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2026-05-29 19:14:40 +02:00

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Akte: Juristischer Mandantenbrief in Einfacher und Leichter Sprache

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testakte-einfache-leichte-sprache-jura-mandantenbrief (Akte) testakte-einfache-leichte-sprache-jura-mandantenbrief.zip

Diese Akte wird separat als ZIP-Datei aus dem GitHub-Release bereitgestellt. Das ZIP enthält die Originalformate (PDF, DOCX, XLSX, CSV, JPEG) für die Bearbeitung.

Diese Akte zeigt, wie ein juristisches Anwaltsschreiben in zwei vereinfachte Sprachstufen übertragen wird — Einfache Sprache (DIN SPEC 33429) und Leichte Sprache (Regelwerk Netzwerk Leichte Sprache). Zielgruppe ist eine Mandantin mit kognitiven Einschränkungen, die unter rechtlicher Betreuung steht.


Sachverhalt

Warum braucht es Einfache und Leichte Sprache im Recht?

Anwaltsschreiben sind für Juristinnen und Juristen verständlich — für viele Mandantinnen und Mandanten jedoch nicht. Schachtelsätze, Fachbegriffe wie "Bestandskraft" oder "Wiedereinsetzung in den vorigen Stand" und dichte Gesetzesverweise überfordern Menschen mit wenig Leseerfahrung, Lernschwäche, kognitiven Einschränkungen oder geringen Deutschkenntnissen.

Besonders betroffen sind betreute Personen im Sinne des § 1814 BGB. Sie haben oft eine gesetzliche Betreuerin oder einen gesetzlichen Betreuer an ihrer Seite, aber Entscheidungen — wie die Frage, ob Widerspruch gegen einen Behördenbescheid eingelegt werden soll — müssen in vielen Fällen von ihnen selbst mitgetragen werden. Dafür brauchen sie Informationen, die sie tatsächlich verstehen.

Das Gesetz zur Barrierefreiheit (BITV 2.0, BGG) verpflichtet Behörden zur Bereitstellung von Informationen in Leichter Sprache. Für Anwaltskanzleien besteht keine formelle Pflicht, aber eine wachsende fachliche und ethische Praxis orientiert sich an diesen Standards.

Fallkonstellation

Mandantin: Gisela Neumann, 54 Jahre, wohnhaft in Berlin-Lichtenberg. Frau Neumann steht unter gesetzlicher Betreuung. Sie bezieht Bürgergeld nach dem SGB II und bewohnt eine 52-qm-Wohnung.

Ausgangslage: Am 3. Mai 2026 erhält sie einen Bescheid des Jobcenters Berlin-Lichtenberg (Az. JC-LB-2026-00814-KdU), mit dem die Kosten der Unterkunft und Heizung (KdU) für den Bewilligungszeitraum Juni bis November 2026 festgesetzt werden. Das Jobcenter hat dabei die laufenden Heizkostenvorauszahlungen auf die Angemessenheitsobergrenze gekappt und eine Heizkostennachzahlung aus der Jahresabrechnung 2025 vollständig übergangen.

Kanzlei: Sabine Muster, Fachanwältin für Sozialrecht, Kanzlei Muster & Partner GbR, Berlin. Frau Muster verfasst am 12. Mai 2026 einen juristischen Mandantenbrief (Az. KMP/SoR/2026/0438), der Frau Neumann über die Rechtslage informiert, einen Widerspruch empfiehlt und um Rückmeldung bis 20. Mai 2026 bittet. Gleichzeitig wird Akteneinsicht nach § 25 SGB X beantragt.

Problem für die Kommunikation: Das Original-Schreiben ist für Frau Neumann — trotz formal korrekter Formulierung — kaum verständlich. Die Kanzlei erstellt deshalb eine Einfache-Sprache-Fassung und eine Leichte-Sprache-Fassung des Schreibens.


Eckdaten

Merkmal Wert
Mandantin Gisela Neumann
Anwältin Sabine Muster, Kanzlei Muster & Partner GbR
Behörde Jobcenter Berlin-Lichtenberg (Az. JC-LB-2026-00814-KdU)
Kanzlei-Aktenzeichen KMP/SoR/2026/0438
Datum des Bescheids 28. April 2026
Zustellung des Bescheids 3. Mai 2026
Datum des Mandantenbriefs 12. Mai 2026
Widerspruchsfrist 3. Juni 2026
Rückmeldebitte 20. Mai 2026
Streitgegenstand Kürzung Heizkosten (KdU nach § 22 SGB II), Heizkostennachzahlung 2025
Rechtsgebiet Sozialrecht (SGB II, SGG, SGB X)
Betreuungsstatus Mandantin steht unter gesetzlicher Betreuung (§ 1814 BGB)

Angewendete Regelwerke

Einfache Sprache — DIN SPEC 33429

Die DIN SPEC 33429 (erschienen 2024) ist der erste nationale Standard für Einfache Sprache in Deutschland. Sie definiert Einfache Sprache als Sprachstufe zwischen Standardsprache und Leichter Sprache. Merkmale:

