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dsar-response Bearbeitung von Betroffenenanfragen nach Art. 1522 DSGVO: geführter Ablauf von Eingangsklassifikation über Identitätsprüfung und Systemabfrage bis zum Antwortentwurf. Fristen nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO werden automatisch berechnet. Ausnahmen nach §§ 34, 35 BDSG werden geprüft. de
Betroffenenanfrage
Auskunftsanfrage
DSAR
Löschantrag
Widerspruch
Art. 15
Art. 17
Art. 21
Datenkopie

Betroffenenanfragen Art. 1522 DSGVO

Zweck

Strukturierter Workflow zur vollständigen Bearbeitung eingehender Betroffenenanfragen. Vom ersten Eingang bis zum versandfertigen Antwortentwurf: Klassifikation, Fristberechnung, Identitätsprüfung, Systemabfrage, Ausnahmenprüfung und formgerechte Antwort. Alle Fristen werden aus dem Eingangsdatum berechnet; Verlängerungsoptionen nach Art. 12 Abs. 3 Satz 2 DSGVO werden geprüft.

Eingaben

  • Art der Anfrage (Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenportabilität, Widerspruch, Einwilligungswiderruf)
  • Eingangsdatum der Anfrage
  • Name, E-Mail-Adresse oder sonstige Angaben des Antragstellers
  • Praxisprofil aus CLAUDE.md (Systemliste, Identifikationsstandard, DSB)
  • Optional: Dokument oder E-Mail der Anfrage

Ablauf

  1. Eingangsklassifikation.

    • Anfrage-Art bestimmen: Auskunft (Art. 15), Berichtigung (Art. 16), Löschung (Art. 17), Einschränkung (Art. 18), Datenportabilität (Art. 20), Widerspruch (Art. 21), Einwilligungswiderruf (Art. 7 Abs. 3)?
    • Mehrfachanfragen erkennen (häufig: kombinierter Auskunfts- und Löschantrag).
    • Handelt es sich um ein Auskunftsersuchen nach IFG/UIG statt DSGVO? (Abgrenzung bei öffentlichen Stellen)
  2. Fristberechnung.

    • Grundfrist: 1 Monat ab Eingang, Art. 12 Abs. 3 Satz 1 DSGVO.
    • Verlängerung um bis zu 2 Monate möglich bei Komplexität oder Vielzahl von Anfragen, Art. 12 Abs. 3 Satz 2 DSGVO.
    • Verlängerung erfordert Mitteilung an Betroffenen innerhalb der 1-Monatsfrist mit Begründung.
    • Fristende berechnen: [Eingangsdatum + 1 Monat] = [Datum]. Verlängerung bis [Datum + 2 Monate].
    • Wochenenden und Feiertage: § 193 BGB, Art. 3 Abs. 4 EuGH-Verfahrensordnung (natürliches Monatsende).
  3. Identitätsverifikation.

    • Ist die Identität des Antragstellers ausreichend nachgewiesen?
    • Standard aus CLAUDE.md anwenden.
    • Art. 12 Abs. 6 DSGVO: Bei begründeten Zweifeln kann zusätzliche Information angefordert werden aber keine unverhältnismäßige Identifikationshürde (vgl. EDSA-Leitlinien 01/2022 zu DSAR, Abschn. 3.2).
    • Identitätsprüfung bei Online-Diensten: Konto-Login-Bestätigung oder sichere Alternative; keine Ausweis-Kopien ohne konkreten Zweck (Daten dürfen nicht für andere Zwecke genutzt werden).
  4. Systemabfrage.

    • Alle relevanten Systeme aus der Systemliste in CLAUDE.md durchgehen.
    • Kategorien: CRM, ERP, E-Mail-Archiv, Protokolldateien, Backups, Cloud-Dienste, Sub-AV-Systeme.
    • Für jeden Treffer: Datenkategorie, Verarbeitungszweck, Rechtsgrundlage, Empfänger, Speicherfrist notieren.
    • Keine eigenmächtige Löschung vor Abschluss der Prüfung (Dokumentationspflicht Art. 5 Abs. 2 DSGVO).
  5. Ausnahmenprüfung.

