechte an geplanten Beitraegen.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,108 @@
---
name: verl-redaktionssitzung-vorbereiten
description: "Bereitet eine juristische Redaktionssitzung vor: Agenda, Themenscoring, Beschlussvorlage, Protokollskelett und Anschlussaufgaben."
---
# Redaktionssitzung vorbereiten
## Worum geht es konkret
Eine Redaktionssitzung in einem juristischen Fachverlag ist nicht "Brainstorming", sondern eine Reihe von Entscheidungen: welche Beitraege gehen ins naechste Heft, welche werden zurueckgestellt, welche werden abgelehnt, welche neuen Aufmacher werden vergeben. Sie brauchen eine Sitzungsvorbereitung, die Entscheidungen ermoeglicht statt verlaengert.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn eine Sitzung in den naechsten 1-7 Tagen ansteht. Klaeren Sie:
1. Welche Art Sitzung (Heftsitzung, Jahresplanung, Sondersitzung wegen Krisenthema)?
2. Wer nimmt teil (Schriftleitung, Verlag, externe Beiraete)?
3. Welche Entscheidungen muessen heute fallen (nicht "kann auch naechste Woche")?
4. Welche Themen / Manuskripte liegen bereits vor?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Aktueller Stand der Heftplanung.
- Eingegangene Manuskripte mit Eingangsdatum, Frist und Status.
- Themenideen aus Themenscout-Skill.
- Aktuelle Rspr.-Hits aus letzten 4-12 Wochen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Agenda priorisieren.** Maximal 5-7 Tagesordnungspunkte. Pro TOP: gewuenschte Entscheidung, Vorbereitungsmaterial, Zeitfenster.
2. **Themenscoring-Tabelle.** Jeder Themenvorschlag mit: Aktualitaet (1-5), Lesernutzen (1-5), Eigenleistung-Faktor (originell / Aufguss), Autorenverfuegbarkeit, Konkurrenzlage (haben NJW / NZA / JuS das schon?).
3. **Beschlussvorlagen.** Pro entscheidungsreifem Themenvorschlag: "Beschlussvorschlag: Heft 08/2026, Autorin X, Abgabe 15.07., 25 kZ".
4. **Protokollskelett.** Vorbereitet mit Anwesenheit, Tagesordnung, Stichworten pro TOP - im Meeting wird nur ergaenzt, nicht neu erfunden.
5. **Versand 48 Stunden vor Sitzung.** Mit Hinweis "Bitte vorgelagerte Stellungnahme zu TOP 3 bis Vortag 18:00".
6. **Im Meeting**: zeitlich diszipliniert moderieren. Wenn ein TOP nicht entschieden wird, parken - nicht endlos diskutieren.
7. **Nachbereitung.** Protokoll innerhalb 24 Stunden, mit Owner und Frist pro Beschluss.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Lange Sitzung mit Diskussion | B: Kurze Entscheidungssitzung | Empfehlung |
|------|--------------------------------|-------------------------------|------------|
| Beteiligungsgrad | hoch | mittel | B im Regelfall |
| Entscheidungsdichte | mittel | hoch | B fuer Verlagsroutine |
| Energie der Beteiligten | leidet bei Laenge | bleibt erhalten | B |
| Sonderfall | A bei Krisenthema / Strategieneuausrichtung |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Redaktionssitzung dauert maximal 90 Minuten. Was laenger braucht, war schlecht vorbereitet."
- TOPs ohne Entscheidungsreife werden geparkt, nicht erst in der Sitzung verstanden.
- Vor Sitzung kurze Vorabstimmung mit Schriftleitung - Konflikte werden moeglichst vor Sitzungsbeginn entschaerft.
- Jeder Beschluss bekommt Owner und Frist - sonst ist es nur Wunschdenken.
## Mustertexte / Vorlagen
**Agenda-Vorlage (Heftsitzung):**
```
Heftsitzung NJW 14/2026
12.06.2026, 10:00-11:30, Verlagshaus / online
Anwesend: Schriftleitung, Lektorat, Verlagsleitung
1. (15 min) Heft 12/2026: Statusbericht, Druckfreigabe
2. (20 min) Heft 13/2026: 4 Manuskripte zur Annahme
3. (20 min) Heft 14/2026: Aufmacher waehlen (3 Vorschlaege)
4. (10 min) Reaktion auf BGH-Urteil vom 30.05.2026 (Anmerkung?)
5. (15 min) Themenscout Q3/2026 (3 Kandidaten)
6. (10 min) Verschiedenes, naechste Sitzung
```
**Themenscoring-Tabelle (Vorlage):**
| Thema | Aktualitaet | Lesernutzen | Originalitaet | Autor verfuegbar | Konkurrenz | Score | Entscheidung |
|-------|-------------|-------------|---------------|------------------|------------|-------|--------------|
| BGH zur AGB-Kontrolle | 5 | 4 | 3 | ja | NJW vorbereitet | 12 | annehmen, Frist 30.06. |
**Beschlussprotokoll-Stempel:**
```
Beschluss: Aufmacher Heft 14/2026 ist "[Titel]" (Autor X).
Owner: [Name]
Frist Manuskript: 15.07.2026
Frist Redaktion: 22.07.2026
Frist Druckfreigabe: 29.07.2026
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Agenda ohne Entscheidungswuensche - Sitzung wird zur Plauderrunde.
- TOPs ohne Owner/Frist - Beschluesse verpuffen.
- Kein Vorabversand der Materialien - keine vorbereitete Diskussion moeglich.
- Endlose Themen-Brainstorming ohne Priorisierung.
- Protokoll nicht innerhalb 24h - alle vergessen, was beschlossen wurde.
## Querverweise
- `verl-jourfix-vorbereiten-protokoll` - Schwester-Skill fuer Jourfixe.
- `verl-themenscout-rechtsentwicklung` - liefert Themenkandidaten.
- `verl-ideenpool-und-priorisierung` - fuer den Backlog.
- `verl-redaktionsmemo-jahresplanung` - Jahresplanung uebergeordnet.
- `workflow-output-waehlen` - Output-Wahl pro Beitrag.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Allgemeine Regeln zu Sitzungsfuehrung und Protokoll: keine spezifische juristische Quelle erforderlich.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016 (fuer Protokoll-Belegformat).
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
@@ -0,0 +1,98 @@
---
name: verl-relationslinien-pruefung-im-aufsatz
description: "Prueft die logischen Relationslinien eines juristischen Aufsatzes: traegt das Argumentationsgeruest die Hauptthese ohne Sprunglinien und ohne Zirkel?"
---
# Relationslinien-Pruefung im Aufsatz
## Worum geht es konkret
Ein juristischer Aufsatz steht oder faellt mit seinem Argumentationsgeruest. Die Relationslinien-Pruefung zeigt, ob die These mit den Argumenten verbunden ist, ob jedes Argument einen Beleg hat, ob Schluesse zwingend folgen oder Sprunglinien enthalten, ob Zirkelschluesse drinstecken oder ob eine Gegenposition unbearbeitet bleibt.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn nach Format-Check und Zitiernorm-Pruefung, vor der inhaltlichen Lektoratsfreigabe. Klaeren Sie:
1. Welche Hauptthese wird beansprucht (in einem Satz)?
2. Welche Gegenposition wird bearbeitet (oder beschwiegen)?
3. Sind die zentralen Belege tragend oder schmueckend?
4. Auf welcher Methodenebene argumentiert die Autorin (Gutachten, Streitstandsdarstellung, Essay)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript mit Gliederung.
- Hauptthese der Autorin (aus Abstract oder Einleitung).
- Bei laengeren Aufsaetzen: vorhandene Schemata, Tabellen, Schaubilder.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **These extrahieren.** Auf einer Karteikarte in einem Satz festhalten. Wenn das nicht moeglich ist, ist die These unklar.
2. **Argumentkette auflisten.** Pro Kapitel die zentralen Argumente in 1-2 Saetzen.
3. **Relationslinie ziehen.** Pfeil von jedem Argument zur These - traegt das? Oder hat der Pfeil eine Luecke?
4. **Zirkelschluesse aufspueren.** Bewirkt Argument A nur, weil These B gilt, die wiederum A voraussetzt?
5. **Gegenposition behandeln.** Wird sie genannt, gewuerdigt, widerlegt?
6. **Sprunglinien markieren.** Wo wechselt der Argumenttyp (Wortlaut -> Telos), ohne dass das begruendet wird?
7. **Methoden-Niveau pruefen.** Auslegung nach Wortlaut, System, Historie, Telos vollstaendig oder selektiv?
8. **Befundbrief an Autorin** mit gezielten Rueckfragen, nicht mit fertigen Antworten.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Detaillierte Strukturkritik | B: Kurze Hauptkritik | Empfehlung |
|------|--------------------------------|----------------------|------------|
| Lerneffekt | hoch | niedrig | A bei substanziellen Aufsaetzen |
| Autorenakzeptanz | Schwierig bei langer Kritik | leichter | B bei jungen Autorinnen |
| Verlagsaufwand | hoch | niedrig | A bei Aufmacher-Kandidat |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Die wichtigste Frage: Was wuerde die Klausur-Korrektorin schreiben, wenn das eine Hausarbeit waere?"
- Zirkelschluesse erkennt man, wenn man die Argumentation in eine Kette zerlegt: A -> B -> C. Wenn C wieder A braucht, ist es ein Zirkel.
- Gegenpositionen werden gerne in Fussnoten verschoben - das ist zu wenig fuer einen wissenschaftlichen Aufsatz.
- Sprunglinien zwischen Auslegungsmethoden sind kein Fehler, muessen aber begruendet werden.
- Die schlechtesten Aufsaetze haben eine These am Anfang und eine ganz andere am Ende - dann ist die Gliederung falsch.
## Mustertexte / Vorlagen
**Relationslinien-Tabelle:**
| Kapitel | Argument | Stuetzt These? | Beleg | Befund |
|---------|----------|----------------|-------|--------|
| II.1 | Wortlautargument | ja | BGH Az. ... | OK |
| II.2 | Systematik | ja | § 433 BGB + § 437 BGB | OK |
| III.1 | Historie | ja | RGZ 24, 113 | OK |
| III.2 | Telos | indirekt | Canaris JZ 2019 | Sprunglinie zu klaeren |
| IV.1 | Gegenposition | nicht behandelt | - | Stop: Position Esser/Stuermer fehlt |
**Rueckmeldungs-Anschreiben:**
> Sehr geehrter Herr Professor, die strukturelle Pruefung Ihres Aufsatzes "[Titel]" hat folgende Befunde ergeben (siehe Befund-Tabelle Anlage):
>
> 1. Die Hauptthese (S. 2, "X ist Y") wird durch die ersten drei Argumente getragen.
> 2. In Kapitel III.2 wechseln Sie vom Wortlautargument zur teleologischen Argumentation. Diese Sprunglinie sollte begruendet werden.
> 3. Die Gegenposition Esser/Stuermer (Festschrift Y 2018, 113) ist nicht behandelt. Sie ist die dominierende Gegenstimme - wir bitten um Auseinandersetzung.
>
> Wir freuen uns auf die ueberarbeitete Fassung bis 26.06.2026.
## Typische Fehler / Pitfalls
- These am Anfang anders als am Ende - Gliederungsfehler.
- Gegenposition nur in Fussnote erwaehnt, nicht bearbeitet.
- Zirkelschluss uebersehen.
- Sprunglinien zwischen Auslegungsmethoden unbegruendet.
- Schluss faellt nicht auf die Eingangsthese zurueck.
## Querverweise
- `lektorat-struktur-redaktion` - allgemeine Strukturarbeit.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - inhaltliche Pruefung.
- `verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw` - Belege.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - Apparat.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
## Quellen Stand 06/2026
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022 (zur Argumentationsstruktur).
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023 (zu Methodik und Aufsatz).
- Larenz / Canaris, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, 4. Aufl. 2019 (Auslegungsmethoden).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
@@ -0,0 +1,153 @@
---
name: verl-richtigstellung-online-print
description: "Richtigstellung im Online- und Printmedium: Berichtigungsanspruch, Gegendarstellung nach MStV § 20, Erratum, Online-Korrekturhinweis. Mustertexte fuer alle drei Eskalationsstufen."
---
# Richtigstellung
## Worum geht es konkret
Nach Erscheinen eines Beitrags wird eine inhaltliche Korrektur erforderlich: Tippfehler im Az., falsche Zuordnung, irrige Wertangabe, missverstaendliche Formulierung. Im Verhaeltnis zum Betroffenen gibt es drei Stufen: (1) freiwillige redaktionelle Korrektur (Erratum), (2) Berichtigungsanspruch nach allgemeinem Zivilrecht, (3) Gegendarstellung nach Landesmedienrecht / MStV § 20. Der Skill fuehrt durch die Wahl der richtigen Form und liefert Mustertexte.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Art der Korrektur (Tatsachenfehler, Wertungsfehler, Verwechslung, Verstoss gegen Persoenlichkeitsrecht)?
2. Quelle der Beanstandung (Autor, Leser, Betroffener, Justiziariat)?
3. Form des Mediums (Heft, Heftbeitrag, Online-Volltext, Datenbank-Eintrag, Loseblattseite)?
4. Wurde eine foermliche Gegendarstellung verlangt?
5. Liegt eine Abmahnung oder einstweilige Verfuegung vor?
6. Fristlage (Gegendarstellung: unverzueglich nach Kenntnis, oft 6 Wochen)?
7. Welches Eskalationsbedingung des Mediums (Pressekodex, Verlagsethik)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- MStV (Medienstaatsvertrag) § 20 - Gegendarstellung in Telemedien mit journalistisch-redaktioneller Praegung; gleiche Aufmachung, gleicher Veroeffentlichungsort.
- LandesPresseG der Laender - Gegendarstellungspflicht im Printbereich (z. B. § 11 LPresseG NRW).
- BGB §§ 823, 1004 (analog) - Berichtigungsanspruch ueber das allgemeine Persoenlichkeitsrecht; BGB § 824 Kreditgefaehrdung.
- BVerfG-Rechtsprechung zur Pflicht zur Berichtigung unwahrer Tatsachenbehauptungen (vgl. zur amtlichen Pruefung unter bundesverfassungsgericht.de).
- UWG §§ 5, 5a, 8 - Berichtigung bei irrefuehrenden geschaeftlichen Aussagen.
- Pressekodex (Ziffern 3 und 13) - Richtigstellung als Grundsatz journalistischer Sorgfalt.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Sachverhalt fixieren.** Was wurde behauptet? Was ist Tatsache? Welche Quelle?
2. **Stufenwahl.**
- Erratum (freiwillig): minor mistakes, Tippfehler, Verwechslung ohne Persoenlichkeitsverletzung.
- Berichtigung (verpflichtet): unwahre Tatsachenbehauptung mit Rufschaden, Aufforderung des Betroffenen.
- Gegendarstellung (Pflicht): foermliches Verlangen erfuellt, Pflicht zur Veroeffentlichung in gleicher Aufmachung.
3. **Form.**
- Print: gleiche Heftrubrik, gleiche Schriftgroesse, gleicher Umfang (bei Gegendarstellung).
- Online: am gleichen URL-Ort, mit Datum der Aktualisierung; bei Datenbank Korrekturhinweis vor dem Text.
- Loseblatt: Austauschseite mit Hinweis.
4. **Wortlaut.**
- Erratum: knapp, sachlich, keine Schuldzuweisung.
- Berichtigung: Bezug auf die unwahre Aussage, korrekte Tatsache, Datum.
- Gegendarstellung: Tatsachenbehauptungen des Betroffenen, ohne Wertung; redaktionelle Anmerkung nur als Distanzierung zulaessig.
5. **Justiziariat einbinden** bei Gegendarstellung und Berichtigung.
6. **Onlineversion versioniert speichern** (vorher/nachher), Hinweisseite mit Quellenangabe.
7. **Folgemassnahmen.** Lektoratsfehleranalyse; Eintrag in CRM zur Autorinformation.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Erratum | Berichtigung | Gegendarstellung |
|---|---|---|---|
| Auslagerung der Sicht | Verlag | Verlag | Betroffener |
| Verbindlichkeit | Freiwillig | Anspruch | Pflicht bei Verlangen |
| Form | Frei | Strukturiert | Streng formal |
| Risiko Folgestreit | Niedrig | Mittel | Hoch |
| Beziehung zum Autor | Schon | Erklaerungsbedarf | Belastend |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Schnelles Erratum verhindert oft die Gegendarstellung.
- Gegendarstellung niemals "kommentieren" mit Sachgegenargument - das gefaehrdet die Wirksamkeit der Pflichterfuellung.
- Bei Online-Korrektur Versionsstand anzeigen ("Aktualisierte Fassung vom [Datum]") - Transparenz.
- Datenbank-Anbieter (juris, beck-online) informieren - sonst veraltete Fassung im Recherchealltag.
- Vor Veroeffentlichung der Gegendarstellung mit Justiziariat pruefen, ob Aufmachung und Umfang gesetzeskonform sind.
- Lektoratsfehler dokumentieren, sonst lernt das System nicht.
