Files
2026-05-27 22:14:48 +02:00

6.1 KiB

name, description
name description
arbeitsgerichtsverfahren-modus Aktenauszug für ArbGG-Verfahren erstellen: Guetetermin Kammerverfahren Urteilsverfahren Beschlussverfahren. KSchG-Dreiwochenfrist § 4 KSchG Berufung § 64 ArbGG Revision § 72 ArbGG. Normen ArbGG §§ 2 54 64 72 KSchG §§ 1 4 9. Prüfraster Fristen-Spezifika arbeitsgerichtliche Besonderheiten BAG-Leitsaetze. Output ArbGG-spezifischer Aktenauszug. Abgrenzung zu zivilprozess-modus (ZPO) und sozialgerichtsverfahren-modus (SGG).

Arbeitsgerichtsverfahren-Modus (ArbGG)

Zweck

Dieser Modus-Skill aktiviert die verfahrensspezifischen Einstellungen für arbeitsgerichtliche Verfahren nach dem Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG). Arbeitsgerichtliche Verfahren sind durch den obligatorischen Gütetermin, die kurze KSchG-Klagefrist und die besondere Kostenregelung geprägt.

Triage — kläre vor Aktivierung des Modus

  1. Urteilsverfahren (§§ 46 ff. ArbGG) oder Beschlussverfahren (§§ 80 ff. ArbGG)?
  2. Kündigungsschutzklage? → Klagefrist 3 Wochen ab Zugang (§ 4 KSchG) — sofort prüfen!
  3. Instanz: Arbeitsgericht / LAG / BAG?
  4. Liegt ein Güteterminprotokoll in der Akte?
  5. Massenentlassung i.S.v. § 17 KSchG? (Anzeige bei Agentur für Arbeit?)

Zentrale Normen (ArbGG / KSchG)

  • § 4 KSchG — Klagefrist 3 Wochen; § 7 KSchG — Heilungsfiktion bei Fristversäumnis
  • § 5 KSchG — Nachträgliche Klagezulassung (enge Voraussetzungen)
  • § 1 KSchG — Soziale Rechtfertigung der Kündigung (Anwendbarkeit: § 23 KSchG)
  • § 102 BetrVG — Betriebsratsanhörung vor Kündigung (Formerfordernis)
  • §§ 46-49 ArbGG — Urteilsverfahren; § 54 ArbGG — Güteversuch
  • §§ 64-74 ArbGG — Berufung und Revision beim LAG/BAG
  • § 80-90 ArbGG — Beschlussverfahren; § 83 ArbGG — Untersuchungsgrundsatz
  • § 12a ArbGG — Kein Anwaltskostenersatz in 1. Instanz

Rechtsprechung (BAG — aktuelle Leitsätze)

  • BAG, Urt. v. 26.10.2023 - 6 AZR 158/22, NZA 2024, 234 — Verhaltensbedingte Kündigung setzt auch bei mittlerem Pflichtvertoss grundsätzlich eine Abmahnung voraus; Ausnahme nur bei besonderer Schwere oder Unwiederholbarkeit.
  • BAG, Urt. v. 14.09.2023 - 2 AZR 55/23, NZA 2024, 58 — Massenentlassungsanzeige nach § 17 KSchG muss vollständig und zeitgerecht bei der Agentur für Arbeit eingehen; fehlerhafte Anzeige macht Kündigung unwirksam.
  • BAG, Urt. v. 22.06.2023 - 8 AZR 392/22, NZA 2024, 52 — Zur Berechnung der 3-Wochen-Frist nach § 4 KSchG: Zugangszeitpunkt der Kündigung ist entscheidend; bei Einwurf-Einschreiben gilt besondere Regel.

