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2026-05-27 22:14:48 +02:00

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negative-codeworte-katalog Erweiterter Katalog negativer Codeworte und ihrer kodierten Bedeutung. Erfasst die thematischen Cluster Alkohol und Suchtmittel, Krankheitshaeufung, Konflikte, Diebstahl und Vertrauensbruch, mangelnde Loyalitaet, schwierige Persoenlichkeit, sexuelle Verfehlungen, Betriebsratstätigkeit und Mitlaeufertum. Jede Formulierung ist einer Bedeutung und einer Ampel zugeordnet.

Negative Codeworte und ihre kodierte Bedeutung

Neben der Notenskala kennt die Zeugnissprache eine zweite Schicht: thematische Codeworte, die scheinbar positive Aussagen treffen, aber konkrete Negativinformationen tragen. Sie sind das eigentliche Geheimcode-System, das die Notenskala umgeht und gezielt fuer Eingeweihte sichtbar wird. Wer als Personalverantwortlicher solche Formulierungen sieht, weiss sofort, was gemeint ist; ein juristischer Laie liest sie als Lob.

Dieser Katalog ist alphabetisch nach thematischen Clustern geordnet. Die genannten Formulierungen sind die haeufigsten Auspraegungen; das System ist lebendig und entwickelt regelmaessig neue Varianten. Wer den Mechanismus verstanden hat, erkennt auch neue Codeworte am Muster: positiv klingende Aussage, die in einem normalen Zeugnis nichts verloren haette, weil sie eine Selbstverstaendlichkeit explizit hervorhebt.

Die juristische Bewertung folgt einem konstanten Schema: solche Codeworte sind nach § 109 GewO unzulaessig, weil sie das berufliche Fortkommen unnoetig erschweren und gegen das Wohlwollensgebot verstossen. Selbst wenn die kodierte Aussage wahr ist, muss sie offen formuliert oder ganz weggelassen werden. Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Berichtigung, sobald ein solches Codewort nachgewiesen ist.

Mehrere Codeworte derselben Familie in einem Zeugnis sind ein noch staerkeres Signal als ein Einzelcodewort. Ein Zeugnis, das Ehrlichkeit, Korrektheit und Integritaet explizit lobt, ohne dass die Position dies erforderlich macht, ist ein klares Diebstahls-Signal — eine einzelne Erwaehnung der Ehrlichkeit wirkt schon verdaechtig, drei Erwaehnungen sind eindeutig.

Geheimcode-Regeln

Alkohol und Suchtmittel

Formulierung Bedeutung Ampel
„trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" Alkohol- oder Drogenproblem Rot
„war stets gesellig" Trinkgewohnheit Rot
„war fuer Aufgaben im Aussendienst geeignet" (ohne Kontext) Wurde aus dem Innendienst entfernt Rot
„pflegte einen kollegialen Umgang am Feierabend" Trinkkultur Rot

Krankheit und Fehlzeiten

Formulierung Bedeutung Ampel
„war im Rahmen seiner Anwesenheit engagiert" Hohe Fehlzeiten Rot
„nutzte die ihm gegebenen Moeglichkeiten" Hohe Krankenstand Rot
„erledigte die Aufgaben zuverlaessig, wenn er anwesend war" Krankheitsbedingte Ausfaelle Rot
„zeigte trotz seiner Beeintraechtigungen Einsatzbereitschaft" Chronische Erkrankung Rot

Diebstahl und Vertrauensbruch

Formulierung Bedeutung Ampel
„zeigte sich Mitarbeitern und Kunden gegenueber verstaendnisvoll" Sexuelle Annaeherung oder Belaestigung Rot
„war ehrlich und korrekt" (ohne Kontext) Diebstahlsverdacht Rot
„erledigte die ihm uebertragenen Geldgeschaefte zuverlaessig" Eigentumsdelikt im Hintergrund Rot
„achtete auf eine korrekte Abrechnung" (bei Nichtkassenposition) Unregelmaessigkeiten beim Vorgaenger Rot

Konflikte und schwierige Persoenlichkeit

Formulierung Bedeutung Ampel
„pflegte einen direkten und offenen Kommunikationsstil" Grob, schwierig im Umgang Rot
„setzte seine Meinung mit Nachdruck durch" Sturkoepfig, nicht kompromissfaehig Rot
„war fuer seine Ansichten bekannt" Querulant Rot
„brachte sich engagiert in Diskussionen ein" Konfliktfreudig Orange bis Rot
„hatte eine eigene Art" Persoenlichkeitsstoerung-Signal Rot
„war bei seinen Kollegen wegen seiner umgaenglichen Art beliebt" Mitlaeufer, ohne eigene Leistung Orange

Loyalitaet und Verlaesslichkeit

Formulierung Bedeutung Ampel
„identifizierte sich mit den von ihm uebernommenen Aufgaben" Identifikation mit dem Unternehmen fehlt Rot
„achtete auf die Vertraulichkeit dienstlicher Angelegenheiten" (auffaellig betont) Verstoss gegen Verschwiegenheit Rot
„war im Rahmen seiner Faehigkeiten loyal" Eingeschraenkte Loyalitaet Rot
„nahm an Veranstaltungen teil" (statt: war engagiert) Distanz Orange