## Mustertexte / Vorlagen
**Erratum (Heft)**
```
ERRATUM
Im Beitrag "[Titel]" in [Zeitschrift], Heft [n]/[Jahr], S. [n] muss
es in Fn. [n] richtig heissen "BGH-Urteil vom [Datum], Az. [...]"
statt "BGH-Urteil vom [Datum], Az. [...]". Wir bedauern den Fehler.
Die Redaktion
```
**Berichtigung (Online und Print)**
```
BERICHTIGUNG
In dem in Heft [n]/[Jahr] erschienenen Beitrag "[Titel]" haben wir
auf Seite [n] ausgefuehrt: "[woertliches Zitat der unrichtigen
Aussage]". Diese Aussage trifft in dieser Form nicht zu. Richtig
ist: "[korrekte Tatsache]". Wir bedauern den Fehler und entschuldigen
uns bei [...] (sofern Betroffene zustimmen).
Die Redaktion
```
**Gegendarstellungstext (mit redaktioneller Anmerkung)**
```
GEGENDARSTELLUNG
In der [Zeitschrift] vom [Datum] heisst es auf S. [n] unter dem
Titel "[...]": "[woertliches Zitat]".
Hierzu stelle ich fest:
"[Text des Betroffenen, ausschliesslich Tatsachenbehauptungen, max.
gleiches Umfang wie Erstmitteilung]"
[Ort, Datum]
[Unterschrift des Betroffenen]
Anmerkung der Redaktion:
Wir sind verpflichtet, die vorstehende Gegendarstellung zu
veroeffentlichen, ohne Ruecksicht darauf, ob die Tatsachen-
behauptungen zutreffen.
```
**Hinweisseite Online-Korrektur (Sichtbar oberhalb des Beitrags)**
```
KORREKTUR-HINWEIS
Diese Fassung ist eine Aktualisierung vom [Datum].
Aenderung im Vergleich zur Erstveroeffentlichung am [Datum]:
[konkrete Beschreibung der Aenderung].
Die Erstfassung ist auf Anforderung beim Verlag erhaeltlich.
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Gegendarstellungstext zu lang - unzulaessige Kuerzung durch Verlag belastet die Pflichterfuellung.
- Berichtigung im Heft, aber nicht in der Online-Datenbank - dort steht alte Fassung weiter.
- Erratum versteckt platziert - kein effektiver Schutz.
- Redaktionelle Anmerkung bei Gegendarstellung mit Sachgegenargumenten - kann Pflichterfuellung in Frage stellen.
- Berichtigung ohne Datum und Quellenangabe - keine Transparenz.
- Streichung des Originaltextes ohne Hinweis - Verstoss gegen Pressekodex.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung der Beanstandung.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Gegendarstellungsfrist.
- `verl-rueckruf-fehlerbeitrag-spaet-erkannt` - parallele Rueckrufmassnahme.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Justiziariatspflicht.
- `verl-loeschpflicht-und-archivierung-fachzs` - Loeschpflicht und Versionierung.
- `qualitaetsgate-verlag` - Praeventionslogik.
## Quellen Stand 06/2026
- MStV § 20 - Gegendarstellung in Telemedien.
- LandesPresseG (jeweilige Fassung des Bundeslandes) - Gegendarstellungspflicht Print.
- BGB §§ 823, 824, 1004 (analog) - Berichtigungs- und Beseitigungsanspruch.
- UWG §§ 5, 5a, 8 - Irrefuehrungsverbot und Beseitigung.
- BVerfG-Rechtsprechung zum Berichtigungsanspruch (Volltexte unter bundesverfassungsgericht.de).
- Pressekodex (Ziffer 3 und 13) - presserat.de.
@@ -0,0 +1,94 @@
---
name: verl-roh-research-zu-essay
description: "Verdichtet unstrukturierten Recherchewust einer Autorin zu einem zitierfaehigen Essay oder Diskussionsbeitrag fuer juristisches Fachformat."
---
# Roh-Research zu Essay
## Worum geht es konkret
Eine Autorin schickt 80 Seiten Notizen, fotografierte Buchseiten, ausgedruckte Urteile mit Anstreichungen, Zwischenueberschriften ohne Struktur. Sie soll daraus ein Essay machen. Sie - als Redaktion - muessen entscheiden, ob das ein Essay-Auftrag ist, eine Vorhauerarbeit fuer die Autorin oder eine echte Co-Autorenschaft, die im Druck transparent zu machen waere.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, wenn unstrukturierte Recherchematerialien als Quelle fuer einen Verlagstext dienen sollen. Klaeren Sie zu Beginn:
1. Wer schreibt am Ende - Autorin allein, Sie mit, Co-Autorenschaft?
2. Welches Format (Essay, Diskussionsbeitrag, Editorial, Blickwinkel)?
3. Welche These traegt das Stueck? Wenn keine erkennbar ist, das mit der Autorin klaeren.
4. Frist und Hoechstlaenge?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Notizen jeder Art (Word, Markdown, handschriftlich).
- Ausgedruckte Urteile, Aufsaetze, Buchausschnitte.
- Stichwortlisten, Mindmaps.
- Hinweise auf Lieblings-Pinpoints der Autorin.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Rollenklaerung schriftlich.** Vor Beginn: schreibe ich auch oder strukturiere ich nur? Die Antwort entscheidet ueber Urhebernennung im Druck.
2. **These suchen.** Den Stoff einmal komplett lesen, dann auf eine halbe Seite die moegliche These notieren. Mit Autorin abstimmen.
3. **Gliederungsentwurf.** Aus den Notizen drei bis fuenf Hauptkapitel ableiten; jedem Kapitel die tragenden Materialien zuordnen.
4. **Pinpoint-Inventur.** Welche Quellen sind voll belegt (Az., Rn., Seite), welche nur angerissen? Lueckenliste.
5. **Schreibphase oder Rueckspielen.** Bei reiner Vorhauerarbeit: Autorin schreibt; bei beauftragter Verschriftlichung: Sie schreiben Erstfassung.
6. **Quellenpflicht.** Jede Aussage belegen, keine "Filtersaetze" wie "in der Literatur wird ueberwiegend vertreten" ohne Beleg.
7. **Autoren-Freigabe** mit klarer Trennung "Originalformulierung Autorin" / "Vorschlag Lektorat".
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Reine Strukturierung, Autorin schreibt | B: Co-Autorenschaft (Sie schreiben) | Empfehlung |
|------|-------------------------------------------|--------------------------------------|------------|
| Urhebernennung | Autorin allein | Co-Autorenschaft | A wenn Autorin selber schreiben kann/will |
| Aufwand Verlag | gering | sehr hoch | A im Regelfall |
| Lieferzeit | unsicher | planbar | B bei Zeitdruck |
| Honorar | normal | erhoeht | beide vertraglich klaeren |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Essay braucht eine These, einen Anlass und einen Gegner. Fehlt einer der drei, ist es kein Essay, sondern eine Uebersicht."
- Bei Recherchewust hilft eine Klebezettel-Sortierung: jeder Klebezettel ein Argument, dann auf einer Pinnwand sortieren - analog. Digital geht auch, aber langsamer.
- Wenn Sie schreiben, lassen Sie sich vertraglich als Co-Autorin oder als Bearbeiterin ausweisen - sonst zeichnet die Autorin Saetze ab, die nicht von ihr sind.
- Pinpoints: "muss noch klaeren" ist als Marker im Manuskript zulaessig (`[Az. zu pruefen]`), nicht im Druck.
## Mustertexte / Vorlagen
**Rueckmeldung an Autorin nach erster Sichtung:**
> Sehr geehrte Frau Dr. Schmidt, anbei der Strukturvorschlag fuer Ihren geplanten Essay zu "[Thema]". Wir schlagen folgende Gliederung vor (siehe Anlage). Aus dem uebersandten Material liesse sich folgende Hauptthese entwickeln: "[These in 1-2 Saetzen]". Bitte teilen Sie uns mit, ob (1) Sie selbst auf dieser Basis weiterschreiben oder (2) wir eine Erstfassung erarbeiten sollen (Co-Autorenschaft, gesonderte Vereinbarung). 12 Pinpoints sind noch zu schliessen, Liste in der Anlage. Rueckmeldung bitte bis 19.06.2026.
**Gliederungsskizze fuer Essay:**
```
1. Anlass / Einstieg (aktuelles Urteil, gesetzliche Aenderung, Streit)
2. Hauptthese (1-2 Saetze)
3. Gegenposition skizzieren
4. Argumente fuer die These (mit Pinpoints)
5. Ausblick / Konsequenzen
6. Pointierter Schluss
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Ohne Rollenklaerung losgeschrieben - Autorenstreit am Ende.
- These erfunden, die das Material nicht traegt.
- Pinpoints unbelegt geblieben - Korrekturwelle im Lektorat.
- Filtersaetze ohne Beleg ("in der Literatur wird ueberwiegend ...").
- Bei Co-Autorenschaft: keine vertragliche Honorierung der Verlagsseite.
## Querverweise
- `verl-email-konvolute-zu-fachbeitrag` - aehnliche Verdichtungsaufgabe.
- `verl-themenscout-rechtsentwicklung` - fuer Anlassrecherche.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `lektorat-struktur-redaktion` - fuer Gliederungsarbeit.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - bei Co-Autorenschaft.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 7, 8 (Miturheberschaft), §§ 51, 63 (Zitat, Quellenangabe), [https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/](https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/).
- Verlagsgesetz, [https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/](https://www.gesetze-im-internet.de/verlg/).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022, zur Strukturarbeit.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023, zum Essay-Aufbau.
@@ -0,0 +1,165 @@
---
name: verl-rueckruf-fehlerbeitrag-spaet-erkannt
description: "Rueckruf bei spaet erkanntem Fehlerbeitrag: Rechtsfolgenpruefung BGB § 824, UrhG § 14, Aeusserungsrecht. Eskalationsplan, Mustertexte fuer Print- und Online-Rueckruf, Kostenabwaegung."
---
# Rueckruf bei spaet erkanntem Fehlerbeitrag
## Worum geht es konkret
Nach Erscheinen wird ein gravierender Fehler entdeckt: falsche Aktenzeichen-Angabe mit Rufschaden, unzutreffender Tatsachenbericht ueber einen Verfahrensbeteiligten, fehlerhafte Rechtsanwendung, die in der Praxis Schaden anrichtet. Der Skill schluesselt drei Ebenen auf: (1) tatsaechliche Rueckholaktion, (2) Richtigstellung und (3) Schadensbegrenzung; mit Eskalationsplan und Mustertexten.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welcher Fehlertyp (falsche Tatsache, fehlerhafte Norm, Persoenlichkeitsverletzung, Plagiat, Bildrechtsverletzung)?
2. Welcher Mediumtyp (Heft im Versand, Heft im Buchhandel, Online-Datenbank, Loseblattlieferung)?
3. Wie weit ist die Verbreitung (Versand, Eingang Abonnenten, Indexierung Datenbank)?
4. Wer hat den Fehler gemeldet (Autor, Leser, Betroffener, Justiziariat, KI-Pruefung)?
5. Sind bereits Abmahnungen / Aufforderungen eingegangen?
6. Welche Schadensgefahr ist erkennbar (Kreditschaedigung, Praxis-Fehlanwendung)?
7. Gibt es eine Frist (Abmahnfrist, Wiederholungsgefahr)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BGB § 823 - Schadensersatz bei Persoenlichkeitsverletzung; BGB § 824 Kreditgefaehrdung durch unwahre Tatsachenbehauptung.
- BGB § 1004 analog - Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch.
- UrhG § 14 - Recht des Urhebers auf Schutz vor Entstellung des Werks (bei eigenmaechtiger Aenderung).
- UrhG §§ 97, 97a - Schadensersatz, Abmahnung.
- DDG § 8 - Verantwortlichkeit fuer eigene Inhalte; § 10 - Stoererhaftung mit Privileg fuer Diensteanbieter.
- UWG §§ 5, 5a - Irrefuehrung; bei Werbeaussagen relevant.
- Aeusserungsrecht: BVerfG-Rechtsprechung zu Werturteil vs. Tatsachenbehauptung (zu pruefen unter bundesverfassungsgericht.de).
- BGB § 314 - Kuendigung aus wichtigem Grund (bei Aufnahmevertrag mit Autor).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Lage erfassen.** Welches Heft / welche ISBN / welcher Online-Stand? Wer hat was wann gemeldet?
2. **Schwellenwert pruefen.**
- Stufe A: Tippfehler ohne Rufwirkung - keine Massnahme, Korrektur in der naechsten Auflage.
- Stufe B: Sachfehler mit Praxiswirkung - Richtigstellung online und in der naechsten Heftausgabe.
- Stufe C: Persoenlichkeits- oder Kreditverletzung - sofortige Beseitigung online; ggf. Heftrueckruf.
- Stufe D: Strafrechtsrelevant (Beleidigung, Verleumdung, Volksverhetzung) - Sofortmassnahme und Justiziariatseinbindung.
3. **Sofortmassnahmen.**
- Online: Beitrag depublizieren oder mit korrigierter Fassung ersetzen; Datenbankanbieter informieren (juris, beck-online).
- Print: Versand stoppen, Buchhandel benachrichtigen, Remissionsangebot.
- Loseblatt: Austauschblatt mit Hinweis fuer Abonnenten.
4. **Kommunikation.** An Betroffene, an Autor, an Abonnenten, an Pressevertreter (wenn der Fehler bereits oeffentlich ist).
5. **Schadensabwehr.** Versicherung pruefen (Verlagshaftpflicht, Vermoegensschadenhaftpflicht); Justiziariat einbinden.
6. **Dokumentation.** Chronologie, Beschluesse, Mailverkehr, Pressemitteilungen archivieren.
7. **Lernschleife.** Pruefen, ob Lektorat / Justiziariat den Fehler vor Erscheinen haette erkennen muessen.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Heftrueckruf | Online-Beseitigung nur |
|---|---|---|
| Kosten | Sehr hoch | Niedrig |
| Imagewirkung | Stark (Symbolwirkung) | Diskret |
| Rechtssicherheit | Hoch | Mittel |
| Operative Belastung | Hoch | Niedrig |
| Bei strafrechtlich relevantem Inhalt | Pflicht | Pflicht plus weitere Schritte |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Bei Persoenlichkeitsverletzung sofort Justiziariat - nicht warten.
- Beitrag online erst depublizieren, dann mit korrigierter Fassung ersetzen - sonst Lueckenseite.
- Drittanbieter (juris, beck-online) brauchen 24-48 Stunden zur Loeschung; rechtzeitig anfordern.
- Im Loseblatt Austauschblatt mit Erlaeuterung und Datum.
- Eine Pressemeldung kann eine Eskalation entschaerfen - aber nur mit Justiziariatsabstimmung.
- Versicherungsfall innerhalb der Anzeigefrist melden, sonst Deckungsverlust.
- Bei wiederholten Fehlern desselben Autors Konsequenz im Vertrag (Karenz, Honorarminderung).
## Mustertexte / Vorlagen
**Sofortmassnahmen-Anschreiben an Datenbankanbieter**
```
Betreff: EILT - Beitragsdepublikation [Werktitel / ID]
Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte depublizieren Sie unverzueglich folgenden Beitrag aus Ihrer
Datenbank:
ID/DOI: [...]
Titel: [...]
Autor: [...]
Erschienen: [Zeitschrift], [Heft]/[Jahr]
Grund: Der Beitrag enthaelt eine Aeusserung, die wir nach
nachtraeglicher Pruefung als rechtlich unzulaessig einstufen.
Wir werden Ihnen innerhalb von 5 Tagen eine korrigierte Fassung
zur Verfuegung stellen. Bis dahin sollte der Beitrag nicht
abrufbar sein.
Vielen Dank fuer Ihre umgehende Bearbeitung.
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Verlag]
```
**Anschreiben an Buchhandel zur Heftrueckholung**
```
Betreff: WICHTIG - Heftrueckholung [Zeitschrift], Heft [n]/[Jahr]
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bitten Sie dringend, das oben genannte Heft aus dem Verkauf zu
nehmen und an uns zurueckzusenden. Hintergrund: ein Beitrag enthaelt
eine inhaltlich unzutreffende Darstellung, die wir korrigieren werden.
Sie erhalten in Kuerze ein Austauschheft. Die Remissions- und
Versandkosten traegt der Verlag.
Wir bitten Sie um schriftliche Bestaetigung der Massnahme bis [Datum].
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Verlag]
```
**Korrektur-Mail an Abonnenten Loseblatt**
```
Betreff: Wichtiger Hinweis - Austauschseite Loseblatt [Werktitel]
Sehr geehrte Abonnentin, sehr geehrter Abonnent,
mit der naechsten Ergaenzungslieferung erhalten Sie eine Austauschseite
fuer Seite [n] in Ordner [n], Abschnitt [n]. Hintergrund: Die in der
letzten Lieferung enthaltene Darstellung zu [Thema] war in einem Punkt
unzutreffend.
Bitte tauschen Sie die Seite umgehend aus. Die korrigierte Fassung
finden Sie zusaetzlich vorab unter [Link].
Wir bitten die Unannehmlichkeit zu entschuldigen.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Beitrag online geloescht ohne Hinweisseite - Verlinkungen ins Leere.
- Datenbankanbieter nicht informiert - Beitrag bleibt online.
- Rueckruf-Aktion ohne Pressemitteilung wird trotzdem oeffentlich - schlechte Optik.