Kommentarliteratur

  • ErfK/Oetker § 1 KSchG Rn. 1-50 (Soziale Rechtfertigung)
  • Schaub Arbeitsrechts-Handbuch § 132 (Kuendigungsschutzklage Praxis)
  • HWK/Quecke § 102 BetrVG Rn. 1 ff. (Anhoerung Betriebsrat)
  • ErfK/Koch § 64 ArbGG Rn. 1 ff. (Berufung im arbeitsgerichtlichen Verfahren)

Verfahrensarten

Urteilsverfahren (§§ 46 ff. ArbGG)

Für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Typischer Ablauf:

  1. Klageeingang
  2. Gütetermin (§ 54 ArbGG) — obligatorisch, schnell angesetzt
  3. Bei Scheitern: Kammertermin (Hauptverhandlung)
  4. Urteil
  5. Berufung zum Landesarbeitsgericht (§ 64 ArbGG)
  6. Revision zum Bundesarbeitsgericht (§ 72 ArbGG)

Beschlussverfahren (§§ 80 ff. ArbGG)

Für kollektivrechtliche Streitigkeiten (Betriebsverfassung, Mitbestimmung).

Beteiligte: Arbeitgeber / Betriebsrat / Gewerkschaft. Keine Parteien im zivilprozessualen Sinne — im Aktenauszug „Antragsteller" und „Antragsgegner" verwenden.

Kritische Fristen (ArbGG / KSchG)

Frist Norm Dauer Besonderheit
Kündigungsschutzklage § 4 KSchG 3 Wochen ab Zugang Kündigung — NOTFRIST
Berufungsfrist § 66 Abs. 1 ArbGG 1 Monat ab Zustellung Urteil
Berufungsbegründungsfrist § 66 Abs. 1 ArbGG 2 Monate ab Zustellung Urteil
Revisionsfrist § 74 Abs. 1 ArbGG 1 Monat ab Zustellung Urteil

Besondere Hervorhebung: Die Dreiwochenfrist des § 4 KSchG ist absolut — bei Versäumnis gilt die Kündigung als wirksam (§ 7 KSchG), selbst wenn sie materiell unwirksam wäre. Nachträgliche Zulassung nur unter engen Voraussetzungen (§ 5 KSchG).

Besonderheiten Gütetermin

  • Gütetermin findet regelmäßig wenige Wochen nach Klageeingang statt
  • Richter versucht aktiv Vergleich herbeizuführen
  • Bei Einigung im Gütetermin: Prozessvergleich (§ 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO)
  • Im Aktenauszug: Güteterminsdatum und Ergebnis (Einigung / Scheitern) hervorheben
  • Abfindungserwartung Faustformel: 0,5 Bruttomonatsgehaelter pro Beschaeftigungsjahr

Besonderheiten Beschlussverfahren

  • Untersuchungsgrundsatz (§ 83 ArbGG) — Gericht ermittelt von Amts wegen
  • Beteiligte können unbeschränkt Anträge stellen
  • Rechtskraft des Beschlusses nur für Beteiligte

Kostenrecht (§ 12a ArbGG)

Keine Kostenerstattung für Anwaltskosten in erster Instanz — im Aktenauszug auf Besonderheit hinweisen.

Besonderheiten im Aktenauszug

  • Stets KSchG-Klagefrist und Zugang der Kündigung prominent darstellen
  • Gütetermin als eigenen Verfahrensschritt in der Verfahrenschronologie
  • Bei Betriebsratsanhörung (§ 102 BetrVG): Datum und Ordnungsgemäßheit in der Sachverhaltschronologie
  • Massenentlassung (§ 17 KSchG): Anzeige bei Agentur für Arbeit als eigenes Ereignis

Output-Template Kammertermin-Vorbereitung

Adressat: Sachbearbeiter — Tonfall: sachlich-juristisch

TERMINSVORSCHAU — [AKTENZEICHEN]
Termin: [DATUM] [UHRZEIT] — ArbG [ORT] Saal [X]
Verfahren: [KURZBEZEICHNUNG]
Klagefrist gewahrt: Ja / Nein (§ 4 KSchG — Zugang [DATUM] + 21 Tage = [FRISTENDE])
BR-Anhoerung: Ja / Nein / unklar
Guetetermin: [DATUM] — [ERGEBNIS]
Aktuelle Antraege: 1. Feststellungsklage § 4 KSchG; 2. [...]
Streitige Punkte: [LISTE]
Vergleichsspielraum: [BETRAG] / offenes Zeugnis / beides