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| subsumtion-schritt-fuer-schritt | Subsumtions-Uebung Schritt fuer Schritt. Trennt Tatbestandsmerkmal Definition Sachverhalts-Tatsache Ergebnis. Sokratisches Fuehren statt Vorgeben. Bei falschen Eingaben gentle Umlenkung. Foerdert echte Durchdringung des Subsumtions-Vorgangs. Praktisch mit Beispiel-Anker. |
Subsumtion Schritt für Schritt
Zweck
Subsumtion ist das Kern-Handwerk der juristischen Arbeit. Wer subsumieren kann, kann denken wie ein Jurist.
Die vier Schritte der Subsumtion
1. TATBESTANDSMERKMAL benennen
↓
2. DEFINITION dieses Merkmals
↓
3. SUBSUMTION (Tatsachen + Subsumtions-Konstruktion „Hier hat...")
↓
4. ZWISCHENERGEBNIS
Schritt 1 — Tatbestandsmerkmal isolieren
Bei einer Norm — alle Voraussetzungen einzeln
Beispiel § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB:
- „Durch den Kaufvertrag" — Voraussetzung 1: Kaufvertrag
- „ist der Verkäufer einer Sache verpflichtet" — Voraussetzung 2: Sache
- „dem Käufer die Sache zu übergeben" — Voraussetzung 3: Übergabe-Pflicht
- „und das Eigentum an der Sache zu verschaffen" — Voraussetzung 4: Eigentumsübergangs-Pflicht
Fragen an Dich selbst
- Welches sind die einzelnen Voraussetzungen?
- Welche ist hier streitig oder problematisch?
- Welche sind unstreitig?
Schritt 2 — Definition
Quellen für Definitionen
- Norm selbst: § 90 BGB definiert „Sache" als „nur körperliche Gegenstände".
- Andere Normen: § 90a BGB grenzt Tiere ab.
- Kommentar: Standardkommentar gibt die etablierte Definition.
- Lehrbuch: Lehrbücher beschreiben die Auslegungs-Grundsätze.
- Rechtsprechung: Höchstrichterliche Entscheidungen prägen die Definition.
Wenn keine Legal-Definition existiert
Dann musst Du auslegen (Skill methodenlehre-auslegung).
Definitions-Wendungen
- „Eine ‚Sache' im Sinne des § 90 BGB ist ..."
- „Unter ‚Übergabe' ist nach allgemeiner Auffassung zu verstehen ..."
- „Mit ‚Eigentum' meint § 903 BGB ..."
Schritt 3 — Subsumtion
Hier-Hat-Da-Konstruktion
Wende die Definition auf den Sachverhalt an:
„Hier hat [Person] [Tatsache aus Sachverhalt]. Damit liegt [Voraussetzung] vor."
Beispiel
Tatbestandsmerkmal: „Sache" im Sinne des § 90 BGB. Definition: Eine Sache ist nach § 90 BGB ein körperlicher Gegenstand. Subsumtion: Hier hat A am 12.03. ein Fahrrad an B veräußert. Das Fahrrad ist ein körperlicher Gegenstand, weil es greifbar und sinnlich wahrnehmbar ist. Damit ist es eine Sache im Sinne des § 90 BGB. Zwischenergebnis: Die Voraussetzung „Sache" ist erfüllt.
Was die Subsumtion muss
- Tatsachen aus dem Sachverhalt aufgreifen (konkret, nicht abstrakt)
- Definition anwenden, nicht wiederholen
- Begründung geben (warum hier?)
Was die Subsumtion nicht soll
- Wiederholung der Definition
- Behauptung ohne Bezug zum Sachverhalt
- Sprung-Subsumtion ohne Zwischen-Schritte
Schritt 4 — Zwischenergebnis
„Folglich ist die Voraussetzung [...] erfüllt."
„Damit liegt [...] vor."
„Mithin ist [...] gegeben."
Das Zwischenergebnis schließt diesen Subsumtions-Block ab. Der nächste Block beginnt mit dem nächsten Tatbestandsmerkmal.
Übung: Subsumtions-Beispiel im Schritt-für-Schritt-Modus
Aufgabe
Subsumiere folgende Tatbestandsmerkmale unter den Sachverhalt:
Sachverhalt (Beispiel, nicht aus Deiner Hausarbeit!): „A trifft B in der Mensa. A sagt: ‚Ich verkaufe Dir mein Fahrrad für 200 Euro.' B antwortet: ‚Einverstanden, ich nehme es.' Am nächsten Tag übergibt A das Fahrrad an B."
Frage: Liegt ein wirksamer Kaufvertrag zwischen A und B vor?
Tatbestandsmerkmal 1: Angebot des A?