- Versicherung zu spaet informiert - Deckung weg.
- Keine Dokumentation - bei spaeterer Klage Beweisnot.
- Korrekturversion enthaelt neue Fehler - Doppelschaden.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung des Vorfalls.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Abmahn- und Eskalationsfristen.
- `verl-richtigstellung-online-print` - parallele Richtigstellungsmassnahme.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - Justiziariatseinbindung.
- `verl-haftungsfreistellung-autor-verlag` - vertragliche Verteilung.
- `qualitaetsgate-verlag` - Praeventionslogik.
## Quellen Stand 06/2026
- BGB §§ 823, 824, 1004 (analog) - Schadensersatz, Kreditgefaehrdung, Beseitigung.
- UrhG §§ 14, 97, 97a - Werkschutz, Schadensersatz, Abmahnung.
- DDG §§ 8, 10 - Verantwortlichkeit Diensteanbieter.
- UWG §§ 5, 5a - Irrefuehrung.
- Aktuelle BVerfG-Rechtsprechung zur Abwaegung Meinungsfreiheit/Persoenlichkeitsrecht (bundesverfassungsgericht.de).
@@ -0,0 +1,95 @@
---
name: verl-screenshot-pdf-ocr-redaktion
description: "Fuehrt einen sauberen OCR-Workflow fuer gescannte PDFs und Screenshots zu redaktionellem Manuskript, mit Fehlerquoten-Stichprobe und Pinpoint-Erhalt."
---
# Screenshot / PDF-OCR-Workflow
## Worum geht es konkret
Autorinnen, Mandantinnen oder Fremdmaterial liegen oft als gescannte PDFs oder als Screenshots vor: alte Festschriftsbeitraege, Bescheidkopien, ausgedruckte und wieder eingescannte Aufsaetze. OCR ist Pflicht, aber OCR-Ergebnisse sind nie sauber. Dieser Skill fuehrt durch den vollstaendigen OCR-Workflow inklusive Fehlerquoten-Stichprobe.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn, sobald eine Bildquelle (Scan, Screenshot, fotografierte Seite) zum durchsuchbaren Text werden muss. Klaeren Sie:
1. Auflage hoch oder niedrig (300 dpi+? unter 200 dpi liefert OCR-Mist)?
2. Schriftart: Antiqua moderner Druck, Fraktur, Schreibmaschine?
3. Sprache (Deutsch, Englisch, Latein in Fussnoten)?
4. Sind sensible Daten enthalten (Mandantenname, Aktenzeichen)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- PDF / Bilddatei.
- Idealerweise mehrere Seiten als Vergleich (eine Seite ist keine OCR-Statistik).
- Hinweise auf besondere Schriftbestandteile (Tabellen, Marginalien, Fussnoten in kleinerer Schrift).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Datenschutz pruefen.** Wenn Mandantendaten enthalten sind: nur in Tools mit AVV und entsprechend BRAO § 43a Abs. 2.
2. **Qualitaet pruefen.** Eine Stichprobe von zwei bis drei Seiten ansehen. Unter 200 dpi: zurueck zur Quelle (neu scannen).
3. **OCR ausfuehren.** Tesseract, Adobe Acrobat oder vergleichbare Werkzeuge mit Sprachpaket "deu" (und ggf. "lat", "eng").
4. **Fehlerquoten-Stichprobe.** Zwei zufaellige Seiten Wort-fuer-Wort vergleichen, Fehlerrate dokumentieren (typisch 0,3 bis 3 % bei modernem Druck, deutlich mehr bei Fraktur).
5. **Manuelle Nachkorrektur** vor allem bei: Eigennamen (Personen, Orte, Kommentar-Bearbeitern), Zahlen (Aktenzeichen, Randnummern, Seitenangaben), Sonderzeichen (§, II 2, vgl.), Fussnoten.
6. **Strukturmarkierung.** OCR liefert Fliesstext ohne Stilauszeichnung; Ueberschriften, Fussnoten, Tabellen mit Verlagsvorlage neu auszeichnen.
7. **Audit-Log.** Quelle, Stichproben-Fehlerrate, manuelle Korrekturen dokumentieren - der Verlag muss spaeter beweisen koennen, dass nicht halluziniert wurde.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Adobe / kommerzielles OCR | B: Tesseract / Open Source | Empfehlung |
|------|------------------------------|----------------------------|------------|
| Qualitaet moderner Druck | sehr gut | gut | B reicht meist |
| Fraktur / historisch | mittel | besser mit speziellen Modellen | B mit Fraktur-Modell |
| Datenschutz | Cloud vs. Desktop, AVV pruefen | lokal moeglich | B bei Mandantendaten |
| Zeit | schnell | langsamer | A bei Volumen |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Aktenzeichen sind die haeufigste OCR-Falle. Eine 6 wird zur 8, eine 1 zum l. Vor Abgabe jedes Aktenzeichen pruefen."
- Marginalien-Druck (oft am Rand) wird oft als Hauptfliesstext fehlgedeutet - manuell sortieren.
- Bei Frakturschrift fast immer manuelle Nachbearbeitung; ohne Spezialmodell waeren 5-10 % Fehler normal.
- Screenshots aus Word/PDF-Reader haben den Vorteil, dass der Originaltext per Copy-Paste oft verfuegbar waere - lieber den nachfragen statt OCR.
## Mustertexte / Vorlagen
**OCR-Auditlogfile:**
```
Quelle: Festschrift Mueller, S. 211-238 (Scan vom 03.06.2026)
Aufloesung: 300 dpi, Graustufe
Schriftart: Antiqua, Auflage 1998
OCR-Tool: Tesseract 5.4, Sprachpaket deu
Stichprobenseiten: S. 215, S. 228
Fehler in Stichprobe: 7 von 1.218 Woertern = 0,57 %
Manuelle Korrektur: 23 Aktenzeichen, 11 Randnummern, 4 Bearbeiternamen
Status: redaktionsreif nach Lektoratspruefung
```
**Anschreiben bei schlechter Scanqualitaet:**
> Sehr geehrte Frau Doktor, das uebersandte PDF (Anlage Festschrift S. 211 ff.) ist mit rund 150 dpi gescannt. Eine zuverlaessige Texterkennung ist auf dieser Basis nicht moeglich. Wir bitten um einen neuen Scan mit mindestens 300 dpi (Graustufe ausreichend) bis 19.06.2026.
## Typische Fehler / Pitfalls
- OCR-Ergebnis ungeprueft uebernommen - Aktenzeichen verfaelscht.
- Fraktur ohne Spezialmodell - 10 % Fehler im Fliesstext.
- Tabellen werden zu Fliesstext - Werte verschoben.
- Mandantendaten in Cloud-OCR ohne AVV.
- Kein Audit-Log - im Streitfall nicht nachvollziehbar.
## Querverweise
- `verl-manuskript-merkwuerdige-formate-rettung` - allgemeine Format-Rettung.
- `verl-handschrift-und-altdoc-digitalisieren` - bei handschriftlichen Vorlagen.
- `workflow-dokumentenintake` - Intake-Workflow.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - Pinpoint-Pruefung nach OCR.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - Datenschutz bei Tool-Einsatz.
## Quellen Stand 06/2026
- BRAO § 43a Abs. 2 (Verschwiegenheit).
- StGB § 203 (Verletzung von Privatgeheimnissen).
- DSGVO Art. 6, Art. 28 (Auftragsverarbeitung), [https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj).
- Tesseract OCR, [https://github.com/tesseract-ocr/tesseract](https://github.com/tesseract-ocr/tesseract).
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016, zur Pinpoint-Disziplin.
@@ -0,0 +1,137 @@
---
name: verl-social-media-rechtsfachzeitschrift
description: "Social-Media-Beitrag fuer juristische Fachzeitschrift: Konzept fuer LinkedIn, Bluesky, Mastodon. Texttemplates, Bildvorgaben, Disclaimer, Werbekennzeichnung nach UWG und DDG."
---
# Social-Media-Beitrag fuer Fachzeitschrift
## Worum geht es konkret
Verlage juristischer Fachzeitschriften bauen Social-Media-Praesenz auf, um Aufsatzhighlights, Heftankuendigungen und Veranstaltungen zu bewerben. LinkedIn ist Hauptkanal in der Anwaltschaft; Bluesky und Mastodon wachsen in der Wissenschafts-Community; X nur noch defensiv. Der Skill liefert Konzept, Texttemplates und rechtliche Leitplanken (Werbekennzeichnung, Urheberrecht an Visuals, Impressumspflicht).
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welcher Anlass (Heftankuendigung, Highlight-Aufsatz, Webinar, BGH-Entscheidung)?
2. Welcher Kanal (LinkedIn primaer, Bluesky, Mastodon, Threads, X)?
3. Mit oder ohne bezahlte Reichweite (Boost)?
4. Wer postet (Verlagsaccount, Autor, beide)?
5. Welches Visual (Cover, Zitat-Karte, BGH-Wappen, Foto)?
6. Frequenz pro Heft (1, 3, 5+ Posts)?
7. Werbekennzeichnung erforderlich?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- DDG § 5 - Impressumspflicht auch fuer Social-Media-Profile (Verweis ueber Bio-Link genuegt nach Verwaltungspraxis bei Plattformen mit Zeichenbeschraenkung).
- MStV § 18 - journalistische Sorgfalt fuer Telemedien mit journalistisch-redaktioneller Praegung.
- UWG §§ 5a Abs. 4, 6 - Werbekennzeichnungspflicht; "Werbung", "Anzeige" oder vergleichbar bei kommerzieller Kommunikation.
- UrhG §§ 51, 51a - Zitatrecht; bei Zitat-Karten Umfang und Kontext beachten.
- UrhG § 19a - Recht der oeffentlichen Zugaenglichmachung; Wahrung der Verwertungsrechte am Aufsatzauszug.
- DSGVO Art. 6 - Rechtsgrundlage bei Verarbeitung von Profildaten; bei Trackingpixeln separate Einwilligung.
- KUG §§ 22, 23 - bei Personenfotos.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Kanalstrategie.** LinkedIn fuer Anwaltschaft, Bluesky fuer Wissenschaftler, Mastodon fuer Tech-affine, X reduziert.
2. **Posthuelle planen.** Pro Heft 3 Posts: Heftueberblick - Highlight 1 - Highlight 2 - ggf. Webinar / Veranstaltung.
3. **Texttemplate verwenden.** Hook (erste Zeile faengt Aufmerksamkeit), Substanz (zwei bis vier Saetze), Call-to-Action (Link, Kommentar).
4. **Werbekennzeichnung.** Bei eigenem Verlagsangebot: "Werbung" bzw. "Anzeige" oder transparenter Kontext ("In unserem aktuellen Heft ..."). Bei Influencer-Kooperationen Pflicht.
5. **Visual erstellen.** Zitat-Karten mit Coverabbildung. Achtung: Schoepfungshoehe der Karte beachten; keine Fremdbilder ohne Lizenz.
6. **Autor verlinken / nennen.** Tag mit ausdruecklicher Zustimmung.
7. **Veroeffentlichung und Monitoring.** Engagement-Tracking; bei rechtswidriger Kommentierung loeschen.
8. **Archivierung.** Posts in Verlagsdokumentation ablegen (Beweisbarkeit bei Streit).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | LinkedIn | Bluesky / Mastodon |
|---|---|---|
| Reichweite Anwaltschaft | Sehr hoch | Niedrig |
| Reichweite Wissenschaft | Mittel | Hoch (wachsend) |
| Algorithmus-Risiko | Hoch | Niedrig (chronologisch) |
| Bezahlte Reichweite | Sinnvoll | Nicht moeglich |
| Datenschutz | Bedenklich | Eher unproblematisch |
## Praxistipps der alten Redaktion
- LinkedIn: Lange Posts (1500-2500 Zeichen) funktionieren besser als kurze.
- Hook in Zeile 1, Substanz in Zeilen 2-5.
- Hashtags sparsam (3-5), domaenenspezifisch (#Mietrecht, #Steuerrecht, #JuS).
- Erscheinungstermin und Erscheinungstag passend timing: Dienstag oder Donnerstag, 7-9 Uhr.
- Bei Streitthemen Kommentare moderieren - nicht jeden Kommentar stehen lassen.
- Bei BGH-Verriss: Quelle freischalten (Link auf Pressestelle des BGH), nicht eigene Bewertung als Fakt.
- Werbung mit "Werbung" oder "Anzeige" explizit kennzeichnen, nicht versteckt am Ende.
## Mustertexte / Vorlagen
**LinkedIn-Post Heftankuendigung**
```
[Hook in Zeile 1, z. B.: "Was das BGH-Urteil zum Vermieterpfandrecht
fuer Sie bedeutet."]
Werbung in eigener Sache: Heft [n]/[Jahr] der [Zeitschrift] ist
erschienen.
Drei Aufsaetze, die fuer die Anwaltspraxis sofort relevant sind:
- [Autor]: [Titel] - [eine Schlussfolgerung in einem Satz].
- [Autor]: [Titel] - [eine Schlussfolgerung in einem Satz].
- [Autor]: [Titel] - [eine Schlussfolgerung in einem Satz].
Mehr im Heft und im Volltext unter [Link].
#Mietrecht #BGB #[weitere passende Hashtags]
```
**Bluesky-Post Aufsatzhighlight (Zeichenlimit)**
```
Neuer Aufsatz von [Autor] in [Zeitschrift]: [Titel].
Die Kernthese: [12 Worte].
Volltext (Open Access nach Embargo): [Link].
```
**Zitat-Karte (Bildtext)**
```
"[Zitat des Autors, max. 18 Worte]"
- [Autor], [Zeitschrift] [Heft]/[Jahr]
[Verlagslogo + Cover-Thumb]
```
**Disclaimer-Boilerplate fuer Verlagsprofil-Bio**
```
[Verlagsname] - Juristischer Fachverlag seit [Jahr]
Impressum: [Link]
Datenschutz: [Link]
Pressekontakt: [Link]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Werbekennzeichnung vergessen - UWG-Abmahnrisiko.
- Zitat-Karten mit Coverabbildung ohne Layout-Rechte freigegeben.
- Bei BGH-Entscheidung Az. und Datum vergessen - keine Verifizierbarkeit.
- Hashtag-Wuestenei: 20 Hashtags wirken wie SEO-Spam.
- Personenfoto des Autors ohne KUG-Pruefung gepostet.
- Bei Influencer-Kooperation kein Vertrag, keine Werbekennzeichnung - Bussgeld.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung Postanlass.
- `marketing-presse-social` - Gesamtkonzept Marketing.
- `verl-pressetext-rechtsthemen` - parallele PM-Strecke.
- `verl-newsletter-redaktion-jur` - Newsletter als Push-Kanal.
- `metadaten-seo-klappentext` - Konsistenz Klappentext/Post.
- `verl-impressum-pflicht-und-pruefung` - Impressumsverlinkung im Profil.
## Quellen Stand 06/2026
- DDG § 5 - Impressumspflicht.
- MStV § 18 - journalistische Sorgfalt.
- UWG §§ 5a Abs. 4, 6 - Werbekennzeichnung.
- UrhG §§ 19a, 51, 51a - Zugaenglichmachung, Zitat.
- DSGVO Art. 6 - Rechtsgrundlage.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht.
- Aktuelle Hinweise der Landesmedienanstalten zur Werbekennzeichnung (die-medienanstalten.de).
@@ -0,0 +1,126 @@
---
name: verl-statusbericht-an-verlagsleitung
description: "Statusbericht an die Verlagsleitung: knappe Lagedarstellung zu Projekt, Frist, Kosten, Risiko und Eskalation. Mustertexte fuer monatliches Reporting und Ad-hoc-Alarm."
---
# Statusbericht an die Verlagsleitung
## Worum geht es konkret
Verlagsleitung verlangt einen klaren, kurzen Bericht, der die Ampel zeigt: laeuft, klemmt, eskaliert. Der Skill liefert ein Format, das in fuenf Minuten les- und entscheidbar ist. Anwendungsfaelle: Monats- oder Quartalsreporting der Redaktion, Ad-hoc-Alarm bei Auflagenrutsch, Honorarstreit oder Manuskriptverzug, Lagebericht vor Verlagskonferenz.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Anlass: Routine-Reporting oder Eskalation?
2. Adressat: Geschaeftsfuehrung, Programmleitung, Lektoratsleitung, Aufsichtsrat?
3. Zeitraum und Stichtag?
4. Welche Projekte oder Produkte sind betroffen (Buchprojekt, Zeitschrift, Loseblatt, Onlinekommentar)?
5. Welche Zahlen liegen vor (Umsatz, Auflage, Manuskriptstand, Honorarvolumen)?
6. Welche Entscheidung wird von der Leitung erwartet?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- Innenkommunikation, keine veroeffentlichungsfaehige Form noetig, aber: arbeitsrechtliche Folgen moeglich (z. B. Zielerreichung, Bonus, Disziplinarisches).
- Bei kapitalmarktorientierten Verlagen Beachtung der Ad-hoc-Publizitaet (Art. 17 MAR) bei wirtschaftlich relevanten Ereignissen.
- Mitbestimmung des Betriebsrats bei personalrelevanten Konsequenzen (§ 87 BetrVG).