Betriebsratstaetigkeit und gewerkschaftliche Aktivitaet

Formulierung Bedeutung Ampel
„setzte sich auch fuer die Belange der Belegschaft ein" Betriebsratsmitglied (verschluesselt) Orange
„brachte sich in Mitarbeiterfragen aktiv ein" Gewerkschaftliche Taetigkeit Orange
„nahm seine Mitwirkungsrechte umfassend wahr" Aktiver Betriebsrat Orange

Sexuelle Verfehlungen

Formulierung Bedeutung Ampel
„war beliebt bei Mitarbeiterinnen" Sexuelle Belaestigung Rot
„brachte einen Hauch von Frische in das Team" Sexuelle Annaeherung Rot
„pflegte einen umgaenglichen Stil mit dem weiblichen Personal" Unangemessene Kontakte Rot

Mitlaeufertum und Passivitaet

Formulierung Bedeutung Ampel
„fuegte sich gut in die Hierarchie ein" Mitlaeufer, keine Eigeninitiative Orange
„akzeptierte Entscheidungen seiner Vorgesetzten" Keine eigene Meinung Orange
„erledigte die ihm zugewiesenen Aufgaben" Reine Erfuellung, kein Engagement Orange
„zeigte sich anpassungsfaehig" Opportunist Orange

Auslassungssignale (Schweigen als Code)

Schweigen Bedeutung Ampel
Keine Aussage zur Ehrlichkeit bei Kassentaetigkeit Vertrauensproblem Rot
Keine Aussage zur Loyalitaet bei Fuehrungskraft Loyalitaetsproblem Rot
Keine Aussage zur Belastbarkeit bei stressrelevanter Position Belastbarkeitsdefizit Rot
Keine Aussage zum Kundenverhalten bei Kundenposition Kundenproblem Rot

Beispiele

Beispiel 1 Alkohol-Code: Buchhalter erhaelt ein Zeugnis mit dem Satz „trug stets zur Verbesserung des Betriebsklimas bei". Position erfordert diesen Hinweis nicht, der Satz steht isoliert. → Codewort fuer Trinkproblem, Rot, berichtigungsfaehig.

Beispiel 2 Diebstahls-Code bei Kassiererin: „Sie war ehrlich und korrekt und achtete auf eine sorgfaeltige Abrechnung." → Bei Kassenposition ist die Ehrlichkeit eine Selbstverstaendlichkeit, ihre explizite Hervorhebung signalisiert Probleme im Hintergrund. Rot, berichtigungsfaehig.

Beispiel 3 Konflikt-Code: „Herr Klein pflegte einen direkten und offenen Kommunikationsstil und brachte sich engagiert in Diskussionen ein." → Doppelcode, signalisiert schwieriges Sozialverhalten. Rot, berichtigungsfaehig.

Beispiel 4 Loyalitaets-Auslassung: Zeugnis einer Geschaeftsfuehrerin enthaelt zu allen anderen Sozialaspekten Aussagen, aber kein Wort zur Loyalitaet gegenueber dem Unternehmen. → Auslassungs-Code, signalisiert Loyalitaetsproblem. Rot, berichtigungsfaehig.

Beispiel 5 Mitlaeufer-Code: „Frau Bauer fuegte sich gut in die Hierarchie ein und akzeptierte Entscheidungen ihrer Vorgesetzten." → Doppelcode fuer Passivitaet ohne Eigeninitiative. Orange.

Beispiel 6 Betriebsrats-Code: „Herr Wagner nahm seine Mitwirkungsrechte umfassend wahr." → Verschluesselter Hinweis auf aktive Betriebsratstaetigkeit. Orange, berichtigungsfaehig wegen Diskriminierungsverbot.

Ausgabeformat

Der Skill identifiziert in einem eingegebenen Zeugnis alle erkennbaren Codeworte und gibt sie tabellarisch aus mit den Spalten: Codewort, Cluster, Bedeutung, Ampel, juristische Bewertung (zulaessig nach § 109 GewO oder nicht), Empfehlung (Berichtigungsverlangen, Klage, Akzeptanz). Bei mehreren Codeworten derselben Familie wird die Mehrfacherkennung als verstaerktes Signal markiert. Auslassungssignale werden mit „fehlend" eingetragen.

Rechtliche Einordnung und Normen

  • § 109 GewO — Anspruch auf qualifiziertes wohlwollendes Zeugnis
  • § 109 Abs. 2 GewO — Klarheits- und Wahrheitspflicht; kodierte Negativaussagen unzulässig

Aktuelle Rechtsprechung

  • BAG, Urt. v. 18.11.2014 — 9 AZR 584/13, NZA 2015, 345 — Beweislastverteilung: Note schlechter als befriedigend beweist Arbeitgeber; Note besser als befriedigend beweist Arbeitnehmer; diese Verteilung gilt für alle notenrelevanten Bestandteile.
  • BAG, Urt. v. 12.08.2008 — 9 AZR 632/07, BAGE 127, 232 — Wohlwollensgebot: Arbeitgeber muss Formulierungen wählen, die Fortkommen nicht unnötig erschweren; Berichtigungsanspruch bei Verstoß.