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Klotzkette 111fb36680 hausarbeitenmacher v0.2.0 + Selbst-ZIP-Bereinigung in Testakten (#12)
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2026-05-23 04:13:47 -07:00

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zivilrecht-anspruchsgrundlagen-pruefung Zivilrechtliches Schema Anspruchsgrundlagen-Reihenfolge V-C-G-D-D-B Vertrag culpa in contrahendo GoA dinglich Delikt Bereicherung. Pruefungsschemata je Anspruchsgrundlage. Konkurrenzen Lex specialis. Beispiele BGB Schuldrecht Sachenrecht Familienrecht Erbrecht.

Zivilrecht — Anspruchsgrundlagen-Prüfung

Zweck

Im Zivilrecht ist die Reihenfolge der Anspruchsgrundlagen entscheidend. Wer durcheinander prüft, kommt zu falschen Konkurrenzen.

Schritt 1 — Die V-C-G-D-D-B-Regel

Rang Anspruchs-Art Beispiel-Normen
V ertrag Erfüllungs-, Schadensersatz-, Rücktrittsansprüche §§ 433, 280, 311a, 313, 314, 437, 631 BGB
C ulpa in contrahendo Vorvertragliches Verschulden § 280 I iVm § 311 II, § 241 II BGB
G eschäftsführung ohne Auftrag Aufwendungs-, Wertersatz-Ansprüche §§ 677, 683, 684, 687 BGB
D inglich Eigentums-, Besitzansprüche §§ 985, 1004, 1007, 861, 862 BGB
D elikt Unerlaubte Handlung §§ 823, 826, 831, 833, 836 BGB
B ereicherung Leistungs-/Eingriffskondiktion §§ 812, 813, 816, 818, 819 BGB

Warum diese Reihenfolge?

  • Vertraglich vor gesetzlich: Vertrag ist spezieller
  • Vorvertraglich vor dinglich: c.i.c. ist neben-vertraglich
  • Delikt vor Bereicherung: bei Schaden eher Schadensersatz als Bereicherung
  • Bereicherung am Ende: weil viele Bereicherungs-Ansprüche subsidiär sind

Schritt 2 — Vertragliche Ansprüche (V)

§ 433 II BGB — Kaufpreis-Zahlung

Schema

  1. Wirksamer Kaufvertrag
    • Angebot
    • Annahme
    • Wirksamkeit (Geschäftsfähigkeit, AGB, Sittenwidrigkeit, Form)
  2. Anspruch nicht erloschen
    • Erfüllung § 362 BGB
    • Aufrechnung § 387 BGB
    • Erlass § 397 BGB
    • Rücktritt § 346 BGB
  3. Anspruch durchsetzbar
    • Verjährung §§ 195, 199, 214 BGB
    • § 320 BGB (Synallagma)
    • § 273 BGB (Zurückbehaltung)

§ 280 I BGB — Schadensersatz wegen Pflichtverletzung

Schema

  1. Schuldverhältnis
  2. Pflichtverletzung (Definition + Subsumtion)
  3. Vertretenmüssen § 280 I 2 BGB (Vermutung!)
  4. Schaden (Definition + Subsumtion + Höhe)
  5. Kausalität (haftungs-begründend + haftungs-ausfüllend)

Bei Verzug zusätzlich

  • § 280 II BGB iVm § 286 BGB — Mahn-Erfordernis oder Ausnahmen (§ 286 II BGB)

Bei Schadensersatz statt der Leistung

  • § 280 III BGB iVm §§ 281, 282 oder 283 BGB

§ 437 BGB — Mängelrechte

Aufbau

  1. Sachmangel § 434 BGB
  2. Rechtsmangel § 435 BGB
  3. Hierauf folgt: Nacherfüllung § 439, Rücktritt § 437 Nr. 2 iVm §§ 323, 326 BGB, Schadensersatz § 437 Nr. 3 iVm §§ 280 ff. BGB, Minderung § 437 Nr. 2 iVm § 441 BGB

§ 631 BGB — Werklohn-Anspruch

Schema

  1. Wirksamer Werkvertrag
  2. Abnahme (oder Vereinbarung zur Abnahme)
  3. Werk-Vereinbarung erfüllt

Sonderfälle Vertrag

  • § 651 BGB: Reise-/Werkvertrag (Sonderform)
  • § 535 BGB: Mietvertrag
  • § 488 BGB: Darlehen
  • § 611 BGB: Dienstvertrag
  • § 611a BGB: Arbeitsvertrag
  • § 651a BGB: Reisevertrag (Pauschal-Reise)

Schritt 3 — Culpa in Contrahendo (C)

§ 280 I iVm § 311 II BGB

Aufbau

  1. Schuldverhältnis aus Vertragsverhandlungen (§ 311 II BGB)
  2. Pflichtverletzung
  3. Vertretenmüssen
  4. Schaden

Typische Anwendungs-Fälle

  • Vertragsschluss in trügerischer Hoffnung herbeigeführt
  • Aufklärungs-Pflicht-Verletzung
  • Vertrags-Vertrauensschutz

Schritt 4 — Geschäftsführung ohne Auftrag (G)

Echte GoA — § 683 BGB

Aufbau

  1. Fremdes Geschäft
  2. Fremd-Geschäftsführungs-Wille
  3. Erforderlich und entsprechend dem mutmaßlichen Willen des Geschäftsherrn