- Datenschutz: Klarnamen von Autorinnen und Autoren nur, wenn dienstlich erforderlich (Art. 6 DSGVO).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Empfaengerkreis festlegen.** Verteiler so eng wie moeglich. CC bewusst, nicht aus Hoeflichkeit.
2. **Stichtag fixieren.** Alle Zahlen auf denselben Tag normieren.
3. **Format waehlen.** Ein-Seiter mit Ampel, oder Slide-Deck bei Konferenz. Niemals lange Fliesstexte.
4. **Ampel setzen.** Gruen = im Plan, Gelb = beobachten, Rot = Entscheidung der Leitung noetig.
5. **Ursachen trennen.** Was ist intern verschuldet, was ist Marktthema, was ist Drittverschulden (Autor, Druckerei, Vertrieb)?
6. **Vorschlag mitliefern.** Jede Rotampel braucht einen Vorschlag, nicht nur einen Befund.
7. **Naechste Reportingstufe nennen.** Wann liegt der naechste Statusbericht vor?
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Konservativ | Offensiv |
|---|---|---|
| Detailgrad | Hohe Detailtiefe, mehr Belastung der Leitung | Verdichtet, Risiko von Missverstaendnissen |
| Ampelvergabe | Vorsichtig rot, fruehe Eskalation | Bewusst gelb, Selbstkorrektur abwarten |
| Vorschlag | Mehrere Optionen mit Pro/Contra | Eine klare Empfehlung |
| Verteiler | Breit, Transparenz | Eng, Vertraulichkeit |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Wer die Ampel schoenfaerbt, bezahlt zweimal" - lieber jetzt rot, als spaeter ueberrascht werden.
- Zahlen immer mit Vergleich (Vorjahr, Plan, Vormonat). Nackte Zahlen sind wertlos.
- Bei Eskalation kein E-Mail-Schwall - kurzer Bericht, dann Telefon, dann Termin.
- Manuskriptverzug niemals verschweigen; die Leitung erfaehrt es spaetestens beim Druckereitermin.
- Bei Personalkonflikten: Tatsachen sauber trennen von Bewertungen, sonst entstehen Personalakten-Probleme.
## Mustertexte / Vorlagen
**Monatsbericht (Ein-Seiter)**
```
STATUSBERICHT REDAKTION [Bereich] - Stand [Datum]
An: [Verlagsleitung] | Verteiler: [Namen]
1. Lage in einem Satz
[z. B. "Programm laeuft im Plan bis auf zwei Rotampeln im Kommentarbereich."]
2. Kennzahlen Stichtag [Datum]
- Manuskripteingaenge: [n] (Plan: [n])
- Imprimaturen: [n] (Plan: [n])
- Verzoegerungen > 4 Wochen: [n]
- Offene Honorarforderungen: [EUR]
3. Ampel Top-Projekte
- [Projektname] - GRUEN - im Plan, Imprimatur [Datum]
- [Projektname] - GELB - Autorin in Vorlesungspause, Anschub [Datum]
- [Projektname] - ROT - Manuskriptverzug 8 Wochen, Vorschlag siehe Punkt 4
4. Entscheidungspunkte fuer die Leitung
[Konkrete Fragen mit Optionen]
5. Naechster Bericht
[Datum]
```
**Ad-hoc-Eskalation**
```
Betreff: EILT - Eskalation [Projekt/Vorgang] - Entscheidung bis [Datum]
Sehr geehrte Frau/Herr [Name],
ich melde Ihnen einen Vorgang, bei dem ich eine Entscheidung der Verlagsleitung brauche.
1. Worum es geht: [drei Saetze]
2. Was bisher geschehen ist: [drei Saetze]
3. Risiko bei Nichtentscheidung: [konkret, mit Zahl oder Datum]
4. Meine Empfehlung: [eine Option]
5. Frist fuer Ihre Rueckmeldung: [Datum, Uhrzeit]
Fuer Rueckfragen stehe ich heute bis [Uhrzeit] zur Verfuegung.
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Funktion]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Kein Stichtag genannt - Zahlen sind dann nicht vergleichbar.
- Ampel ohne Empfehlung - die Leitung muss recherchieren, der Bericht ist nutzlos.
- Zu viel Prosa - Verlagsleitung scrollt nicht.
- Personenbezogene Werturteile statt Sachverhalt - schafft Personalfaelle.
- Schoenfaerberei vor Bilanztermin - bei Aufdeckung Vertrauensverlust.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - schnelle Einordnung des Anlasses.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Ampelmethodik.
- `verl-eskalation-bei-deadline-konflikt` - wenn der Statusbericht eine Eskalation ausloest.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - bei rechtssensiblen Vorgaengen vor dem Bericht.
- `qualitaetsgate-verlag` - bei wiederkehrenden Qualitaetsproblemen als Anlage.
## Quellen Stand 06/2026
- Art. 17 MAR (Marktmissbrauchsverordnung) - Ad-hoc-Publizitaet.
- §§ 87, 99 BetrVG - Mitbestimmung bei personellen Massnahmen.
- Art. 6 DSGVO - Rechtsgrundlage interner Datenverarbeitung.
- Verlagsinterne Reportingrichtlinien (Berichtspflicht Programmleitung an Geschaeftsfuehrung) - Kanzlei- bzw. Verlagsspezifisch.
@@ -0,0 +1,107 @@
---
name: verl-stilbruch-stilcheck-fachzeitschrift
description: "Spuert Stilbrueche im Fachzeitschriften-Manuskript auf: gemischte Stilebenen Ironie Umgangssprache Floskeln Marketingsprache und KI-typische Phrasen."
---
# Stilbruch- und Stilcheck Fachzeitschrift
## Worum geht es konkret
Ein Fachaufsatz hat einen bestimmten Stilraum: Gutachten- oder Urteilsstil, klare Begrifflichkeit, knappe Argumentation. Stilbrueche sind, wenn die Autorin plotzlich umgangssprachlich, marketingsprachlich oder ironisch wird - oder wenn KI-typische Floskeln ("in der Regel", "es ist hervorzuheben") den Text fluten. Dieser Skill ist die Stilbruch-Detektion.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn nach inhaltlichem Lektorat, vor der Endkorrektur. Klaeren Sie:
1. Welche Stilebene fuer welches Format (Aufsatz: knapper Sachstil; Anmerkung: zugespitzt; Editorial: persoenlich)?
2. Hausregel fuer Tonalitaet (NJW: knapp und sachlich; ZIP: pointiert; JuS: didaktisch zugaenglich)?
3. KI-Verdacht (Autorin hat KI eingesetzt - markieren oder Hinweis geben)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript nach Lektorat.
- Vergleichsbeispiele aus juengeren Heften derselben Zeitschrift.
- Hausregel fuer Tonalitaet.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Stilraum festlegen.** In einem Satz: welcher Ton soll im Text durchhalten.
2. **Stichprobe lesen.** Zufaellig 3 Absaetze aus erster, mittlerer und letzter Manuskripthaelfte - faellt eine Stelle aus dem Stilraum?
3. **Stoerwortliste durchlaufen:**
- Umgangssprache ("eigentlich", "irgendwie", "ja", "halt").
- Marketingsprache ("innovativ", "wegweisend", "bahnbrechend").
- KI-typische Phrasen ("in der Regel", "es ist hervorzuheben", "diesbezueglich", "im Hinblick auf", "letztendlich").
- Floskeln ("an dieser Stelle sei darauf hingewiesen", "wie eingangs erwaehnt").
- Modalitaets-Schwaeche ("man koennte sagen", "es waere denkbar").
4. **Ironie und Sarkasmus pruefen.** In Fachzeitschriften selten zulaessig; in Editorials oder Glossen erlaubt.
5. **Eigene Stilbrueche durch Lektoratseingriffe.** Wo das Lektorat eingegriffen hat, kann es selber Stilbrueche verursacht haben.
6. **KI-Verdacht.** Bei gleichfoermigen Absatzrhythmen, fehlenden Pinpoints, generischen Aussagen markieren.
7. **Befund-Brief** an Autorin mit Vorschlaegen.
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Strenge Hausnorm-Treue | B: Autorenstimme respektieren | Empfehlung |
|------|----------------------------|--------------------------------|------------|
| Konsistenz Heft | hoch | mittel | A bei Standardaufsatz |
| Autorenakzeptanz | mittel | hoch | B bei renommierter Autorin |
| Risiko | Glaettung "auf Verlagston" | Stilbrueche im Druck | beide |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Wenn der Stilbruch im Editorial steht, kann das gewollt sein. Wenn er im Mittelteil eines Aufsatzes steht, ist es ein Bruch."
- KI-Floskeln sind auch ohne KI moeglich - aber wenn 5 davon auf einer Seite stehen, lohnt sich die Nachfrage.
- Marketingsprache ("innovative Loesung") aus Mandantenpraesentationen rutscht oft in Praxisaufsaetze - markieren.
- Bei Autorinnen aus der anderen Sprache (Englisch erst, dann Deutsch) Anglizismen pruefen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Stoerwort-Befundtabelle:**
| Stelle | Befund | Vorschlag |
|--------|--------|-----------|
| S. 3, Z. 12 | "irgendwie" (Umgangssprache) | streichen oder konkret nennen |
| S. 7, Z. 23 | "in der Regel" (KI-Floskel) | "haeufig" / "ueberwiegend" |
| S. 12, Z. 4 | "wegweisend" (Marketing) | "praezedenzfaehig" oder neutral |
| S. 18, Z. 33 | "letztendlich" (Floskel) | "schliesslich" / "im Ergebnis" |
| S. 24, Z. 8 | "es waere denkbar, dass" (Schwaeche) | "denkbar ist" / "in Betracht kommt" |
**Anschreiben (Stilcheck):**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller, beim Stilcheck haben wir 14 Stoerstellen markiert (siehe Anlage). Davon sind 7 KI-typische Floskeln, die wir vor Druck schliessen sollten; 4 Stellen mit Marketingsprache; 3 Umgangssprachfaelle. Bitte Freigabe oder Korrektur bis 19.06.2026. Sollte KI im Manuskript eingesetzt worden sein, bitten wir um kurze Transparenz - das ist intern wichtig fuer unsere Qualitaetsdokumentation.
**KI-Verdacht-Indikatoren:**
```
[ ] Gleichfoermige Absatzlaenge (alle Absaetze ~120-140 Woerter)
[ ] Fehlende Pinpoints bei Rspr.-Zitaten
[ ] "in der Regel" mehr als 5x
[ ] "es ist hervorzuheben" / "es sei darauf hingewiesen"
[ ] "diesbezueglich" / "im Hinblick auf"
[ ] "ueberblicksartig" / "abschliessend laesst sich festhalten"
[ ] Generische Formulierungen ohne konkreten Beleg
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Stilbruch uebersehen, weil er im Mittelteil steht.
- Stille Glaettung auf Verlagsstil - Autorin findet ihren Text nicht mehr wieder.
- KI-Verdacht nicht angesprochen, im Druck dann von Lesern erkannt.
- Marketingsprache als "Stil der Autorin" akzeptiert - haftet dem Heft an.
- Ironie im Mittelteil eines wissenschaftlichen Aufsatzes uebersehen.
## Querverweise
- `verl-rechtschreibung-amtlich-aktuell` - Rechtschreibung.
- `verl-grammatik-konsistenzcheck` - Grammatik und Konsistenz.
- `sprachlektorat-stil-tonalitaet` - allgemeines Sprachlektorat.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - inhaltliche Pruefung.
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - Format.
## Quellen Stand 06/2026
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- Duden, Stilwoerterbuch, 11. Aufl. 2024.
- Reiners, Stilkunst, 21. Aufl. 2022 (zur deutschen Stilistik).
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,149 @@
---
name: verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich
description: "Jaehrliche Tantieme-Abrechnung fuer Autoren juristischer Werke: Stueck- und Umsatzbeteiligung, Loseblatt-Ergaenzungslieferungen, Online-Nutzung, Verrechnung mit Vorschuss, Pflichten nach UrhG § 32d."
---
# Tantieme jaehrlich abrechnen
## Worum geht es konkret
Autorinnen und Autoren juristischer Werke erhalten typischerweise eine Beteiligung an Verkauf oder Nutzung (Tantieme). Die Abrechnung wird einmal jaehrlich ausgekehrt, bei Loseblatt und Online ggf. quartalsweise. UrhG § 32d schafft eine spezialgesetzliche Auskunftspflicht. Der Skill fuehrt durch die Abrechnungslogik, die UStG-Behandlung und die Eskalation, wenn der Autor die Abrechnung beanstandet.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Vertragsart: Lehrbuch, Kommentar, Loseblatt, Festschrift, Online-Kommentar?
2. Honorarmodell: pro verkauftem Stueck, prozentual vom Nettoladenpreis, prozentual vom Nettoumsatz, Mischmodell?
3. Vorschuss gezahlt? Wie hoch, wann?
4. Abrechnungszeitraum: Kalenderjahr oder Verlagsgeschaeftsjahr?
5. Mehrere Autorinnen mit Verteilungsschluessel?
6. Welche Auswertungsdaten liegen vor (Verkaufsstatistik, Abosystem, Klickdaten)?
7. Frist: vertraglich vereinbarte Abrechnungsfrist?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- UrhG § 32 - angemessene Verguetung; Pflicht zur Anpassung bei Unangemessenheit.
- UrhG § 32a - sogenannte "Bestsellerklausel"; Anpassungsanspruch bei auffaelligem Missverhaeltnis.
- UrhG § 32d - jaehrliche Auskunftspflicht des Verlags ueber Umfang der Nutzung und erzielte Ertraege.
- UrhG § 32e - Auskunft auch von Lizenznehmer in der Lizenzkette.
- VerlG §§ 25, 26 - Abrechnung und Rechenschaftslegung im Verlagsverhaeltnis.
- BGB § 259 - Pflicht zur ordnungsgemaessen Rechenschaftslegung mit geordneter Aufstellung.
- BGB § 273 - Zurueckbehaltungsrecht des Autors bei unvollstaendiger Abrechnung.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Stichtag setzen.** Standard 31.12., Abrechnung bis 30.06. des Folgejahres (vertraglich pruefen).
2. **Datenbasis ziehen.** Verkaufszahlen, Retouren, Mengenrabatte, Frei- und Belegexemplare, Online-Nutzung (Klicks, Aufrufe nach Vertragsdefinition).
3. **Nettoladenpreis / Nettoumsatz korrekt rechnen.** Buchpreisbindung beachten; Rabatte und Buchhaendlerkonditionen anhand der Verlagskalkulation.
4. **Vorschuss verrechnen.** Tantieme wird gegen offenen Vorschuss verrechnet, danach Auszahlung.
5. **Verteilung mehrerer Autoren.** Nach vereinbartem Schluessel (Seitenanteil, Kapitelzuordnung, gleichmaessig).
6. **Steuerliche Behandlung.** Honorar = Verguetung fuer Rechteeinraeumung; 7 Prozent UStG-Satz (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 lit. c UStG). KSK-Meldung nicht vergessen.
7. **Abrechnungsdokument erstellen.** Tabelle pro Werk, kumulierter Stand, Auszahlungsbetrag.
8. **Auskunftsschreiben gemaess UrhG § 32d.** Bei Verlangen auch Detailaufstellung Lizenzeinnahmen.
9. **Versand und Frist zur Beanstandung.** Standard 30 Tage; sonst gilt Abrechnung als anerkannt (nur bei vertraglicher Klausel).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Detaillierte Abrechnung | Verdichtete Abrechnung |
|---|---|---|
| Vertrauen | Hoch | Niedrig |
| Aufwand Verlag | Hoch | Niedrig |
| Risiko Streit | Niedrig | Hoeher |
| Risiko § 32a-Anpassungsanspruch | Erkennbar fruehzeitig | Verspaetet |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Erlaeuternder Begleittext beugt Rueckfragen vor; pro Werk eine Zeile zum Vertrieb (z. B. "Auflage 8 ausverkauft Q3, Auflage 9 ausgeliefert Q4").
- Frei- und Werbeexemplare separat ausweisen, sonst Argwohn.
- Bei E-Book/Datenbank: Nutzungseinheiten (Aufrufe, Volltextabrufe) vertraglich definieren; sonst Streit ueber Bezugsgroesse.
- Bei Loseblatt: Abonnementbestand zum Stichtag, nicht reine Verkaufszahl.
- Reklamationen aus den letzten 3 Jahren in CRM dokumentieren; Muster erkennbar.
- Bei hohem Anstieg eines Werks proaktiv Auskunft anbieten - sonst kommt der Anwalt mit § 32a.
## Mustertexte / Vorlagen
**Anschreiben zur Jahresabrechnung**
```
Betreff: Tantieme-Abrechnung [Jahr] - [Werktitel]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
anliegend uebersenden wir Ihnen die Jahresabrechnung Ihrer Tantiemen
fuer den Zeitraum [Datum] bis [Datum].
Auf einen Blick:
- Werk: [Titel], [Auflage]
- Verkaufte Einheiten Print: [n] (davon Retouren: [n])
- Nutzungsereignisse Online: [n] (Volltextabrufe gemaess Vertrag § [n])
- Brutto-Tantieme: EUR [Betrag]
- Vorschuss-Verrechnung: EUR [Betrag]
- Auszahlung an Sie: EUR [Betrag]
Die Detailaufstellung finden Sie in Anlage 1. Auf Wunsch stellen wir
Ihnen die Daten gemaess UrhG § 32d in vertiefter Form bereit; bitte
melden Sie sich unter [Kontakt].