Sokratische Frage
„Was ist ein Angebot im juristischen Sinne? Schreibe Deine Definition zuerst auf."
(Du schreibst Deine Definition.)
Wenn Du schreibst: „Ein Angebot ist, wenn jemand was anbietet."
→ Plugin antwortet: „Das ist die alltägliche Bedeutung. Die juristische Definition ist präziser. Schau in § 145 BGB — was steht da? Wie würde man ein Angebot juristisch definieren?"
Wenn Du schreibst: „Ein Angebot ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung, gerichtet auf einen Vertragsschluss."
→ Plugin antwortet: „Sehr gut! Du hast die juristische Definition. Jetzt subsumiere: Hat A in unserem Sachverhalt eine solche Willenserklärung abgegeben? Welche Tatsache belegt das?"
(Du subsumierst.)
Wenn Du schreibst: „A hat gesagt: ‚Ich verkaufe Dir mein Fahrrad für 200 Euro.'"
→ Plugin antwortet: „Genau! Das ist eine Willenserklärung im Sinne der Definition. Sie ist auch empfangsbedürftig (auf B gerichtet) und auf einen Vertragsschluss gerichtet (Verkauf). Damit ist die Voraussetzung erfüllt."
Schritt 5 — Schritt-für-Schritt-Methode
Bei jedem Tatbestandsmerkmal:
- Benenne das Merkmal (Wo finde ich es in der Norm?)
- Definiere es (Mit Beleg!)
- Subsumiere (Tatsache + „Damit liegt vor")
- Schließe ab mit Zwischenergebnis
Bei mehreren Merkmalen: Wiederhole den Vier-Schritte-Zyklus für jedes Merkmal.
Häufige Fehler
Fehler 1: Definition fehlt
❌ „Hier liegt eine Willenserklärung vor."
✅ „Eine Willenserklärung ist ... Hier hat A ..."
Fehler 2: Subsumtion ohne Tatsache
❌ „A hat eine Willenserklärung abgegeben."
✅ „A hat am 12.03. zu B in der Mensa gesagt ‚Ich verkaufe Dir mein Fahrrad für 200 Euro.' Das ist eine Willenserklärung im Sinne der Definition, weil ..."
Fehler 3: Sprung-Subsumtion
❌ „Damit liegt ein Kaufvertrag vor."
✅ „Damit liegen ein Angebot und eine Annahme vor. Folglich ist nach §§ 145, 147 BGB ein Vertrag zustande gekommen. Ein Kaufvertrag (§ 433 BGB) liegt vor, weil ..."
Fehler 4: Ergebnis-Vorausnahme
❌ „A hat sicher angeboten."
✅ „Ob A ein wirksames Angebot abgegeben hat, ist im Folgenden zu prüfen."
Fehler 5: Falsche Definition
❌ „Eine Sache ist alles, was bewegt werden kann."
✅ „Eine Sache ist nach § 90 BGB ein körperlicher Gegenstand."
→ Plugin korrigiert sanft: „Schau noch mal in § 90 BGB — bewegen ist nicht das Kernkriterium. Was sagt § 90 BGB konkret?"
Spezielle Situationen
Bei mehrdeutigen Tatbestandsmerkmalen
Auslegung mit Methodenlehre (Skill methodenlehre-auslegung).
Bei normativen Tatbestandsmerkmalen
Z.B. „Treu und Glauben" (§ 242 BGB), „wichtiger Grund" (§ 626 BGB):
- Wertung erforderlich
- Maßstäbe aus Rechtsprechung
- Konkrete Sachverhalts-Argumentation
Bei deskriptiven Tatbestandsmerkmalen
Z.B. „Sache", „Person":
- Fakten-Subsumtion
- Direkt anwendbar
Reflektions-Fragen
- Habe ich für jedes Tatbestandsmerkmal eine Definition mit Beleg?
- Habe ich für jede Subsumtion eine konkrete Tatsache aus dem Sachverhalt?
- Sind meine Zwischenergebnisse klar formuliert?
- Habe ich keine Sprung-Subsumtion?
Übergang zu
gliederung-mit-tiefenstruktur— Anordnung der Subsumtions-Blöckemeinungsstreit-darstellen— bei streit-Punktenzivilrecht-anspruchsgrundlagen-pruefung— Anwendungs-Beispiel Zivilrechtstrafrecht-tatbestand-rechtswidrigkeit-schuld— Anwendungs-Beispiel Strafrecht
Sanft, ermutigend, fördernd
Das Plugin steht an Deiner Seite. Wenn etwas schiefgeht: Atme durch, lies die Norm nochmal, frag das Plugin nach einer anderen Sichtweise. Subsumtion ist eine Übungs-Sache. Du wirst Schritt für Schritt sicherer.