    • § 34 BDSG (Auskunftsverweigerung, z.B. zur Abwehr von Straftaten, Geschäftsgeheimnisse)
    • § 35 BDSG (eingeschränkte Löschung, z.B. gesetzliche Aufbewahrungsfristen)
    • Art. 17 Abs. 3 DSGVO (kein Löschrecht bei gesetzlicher Aufbewahrungspflicht, Geltendmachung/Verteidigung von Rechtsansprüchen)
    • Art. 15 Abs. 4 DSGVO (Datenkopie darf Rechte Dritter nicht beeinträchtigen)
    • Berufsgeheimnisschutz bei Kanzleien / medizinischen Einrichtungen (§ 203 StGB)
    • Für jede angewandte Ausnahme: konkrete Norm und Begründung dokumentieren.
  6. Antwortentwurf erstellen.

    • Adressierung korrekt (Name, Adresse aus Anfrage).
    • Positiv-Auskunft oder begründete Ablehnung/Einschränkung.
    • Bei Auskunft: vollständige Informationen nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO (alle 9 Ziffern) + ggf. Datenkopie Art. 15 Abs. 3 DSGVO.
    • Hinweis auf Beschwerderecht bei Aufsichtsbehörde (Art. 77 DSGVO) in jedem Ablehnungsschreiben.
    • Hinweis auf Klagerecht Art. 79 DSGVO.
    • Keine Gebühren für Erstauskunft; bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Folgeanfragen: angemessenes Entgelt oder Ablehnung nach Art. 12 Abs. 5 DSGVO.
  7. Dokumentation.

    • Eingang, Frist, Bearbeitungsschritte, Ausnahmen, Ergebnis im Datenschutzregister erfassen.
    • Art. 5 Abs. 2 DSGVO (Rechenschaftspflicht).

Quellen und Zitierweise

Verbindlich nach ../../references/zitierweise.md.

  • Art. 12 Abs. 3, 4, 5, 6 DSGVO (Fristen, Kosten, Identitätsprüfung)
  • Art. 15 DSGVO (Auskunftsrecht, Inhalt)
  • Art. 16 DSGVO (Berichtigung)
  • Art. 17 DSGVO (Löschung, Ausnahmen)
  • Art. 18 DSGVO (Einschränkung)
  • Art. 20 DSGVO (Datenportabilität)
  • Art. 21 DSGVO (Widerspruch)
  • Art. 77 DSGVO (Beschwerderecht Aufsichtsbehörde)
  • §§ 34, 35 BDSG (Auskunfts- und Löscheinschränkungen)
  • EuGH, Urt. v. 26.10.2023 C-307/22 (FT/BFI), NJW 2023, 3548 Umfang Datenkopie Art. 15 Abs. 3 DSGVO [Modellwissen prüfen]
  • BGH, Urt. v. 15.06.2021 VI ZR 576/19, NJW 2021, 3179 Auskunftsumfang Art. 15 DSGVO im Arbeitsrecht
  • Kamlah, in: Plath, DSGVO/BDSG, 3. Aufl. 2021, Art. 15 Rn. 1 ff.
  • Dix, in: Simitis/Hornung/Spiecker, Datenschutzrecht, 1. Aufl. 2019, Art. 15 Rn. 1 ff.
  • Schulze, in: BeckOK DSGVO, 16. Ed. (Stand 01.11.2024), Art. 15 Rn. 1 ff.

Ausgabeformat

  1. Kopfzeile: Anfrage-Art, Eingangsdatum, Fristdaten (1 Monat / Verlängerung), Bearbeiter
  2. Klassifikations-Ergebnis
  3. Identitätsverifikations-Status
  4. Systemabfrage-Ergebnisse (Tabelle: System | Datenfund | Zweck | Rechtsgrundlage | Frist)
  5. Ausnahmenprüfung (tabellarisch: Norm | anwendbar | Begründung)
  6. Antwortentwurf (druckreif, Briefkopf-Format, ohne Plugin-Kommentare im Text)
  7. Dokumentations-Eintrag für Datenschutzregister

Beispiel (Auskunftsanfrage)

Sachverhalt: Frau M. stellt am 03.06.2024 per E-Mail eine Auskunftsanfrage gemäß Art. 15 DSGVO und bittet zusätzlich um Herausgabe einer Datenkopie (Art. 15 Abs. 3 DSGVO). Kein Kundenkonto, Identität nur per E-Mail bekannt.