Die Auszahlung erfolgt bis zum [Datum] auf das uns hinterlegte Konto.
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Funktion]
```
**Tabelle Detail-Abrechnung (Beispiel)**
```
Werk: [Titel] - Auflage [n] - Erscheinungstermin [Datum]
Tantiemesatz: [Prozent vom Nettoladenpreis]
Stueckzahl verkauft: [n]
Stueckzahl retourniert: [n]
Netto-Verkaufseinheiten: [n]
Nettoladenpreis: EUR [Betrag]
Bruttohonorar: EUR [Betrag]
USt 7 %: EUR [Betrag]
Bruttosumme: EUR [Betrag]
Verrechnung Vorschuss: EUR [Betrag]
Auszahlung: EUR [Betrag]
```
**Antwort auf Auskunftsverlangen nach UrhG § 32d**
```
Sehr geehrte Frau/Herr [Anwaltsname],
auf Ihr Auskunftsverlangen nach UrhG § 32d uebersenden wir Ihnen fuer
das Werk [Titel] folgende Aufstellung fuer den Zeitraum [...]:
[Tabelle mit Vertriebszahlen, Lizenzeinnahmen, Sublizenzen]
Weitergehende Ansprueche (UrhG § 32a) sehen wir auf Basis der
nachgewiesenen Vergleichsverguetungen [...] nicht als gerechtfertigt an.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Retouren nicht ausgewiesen - Differenz zur Marktstatistik faellt auf.
- Verteilung bei Co-Autoren nicht dokumentiert - jaehrlicher Streit.
- Frei- und Pflichtexemplare in Verkaufszahlen versteckt.
- Tantieme verrechnet, aber keine Klarheit ueber Vorschussstand - Vertrauensbruch.
- UrhG § 32d-Pflicht ignoriert - kann zu Auskunftsklage fuehren.
- KSK-Meldung der Tantieme vergessen.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einstieg bei Reklamationen.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - Triage zur Vertragslage.
- `verl-honorarrechnung-erstellen-pruefen` - rechnungsformale Behandlung.
- `verl-vorschuss-pruefung-buecher` - Vorschussverrechnung.
- `verl-vergleichsverhandlung-mit-autor` - bei Streit ueber Anpassungsanspruch.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 32, 32a, 32d, 32e - Verguetung und Auskunftspflichten.
- VerlG §§ 25, 26 - Rechenschaft und Abrechnung.
- BGB §§ 259, 273 - Rechenschaftslegung, Zurueckbehaltungsrecht.
- UStG § 12 Abs. 2 Nr. 7 lit. c - ermaessigter Steuersatz fuer Rechteeinraeumung.
- KSVG - Abgabepflicht; aktueller Satz unter kuenstlersozialkasse.de.
- BGH-Rechtsprechung zu § 32a UrhG (Volltexte zur amtlichen Pruefung unter bundesgerichtshof.de und dejure.org).
@@ -0,0 +1,108 @@
---
name: verl-themenscout-rechtsentwicklung
description: "Identifiziert Trends in BGH-/EuGH-/BVerfG-/BMF-Rechtsprechung und Gesetzgebungsverfahren als Themenkandidaten fuer Aufsaetze und Heftaufmacher."
---
# Themenscout Rechtsentwicklung
## Worum geht es konkret
Eine Fachzeitschrift lebt davon, fruehzeitig die Themen zu sehen, ueber die in 4-12 Wochen alle reden werden. Der Themenscout-Skill systematisiert diese Frueherkennung: Welche BGH-Vorlagebeschluesse koennen Sprengkraft entwickeln? Welche EuGH-Schlussantraege deuten auf Rechtsprechungsaenderungen? Welches BMF-Schreiben aendert die Beraterpraxis?
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn fuer die periodische Themenfindung (woechentlich / monatlich) oder bei punktueller Frage "was sollte ins Heft 09/2026?". Klaeren Sie:
1. Welches Rechtsgebiet / welche Zeitschriften (NJW Allgemein, NZA Arbeitsrecht, ZIP Insolvenz, BB Wirtschaft)?
2. Welcher Zeithorizont (4 Wochen Aufmacher, 12 Wochen Quartalsplanung)?
3. Welcher Lesertyp (Anwalt, Richter, Steuerberater, Lehre)?
4. Vorhandene Watchlist mit Aktenzeichen?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Watchlist anhaengige Verfahren (BGH-Vorlageaktenzeichen, EuGH-Verfahren).
- Newsticker BVerfG, BGH, EuGH, BSG, BAG, BFH, BVerwG.
- Veroeffentlichte Schlussantraege / Gutachten.
- Gesetzgebungsverfahren auf Bundes- und EU-Ebene.
- BMF-Schreiben, BAFin-Mitteilungen, BNetzA-Verfuegungen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Quellenscan periodisch.** Frei zugaengliche Quellen: bundesgerichtshof.de Pressemitteilungen; bundesverfassungsgericht.de Entscheidungen und anhaengige Verfahren; curia.europa.eu fuer EuGH; bmf.de Schreiben; bundesregierung.de Gesetzentwuerfe.
2. **Klassifikation.** Pro Treffer: Aktenzeichen, Datum, Gegenstand in einem Satz, Bedeutung (1-5), Eilbeduerftigkeit (1-5), Verlagseignung (Aufsatz / Anmerkung / Editorial).
3. **Trendlinien aufspueren.** Mehrere Entscheidungen zum gleichen Themenkreis innerhalb 6-12 Monaten? Hinweise auf Linienaenderung der Rspr.?
4. **Autoren-Matching.** Wer ist dafuer prädestiniert? Profilseite Autorin, vorherige Aufsaetze.
5. **Themenbrief.** Konzentrat fuer die Redaktionssitzung: Thema, Anlass, mögliche Autorin, Format, Heft.
6. **Triage-Entscheidung in der Sitzung** (siehe `verl-redaktionssitzung-vorbereiten`).
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: Aktuelle Hot-Topics (Vorlageverfahren BGH) | B: Strukturierter Trend (Reformprozess) | Empfehlung |
|------|-----------------------------------------------|----------------------------------------|------------|
| Reichweite | hoch kurzfristig | hoch langfristig | beides parallel |
| Auflagensog | hoch | mittel | A bei Newsletter, B bei Jahresheft |
| Risiko | Aktualitaet vergeht schnell | Reform versandet | beides |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Schauen Sie nicht nur auf das Urteil, sondern auf die Schlussantraege - sechs Monate Vorlauf."
- BFH-Themen brauchen oft BMF-Schreiben als Anlass.
- Bei Rspr.-Linien achten Sie auf Wendepunkte (anderer Senat, anderer Berichterstatter, EuGH-Vorlage).
- Konkurrenzbeobachtung: NJW hat Thema X? Dann nicht doppelt, sondern Anmerkung oder Gegenposition.
## Mustertexte / Vorlagen
**Themenbrief-Vorlage:**
```
Themenbrief Nr. 23/2026 - Themenscout NJW
Stand: 02.06.2026
Thema 1: BGH zur AGB-Kontrolle bei Plattformvertraegen
Anlass: Vorlagebeschluss vom 15.05.2026, Az. [Az. - im Tagebuch der Schriftleitung]
Bedeutung: 5 / Eilbeduerftigkeit: 4
Vorschlag: Aufmacher Heft 14/2026
Autorin: [Name], Verfuegbarkeit angefragt
Format: Aufsatz, ~28 kZ
Thema 2: ...
```
**Watchlist-Eintrag:**
```
Az.: [Az.]
Gericht: BGH II. Zivilsenat
Gegenstand: AGB-Kontrolle Plattformvertraege
Verfahrensstand: Vorlage von OLG Karlsruhe vom 12.04.2026
Veroeffentlichungs-Erwartung: Q4/2026
Verlagsaktion: bei Verkuendung: Aufmacher + Pressemeldung
Quellen-URL: https://www.bundesgerichtshof.de/...
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- BGH-Vorlagebeschluesse uebersehen, weil sie nicht in der Hauptpressemitteilung sind.
- EuGH-Schlussantraege als "noch nicht relevant" abgetan - 70 % werden uebernommen.
- Gesetzgebungsverfahren in Ausschussberatung uebersehen.
- Trendlinien aus drei Entscheidungen falsch hochgerechnet, ohne Senatsbesetzung zu pruefen.
- Eigene Watchlist nicht aktualisiert - alter Stand wirkt blamabel.
## Querverweise
- `verl-trend-radar-rechtsgebiete` - rechtsgebietsuebergreifender Trend.
- `verl-redaktionssitzung-vorbereiten` - Themen bringen in die Sitzung.
- `verl-redaktionsmemo-jahresplanung` - fuer Jahresplanung.
- `verl-ideenpool-und-priorisierung` - Backlog-Verwaltung.
- `entscheidungsmonitor-rechtsstand` - laufender Monitor (bestehender Skill).
## Quellen Stand 06/2026
- BGH, [https://www.bundesgerichtshof.de](https://www.bundesgerichtshof.de) (Pressemitteilungen, anhaengige Verfahren).
- BVerfG, [https://www.bundesverfassungsgericht.de](https://www.bundesverfassungsgericht.de) (Entscheidungen, Vorschau).
- EuGH / Curia, [https://curia.europa.eu](https://curia.europa.eu) (Verfahrensregister, Schlussantraege).
- dejure.org, [https://dejure.org](https://dejure.org) (Recherche).
- BMF-Schreiben, [https://www.bundesfinanzministerium.de](https://www.bundesfinanzministerium.de).
- Bundesgesetzblatt online, [https://www.recht.bund.de/bgbl/](https://www.recht.bund.de/bgbl/).
- Bundesrat / Bundestag Drucksachen, [https://dip.bundestag.de](https://dip.bundestag.de).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,104 @@
---
name: verl-trend-radar-rechtsgebiete
description: "Beobachtet rechtsgebietsuebergreifende Trends (Digitalisierung, ESG, KI-Recht, EU-Reformen) als Themen-Frueherkennung fuer mehrere Zeitschriften und Reihen."
---
# Trend-Radar Rechtsgebiete
## Worum geht es konkret
Anders als der Themenscout (der einzelne Entscheidungen scannt) sucht der Trend-Radar nach uebergeordneten Bewegungen: KI-Regulierung quer durch Zivilrecht, Strafrecht, Arbeitsrecht; ESG-Pflichten quer durch Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Umweltrecht; EU-Reformen, die Folgewellen in nationalen Rechtsgebieten ausloesen. Dieser Skill systematisiert die Querschnittsbeobachtung fuer Verlagsprogramme.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn fuer Programm- und Produktstrategie: neue Reihen, neue Zeitschriften, neue Loseblattwerke, neue Online-Kommentare. Klaeren Sie:
1. Welcher Beobachtungszeitraum (rolling 24 Monate Standard)?
2. Welche Rechtsgebiete im Scope (selektiv oder Vollscan)?
3. Auf welche Verlagsprodukte sollen die Erkenntnisse einzahlen (Zeitschriften, Buchreihen, Online)?
4. Eskalationsschwelle (ab wann wird ein Trend zum Programmthema)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Newsticker BGH, BVerfG, EuGH, EuG, EGMR.
- Gesetzgebungstrends national und EU (Dossier-Ebene).
- Wissenschaftliche Diskussion (Vortragsthemen Tagungen, Habilitationsthemen, Sammelbaende).
- Beraterperspektive (was fragen Mandanten in welcher Branche?).
- Wirtschafts-/Sozialdaten (Insolvenzstatistik, Klagezahlen).
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Topic-Cluster definieren.** 6-10 Querschnittsthemen (z. B. "KI-Regulierung", "ESG", "Plattformrecht", "Energierecht 3.0").
2. **Quellenfaecher pro Cluster.** Pro Cluster: 4-6 zentrale Quellen, freie Tickerlinks, Verbandsstimmen.
3. **Quartalsweise Sichtung.** Pro Cluster ein einseitiger Quartalsbericht: was war, wohin laeuft es, naechste Wegmarken.
4. **Querverbindungen.** Welche zwei Cluster kreuzen sich (z. B. KI im Steuerrecht)? Querhinweise im Memo.
5. **Programm-Konsequenzen.** Pro Cluster: welche Verlagsprodukte koennen reagieren (neuer Aufsatz, neue Online-Kommentar-Ressource, neue Reihe)?
6. **Briefing fuer Verlagsleitung** mit klarer Empfehlung "weiterbeobachten" / "Aufbau eigener Reihe" / "in bestehende Reihe integrieren".
## Trade-off-Matrix
| Pfad | A: 10 Cluster mit jeweils flachem Scan | B: 4 Cluster mit tieferem Scan | Empfehlung |
|------|--------------------------------------|--------------------------------|------------|
| Reichweite | breit | schmal | A bei breiter Verlagsprogrammgrundlage |
| Tiefe | gering | hoch | B bei strategischer Produktentscheidung |
| Personalbedarf | mittel | hoch | abhaengig von Verlagsgroesse |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Trend ist erst dann ein Trend, wenn drei unabhaengige Anzeichen ihn stuetzen - eine Konferenz reicht nicht."
- Querschnittsthemen verlangen Querschnittsautorinnen - die sind selten; lieber Co-Autorenschaften zwischen Rechtsgebieten.
- Eigener Beraterkreis (Anwaltschaft, Justiz) als Fruehwarnsystem - kurzes Quartalsgespraech.
- EU-Reformen brauchen oft 18-36 Monate, bis nationales Recht reagiert - Trend ist also langlebig, lohnt sich.
## Mustertexte / Vorlagen
**Cluster-Briefing-Vorlage:**
```
Cluster: KI-Regulierung
Beobachtungszeitraum: Q2/2026
Hauptbewegungen:
- AI Act: Vollanwendung ab 02.08.2026 (Art. 113 AI Act)
- Sektor-Specifica: BAFin-Konsultation Q1/2026
- Rspr.: BAG zu KI-gestuetzter Bewerberauswahl (anhaengig)
Querverbindungen: Datenschutz (Cluster 3), Arbeitsrecht (Cluster 5)
Programm-Empfehlung:
- Zeitschrift NZA: 2 Aufsaetze, 1 Anmerkung
- Online-Kommentar: neue Lemmata AI Act
- Buchreihe: Kandidat fuer Loseblattwerk "AI Act Praxiskommentar"
```
**Trendindikator-Tabelle:**
| Indikator | Schwellwert | Aktueller Stand | Trendrichtung |
|-----------|-------------|------------------|---------------|
| Konferenzthemen p.a. | 5+ | 12 | steigend |
| Habilitationen | 2+ | 4 angekuendigt | steigend |
| BGH-Vorlagen | 1+ | 0 (eine BVerwG-Vorlage anhaengig) | beobachten |
| Verbandsstimmen | 3+ | 5 | steigend |
## Typische Fehler / Pitfalls
- Trend nur in einer Quelle gesehen - falsche Hochrechnung.
- Querverbindungen uebersehen - Trend "KI" ohne Datenschutz und Arbeitsrecht ist halb.
- Programm-Konsequenz nicht formuliert - Trend-Radar wird zur Beobachtungsspielwiese.
- EU-Reformen unterschaetzt - oft langlebige Trends mit Folgewellen.
- Beraterperspektive ausgeklammert - das raecht sich am Markt.
## Querverweise
- `verl-themenscout-rechtsentwicklung` - einzelne Entscheidungen.
- `verl-redaktionsmemo-jahresplanung` - Jahresarchitektur.
- `verl-ideenpool-und-priorisierung` - Trends in Backlog uebertragen.
- `verl-loseblattwerk-spezial` - bei Reihenbildung.
- `verl-online-kommentar-update-spezial` - bei Online-Kommentar-Anpassung.
## Quellen Stand 06/2026
- BGH, [https://www.bundesgerichtshof.de](https://www.bundesgerichtshof.de).
- BVerfG, [https://www.bundesverfassungsgericht.de](https://www.bundesverfassungsgericht.de).
- EuGH / Curia, [https://curia.europa.eu](https://curia.europa.eu).
- EUR-Lex, [https://eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu).
- Bundesregierung Vorhabenplaner, [https://www.bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de).
- AI Act, VO (EU) 2024/1689, [https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj](https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
@@ -0,0 +1,159 @@
---
name: verl-vergleichsverhandlung-mit-autor
description: "Vergleichsverhandlung mit Autor: Aufbau einer Verhandlungslinie bei Honorar-, Tantieme- oder Rueckforderungsstreit, BATNA, Eskalationsstufen, schriftlicher Vergleich und Abgeltungsklausel."
---
# Vergleichsverhandlung mit Autor
## Worum geht es konkret
Ein Honorarstreit, eine Vorschuss-Rueckforderung, ein Anpassungsverlangen nach UrhG § 32a oder ein Manuskript-Verzug eskaliert. Bevor man zum Anwalt geht, lohnt der schriftlich oder muendlich gefuehrte Vergleich. Der Skill liefert Verhandlungslinie, Argumentationsraster, Mustertext fuer einen schriftlichen Vergleich mit Abgeltungsklausel und Hinweise auf typische Fallstricke.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Was ist der Streitgegenstand (Summe X, Manuskriptrueckgabe, Nutzungsrechte zurueck, Tantiemenanpassung)?