Folge

  • Aufwendungs-Ersatz § 683 iVm § 670 BGB

Unechte GoA — § 687 II BGB

Aufbau

  1. Fremdes Geschäft
  2. Fremd-Geschäftsführungs-Wille fehlt; Eigen-Geschäftsführungs-Wille
  3. Erkennen-müssen des fremden Geschäfts

Folge

  • Eigentümer-Stellung des Geschäftsherrn

Schritt 5 — Dingliche Ansprüche (D)

§ 985 BGB — Herausgabe-Anspruch

Schema

  1. Eigentum des Klägers
  2. Besitz des Beklagten
  3. Kein Recht zum Besitz nach § 986 BGB

§ 1004 I 1 BGB — Beseitigungs-/Unterlassungs-Anspruch

Schema

  1. Eigentum des Klägers
  2. Beeinträchtigung Eigentum
  3. Wiederholungs-Gefahr (bei Unterlassung)
  4. Keine Duldungs-Pflicht § 1004 II BGB

§ 1004 I 1 BGB analog — Persönlichkeitsrechts-Schutz

Schema

  1. Persönlichkeitsrecht (Art. 2 I iVm Art. 1 I GG, Drittwirkung)
  2. Beeinträchtigung
  3. Wiederholungs-Gefahr

Schritt 6 — Deliktische Ansprüche (D)

§ 823 I BGB

Schema

  1. Rechtsguts-Verletzung (Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit, Eigentum, sonstiges Recht)
  2. Verletzungs-Handlung
  3. Kausalität (haftungsbegründend)
  4. Rechtswidrigkeit (Indiz: Rechtsguts-Verletzung)
  5. Verschulden (Vorsatz oder Fahrlässigkeit)
  6. Schaden
  7. Kausalität (haftungs-ausfüllend)

§ 823 II BGB — Schutzgesetz-Verletzung

Schema

  1. Schutzgesetz (Norm mit Schutz-Funktion)
  2. Verstoss gegen Schutzgesetz
  3. Kausalität
  4. Verschulden
  5. Schaden

§ 826 BGB — vorsätzliche sittenwidrige Schädigung

§ 831 BGB — Haftung für Verrichtungs-Gehilfen

§ 833 BGB — Tierhalter-Haftung

Schritt 7 — Bereicherungs-Recht (B)

§ 812 I 1 Alt. 1 BGB — Leistungs-Kondiktion

Schema

  1. Leistung (Definition + Subsumtion)
  2. Etwas Erlangtes
  3. Ohne Rechtsgrund
  4. Folge: Herausgabe + § 818 III Wertersatz oder § 818 IV Wegfall

§ 812 I 1 Alt. 2 BGB — Eingriffs-Kondiktion

Schema

  1. Etwas Erlangtes
  2. Auf Kosten eines anderen
  3. Ohne Rechtsgrund

§ 813 BGB — Leistungs-Kondiktion bei Einrede

§ 816 BGB — Verfügung eines Nicht-Berechtigten

§ 819 BGB — Mehrkenntnis und Bereicherungs-Haftung

Schritt 8 — Konkurrenzen

Typische Konkurrenz-Situationen

Vertrag + Delikt

  • Bei vertraglicher Pflichtverletzung gleichzeitig deliktische Haftung möglich
  • Z.B. Käufer wird beim Vertragsschluss verletzt → § 280 I + § 823 I BGB nebeneinander
  • Anspruchskonkurrenz: beide Ansprüche stehen zur Wahl

Vertrag + Bereicherung

  • Bei Vertragsstörung (z.B. Rücktritt) kann Bereicherungs-Anspruch greifen
  • BGH-Linie: Bereicherung wird durch Vertrags-Anspruch nicht ausgeschlossen, soweit der Vertrag rückabgewickelt wird

Eigentum + Vertrag

  • Bei Eigentumsvorbehalt: Eigentümer hat sowohl Vertrags- als auch Eigentums-Schutz

Lex specialis

  • § 433 BGB ist gegenüber § 812 BGB lex specialis (Leistungs-Kondiktion)
  • Wenn Vertrag wirksam besteht, ist Bereicherung ausgeschlossen
  • Eingriffs-Kondiktion bleibt aber möglich

Schritt 9 — Praktische Tipps für Anspruchsgrundlagen-Prüfung

  1. Beginne immer mit dem Vertrag — auch wenn er später ungültig wird, prüfe ihn zuerst
  2. Vergiss keine Anspruchs-Grundlage — vor allem nicht die „kleineren" wie § 826 BGB oder § 311 II BGB
  3. Konkurrenzen erkennen — am Ende kurz darstellen, welche Ansprüche nebeneinander stehen
  4. Bei Mehrheit von Klägern oder Beklagten — jede Beziehung einzeln prüfen
  5. Bei Mängel-Anspruch — Schema § 437 BGB explizit aufgreifen

Hilfsfragen für Deine Reflexion

  • Habe ich alle Anspruchs-Grundlagen geprüft (V-C-G-D-D-B)?
  • Habe ich die Reihenfolge eingehalten?
  • Habe ich für jede Anspruchs-Grundlage das Schema vollständig abgearbeitet?
  • Habe ich die Konkurrenzen richtig dargestellt?

Übergang zu

  • subsumtion-schritt-fuer-schritt — Subsumtions-Praxis
  • meinungsstreit-darstellen — bei Streit-Punkten innerhalb der Anspruchs-Grundlagen
  • gliederung-mit-tiefenstruktur — Gliederung mit Anspruchs-Grundlagen