  • Sätze: max. 20 Wörter, bevorzugt Hauptsätze
  • Wortschatz: geläufige, kurze Wörter; Fachbegriffe werden erklärt
  • Struktur: klar, mit Zwischenüberschriften und Aufzählungen
  • Zielgruppe: Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz, Fremdsprachler, ältere Menschen

Leichte Sprache — Regelwerk Netzwerk Leichte Sprache

Das Netzwerk Leichte Sprache (gegründet 2006) hat Regeln für Leichte Sprache erarbeitet, die in Deutschland am weitesten verbreitet sind. Merkmale:

  • Sätze: max. 810 Wörter, ein Gedanke pro Satz
  • Wörter: kurze, allgemein bekannte Begriffe; keine Abkürzungen
  • Typografie: große Schrift (mind. 14 pt), kurze Zeilen (max. 60 Zeichen), viel Weißraum
  • Bilder: oft begleitende Piktogramme (in dieser Akte nicht enthalten)
  • Prüfung: Texte in Leichter Sprache müssen von Menschen aus der Zielgruppe geprüft werden — diese Prüfung steht in dieser Akte noch aus

Rechtsgrundlagen: § 11 BGG (Behindertengleichstellungsgesetz), BITV 2.0.


Dateien in dieser Akte

Datei Format Inhalt
01_original_juristischer_text.md Markdown Vollständiger juristischer Mandantenbrief mit Rubrum, Briefkopf, Rechtslage, Empfehlung und Anlagen. Ausgangstext für beide Übersetzungen.
01_original_juristischer_text.docx DOCX Druckfertige DOCX-Version des Originalbriefs mit Kanzlei-Briefkopf, Kopfzeile, Formatierung nach Kanzleistandard (Calibri 11).
02_einfache_sprache.md Markdown Mandantenbrief in Einfacher Sprache (DIN SPEC 33429): vereinfachte Satzstruktur, erklärte Fachbegriffe, Glossar.
03_leichte_sprache.md Markdown Mandantenbrief in Leichter Sprache (Netzwerk Leichte Sprache): kürzeste Sätze, ein Gedanke pro Zeile, Signalwörter.
03_leichte_sprache.docx DOCX DOCX-Version der Leichte-Sprache-Fassung: große Schrift (16 pt), kurze Zeilen, viel Weißraum, barrierearmes Layout.
04_glossar.md Markdown Vollständiges Glossar aller Fachbegriffe, Abkürzungen, Beteiligte und gesetzlicher Grundlagen.
05_qualitaetscheck_einfache.json JSON Automatischer Prüfbericht zur Einfachen-Sprache-Fassung: Satzdurchschnitt, Passivsätze, Nominalstil, Fachbegriffe.
06_qualitaetscheck_leichte.json JSON Automatischer Prüfbericht zur Leichte-Sprache-Fassung: Wortanzahl pro Satz, Überschriften, Listen, Fachbegriffe.

Prüffokus

Diese Akte eignet sich für folgende Lernszenarien:

  1. Sprachstufen vergleichen: Wer die drei Fassungen (01, 02, 03) nebeneinanderlegt, sieht konkret, wie sich juristische Texte schrittweise vereinfachen lassen — und welche inhaltlichen Kompromisse dabei nötig oder vermeidbar sind.

  2. Regelwerke anwenden: Die DIN SPEC 33429 und das Regelwerk Netzwerk Leichte Sprache können anhand der Fassungen direkt überprüft werden. Welche Regeln wurden eingehalten? Wo gibt es Abweichungen (z. B. ein zu langer Satz)?

  3. Automatische Qualitätsprüfung interpretieren: Die JSON-Dateien 05 und 06 zeigen, was ein Skript automatisch prüfen kann und was nicht. Dass der Qualitätscheck "ok" meldet, heißt nicht, dass der Text gut verständlich ist — das zeigt die Grenzen maschineller Prüfung.

  4. Sozialrecht im Kontext: Der Sachverhalt (§ 22 SGB II, Widerspruchsfrist, Akteneinsicht) bietet eine kompakte Einführung in das Bürgergeld-Recht und die Schritte eines Widerspruchsverfahrens.

  5. Barrierefreie Kommunikation: Die Akte zeigt den Zusammenhang zwischen Recht, Sprache und gesellschaftlicher Teilhabe — insbesondere für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.


Hinweis zur Zielgruppenprüfung

Personenbezogene Angaben und Kontaktdaten sind anonymisiert; die rechtliche Arbeit richtet sich nach den in der Akte dokumentierten Unterlagen.

Die Leichte-Sprache-Fassungen wurden nicht von Menschen aus der Zielgruppe geprüft. Eine solche Prüfung ist nach dem Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache zwingend vorgeschrieben, bevor ein Text als "Leichte Sprache" bezeichnet werden darf. Die Fassungen hier sind daher als Entwürfe zu verstehen.