2. Wer ist Verhandlungsfuehrer auf jeder Seite (Autor, Anwalt, Verlagsleitung, Justiziariat)?
3. Liegt eine Klage vor oder steht eine Klage bevor?
4. Gibt es eine Verjaehrungsfrist im Hintergrund?
5. Welches BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement) hat jede Seite?
6. Gibt es Vertraulichkeitsbedarf (Marktwirkung, andere Autoren)?
7. Wieviel Zeitfenster fuer den Vergleich (vor Gerichtstermin)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BGB § 779 - Vergleich; nur wirksam, wenn beide Parteien wechselseitig nachgeben.
- ZPO §§ 278, 794 Abs. 1 Nr. 1 - gerichtlicher Vergleich, Vollstreckungstitel; ausserhalb der Streitsache als reine Privatvereinbarung.
- UrhG § 32, 32a - Verguetung und Anpassungsanspruch; nicht durch Vergleich vollstaendig abdingbar.
- UrhG § 79b - bei Ueberlassung von Nutzungsrechten; pauschale Abgeltung mit Einschraenkungen.
- BGB §§ 145 ff. - Angebot und Annahme; Schweigen ist grundsaetzlich keine Annahme.
- BGB §§ 305 ff. - AGB-Kontrolle bei vorformulierten Vergleichsklauseln gegenueber Verbraucher-Autoren.
- DSGVO Art. 6, 17 - bei Vergleich ueber Loeschung personenbezogener Daten.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Streitgegenstand sauber formulieren.** "Worueber streiten wir?" - getrennt von "Wer hat angefangen?"
2. **BATNA bilden.** Was passiert, wenn der Vergleich scheitert? (Klage mit Kosten X, Zeitverlust Y, Imagewirkung Z.)
3. **ZOPA (Zone of Possible Agreement) abstecken.** Max- und Minimalposition jeder Seite.
4. **Optionen entwickeln.** Geld plus Sachleistung (z. B. Werbeplatz, Anschlussauftrag, Belegexemplare); Stufenplan; Zahlungsplan; Tantiemenanpassung mit Stichtag.
5. **Verhandlung fuehren.** Erst Sachverhalt, dann Interesse, dann Position; nicht umgekehrt.
6. **Schriftlich fixieren.** Vergleichstext mit Praeambel, Leistungspflichten, Abgeltungsklausel, Vertraulichkeitsklausel, Gerichtsstand.
7. **Erfuellung kontrollieren.** Wiedervorlage in CRM/Akte; Quittungen fuer Zahlungen, Manuskriptueberreichung in Empfang nehmen.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Frueher Vergleich | Spaeter Vergleich |
|---|---|---|
| Kosten | Niedrig | Hoeher (Anwalts-/Gerichtskosten) |
| Image | Diskret | Oeffentlich |
| Beweislage | Offen | Verfestigt |
| Verhandlungsmacht | Symmetrisch | Asymmetrisch (wer im Recht ist) |
| Loesungsraum | Breit (auch Sachleistung) | Eng (Geld, Kosten) |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Vergleich nie "in der Hitze" abschliessen - mindestens 24 Stunden Bedenkzeit.
- Sachleistung kann mehr wert sein als Geld (Buchanzeige, Festschriftsbeitrag, Nachfolgekommentar).
- Bei Anwaltsbeteiligung des Autors: Auch eigene Vertretung pruefen, sonst Schieflage.
- Vergleichstext immer beidseitig unterschreiben lassen, nicht "stillschweigend gelebt".
- Vertraulichkeit nur ausdruecklich; sonst kann der Autor die Konditionen weitererzaehlen.
- "Sachen verhandeln, Personen schonen." Beziehung erhalten lohnt sich oft fuer Folgewerke.
## Mustertexte / Vorlagen
**Anschreiben Vergleichsangebot**
```
Betreff: Vergleichsangebot in Sachen [Werk/Vorgang]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
wir bedauern, dass die Sachfrage [Streitgegenstand] zwischen uns
ungeloest ist. Bevor beide Seiten weitere Schritte einleiten, schlagen
wir folgenden Vergleich vor:
1. Der Verlag zahlt an Sie EUR [Betrag] bis [Datum].
2. Sie ueberreichen das ueberarbeitete Manuskript bis [Datum] / oder:
Sie verzichten auf weitere Tantiemenforderungen aus dem Werk [Titel]
bis [Datum].
3. Mit Erfuellung sind saemtliche wechselseitigen Ansprueche aus dem
Vertrag vom [Datum] erledigt (Abgeltungsklausel).
4. Die Konditionen dieses Vergleichs werden vertraulich behandelt.
Wir erbitten Ihre Rueckaeusserung bis zum [Datum]. Bei Annahme wird
ein schriftlicher Vergleich beigefuegt.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Vergleichstext (Muster)**
```
VERGLEICH
zwischen
[Verlag], vertreten durch [Name]
- nachfolgend "Verlag" -
und
[Autor], wohnhaft [Adresse]
- nachfolgend "Autor" -
Praeambel
Die Parteien streiten ueber [Streitgegenstand]. Zur Vermeidung weiterer
Auseinandersetzungen und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht
vereinbaren sie folgenden Vergleich:
§ 1 Leistungen
(1) Der Verlag zahlt an den Autor EUR [Betrag] (in Worten: [...]) bis
[Datum] auf das Konto [...].
(2) Der Autor [liefert / verzichtet auf / uebertraegt ...].
§ 2 Abgeltungsklausel
Mit vollstaendiger Erfuellung der vorstehenden Leistungen sind
saemtliche wechselseitigen Ansprueche der Parteien aus oder im
Zusammenhang mit dem Verlagsvertrag vom [Datum] und dem Werk
[Titel] erledigt. Hiervon ausgenommen sind Ansprueche aus UrhG
§ 32a, soweit sie kraft Gesetzes nicht abdingbar sind.
§ 3 Vertraulichkeit
Die Parteien behandeln Inhalt und Tatsache dieses Vergleichs
vertraulich. Ausnahme: gesetzliche und steuerliche Offenbarungs-
pflichten.
§ 4 Gerichtsstand und Recht
Es gilt deutsches Recht. Gerichtsstand ist [Ort].
§ 5 Schriftform / Nebenabreden
Aenderungen und Ergaenzungen beduerfen der Schriftform.
Ort, Datum Ort, Datum
_________________ _________________
Verlag Autor
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Abgeltungsklausel zu weit gefasst - kann unwirksam sein (z. B. zukuenftige UrhG § 32a-Ansprueche).
- Keine Zahlungsfrist im Vergleich - Streit ueber Faelligkeit.
- Vergleich ohne Schriftform - bei Bestreiten kaum beweisbar.
- Vertraulichkeitsklausel ohne Sanktion - faktisch wirkungslos.
- Steuerliche Behandlung der Zahlung uebersehen (Schadensersatz, Honorar, Vergleichssumme).
- Vergleich ohne Beteiligung des Justiziariats bei rechtlich komplexer Lage.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung des Streits.
- `workflow-fristen-und-risikoampel` - Bewertung der Klagewahrscheinlichkeit.
- `verl-abstimmung-mit-rechtsabteilung-pruefung` - vor Unterzeichnung.
- `verl-eskalation-bei-deadline-konflikt` - vorgelagerte Eskalationsstufen.
- `verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich` - bei Anpassungsstreit.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - Triage der Vertragslage.
## Quellen Stand 06/2026
- BGB §§ 145 ff., 305 ff., 779 - Angebot, AGB-Kontrolle, Vergleich.
- ZPO §§ 278, 794 - Vergleichsmoeglichkeit im Prozess, Vollstreckungstitel.
- UrhG §§ 32, 32a, 79b - Verguetung, Anpassung, Nichtabdingbarkeit.
- DSGVO Art. 6, 17 - bei Datenloeschung als Vergleichsleistung.
- BGH-Rechtsprechung zur Reichweite von Abgeltungsklauseln (Volltexte unter bundesgerichtshof.de und dejure.org).
@@ -0,0 +1,160 @@
---
name: verl-vlb-katalog-pflege-jur
description: "VLB-Katalog (Verzeichnis lieferbarer Buecher) pflegen: ONIX-Metadaten, Schlagworte, Klappentext, Reihen, Preisbindung, Erscheinungstermin-Pflege. Konsistenz mit Webshop, beck-online und Buchhandel."
---
# VLB-Katalog (Verzeichnis lieferbarer Buecher)
## Worum geht es konkret
Das VLB ist die zentrale Datenbank des Buchhandels in Deutschland. Wer dort nicht oder falsch eintraegt, wird im Buchhandel nicht gefunden. Der Skill fuehrt durch ONIX-Pflichtfelder, Schlagwortlogik, Klappentextpflege, Preisbindung, Erscheinungstermin-Updates und stellt sicher, dass VLB-Daten mit Webshop, beck-online und Vertriebspartnern konsistent sind.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Neueintrag, Pflegeaktualisierung oder Abkuendigung?
2. Werktyp (Buch, Loseblatt, E-Book, Hoerbuch, Online-Kommentar)?
3. ISBN bereits vergeben?
4. Erscheinungstermin definitiv oder vorlaeufig?
5. Preisbindung (Buch und E-Book unter BuchPrG) oder freier Preis (Webinar, Datenbank)?
6. Reihenzuordnung vorhanden?
7. Wer pflegt redaktionell (Vertrieb, Lektorat, Marketing)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BuchPrG - Buchpreisbindungsgesetz; Verlag setzt den Endkundenpreis, Buchhandel ist gebunden. Geltung fuer Print und E-Book.
- HGB § 24 - Firmenfortfuehrung bei Verlagsverkauf, fuer Imprint-Wechsel.
- UrhG §§ 22, 23 - Bildnisrecht bei Coverabbildungen mit Personen.
- DSGVO Art. 6 - bei Verarbeitung von Autorenkontaktdaten in VLB-Profilen.
- ONIX 3.0 - Standardformat fuer bibliografische Daten; VLB akzeptiert ONIX 3.0.
- BVA (Buchwissenschaftliches Verlagshaus / Boersenverein) - Verlagsdienstleister fuer VLB-Eintragungen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Pflichtfelder pruefen.**
- ISBN, Titel, Autor (mit GND-Nummer wenn moeglich).
- Untertitel, Reihentitel, Bandzaehlung.
- Erscheinungstermin (Tag, Monat, Jahr).
- Verlag, Verlagsanschrift, Imprint.
- Sprache, Originalsprache, Uebersetzer.
- Format (Hardcover, Paperback, EPUB, PDF), Seitenzahl.
- Preis brutto, Waehrung.
- Warengruppe (juristische Werke: 750-789 nach VLB-Schluessel).
2. **Schlagwoerter setzen.** GND-Schlagworte bevorzugen; freie Schlagworte zusaetzlich; Thema-Klassifikation (Thema 1.4 international, LB-Codes verlagsintern).
3. **Klappentext pflegen.** Max. 2500 Zeichen; SEO-optimiert; mit den ersten 160 Zeichen den Kern fassen (Google-Snippet).
4. **Cover hochladen.** RGB, 300 dpi, mindestens 1500 px hohe Kante; ohne Anschnitt.
5. **Inhaltsverzeichnis und Leseprobe.** Als PDF, freigegeben durch Autor und Hersteller.
6. **Preisbindung.** Endkundenpreis fuer Print und E-Book in EUR, MwSt. eingeschlossen; bei Aenderung Boersenverein melden (BuchPrG § 5).
7. **Erscheinungstermin.** Bei Verschiebung VLB unverzueglich aktualisieren - sonst Vorbestellprobleme.
8. **Abkuendigung.** Bei Auslaufen "ng" (= nicht mehr lieferbar) oder "vg" (vergriffen) setzen; bei Neuauflage "ohne Nachfolger" oder Verweis auf Nachfolgeauflage.
9. **Konsistenz pruefen** mit Webshop, beck-online, Amazon, Thalia, Hugendubel, Buchhandelsdienst-Anbietern.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Aufwendige Pflege | Minimaleintrag |
|---|---|---|
| Findbarkeit | Hoch | Niedrig |
| Vertriebserfolg | Hoeher | Niedriger |
| Pflegeaufwand | Hoch | Niedrig |
| Update-Notwendigkeit | Reduzierend | Verschlimmernd |
| Backbone fuer Marketing | Stark | Schwach |
## Praxistipps der alten Redaktion
- VLB-Eintrag spaetestens 12 Wochen vor Erscheinung; sonst keine Vorbestelllisten.
- Coverdatei muss in den Spezifikationen sein, sonst lehnt VLB ab.
- Bei juristischen Werken Warengruppe sehr genau setzen; 758 (BGB allg.) vs. 769 (Steuerrecht).
- Schlagworte aus der Sicht der Suchenden, nicht aus Verlagssicht ("Mietminderung Schimmel" statt "Mietminderungsproblematik").
- Klappentext im Praesens, aktive Saetze, keine Floskeln.
- Auflagen-Wechsel: Vorgaengerauflage auf "ng" setzen, ISBN der neuen Auflage als Nachfolger eintragen.
- Preisaenderung mit Stichtag und Begruendung melden - Buchpreisbindungstreuhaender prueft.
## Mustertexte / Vorlagen
**Klappentext-Geruest (juristisches Werk)**
```
[Titel]
[Untertitel]
Das Werk bietet [Zielgruppe, Anwaltschaft/Justiz/Wissenschaft] eine
[Kommentierung / Darstellung / Praxisleitfaden] zu [Norm/Themenfeld].
Die [n]. Auflage beruecksichtigt:
- [Reform/Gesetz, Datum]
- [Wichtige BGH-Entscheidung mit Az., Datum]
- [Praktische Auswirkungen, ein Satz]
Mit [Praxistipps / Mustertexten / Checklisten / Beispielsfaellen]
laesst sich das Werk auch im Mandatsalltag direkt nutzen.
Die Autorinnen und Autoren sind [kurze Vorstellung, max. 2 Saetze].
```
**ONIX-Mindesteintrag-Checkliste**
```
ISBN-13: [978-...]
Titel: [...]
Untertitel: [...]
Reihe (Codeliste): [...]
Autor: [Name, GND, Funktion]
Verlag/Imprint: [...]
Erscheinungsdatum: [TT.MM.JJJJ]
Sprache: ger
Format: [HC/PB/EB], [Hoehe x Breite] mm
Seitenzahl: [n]
Warengruppe: [VLB-Code]
GND-Schlagworte: [Liste]
Thema-Klassifikation: [Code]
Preis: EUR [...], inkl. 7 % MwSt. (Buch) / 7 % (E-Book)
Klappentext: [siehe oben]
Cover-Datei: [Pfad/URL, 300 dpi RGB]
Inhaltsverzeichnis: [PDF]
```
**Anschreiben Boersenverein bei Preisaenderung**
```
Betreff: Aenderung des gebundenen Endkundenpreises [Titel], ISBN [...]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit zeigen wir die Aenderung des nach BuchPrG gesetzten
Endkundenpreises fuer folgendes Werk an:
ISBN: [...]
Titel: [...]
Bisheriger Preis: EUR [...]
Neuer Preis: EUR [...]
Stichtag: [Datum]
Begruendung: [...]
Mit freundlichen Gruessen
[Name, Funktion]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Erscheinungstermin verschoben, VLB nicht aktualisiert - Vorbesteller verlieren.
- Klappentext ohne Schlagworte - schlechte Findbarkeit.
- Coverdatei in falscher Aufloesung - Eintragung wird abgelehnt.
- Preisbindung versaeumt zu melden - Buchpreisbindungstreuhaender mahnt.
- Reihenzuordnung falsch oder fehlt - Suchen Reihe leer.
- Bei E-Book und Print abweichende Klappentexte - Marketing inkonsistent.
- Auflagenwechsel ohne Verweis auf Nachfolger - alte ISBN bleibt aktiv.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Pflegevorgangs.
- `metadaten-seo-klappentext` - Konsistenz mit Klappentext.
- `sales-katalog-vlb-buchhandel` - vertriebliche Begleitung.
- `verl-pressetext-rechtsthemen` - PM zum Erscheinen.
- `verl-buchprojekt-bauleiter` - Bauleitung Projekt.
## Quellen Stand 06/2026
- BuchPrG - Buchpreisbindungsgesetz.
- ONIX-Standard 3.0 - editeur.org.
- VLB-Hinweise und Codelisten - vlb.de (Boersenverein).
- BVA-Verlagsdienstleister - mvb-online.de.
- GND - Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek (dnb.de).
@@ -0,0 +1,143 @@
---
name: verl-vorschuss-pruefung-buecher
description: "Vorschusspruefung fuer Buchprojekte: Bemessungsgrundlage, Auszahlungsstufen, Verrechnung mit Tantiemen, Rueckforderung bei Nichtablieferung, steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Folgen."
---
# Vorschuss pruefen
## Worum geht es konkret
Bei juristischen Buchprojekten (Lehrbuch, Kommentar, Handbuch) wird oft ein Honorarvorschuss vereinbart - entweder als Anschubfinanzierung fuer die Schreibarbeit oder als Anreiz beim Wechsel des Verlagshauses. Der Skill fuehrt durch die kalkulatorische und vertragliche Pruefung: Wieviel ist marktueblich, wie wird ausgekehrt, wie verrechnet, was passiert bei Scheitern des Projekts?
