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IDW S 6 – Kernelemente eines Sanierungskonzepts (Strukturmatrix)
Auszug, angepasst für die Anwendung im Skill
stb-liquiditaetsvorschau-3-6-12-monate. Maßgeblich ist der aktuelle Wortlaut der IDW-Verlautbarung. Zitierweise: „IDW S 6, Tz. ..."
1. Auftrag und Auftragsdurchführung
- Auftragsgegenstand, Auftraggeber, Stichtag, Berichtsadressaten.
- Abgrenzung zu IDW S 11 (Insolvenzeröffnungsgründe) und IDW S 9 (Bescheinigung StaRUG).
2. Basisinformationen
- Rechtsverhältnisse (Gesellschaft, Gesellschafter, Konzern, Anstellungs- und Pensionsverhältnisse).
- Wirtschaftliches Umfeld (Branche, Markt, Wettbewerb).
- Interne Organisation (Strategie, Strukturen, Prozesse).
- Vergangenheitsbezogene wirtschaftliche Lage (3 Jahre + aktuelles Jahr).
3. Krisenstadium und Krisenursachen
- Krisenstadien (Hauschka-Krisenmodell, IDW S 6 Tz. 5 ff.):
- Stakeholderkrise
- Strategiekrise
- Produkt- und Absatzkrise
- Erfolgskrise
- Liquiditätskrise
- Insolvenzreife
- Krisenursachen intern (Management, Strukturen, Produkte) und extern (Markt, Konjunktur, Lieferketten).
4. Leitbild des sanierten Unternehmens
- Geschäftsmodell post-Sanierung.
- Marktpositionierung, Differenzierung.
- Branchenübliche Ertragskraft, Wettbewerbsfähigkeit.
- Belastbarkeit der Renditeerwartungen.
5. Maßnahmen zur Krisenbewältigung
- Leistungswirtschaftlich: Produkt-Portfolio, Vertrieb, Beschaffung, Produktion, Personal, Organisation.
- Finanzwirtschaftlich: Innenfinanzierung (Working-Capital, Asset-Deals), Außenfinanzierung (Eigenkapital, Mezzanine, Fremdkapital, Stundungen, Forderungsverzichte, Debt-to-Equity-Swap, Rangrücktritte).
- Zeitlich gestaffelt: kurzfristige Liquiditätssicherung (0–3 Monate), mittelfristige Maßnahmen (4–12 Monate), nachhaltige Maßnahmen (12–24 Monate).
6. Integrierte Unternehmensplanung
- Erfolgsplanung (G+V) min. 24 Monate.
- Bilanzplanung zum 31.12. des Plan-/Folgejahres.
- Liquiditätsplanung Wochenraster 13 Wochen, Monatsraster bis 24 Monate (Übergabe vom Skill).
- Verzahnung: keine Doppelannahmen.
- Sensitivitätsanalysen (Best/Base/Worst).
- Schlüssige Annahmen mit Quellenangabe.
7. Aussage zur Sanierungsfähigkeit
- Eintritt nachhaltige Sanierungsfähigkeit = überwiegend wahrscheinlich, dass am Ende des Planungszeitraums branchenübliche Ertragskraft und angemessene Eigenkapitalausstattung erreicht werden.
- Davon zu trennen: positive Fortführungsprognose nach § 19 Abs. 2 InsO – Maßstab ist überwiegende Wahrscheinlichkeit der Zahlungsfähigkeit in den nächsten 12 Monaten (BGH NJW 2020, 1809 Rn. 18). Eine positive Fortführungsprognose IDW-S-11-mäßig ist ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Element der Sanierungsfähigkeit IDW-S-6-mäßig.
8. Zusammenfassung und Empfehlungen
- Klare Aussage: positive oder negative Sanierungsfähigkeit; positive oder negative Fortführungsprognose.
- Bedingungen, unter denen die positive Aussage steht (Maßnahmenpaket, Finanzierungszusagen, Gesellschafterbeiträge).
Querverweise
- IDW S 11 (Insolvenzeröffnungsgründe) – für Liquiditätsstatus und Überschuldungsstatus.
- IDW S 9 (Bescheinigung StaRUG) – wenn StaRUG-Restrukturierungsverfahren in Betracht kommt.
- BGH BGHZ 163, 134 (§ 17 InsO).
- BGH NJW 2020, 1809 (§ 19 InsO Fortbestehensprognose).
- BGH BGHZ 195, 42 (insolvenzrechtliche vs. handelsbilanzielle Überschuldung).