Frist: Grundfrist endet am 03.07.2024. Verlängerung (Art. 12 Abs. 3 Satz 2 DSGVO) bis 03.09.2024 möglich; Mitteilung an Frau M. spätestens 03.07.2024 erforderlich.

Identität: E-Mail-Adresse allein reicht bei reinen Newsletter-Abonnenten aus, wenn keine weiteren personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Vgl. EDSA-Leitlinien 01/2022, Abschn. 3.2: Verhältnismäßigkeit der Verifikation.

Datenkopie (Art. 15 Abs. 3 DSGVO): Der EuGH hat in EuGH, Urt. v. 26.10.2023 C-307/22 (FT/BFI) festgestellt, dass Art. 15 Abs. 3 DSGVO eine vollständige Kopie der verarbeiteten personenbezogenen Daten (nicht nur eine Zusammenfassung) umfasst. [Modellwissen prüfen] Sofern Rechte Dritter tangiert (Art. 15 Abs. 4 DSGVO), sind betroffene Passagen zu schwärzen.

Ausnahmen: § 34 BDSG: keine einschlägigen Tatbestände. Art. 17 Abs. 3 DSGVO: nicht relevant (kein Löschantrag). Keine weiteren Ausnahmen erkennbar.

Antwortentwurf-Auszug:

Sehr geehrte Frau M., vielen Dank für Ihre Anfrage vom 03.06.2024. Gemäß Art. 15 Abs. 1 DSGVO teilen wir Ihnen mit, dass wir folgende personenbezogene Daten über Sie verarbeiten: [Auflistung]. Die Verarbeitung erfolgt zu folgenden Zwecken: [Zwecke], auf Grundlage von [Rechtsgrundlagen]. Im Übrigen stehen Ihnen die in Art. 1621 DSGVO genannten Rechte zu. Sollten Sie mit unserer Antwort nicht zufrieden sein, steht Ihnen das Beschwerderecht bei der zuständigen Aufsichtsbehörde ([LfDI/BfDI]) gemäß Art. 77 DSGVO sowie das Klagerecht nach Art. 79 DSGVO zu.

Risiken / typische Fehler

  • Fristversäumnis: Art. 12 Abs. 4 DSGVO Untätigkeit gilt als Ablehnung, eröffnet Klagerecht Art. 79 DSGVO und Beschwerde Art. 77 DSGVO. Fristmitteilung bei Verlängerung ist eigenständige Pflicht.
  • Unvollständige Systemabfrage: Art. 5 Abs. 2 DSGVO (Rechenschaftspflicht) verpflichtet zu nachweisbarer vollständiger Prüfung. Backup-Systeme und Archive werden häufig vergessen.
  • Übermäßige Identitätshürde: Passverlangen ohne Anlass verletzt Art. 12 Abs. 6 DSGVO; EDSA warnt vor übermäßiger Identifizierung als faktischem Abwehrmittel.
  • § 34 BDSG-Ausnahmen ohne Dokumentation: Ausnahme muss einzelfallbezogen begründet sein; pauschale Verweigerung „wegen Geschäftsgeheimnisse" ist nicht ausreichend.
  • Datenkopie-Format: Art. 15 Abs. 3 DSGVO verlangt keine bestimmte Form; ein „strukturiertes, maschinenlesbares Format" ist bei Art. 20 DSGVO (Portabilität) vorgeschrieben, nicht bei Art. 15 Abs. 3 DSGVO Verwechslung vermeiden.
  • Verjährung von Schadensersatzansprüchen: BGH, Urt. v. 12.07.2022 VI ZR 7/21, NJW 2022, 3071: Art. 82 DSGVO-Schadensersatz setzt einen konkreten Schaden voraus, aber schon Kontrollverlust kann genügen. Fehlerhaft bearbeitete Betroffenenanfragen begründen Haftungsrisiko.