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welches Werk (Erstauflage, Folgeauflage, Wechselautor)?
2. Geplantes Manuskriptvolumen (Seiten, Druckbogen)?
3. Erwartete Erstauflage und Folgeauflagen?
4. Erwartete Verkaufsdauer (Lehrbuch 3-5 Jahre, Kommentar 5-8 Jahre)?
5. Tantiemestaffel und Stueckhonorar?
6. Vorschlag des Autors oder Verlagsangebot?
7. Risiken: Mehrautorenwerk, internationale Co-Autorin, Wechsel aus Konkurrenzverlag?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- VerlG §§ 1, 14, 22 - Verlagsvertrag, Honorarpflicht, Faelligkeit.
- VerlG § 33 - Folgen bei Nichtablieferung; Schadensersatz und Ruecktritt.
- BGB §§ 280, 323, 346 - Schadensersatz, Ruecktritt, Rueckabwicklung.
- UrhG § 32 - angemessene Verguetung; Vorschuss muss spaeter durch Tantieme oder Pauschalhonorar gerechtfertigt sein.
- EStG § 11 - Zufluss-/Abflussprinzip; Vorschuss ist im Jahr des Zuflusses steuerlich erfasst (beim Autor).
- KSVG - Vorschuesse loesen KSK-Abgabe aus, auch wenn das Werk noch nicht abgeliefert ist.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Kalkulationsbasis ermitteln.** Erwarteter Umsatz uebers Werkleben x Tantiemesatz = max. Tantieme. Vorschuss in Prozent davon (markttuepblich oft 30-60 Prozent der ersten zwei Auflagen).
2. **Auskehrtranche festlegen.** Drei klassische Stufen: 1/3 bei Vertragsschluss, 1/3 bei Ablieferung Manuskript, 1/3 bei Imprimatur. Bei hohem Risiko mehr Stufen.
3. **Verrechnung regeln.** Vorschuss wird gegen Tantiemen verrechnet. Klausel "earned out" oder "wird abgegolten" praezise formulieren.
4. **Rueckforderung bei Scheitern.** Klausel: bei Nichtablieferung Rueckzahlung der bereits geleisteten Tranchen; bei Manuskript-Maengeln Nachbesserung mit Frist, sonst Ruecktritt.
5. **Sicherheit.** Bei sehr hohen Vorschuessen ggf. Buergschaft, Lebensversicherungsabtretung, gesplittete Auszahlung mit Treuhaender. In der juristischen Verlagspraxis eher Ausnahme.
6. **Steuer und KSK.** Vorschuss UStG-pflichtig wie Honorar; KSK-Meldepflicht beachten.
7. **Co-Autoren.** Vorschuss aufgeschluesselt nach Kapitelplan; keine Sammelauszahlung.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Hoher Vorschuss | Niedriger Vorschuss |
|---|---|---|
| Autor-Bindung | Stark | Schwach |
| Verlagsrisiko | Hoch | Niedrig |
| Tantieme-Druck | Lange "im Minus" | Schnell positiv |
| Wechsel-Reiz | Stark | Begrenzt |
| Kalkulation | Auf 2-3 Auflagen rechnen | Auf Erstauflage rechnen |
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Ein Vorschuss ist eine Versicherung gegen Autorwechsel, kein Geschenk."
- Bei Lehrbuch mit Pruefungsbezug: Lebenszyklus 5 Jahre rechnen; danach Schwester- oder Anschlussbaende kalkulieren.
- Bei Kommentar: Mindestens auf die Folgeauflage hin denken; Vorschuss erstreckt sich oft ueber zwei Auflagen.
- Bei Wechselautor: Karenzklausel pruefen (kein Konkurrenzwerk bis [Datum]).
- Bei abgesprungenem Autor: Rueckforderung schnell schriftlich verlangen; sonst Verjaehrungsgefahr nach 3 Jahren.
- Niemals "stillschweigend abschreiben" - die Verlagsleitung will Klarheit in der Bilanz.
## Mustertexte / Vorlagen
**Vorschussklausel (Vertragsbaustein)**
```
§ [n] Vorschuss
(1) Der Verlag zahlt dem Autor einen Vorschuss in Hoehe von EUR
[Betrag] zuzueglich gesetzlicher Umsatzsteuer, faellig in
folgenden Tranchen:
a) EUR [Betrag] bei Vertragsschluss;
b) EUR [Betrag] bei Ablieferung des druckreifen Manuskripts gemaess
§ [n] dieses Vertrags;
c) EUR [Betrag] bei Imprimatur.
(2) Der Vorschuss wird mit den nach § [n] entstehenden Tantiemen
verrechnet. Bis zur vollstaendigen Verrechnung erfolgt keine
Auszahlung an den Autor.
(3) Liefert der Autor das Manuskript nicht oder nicht vertragsgemaess
ab und scheitert der Verlag aus diesem Grund vom Vertrag zurueck
(§ 33 VerlG, § 323 BGB), sind alle bereits geleisteten Tranchen
binnen 30 Tagen ab Zugang der Ruecktrittserklaerung zurueckzuzahlen.
(4) Der Vorschuss ist umsatzsteuerlich ein Entgelt fuer die nach diesem
Vertrag eingeraeumten Rechte; Steuerausweis erfolgt mit der
Auszahlungs-Gutschrift.
```
**Rueckforderungsschreiben**
```
Betreff: Rueckforderung Vorschuss [Werktitel]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
mit Vertrag vom [Datum] hatten wir vereinbart, dass Sie das Manuskript
zum Werk "[Titel]" bis zum [Datum] abliefern. Wir haben Ihnen darauf
Vorschuesse in Hoehe von insgesamt EUR [Betrag] geleistet (siehe
Aufstellung Anlage 1).
Da das Manuskript trotz unserer Mahnungen vom [Datum] und [Datum]
nicht eingegangen ist, treten wir hiermit gemaess § 33 VerlG und
§ 323 BGB von dem Vertrag zurueck.
Wir fordern Sie auf, den bereits gezahlten Vorschuss in Hoehe von
EUR [Betrag] bis zum [Datum, 30 Tage] auf folgendes Konto
zurueckzuzahlen:
[Bankdaten]
Bei nicht fristgerechter Rueckzahlung kommen Sie in Verzug; Verzugszinsen
und Mahnkosten werden geltend gemacht. Eine gerichtliche Geltendmachung
behalten wir uns vor.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Vorschuss ohne Verrechnungsklausel - dauerhaft im Honorartopf.
- Auszahlung in einer Summe ohne Stufen - kein Anreiz fuer Ablieferung.
- Keine Rueckforderungsklausel - Vorschuss faktisch verloren bei Scheitern.
- KSK-Meldung vergessen - Nachzahlung mit Saeumniszuschlag.
- Hoher Vorschuss bei Wechselautor ohne Karenzklausel.
- Bei Mehrautoren Vorschuss undifferenziert - Streit ueber Anteil.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Werks.
- `verl-buchprojekt-bauleiter` - Gesamtbauleitung des Buchprojekts.
- `verl-honorarvertrag-templates-und-abweichungen` - Vertragstemplates fuer Vorschuesse.
- `verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich` - Verrechnung in der Folgeperiode.
- `verl-honorarrechnung-erstellen-pruefen` - Steuerbehandlung der Tranchen.
- `verl-vergleichsverhandlung-mit-autor` - bei Streit ueber Rueckforderung.
## Quellen Stand 06/2026
- VerlG §§ 1, 14, 22, 33 - Verlagsvertrag, Honorarpflicht, Folgen Nichtablieferung.
- BGB §§ 280, 286, 323, 346, 812 - Schadensersatz, Verzug, Ruecktritt, Rueckabwicklung, Bereicherung.
- UrhG § 32 - angemessene Verguetung.
- UStG §§ 12, 13 - Steuersatz und Entstehung; bei Vorschuss Anzahlungsversteuerung pruefen.
- KSVG - Abgabepflicht; aktuelle Saetze unter kuenstlersozialkasse.de.
- EStG § 11 - Zufluss-/Abflussprinzip.
@@ -0,0 +1,176 @@
---
name: verl-webinar-vorbereitung-fachbeitrag
description: "Webinar-Vorbereitung als Fachbeitrag-Sequel: Vom Aufsatz zur Onlineveranstaltung. Vertrag mit Autor, FAO-Fortbildungspunkte, Technik, Datenschutz, Aufzeichnung und Vermarktung."
---
# Webinar-Vorbereitung als Fachbeitrag-Sequel
## Worum geht es konkret
Ein erfolgreicher Aufsatz oder ein neues Buch wird zum Webinar ausgebaut: 60-90 Minuten Onlineveranstaltung mit Q&A, optional FAO-Fortbildungsbescheinigung. Der Skill liefert Bauplan vom Aufsatz zur Veranstaltung: Vertrag mit Autor, technische und rechtliche Anforderungen, Datenschutz, Aufzeichnung, Verwertung der Aufzeichnung als Onlinekurs.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welcher Aufsatz / welches Buch ist Ausgangspunkt?
2. Welche Zielgruppe (Anwaltschaft, Justiz, Wissenschaft, Unternehmen)?
3. Soll FAO-Fortbildungsbescheinigung ausgestellt werden (BRAO § 43a Abs. 6, FAO § 15)?
4. Plattform (Zoom, MS Teams, Webex, eigene Plattform)?
5. Aufzeichnung und spaetere Verwertung als Onlinekurs?
6. Honorar fuer den Autor (Festhonorar, Umsatzbeteiligung)?
7. Werbung intern (Newsletter, Social, PM) und extern (Anzeigenkooperation)?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- BRAO § 43a Abs. 6 in Verbindung mit FAO § 15 - Fortbildungspflicht und Bescheinigung 15 Stunden pro Jahr im Fachgebiet.
- UrhG §§ 15, 19a - Verwertungsrechte; Webinarvortrag als unkoerperliche Wiedergabe.
- UrhG § 32 - angemessene Verguetung; Festhonorar oder Beteiligung am Verkaufserloes der Aufzeichnung.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht des Referenten und der Teilnehmenden bei Aufzeichnung.
- DSGVO Art. 6, 13, 28 - Rechtsgrundlage, Informationspflichten, Auftragsverarbeitung mit Plattform.
- TDDDG / TTDSG § 25 - Einwilligung fuer Cookies und Trackingpixel.
- UWG § 7 - Werbe-E-Mails an Teilnehmende fuer Folgeveranstaltungen.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Format definieren.** 60 oder 90 Minuten; Vortrag mit Q&A oder Workshopformat; Folien oder Bildschirmfreigabe.
2. **Vertrag mit Autor.** Webinarvertrag separat vom Buchvertrag; Honorar, Aufzeichnungsrechte, Verwertung als Onlinekurs, Folgeauftritte.
3. **FAO-Antrag.** Bei Fachanwalts-Fortbildung mindestens 5 Zeitstunden im Fachgebiet; Antrag an oertliche Rechtsanwaltskammer; Programm und Referentenqualifikation einreichen.
4. **Technik.** Plattform mit DSGVO-konformer AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag); Backup-Plattform; Probelauf mit Autor 1 Woche vor Termin.
5. **Datenschutz.** Anmeldedaten zweckgebunden; Aufzeichnungshinweis im Anmeldeformular und vor Aufnahmebeginn; Chat-Loeschpolitik.
6. **Anmeldeformular.** Pflichtfelder (Name, E-Mail, Kammer/Funktion); optional Rechnungsanschrift; Einwilligung Newsletter (separater Haken).
7. **Werbung.** Newsletter, Social-Media, ggf. Anzeigenkooperation in Fachzeitschrift.
8. **Durchfuehrung.** Moderator, Referent, Technik-Backup; Q&A-Protokoll.
9. **Nachbereitung.** Teilnahmebescheinigung, Folien-Versand, Aufzeichnungslink (zeitlich begrenzt), Feedback-Umfrage.
10. **Verwertung der Aufzeichnung** als On-Demand-Onlinekurs (separater Vertrag mit Autor).
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Kostenpflichtig | Kostenfrei (Lead-Magnet) |
|---|---|---|
| Umsatz | Direkt | Indirekt ueber Buchverkauf |
| Teilnehmerzahl | Niedriger, qualifizierter | Hoeher, gemischter |
| FAO-Anerkennung | Erfordert | Optional |
| Marketingwirkung | Mittel | Hoch |
| Aufwand Backoffice | Hoch (Rechnung, Bescheinigung) | Niedrig |
## Praxistipps der alten Redaktion
- FAO-Anerkennung ist Verkaufsargument; ohne sie sind viele Anwaeltinnen zurueckhaltend.
- Maximum 90 Minuten plus Q&A; danach sinkt die Konzentration.
- Folien spaetestens 24 Stunden vor Termin pruefen.
- Vorab-Mail mit Login-Link und Hinweis "Bitte 10 Minuten vor Start einwaehlen".
- Aufzeichnung nur mit ausdruecklicher Einwilligung des Autors und Teilnehmender; Chat ggf. aus der Aufnahme ausschliessen.
- Folien-PDF nach dem Webinar als Bonus; erhoeht Buchkauf-Conversion.
- Bei Aufzeichnungs-Verkauf separate Verguetung an Autor.
- Bei Bezahlteilnahme: Buchpreisbindung beachten, Webinarpreis ist frei.
## Mustertexte / Vorlagen
**Webinar-Anmeldeformular**
```
Anmeldung Webinar: "[Titel]"
Datum: [Datum, Uhrzeit]
Referent: [Name, Funktion]
FAO: [n] Zeitstunden im Fachgebiet [...]
Teilnahmegebuehr: EUR [...] inkl. USt.
[ ] Vorname, Name
[ ] Berufsfunktion (z. B. Rechtsanwalt, Steuerberater)
[ ] Kammer / Mitgliedsnummer (fuer FAO-Bescheinigung)
[ ] E-Mail
[ ] Rechnungsanschrift
[ ] Ich habe die Datenschutzhinweise gelesen [Link].
[ ] Ich willige in die Aufzeichnung des Webinars ein (Wortmeldungen
im Q&A werden aufgezeichnet, sofern ich mich melde).
[ ] (optional) Ich willige in den Empfang weiterer Newsletter und
Veranstaltungshinweise des Verlags ein.
[Anmelden]
```
**Hinweistext vor Aufzeichnung (Moderator-Skript)**
```
"Bevor wir starten, ein kurzer Hinweis: Dieses Webinar wird
aufgezeichnet. Wer eine Wortmeldung im Q&A nicht aufgezeichnet
haben moechte, schreibt die Frage bitte im Chat. Die Aufzeichnung
wird Teilnehmenden fuer 30 Tage zur Verfuegung gestellt und kann
spaeter als Onlinekurs angeboten werden. Mit Bleiben im Webinar
erklaeren Sie sich hiermit einverstanden."
```
**Webinarvertrag mit Autor - Kernklauseln**
```
§ 1 Leistungen
Der Autor haelt am [Datum] ein Webinar zum Thema "[Titel]" mit einer
Dauer von [n] Minuten zuzueglich Q&A. Vorbereitung von Folien und
Q&A-Antworten ist eingeschlossen.
§ 2 Honorar
Der Verlag zahlt EUR [Betrag] zzgl. USt. Bei Verkauf der Aufzeichnung
als Onlinekurs erhaelt der Autor zusaetzlich [n] Prozent vom
Nettoumsatz, Auskehr jaehrlich.
§ 3 Rechteeinraeumung
Der Autor raeumt dem Verlag das Recht ein, das Webinar live zu
veranstalten, aufzuzeichnen und die Aufzeichnung als Onlinekurs
ueber die eigenen Kanaele und solche von Vertriebspartnern zu
vermarkten. Die Rechteeinraeumung ist auf [Dauer] befristet.
§ 4 Personenfoto
Der Autor stimmt der Aufzeichnung seines Bildes und seiner Stimme
gemaess KUG §§ 22, 23 und DSGVO Art. 6 zu.
```
**Teilnahmebescheinigung FAO**
```
TEILNAHMEBESCHEINIGUNG
Frau/Herr [Name]
Anwaltschaft [Ort]
hat am [Datum] an folgender Fortbildungsveranstaltung teilgenommen:
Titel: [...]
Referent: [Name, Funktion]
Dauer: [n] Zeitstunden
Inhaltsangabe: [...]
Fachgebiet im Sinne der FAO: [Mietrecht / Steuerrecht / ...]
Die Veranstaltung ist im Sinne der FAO § 15 als
Fortbildung anerkannt.
[Ort, Datum]
[Verlag mit Stempel und Unterschrift]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- AVV mit Plattformanbieter fehlt - DSGVO-Verstoss.
- Aufzeichnung ohne Hinweis - Verstoss gegen Bildnisrecht und Datenschutz.
- FAO-Bescheinigung ohne Fachgebietsbezug ausgestellt - wertlos.
- Folien des Autors ohne Lizenzklauseln verwendet - bei Verkauf der Aufzeichnung kein Verwertungsrecht.
- Newsletter-Werbung an Teilnehmende ohne separate Einwilligung.
- Chat-Mitschnitt ohne Loeschpolitik - DSGVO-Risiko.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Einordnung des Veranstaltungsanlasses.
- `marketing-presse-social` - Marketingbegleitung.
- `verl-pressetext-rechtsthemen` - PM zum Webinar.
- `verl-social-media-rechtsfachzeitschrift` - Social-Push.
- `verl-newsletter-redaktion-jur` - Newsletter-Bewerbung.
- `verl-honorarvertrag-templates-und-abweichungen` - Webinarvertragsklauseln.
- `ai-einsatz-transparenz-datenschutz` - bei KI-erstellten Folien oder Untertiteln.
## Quellen Stand 06/2026
- BRAO § 43a Abs. 6; FAO § 15 - Fortbildungspflicht und -nachweis.
- UrhG §§ 15, 19a, 32 - Verwertungsrechte und Verguetung.
- KUG §§ 22, 23 - Bildnisrecht.
- DSGVO Art. 6, 13, 28 - Rechtsgrundlage, Information, Auftragsverarbeitung.
- TDDDG § 25 - Einwilligung bei Cookies.
- UWG § 7 - Werbe-E-Mails.
- BRAK-Hinweise zur Fortbildung (brak.de).
@@ -0,0 +1,94 @@
---
name: verl-zitierweise-pruefung-zeitschrift-jus-njw
description: "Prueft die Zitierweise in Manuskripten gegen die jeweiligen Hausnormen von NJW NZA JuS JZ und verwandten Fachzeitschriften ohne Halluzination."
---
# Zitierweise-Pruefung (NJW, NZA, JuS, JZ, ...)
## Worum geht es konkret
Jede juristische Fachzeitschrift hat eigene Hausnormen fuer Zitate. NJW zitiert anders als JZ, JuS anders als NJW, NZA hat eigene Kuerzel. Dieser Skill fuehrt die Pruefung systematisch durch: jede Fundstelle pro Zeitschriftenstandard, mit Korrekturvorschlag - und ohne Halluzination, weil unbelegte Pinpoints sichtbar markiert bleiben.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
Sie brauchen ihn nach dem Format-Check, vor der Annahme. Klaeren Sie:
1. Zielzeitschrift (NJW, NZA, JuS, JZ, ZIP, BB, JuS, NJ, NVwZ ...)?
2. Liegen die hausspezifischen Manuskriptrichtlinien vor?
3. Werden Pinpoints mit Randnummern angegeben oder mit Seitenangaben?
4. Welche Quellenarten (Rspr., Kommentar, Aufsatz, Festschrift, Internet, Podcast)?
## Material- bzw. Sachrahmen
- Manuskript mit Fussnotenapparat.
- Manuskriptrichtlinien der Zielzeitschrift (Hausstandard).
- Zugang zur Verlagsdatenbank fuer Live-Pruefung der Pinpoints (sofern lizenziert).
- Verzeichnis abgekuerzter Kommentare und Zeitschriften.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Fundstelleninventar.** Jede Fundstelle in Tabelle: Fussnote, Quellenart, Zitat-Wortlaut.
2. **Klassifikation.** Rspr. / Kommentar / Aufsatz / Internet / Sonstiges.
3. **Hausstandard pruefen** (siehe Trade-off-Matrix unten fuer Standards).
4. **Pinpoint-Pruefung.** Az., Rn., Seite stimmig? Bei Live-Zugriff einzeln pruefen; ohne Zugriff als `[Pinpoint pruefen]` markieren.
5. **Reihenfolge.** Rspr. vor Lit., neueste zuerst, innerhalb Lit. alphabetisch.
6. **Wiederholungs-Zitate.** "aaO", "fn. X" konsistent verwenden.
7. **Befund-Tabelle** an Autorin oder Lektorat.
## Trade-off-Matrix (Hausnormen Beispielauswahl)
| Quellenart | NJW-Stil | JZ-Stil | JuS-Stil |
|------------|----------|---------|----------|
| BGH-Urteil | BGH, Urt. v. 12.05.2026 - I ZR 12/24, NJW 2026, 1234 Rn. 17 | BGH JZ 2026, 567 (568) | BGH NJW 2026, 1234 |
| Kommentar | Bearbeiter, in: MueKo BGB, 9. Aufl. 2024, § 433 Rn. 12 | Bearbeiter MueKo BGB § 433 Rn. 12 | Bearbeiter, MueKo BGB § 433 Rn. 12 |
| Aufsatz | Canaris, JZ 2019, 547 (549) | Canaris JZ 2019, 547, 549 | Canaris JZ 2019, 547 |
Hinweis: Die exakte Hausnorm immer aus den jeweils geltenden Manuskriptrichtlinien des Verlages entnehmen - der Skill ersetzt das nicht.
## Praxistipps der alten Redaktion
- "Eine Fundstelle ohne Randnummer bei tragender Aussage ist ein roter Stop - immer."
- BeckRS allein bei tragender BGH-Aussage: ungenuegend, NJW oder BGHZ verlangen.
- Internetzitate immer mit "abrufbar unter [URL], zuletzt abgerufen am [Datum]".
- aaO und Wiederholungen: maximal in derselben Fussnote oder unmittelbarer Folgefussnote - sonst Volltext-Zitat wiederholen.
- Bei Autorinnen mit Hochschulhintergrund Aufsaetze gerne mit "(Rn.)" - praxisorientierte Autoren oft nur mit Seitenangabe. Klaeren statt umrechnen.
## Mustertexte / Vorlagen
**Befund-Tabelle (Vorlage Zitierweise):**
| Fn. | Quelle | Befund | Korrekturvorschlag |
|-----|--------|--------|--------------------|
| 12 | BGH-Urteil | "BGH NJW 2026, 1234" (ohne Az. ohne Rn.) | "BGH, Urt. v. 12.05.2026 - I ZR 12/24, NJW 2026, 1234 Rn. 17" |
| 19 | Aufsatz | "Canaris JZ 2019" (ohne Seite) | "Canaris, JZ 2019, 547 (549)" - Seite pruefen |
| 27 | Internet | "https://..." (ohne Datum) | URL + "zuletzt abgerufen am [Datum]" ergaenzen |
| 34 | Kommentar | "MueKo § 433 Rn. 12" (ohne Bearbeiter) | "Bearbeiter, in: MueKo BGB, 9. Aufl. 2024, § 433 Rn. 12" |
**Anschreiben an Autorin:**
> Sehr geehrte Frau Dr. Mueller, in Ihrer Fussnote 17 zitieren Sie BGH, NJW 2026, 1234 ohne Az. und ohne Rn. - die NJW verlangt vollstaendige Aufschluesselung. Bitte ergaenzen Sie Az. und Rn. bei den im Anhang markierten 8 Stellen bis 19.06.2026.
## Typische Fehler / Pitfalls
- Hausnorm verwechselt (NJW-Stil im JZ-Manuskript).
- Pinpoint halluziniert ("(Rn. 17)" obwohl Entscheidung keine 17 Rn. hat).
- BeckRS allein bei tragender Aussage - der Verlag will Hauptzeitschrift.
- aaO an Stellen, an denen das vorherige Zitat zu weit zurueckliegt.
- Internetzitate ohne Abrufdatum.
## Querverweise
- `verl-formatvorlage-check-autor-manuskript` - vorgelagerte Pruefung.
- `verl-fussnoten-quellen-konsolidierung` - Aufbau des Apparats.
- `quellen-zitate-fundstellencheck` - allgemeiner Quellencheck.
- `verl-zeitschriftenartikel-leitfaden` - Zielformat.
- `verl-aussagensicherheit-pruefung` - bei unklaren Aussagen mit fehlenden Belegen.
## Quellen Stand 06/2026
- Manuskriptrichtlinien der jeweiligen Zielzeitschrift (vom Verlag bezogen).
- Byrd / Lehmann, Zitierfibel fuer Juristen, 2. Aufl. 2016.
- Moellers, Juristische Arbeitstechnik, 11. Aufl. 2023.
- Schimmel, Juristische Klausuren und Hausarbeiten richtig formulieren, 13. Aufl. 2022.
- Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 29. Aufl. 2024.
- dejure.org, [https://dejure.org](https://dejure.org) (fuer Az.-Verifikation).
@@ -0,0 +1,146 @@
---
name: verl-zweitverwertungsrechte-pauschal
description: "Zweitverwertungsrechte und Nebenrechte pauschal vereinbaren: Lizenz an juris/beck-online, Open Access, Sonderdruck, Festschriftsuebernahme, Bearbeitungen. Honorarverteilung und § 38 UrhG."
---
# Zweitverwertungsrechte
## Worum geht es konkret
Neben der Hauptverwertung (Print, E-Book) entstehen Nebenrechte: Datenbankeinstellung, Sonderdruck, Festschriftsuebernahme, Aufsatzbuendelung, Open Access nach Embargofrist, Bearbeitung fuer Lehrgaenge. Der Skill systematisiert diese Rechte, klaert das Verhaeltnis von Verlag und Autor, erlaeutert das gesetzliche Zweitverwertungsrecht nach UrhG § 38 und schlaegt eine pauschale Auskehr vor.
## Wann brauchen Sie diesen Skill / Kaltstart-Fragen
1. Welches Werk (Aufsatz, Buchbeitrag, Kommentierung, Festschriftsbeitrag)?
2. Welche Zweitverwertung ist geplant oder bereits eingetreten?
3. Liegt ein Vertrag vor und enthaelt er Sublizenzklauseln?
4. Wurde das Werk mit oeffentlichen Mitteln gefoerdert (DFG, EU-Programm)?
5. Wie hoch ist die Lizenzeinnahme oder der Sublizenzerloes?
6. Wurde der Autor zur Datenbankeinstellung schon befragt oder beteiligt?
7. Gibt es Open-Access-Pflichten oder -Erwartungen?
## Rechtlicher und sachlicher Rahmen
- UrhG § 38 - Zeitschriftenbeitrag: ausschliessliches Vervielfaeltigungs- und Verbreitungsrecht des Verlags 12 Monate; Sammelwerk fuer Lehrbuch 1 Jahr; danach Zweitverwertungsrecht der Autorin (nicht-kommerziell).
- UrhG § 38 Abs. 4 - Zweitverwertungsrecht bei oeffentlich gefoerderten wissenschaftlichen Beitraegen nach 12 Monaten in akzeptierter Manuskriptfassung (Open Access).
- UrhG § 31 - Einraeumung von Nutzungsrechten; § 31a - unbekannte Nutzungsarten; § 40a - 10-Jahres-Klausel.
- UrhG § 32 - Verguetung; § 32a - Bestsellerklausel; § 32d - Auskunft.
- VerlG §§ 28, 29 - Verlagsrechte und ihr Ende.
## Praxisleitfaden / Schritt fuer Schritt
1. **Vertragsstand pruefen.** Welche Nebenrechte sind dem Verlag eingeraeumt? Schriftform fuer unbekannte Nutzungsarten beachten.
2. **Gesetzliches Zweitverwertungsrecht.** UrhG § 38 - bei Zeitschriftenbeitrag faellt das Recht zur Online-Bereitstellung nach 12 Monaten auf den Autor zurueck (bei oeffentlich gefoerderten Beitraegen, akzeptierte Fassung).
3. **Datenbankeinstellung (juris, beck-online).** Vertraglich pruefen, Sublizenz-Klausel, Erloesteilung.
4. **Sonderdruck und Festschriftsuebernahme.** Honorar pro Stueck oder pauschal; Verteilung an Co-Autoren.
5. **Open Access.** Pruefen, ob Foerderbedingungen Green oder Gold OA verlangen. Embargofrist beachten.
6. **Auskehr an Autoren.** Standardvorschlag: 50/50 fuer reine Sublizenz nach Abzug direkter Kosten, alternativ Pauschale.
7. **Dokumentation.** Vertragsanlage Nebenrechte; pro Jahr Auskehr separat ausweisen.
## Trade-off-Matrix
| Aspekt | Verlag haelt Nebenrechte | Autor behaelt Nebenrechte |
|---|---|---|
| Vermarktungsschlagkraft | Hoch | Niedrig |
| Verwaltungsaufwand | Beim Verlag | Beim Autor |
| Anreiz Vertrieb | Stark | Schwach |
| Konfliktrisiko | Erloesteilung | Doppellizenz |
| Open-Access-Konformitaet | Eingeschraenkt | Hoch |
## Praxistipps der alten Redaktion
- Datenbankerloese (juris, beck-online, dejure-plus) immer mit Anteil an Autor - sonst spaeter § 32a-Anspruch.
- Open Access nicht ignorieren; viele Foerderer (DFG, EU) verlangen das.
- Sonderdrucke an Autor in der Vereinbarung mitregeln (z. B. 25 Stueck kostenlos).
- Bei Festschriftsuebernahme: Beitrag bleibt im Sammelband, separater Sonderdruck nur mit Autorzustimmung.
- Bei mehreren Verwertungsstufen Honorierung schichten: Erstauswertung x Prozent, Zweitauswertung y Prozent.
- Bei Sublizenzkette: § 32e UrhG-Auskunftspflicht der Lizenznehmer beachten.
## Mustertexte / Vorlagen
**Klauselbaustein Nebenrechte und Erloesteilung**
```
§ [n] Nebenrechte und Zweitverwertung
(1) Der Verlag ist berechtigt, die ihm eingeraeumten Nutzungsrechte
ganz oder teilweise an Dritte zu lizenzieren, insbesondere zur
Aufnahme in juristische Datenbanken (juris, beck-online, dejure-
plus) und vergleichbare Plattformen.
(2) Von den hieraus erzielten Nettoerloesen erhaelt der Autor [50] Prozent.
Direkte Lizenzkosten werden vorab abgezogen.
(3) Die Auskehr erfolgt im Rahmen der jaehrlichen Tantiemenabrechnung
gemaess § [n].
(4) Das gesetzliche Zweitverwertungsrecht des Autors gemaess UrhG § 38
Abs. 4 bleibt unberuehrt. Der Autor teilt dem Verlag die Ausuebung
schriftlich mit.
(5) Sonderdrucke des Beitrags stellt der Verlag dem Autor zum
Selbstkostenpreis zur Verfuegung, einmal jaehrlich bis zu 25 Stueck
kostenfrei.
```
**Anschreiben Auskehr Sublizenz**
```
Betreff: Auskehr Sublizenz-Erloese [Jahr] - [Werk]
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
Ihr Beitrag "[Titel]" wurde im Berichtszeitraum [Datum] bis [Datum]
ueber die Datenbankanbieter [juris, beck-online, weitere] genutzt.
Die Nettoerloese aus diesen Sublizenzen betrugen EUR [Betrag].
Nach Abzug direkter Lizenzkosten in Hoehe von EUR [Betrag] und
gemaess vertraglich vereinbarter Erloesteilung ueberweisen wir
Ihnen EUR [Betrag] zuzueglich gesetzlicher Umsatzsteuer.
Die Auskehr erfolgt im Rahmen der Jahresabrechnung. Die
Detailaufstellung finden Sie in Anlage 1.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
**Hinweisbrief zum Zweitverwertungsrecht UrhG § 38 Abs. 4**
```
Sehr geehrte Frau/Herr [Autorenname],
der von Ihnen eingereichte Beitrag "[Titel]" erscheint im Heft [n]/[Jahr]
der Zeitschrift "[Name]". Gemaess UrhG § 38 Abs. 4 koennen Sie den
Beitrag (in der akzeptierten Manuskriptfassung, nicht im Verlagslayout)
zwoelf Monate nach Erstveroeffentlichung in einem nicht-kommerziellen
Repositorium oeffentlich zugaenglich machen. Wir bitten Sie, die
Erstveroeffentlichung dabei anzugeben.
Mit freundlichen Gruessen
[Name]
```
## Typische Fehler / Pitfalls
- Datenbankerloese nicht ausgewiesen - typischer Ausloeser fuer § 32a-Klagen.
- "Unbekannte Nutzungsarten" ohne Schriftform - § 31a UrhG verlangt sie.
- Foerdervorgaben (DFG, EU) zur Open-Access-Pflicht ignoriert - Autor in Konflikt mit Foerderer.
- Sonderdruckmenge nicht geregelt - immer wiederkehrende Bitte.
- Embargo-Frist nach UrhG § 38 Abs. 4 nicht eingehalten - rechtswidrige Open-Access-Veroeffentlichung.
## Querverweise
- `workflow-kaltstart-und-routing` - Eingangsroutung des Nebenrechtsthemas.
- `honorar-vertrag-royalties-triage` - Triage der Vertragslage.
- `verl-honorarvertrag-templates-und-abweichungen` - Klauseltemplates fuer Nebenrechte.
- `verl-tantieme-abrechnung-jaehrlich` - Auskehr im Rahmen der Jahresabrechnung.
- `rechtecheck-urhg-verlg` - vertiefte urheberrechtliche Pruefung.
## Quellen Stand 06/2026
- UrhG §§ 31, 31a, 32, 32a, 32d, 32e, 38, 40a, 41 - Nutzungsrechte, Verguetung, Zweitverwertung.
- VerlG §§ 28, 29 - Ende des Verlagsrechts.
- DFG-Foerderbedingungen Open Access (aktuelle Fassung unter dfg.de).
- EU-Horizon-Programmregeln zu Open Access (cordis.europa.eu).
- BGH-Rechtsprechung zu § 38 UrhG und Sublizenzen (Volltexte unter bundesgerichtshof.de und dejure.org).